Die Bahnstrecke Leipzig–Probstzella ist eine Hauptbahn in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, die ursprünglich in Form einer preußischen Staatseisenbahn und als Teil einer Fernverbindung zwischen Berlin und München erbaut und betrieben wurde. Sie verläuft von Leipzig durch das Tal der Weißen Elster über Zeitz, Gera, Triptis, durch die Orlasenke und Saalfeld nach Probstzella. Ihr nominaler Endpunkt befindet sich an der thüringisch-bayerischen Landesgrenze bei Ludwigsstadt. Da sie parallel zur Bahnstrecke Großheringen–Saalfeld, aber höher als diese verläuft, wird sie auch „Obere Bahn“ genannt.

Geschichte 1859–1885, Die Anfänge Die hier betrachtete Bahnstrecke besteht aus mehreren Teilabschnitten mit unterschiedlicher Entstehungsgeschichte. Das zweite Viertel der Bahnstrecke wurde am 18. März 1859 von der Thüringischen Eisenbahn-Gesellschaft eröffnet. Damals wurde eine Strecke von Weißenfels (dort Anschluss an die 1846 erbaute Thüringer Bahn) über Zeitz nach Gera errichtet. Sie war die erste Strecke, die die damals etwa 14.000 Einwohner zählende Hauptstadt des Fürstentums Reuß jüngerer Linie, Gera, erreichte. Der nördliche Teil zwischen Zeitz und Leipzig konnte 1873 dem Verkehr übergeben werden.

Die Kernabschnitte, die Bahnstrecke Gera–Eichicht (Gera-Eichichter Bahn) wurde am 20. Dezember 1871 eröffnet, zunächst als Aktiengesellschaft. Für die anliegenden Orte war sie von großer Bedeutung. Durch sie konnte die Textilindustrie und Lederindustrie in der Orlasenke, ganz besonders in Pößneck, vor dem Ersten Weltkrieg rasant wachsen. Pößneck wurde dadurch neben Apolda und Greiz zum Zentrum der thüringischen Textilindustrie, allerdings begrenzte die ungünstige topografische Lage der Bahn später das Wachstum der Industrie. Da keine Anschlussgleise direkt in die Betriebe gebaut werden konnten, blieb Pößneck in der industriellen Entwicklung letztlich hinter Zeitz oder Gera zurück. Von Bedeutung war und ist dieser Abschnitt auch für die Maxhütte (Unterwellenborn) bzw. das heutige Stahlwerk Thüringen. Als die Strecke 1871 erbaut wurde, führte sie durch folgende Staaten (ab Gera): Reuß jüngerer Linie, Sachsen-Weimar-Eisenach, Preußen, Sachsen-Meiningen, Preußen, Schwarzburg-Rudolstadt, Sachsen-Meiningen. Der vorläufige Endpunkt in Eichicht wurde gewählt, da die Weiterführung und der Anschluss nach Bayern noch ungeklärt waren. 1882 erfolgte die Verstaatlichung und die Verbindung wurde in die preußischen Staatseisenbahnen eingegliedert. 1885 wurde schließlich mit der Verbindung zur Frankenwaldbahn bei Probstzella die Gesamtstrecke fertiggestellt. Bis zur Inbetriebnahme der Verbindungskurve zwischen der Bahnstrecke Halle–Bebra und der Bahnstrecke Großheringen–Saalfeld bei Großheringen im Jahr 1900 war sie neben der Sächsisch-Bayerischen Eisenbahn die wichtigste Verbindung zwischen Preußen und Bayern. Obwohl sich die 25 km kürzere Bahnstrecke Großheringen–Saalfeld zur bedeutenderen Nord-Süd-Verbindung entwickelte, blieb sie weiterhin eine Fernverkehrsstrecke von Leipzig im Norden nach Nürnberg im Süden.

1885–1945, Aufschwung und Ausbau

Um 1900 wurden erhebliche Investitionen in die Strecke vorgenommen, mehrere Bahnhöfe wurden ausgebaut (u. a. Crossen (Elster) mit Bahnsteigdach und Unterführung, in Gera Hbf entstand 1911 die Bahnhofshalle). 1920 ging die preußische Staatsbahn in der Deutschen Reichsbahn auf, welche fortan die Strecke betrieb. Weiterhin erfolgte der zweigleisige Ausbau, so dass im Ergebnis vor dem Zweiten Weltkrieg die gesamte Strecke zweigleisig ausgebaut war. Für den Abschnitt zwischen Saalfeld und Probstzella erfolgte bis 1939 die Elektrifizierung. Schwer zerstört wurde wenige Tage vor Ende des Zweiten Weltkrieges der Bahnhof Saalfeld (Saale). Im Rahmen der Reparationsleistungen an die Sowjetunion wurden sämtliche Anlagenteile für den elektrischen Betrieb und zusätzlich das zweite Gleis der gesamten Strecke abgebaut und abtransportiert.

1945–1993, Zeit der Deutschen Reichsbahn

Die Reichsbahndirektion Erfurt übernahm am 1. September 1945 von der Reichsbahndirektion Nürnberg den anschließenden Abschnitt der Bahnstrecke Hochstadt-Marktzeuln–Probstzella zwischen Probstzella und der Zonengrenze. Die Direktionsgrenze befand sich danach bei Kilometer 166,66.

Aufgrund der Teilung Deutschlands verlor der Streckenabschnitt südlich von Saalfeld in den folgenden vier Jahrzehnten stark an Bedeutung. Allerdings verkehrten hier mehrere Schnellzüge sowohl als Züge des Wechselverkehrs zwischen beiden Teilen des geteilten Deutschlands als auch als Transitzüge zwischen den Westsektoren von Berlin und der Bundesrepublik. Hohe Bedeutung besaß der Güterverkehr. Die bei Profen gewonnene Rohbraunkohle wurde in Veredlungswerke im Raum Leipzig – Zeitz gefahren, in der DDR von hoher Bedeutung, da Braunkohle der wichtigste Energieträger war. Wegen des Tagebaus Zwenkau musste die Strecke 1978 bei Eythra und Knautnaundorf neu trassiert werden. Das zweite Gleis wurde zwischen Leipzig Hbf und der Abzw Zangenberg, zwischen Gera Hbf und Gera Süd sowie zwischen Unterwellenborn und Saalfeld wiederhergestellt. Zwischen Gera und Gera Süd lagen bis etwa 1946 allerdings vier Gleise.

Aufgrund der hierarchisch-zentralistischen Struktur der DDR bestand ein großer Bedarf im Personenverkehr zwischen dem ab 1952 als Bezirksstadt fungierenden Gera und der Hauptstadt Berlin. Mit Einführung des Städteschnellverkehrs 1968 (Schnellzüge) und des Städteexpress „Elstertal“ 1976 gab es im Teilabschnitt Gera – Leipzig zwei hochwertige Schnellverbindungen mit Speisewagen direkt nach Berlin. In den Jahren 1980 und 1981 wurde darüber hinaus der Expresstriebwagen „Karola“ Leipzig–Karlsbad über Gera geleitet. An höherwertigen Zügen befuhren die Gesamtstrecke viele Jahre das Schnellzugpaar 402/403 Leipzig–Nürnberg und vier Eilzugpaare (ein Durchlauf nach Sonneberg). Für den Berufsverkehr zur Maxhütte Unterwellenborn verkehrten täglich mehrere (öffentliche) Züge zwischen Pößneck / Oppurg und Saalfeld.

Ab 1956 war für eine Inbetriebnahme 1967 die Elektrifizierung zwischen Leipzig und Gera geplant, der Plan wurde 1959 jedoch wieder fallengelassen.

1993 bis heute

Nach der Deutschen Wiedervereinigung wurde der Abschnitt zwischen Saalfeld und Probstzella wieder zweigleisig ausgebaut, elektrifiziert und für den Einsatz von aktiver Neigetechnik ertüchtigt.

Auch die Elektrifizierung Leipzig–Gera–Saalfeld sowie der vollständige Wiederaufbau des zweiten Gleises war noch 1990 konkret geplant, die Eröffnung sollte um 1996 erfolgen. Spätestens nach der Übernahme durch die Deutsche Bahn AG wurde dieses Vorhaben nicht mehr weiterverfolgt. Noch unter der Regie der Deutschen Reichsbahn erfolgte die Umstellung auf einen Taktfahrplan, womit sich das Zugangebot deutlich verbesserte, auch wenn die Schnell- und Expresszüge entfielen. Auf der bedeutenderen Hauptstrecke zwischen München/Nürnberg und Leipzig über Jena verkehrten im Abschnitt Saalfeld – Probstzella bereits 1990 die ersten Interregio-Züge auf dem Gebiet der Deutschen Reichsbahn, ab 1992 wurde hier eine Intercity-Linie eingerichtet. In den 1990er Jahren gab es zeitweise auch internationalen Verkehr nach Warschau und Zagreb.

Der Bahnhof Gera Hbf wurde nach 2000 aufwändig umgebaut und an die Straßenbahn Gera angebunden. Daneben wurden die Gleisanlagen in Gera weitgehend erneuert. Sowohl in Gera Süd als auch Gera-Zwötzen schuf man zeitgemäße Verknüpfungsstellen zwischen Straßenbahn und Eisenbahn. Von 2002 bis 2007 fuhr zwischen Gera und Rostock über Leipzig und Berlin der Interconnex als privater Fernzug.

2010/11 wurden die Reiseverkehrshalte in Leipzig-Großzschocher, Reuden (b Zeitz), Bornitz (b. Zeitz), Haynsburg und Marktgölitz aufgelassen. Zum Fahrplanwechsel 2011/2012 wurde ferner der Haltepunkt Traun gestrichen. Mit der erfolgten Beschleunigung konnten an den Knoten bessere Anschlüsse geschaffen und die Fahrtzeiten verkürzt werden. Die Fahrgastzahlen stiegen seitdem um 20 Prozent.

Um 2011 wurde als Ersatz der alten Personenverkehrsanlagen des Bahnhofs Leipzig-Leutzsch neu zwei Seitenbahnsteige in Höhe der Georg-Schwarz-Straße errichtet, ebenso ein Mittelbahnsteig an der abzweigenden Strecke 6367.

Aufgrund des sanierungsbedürftigen Zustandes des Liebschwitzer Viadukts der Bahnstrecke Gera Süd–Weischlitz (Langsamfahrstelle mit 10 km/h) prüfte die DB verschiedene Varianten für den Ersatz des Viaduktes. Im Jahr 2016 wurde schließlich ein neuer Abzweig von der Strecke Leipzig–Probstzella bei Wolfsgefärth geschaffen, der am 24. Oktober 2016 wie geplant nach achtmonatiger Bauzeit in Betrieb ging. In dem Zusammenhang wurde der Abschnitt Gera-Debschwitz–Gera-Zwötzen wieder zweigleisig ausgebaut und Gera-Zwötzen erneut als Bahnhof eingerichtet. Er erhielt einen zweiten Bahnsteig, der als Stumpfgleis ausgeführt und für Züge aus Richtung Gera genutzt werden soll. Die durchgehenden Züge nach Zeulenroda, Hof und Saalfeld sowie die Züge nach Greiz und Weischlitz teilen sich die renovierte Bestandsbahnsteigkante.

Baumaßnahmen

Im Zuge der Einbindung des City-Tunnels Leipzig in das Bestandsnetz und für die Vorbereitung des S-Bahn-Betriebes erfolgten auch auf dieser Strecke einige Ausbaumaßnahmen.

So wurden auf dieser Strecke im Zeitraum April 2010 bis Mitte 2012 die Bahnhöfe Leipzig-Leutzsch, Leipzig-Plagwitz und der Haltepunkt Leipzig-Lindenau grundlegend umgebaut. Die Reiseverkehrsanlagen wurden dabei in neuer Lage neugebaut. 20 Kilometer Gleis mit Fahrleitungsanlagen, 45 Weichen und zwei Kilometer Lärmschutzwand wurden errichtet und nicht mehr benötigte Gleisanlagen, insbesondere für den Ortsgüterverkehr, abgebaut. Mehrere Brücken mussten erneuert werden. In beiden Bahnhöfen wurde je ein elektronisches Stellwerk der Bauform Thales L90 errichtet. Damit konnten die Bestandsstellwerke in beiden Bahnhöfen abgelöst werden. Beide Stellwerke werden im Regelbetrieb von der Betriebszentrale in Leipzig ferngesteuert.

Während des reduzierten Zugverkehrs in Folge der Sperrung des Streckenabschnitts zwischen Bamberg und Lichtenfels vom 11. Januar bis 4. September 2016 wurden die Gleisanlagen zwischen Saalfeld und Probstzella (40 km) erneuert.

Für 2,7 Mio. Euro modernisierte die Deutsche Bahn von 2018 bis 2019 die Station Profen inklusive barrierefreiem Ausbau. Das Vorhaben wurde mit Bundes- und Landesmitteln gefördert.

Um eine geplante S-Bahn-Linie im 30-min-Takt zwischen Leipzig und Gera aufnehmen zu können, soll die Strecke zwischen Plagwitz und Gera elektrifiziert und die Zweigleisigkeit über Zeitz hinaus teilweise nach Gera verlängert werden.

Streckenbeschreibung Verlauf

Die Bahnstrecke beginnt in Leipzig-Leutzsch und führt von dort südlich aus der Stadt, anschließend durch die flache Leipziger Tieflandsbucht entlang der Elster durch das ehemalige Mitteldeutsche Braunkohlerevier. In diesem Bereich diente sie früher zum Abtransport der Braunkohle in die umliegenden Kraftwerke. Dieser Güterverkehr ist jedoch stark zurückgegangen. Die Kilometrierung beginnt zusammen mit der der Strecke 6367 nach Großkorbetha im Bahnhof Leipzig Hbf.

Am südlichen Rand der Tieflandsbucht wird Zeitz erreicht. Hier trifft die Bahnstrecke auf andere Strecken, die jedoch seit 1990 teilweise stillgelegt wurden. Die Hügel zu beiden Seiten der Weißen Elster werden hinter Zeitz steiler und bei Ahlendorf (Verwaltungsgemeinschaft Heideland-Elstertal-Schkölen) wird die Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Thüringen passiert. Nun führt die Bahnstrecke in einem Bogen des Elstertals vorbei an den Gemeinden Crossen an der Elster (Saale-Holzland-Kreis) und der Brauereistadt Bad Köstritz (Landkreis Greiz) zum nördlichen Stadtrand von Gera. Vom Bahnhof Crossen an der Elster zweigte bis 1998 die Nebenbahn (Bahnstrecke Crossen–Porstendorf) über Eisenberg und Bürgel nach Porstendorf (nördlich von Jena) ab. Bei Gera-Langenberg wird die Bundesautobahn 4 unterquert, bevor von Westen her in engem Bogen die Strecke von Weimar hinzukommt.

mini|Panorama am Bahnhof Gera