Der Ausdruck Kintopp war in den Anfängen der Filmgeschichte eine gängige Bezeichnung für Kino schlechthin sowie für die ersten funktionierenden Filmkameras. ehemaliges lexikon.meyers.de Der Begriff ist veraltet und wird bisweilen als Synonym für das frühe Filmschaffen verwendet. Die Wortherkunft ist ungewiss.Kluge: Etymologisches Wörterbuch. 23., erweiterte Auflage. Berlin 1999, S. 442. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war die Schreibweise Kientopp üblich.

Verwendungen Ursprünglich ein Berliner Modebegriff, Aus einer Montagszeitung 31. Oktober 1910 in Der Sturm, 1910, Jg. 1, Nr. 37, S. 296–180; The German Early Cinema Database: Document 3917 wurde Kintopp bis über die 1960er Jahre hinaus im Sinne von „Kino“ oder „Kinofilm“ auch im übrigen deutschen Sprachraum verwendet,Kintopp und Kirche. In: Die Zeit, Nr. 28/1954. Beispiel für den damaligen Gebrauch in der überregionalen Presse. vornehmlich im städtischen Raum.siehe auch Lisa Matthias: Ich war Tucholskys Lottchen. Hamburg 1962, S. 5 „1a Kintopp“ konnte „erstklassiger Film“ bedeuten, „wir gehen ins Kintopp“ meinte hingegen das Kinogebäude selbst. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts verwendet man den Begriff allenfalls in nostalgischen Zusammenhängen, zum Beispiel wenn es in Filmfachbüchern um frühe Filmgeschichte geht (etwa Geliebter Kintopp, ein Nachschlagewerk zum deutschen Spielfilm von 1929 bis 1945). Gut gelungene, aber unrealistische Szenen in Film und Fernsehen werden in der Umgangssprache bisweilen noch mit dem Begriff „Kintopp“ belegt.

Eine weitere Nutzung des Wortes gilt, wenn unrealistische, unmögliche Szenen in Kino und Fernsehen vorkommen, zum Beispiel übertriebene Stuntszenen. Die Berliner Band Keimzeit veröffentlichte 1990 den Titel „Kintopp“ auf dem Album Irrenhaus. Der Text geht thematisch auf solche unrealistischen Filmszenen ein: , mögliche Erklärungen: und die Wirkung auf den Zuschauer: .Keimzeit, „Kintopp“ auf Irrenhaus, 1990, Musik & Text Norbert Leisegang.

Zeitdokumente und etymologische Herleitungsversuche Meyers Lexikon online definierte Kintopp neben seiner umgangssprachlichen Bedeutung für Kino als Kurzwort für Kinematograph.

Kluges Etymologisches Wörterbuch gibt als nicht nachweisbare Herleitung die frühe Existenz eines „Kino Topp“ in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts in Berlin-Kreuzberg an, das sich nach einem Gastwirt Alfred Topp benannt habe.Wilfried Seibicke 1987; nach Kluge: Etymologisches Wörterbuch. 23. erw. Auflage. Berlin 1999; S. 442 Das aktuell Moviemento genannte Lichtspieltheater wurde 1907 im Obergeschoss eines neu gebauten Wohn- und Geschäftshauses eingerichtet.Yala Pierenkemper: eisbergonline.de, Künstlerportrait, 24. November 2006.

Nach einer anderen Theorie hängt die Entstehung des Begriffs mit der Ladenkinotradition Berlins zusammen. In der Pionierzeit des Films gab es in diesen Kinos „Vierzehntel-Töppe“, also 400-ml-Gläser Friedensbier im Ausschank für einen Groschen (10 Pfennig) und zum gleichen Preis das Angebot von Stummfilmszenen im „Kinematographen-Theater lebender Photographien“. Dies war für den damaligen Berliner ein unaussprechliches Wortgebilde. So konnte durch Vergleich dieser beiden billigen Genüsse das damalige Sprichwort „Hie Vierzehnteltopp, hie Kintopp“ entstehen. Denn jene „Vierzehnteltöppe“ wurden in den entsprechenden Ladenkinos ausgeschenkt.

Es finden sich Erklärungen, die „Topp“ mit dem griechischen Wort ‚Topos‘ (griech. τόπος = ‚Ort‘) in Verbindung bringen.

Kintopp war wohl im deutschsprachigen Raum auch außerhalb Berlins verbreitet.

Hanns Ewers beanspruchte, dass er das Wort Kintopp erfunden hatte.

Die ersten Kinematographentheater waren auch mit Worten wie „Theater der lebenden Photographien“ und ähnlichen umständlichen Wortkonstruktionen bedacht. Der Begriff „Kintopp“ verbreitete sich, da er einfacher war. Er wurde aber bald negativ und abwertende eingesetzt, für die „positive“ besetzten Bedeutungen der neuen Kunst-Technik verbreitete sich „Lichtspiel“.Eine umfangreiche Zitatesammlung findet sich als The German Early Cinema Database: Document 1099 als „The Documents Collection“ bis 1914.

Es wurde offensichtlich auch die Tätigkeit des „Filmens“ mit diesem Wort bezeichnet:

Filmografie Kintopp Anno dazumal (BRD 1955) ist eine Zusammenstellung von Ausschnitten aus den Anfängen der Filmgeschichte (1910–22/55), und zeigt Darsteller wie Hans Albers, Marlene Dietrich, Erika Glässner, Curt Goetz und Emil Jannings.

Literatur Uta Berg-Ganschow, Wolfgang Jacobsen (Hrsg.): …Film… Stadt… Kino… Berlin… . 1. Auflage. Argon, Berlin 1987, ISBN 3-87024-105-5.

Einzelnachweise

Kategorie:Redewendung Kategorie:Kinogeschichte