Die BMW R 1200 GS Adventure [] ist ein Motorrad des deutschen Fahrzeugherstellers BMW. Die Reiseenduro wurde am 15. November 2005 auf der internationalen Motorradmesse EICMA in Mailand der Presse vorgestellt. Von 2006 bis 2013 wurden 79.118 Adventure auf Basis der BMW R 1200 GS (K25) im BMW-Werk Berlin in Spandau hergestellt. Wie alle Modelle der R-Reihe wird die Adventure von einem Boxermotor angetrieben. Die Modellbezeichnung GS bedeutet Gelände/Straße, der interne Werkscode lautet K25.
Technik Antrieb Der Antrieb erfolgt durch einen luft- und ölgekühlten Zweizylindermotor-Boxermotor mit 1170 cm³ Hubraum. Er leistet und liefert ein maximales Drehmoment von 120 Nm bei 6000/min. mini|links|Zylinderkopf und Antriebsstrang des Boxermotors Die vier Ventile je Zylinderkopf werden von zwei kettengetriebenen, obenliegende Nockenwellen über Tassenstößel angesteuert. Die zwei Zylinder haben eine Bohrung von 101 mm und einen Hub von 73 mm. Das Verdichtungsverhältnis beträgt 12,0 : 1. Aufgrund strenger Abgasvorschriften läuft der Motor sehr mager und heiß.
Das Motorrad beschleunigt in 4,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht laut Zulassungsbescheinigung eine Höchstgeschwindigkeit von 203 km/h. Die Fachzeitschrift Motorrad News ermittelte eine Höchstgeschwindigkeit von 212 km/h.
Fahrwerk Das Fahrwerk baut auf einem zweiteiligen Gitterrohrrahmen auf, der sich aus Vorder- und Heckrahmen zusammensetzt und eine mittragende Motor-Getriebe-Einheit hat. Der vordere Rahmenteil besteht aus Aluminiumguss, der Heckrahmen aus Stahlrohren. mini|links|Paralever mit oben liegender Momentabstützung Die vordere Telelever-Gabel hat 41 mm Standrohrdurchmesser und 210 mm Federweg. Die hintere Aluminium-Einarmschwinge mit Paralever-Momentabstützung hat ein Zentralfederbein und 220 mm Federweg. Die Federvorspannung ist vorn fünffach mechanisch einstellbar, hinten ist die Federvorspannung mittels Handrad hydraulisch stufenlos verstellbar, auch die Zugstufendämpfung ist einstellbar. Der Lenkkopf hat einen Anstellwinkel von 24,8 Grad, der Nachlauf beträgt 89 mm.
Die Kraftumwandlung erfolgt durch ein klauengeschaltetes Sechsganggetriebe mit Schrägverzahnung, die Krafttrennung durch eine hydraulisch betätigte Einscheiben-Trockenkupplung und der Sekundärantrieb über einen Kardanantrieb. Die zulässige Gesamtmasse beträgt 475 kg. Mit dem von Touratech entwickelten Koffersystem aus Aluminium wiegt das vollgetankte Motorrad 291 kg, wodurch sich die maximale Zuladung auf 184 kg reduziert.
Bremsanlage Eine schwimmend gelagerte Doppelscheiben-„Evo“-Bremse mit 305 mm Durchmesser und einem 4-Kolben-Festsattel verzögert das Vorderrad. Am Hinterrad arbeitet eine Einscheibenbremse mit 265 mm Durchmesser und Doppel-Kolben-Schwimmsattel. Die Bremsanlage wird von einem abschaltbaren, teilintegralen Antiblockiersystem unterstützt. Das Motorrad benötigt 40,5 Meter für die Verzögerung aus 100 km/h in den Stand auf trockener Fahrbahn mit aktiviertem Antiblockiersystem.
Die Adventure wird serienmäßig mit Kreuzspeichenrädern ausgeliefert. Die Felgengrößen betragen 2,50×19″ vorn und 4,00×17″ hinten. Die Bereifung hat vorne die Maße 110/80R19 und hinten 150/70R17.
Kraftstoffversorgung Die Gemischbildung geschieht durch eine elektronische Saugrohr-Kraftstoffeinspritzung. Die Zündung erfolgt digital gesteuert durch zwei transistorgesteuerte Zündspulen je Zylinder. Der Hersteller empfiehlt die Verwendung von bleifreiem Motorenbenzin mit einer Klopffestigkeit von mindestens 95 Oktan. Der Kraftstofftank hat ein Volumen von 38 Liter, ab der Modellüberarbeitung nur noch 33 Liter, davon sind 4 Liter Reserve. Der Viertaktmotor verbraucht durchschnittlich 5,6 Liter Kraftstoff auf 100 km und hat eine theoretische Reichweite von 678 km (MÜ: 589 km).
Elektrisches System Die Starterbatterie hat eine Kapazität von 14 Amperestunden und versorgt den elektrischen Anlasser. Die Lichtmaschine erzeugt eine elektrische Leistung von 720 Watt. Das Cockpit setzt sich aus den Rundanzeigen des Tachometers und des Drehzahlmessers und der Flüssigkristallanzeige des Fahrerinformationsdisplays (FID) zusammen.
Abgasanlage Die Abgasnachbehandlung erfolgt durch einen geregelten Drei-Wege-Katalysator und unterschreitet die Grenzwerte der Schadstoffklasse EURO3. Die zwei Abgaskrümmer münden am Heck auf der linken Fahrzeugseite in einen Endschalldämpfer aus Edelstahl.
Modellentwicklung Gegenüber dem Vorgängermodell BMW R 1150 GS Adventure wurde die Nennleistung durch 2,5 mm mehr Hub und eine höhere Verdichtung um gesteigert. Das Leergewicht stieg um 14 kg auf 263 kg.
Bauzeit 2006–2007 2008–2009 2010–2013 seit 2014 Baureihe K255 K51 Typschlüssel D.2 [EU/US] 0382/0397 0380/0390 0470/0480 0A02/0A12 Nennleistung [kW/PS] 72/98 77/105 81/110 92/125 max. Drehmoment [Nm] 115 115 120 125 Zündkerzen pro Zylinder 2 2 2 1 Klopfregelung ja ja ja nein
Die Adventure wurde zweimal technisch überarbeitet. 2008 wurde der Kompressionsdruck und die Nennleistung um 7 PS erhöht, das Getriebe mit größeren Lagern versehen und kürzer übersetzt und ein elektronisch einstellbares Fahrwerk (Enduro-ESA) eingeführt. Die elektrische Leistung der Lichtmaschine wurde von 600 auf 720 Watt gesteigert und der Motorradsattel dicker gepolstert.
2010 bekam der Boxermotor die Zylinderköpfe der Race-Replica HP2 Sport mit zwei Nockenwellen (dohc) und größeren Drosselklappen. Zusammen mit größeren Ventilen, optimierten Brennräumen und Kanälen und neuer Luftführung stieg die Nennleistung um weitere 5 PS. Das Abgassystem wurde um eine im Abgaskrümmer sitzende, elektronisch gesteuerte Auspuffklappe ergänzt.
Marktpositionierung Die Adventure ist in der Klasse der Reiseenduros mit über einem Liter Hubraum unterdurchschnittlich motorisiert.
Hersteller Name Motor Hubraum kW PS Nm Leergewicht (kg) Sitzhöhe (cm) Bauzeit KTM 1190 Adventure V2 1195 110 150 125 217 87,5 (89 R-Variante) 2013–2016 Ducati Multistrada 1200 V2 1198 110 150 119 209 82,5–84,5 seit 2010 Triumph Tiger Explorer R3 1215 101 137 121 259 84–86 seit 2012 Honda VFR 1200 X Crosstourer V4 1237 95 129 126 275 85 seit 2012 Aprilia ETV 1200 Caponord V2 1197 94 128 116 251 84 seit 2013 Benelli TreK 1130 R3 1131 92 125 112 230 85 2007–2015 BMW R 1200 GS (K50) B2 1170 92 125 125 238 85/87 seit 2013 Kawasaki Versys 1000 R4 1043 87 118 102 250 84 seit 2012 Yamaha XT 1200 Z Super Ténéré R2 1199 81 110 114 261 84,5–87 seit 2010 BMW R 1200 GS Adventure B2 1170 81 110 120 263 89/91 2006–2013 Moto Guzzi Stelvio 1200 V2 1151 77 105 113 251 82/84 2008–2016 Zusammen mit dem Basismodell BMW R 1200 GS dominierte die Adventure über den gesamten Produktionszeitraum die deutsche Zulassungsstatistik. Neben der Standardversion gab es noch die Sondermodelle „30 years GS“ (ab 2010), „Triple Black“ (ab 2011) und „90 Jahre BMW Motorrad“ (ab 2013).
Am 7. Oktober 2013 wurde in einer offiziellen Pressemitteilung die Nachfolgerin auf Basis der BMW R 1200 GS (K50) vorgestellt.
Rezension Bekannt wurde die R 1200 GS Adventure durch die zehnteilige Dokumentarserie Long Way Down (2007) mit Ewan McGregor und Charley Boorman.
Kritiken
Literatur
Jan Leek: BMW: Motorräder seit 1945. 1. Auflage. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-613-03475-4, S. 100, 104. (Reihe Typenkompass)
Weblinks
Frank Mertens: BMW R 1200 GS Adventure: Auf zu neuen Ufern In: Autogazette. 7. August 2006. (archive.org) Patric Birnbreier: Fahrbericht BMW R 1200 GS (Mod. 2010) In: Kradblatt. Ausgabe 10/2010.
Einzelnachweise
R 1200 GS Adventure Kategorie:Motorradmodell mit Boxermotor