Das United States Africa Command (AFRICOM; ) ist eines von elf Unified Combatant Commands der US-Streitkräfte, das im Oktober 2007 aufgestellt wurde. Seitdem im Oktober 2008 die volle Operationsfähigkeit hergestellt wurde, ist AFRICOM das Oberkommando über US-amerikanische Militäroperationen auf dem afrikanischen Kontinent mit Ausnahme von Ägypten, das weiterhin zum US Central Command gehört.
Geschichte Über die Aufstellung eines US-Regionalkommandos für den afrikanischen Kontinent wurde bereits ab 2003 spekuliert. Afrika geriet mehr und mehr in das Aufmerksamkeitsspektrum der Regierung der Vereinigten Staaten, so fand 2005 eine Antiterrorübung der US-Streitkräfte in der Sahara statt.US targets Sahara 'terrorist haven' (BBC, 8. August 2005; englisch) Zudem sind US-Einheiten am Horn von Afrika innerhalb der Operation Enduring Freedom vor Dschibuti beteiligt.
Die Debatte um die Aufstellung des Africa Command drehte sich daher im Vorfeld darum, ob die geschätzten 5 Mrd. US-Dollar, die jährlich für diese Kommandoeinrichtung aufgewendet werden, gerechtfertigt seien. Die Denkfabrik Center for Strategic and International Studies attestierte dem Verteidigungsministerium eine mangelhafte Öffentlichkeitsarbeit, da es dem Ministerium nicht gelungen sei, das tatsächlich vorhandene Interesse der USA an der Lösung diverser afrikanischer Probleme in den Vordergrund zu rücken. Präsident G.W. Bush beauftragte am 6. Februar 2007 den US-Verteidigungsminister (damals Robert Michael Gates) mit der Bildung und Aufstellung des 'US Africa Command' zum Ende des Geschäftsjahres 2008.www.georgewbush-whitehouse.archives.gov The White House, Office of the Press Secretary: President Bush Creates a Department of Defense Unified Combatant Command for Africa, February 6, 2007. Aufgerufen am 20. März 2011.
Da die Afrikanische Union und ihre Mitglieder lt. Foreign Policy den Zielen des AFRICOM misstrauten, fanden die Vereinigten Staaten angeblich kein Gastgeberland für die Behörde, woraufhin sie diese in Europa (Kelley Barracks, Stuttgart) ansiedelte.vgl. Stevenson, Jonathan: , in: Foreign Policy, 20. April 2011. Abgerufen am 22. April 2011. US-Präsident George W. Bush äußerte am 21. Februar 2008 im Vorfeld eines Staatsbesuches, dass die Vereinigten Staaten keine neuen US-Militärbasen in Afrika planten; die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf hatte sich dafür eingesetzt, das Hauptquartier des U.S. Africa Military Command in Liberia einzurichten. (jpg, englisch, 0,25 MB)
Ab dem 19. März 2011 führte das Regionalkommando den Oberbefehl über die US-Angriffe auf Libyen im Rahmen des mehrphasigen Militäreinsatzes in Libyen (Operation Odyssey Dawn), an welcher sich die USA und Großbritannien mittels eines gezielten Einsatzes von Tomahawk-Marschflugkörper beteiligten.The Los Angeles Times Die Operation verfolgte das Ziel, die Einrichtung einer Flugverbotszone zu ermöglichen.CNN
2023 wurde dem Kommando erstmals ein Kommando der United States Space Force für Weltraumoperationen unterstellt. Das Kommando United States Space Forces – Europe and Africa (USSPACEFOR-EURAF) mit Sitz auf der Ramstein Air Base deckt diese Fähigkeiten sowohl für Europa als auch für Afrika ab.
Auftrag und Zuständigkeit mini|Verantwortungsbereich des AFRICOM (grün) mini|Entstehung des Verantwortungsbereichs des AFRICOM. Das Kommando ist vorrangig mit humanitären Hilfsoperationen, Katastrophenbewältigung und Krisenreaktionsoperationen betraut.Bericht über die Aufstellungspläne (DoD.mil vom 6. Februar 2007; englisch)
Das AFRICOM koordiniert und bündelt die Aktivitäten des US-Verteidigungsministeriums und anderer US-Ministerien und Behörden im Raum Afrika, um die politische Stabilität und das Wirtschaftswachstum der 56 Länder im Kommandobereich zu stabilisieren und intensivieren. Die Abkopplung dieses territorialen Verantwortungsbereichs aus dem EUCOM und Überführung in ein eigenständiges Regionalkommando für den afrikanischen Kontinent soll eine noch effektivere Konzentration auf die spezifischen politischen, ökonomischen und sozialen Probleme ermöglichen. Ein weiterer Grund für die Ausgliederung war der enorm gewachsene Verantwortungsbereich des EUCOM, der auch das Gebiet eines Großteils der ehemaligen Sowjetunion umfasst und sich so bis zur Halbinsel Kamtschatka erstreckt.
Der Fokus liegt dabei atypisch weniger in der Bereitschaft der Kriegführung, als in der Kriegsprävention. Es ist beabsichtigt, mittels Militär- und Sicherheitsberatung eigenständige nationale Militär- und Strafverfolgungsorgane zu etablieren, um so eine wirksame Krisenreaktions-Kapazität zu schaffen, die die Förderung demokratischer Systeme unterstützt und sichert.
Aus Sicht der US-amerikanischen Regierung gewinnt die Region aufgrund ihrer Ressourcen und oft instabilen Machtverhältnisse zunehmend an Bedeutung. Die Einrichtung eines eigenen Regionalkommandos trägt dieser Entwicklung Rechnung.
Aufgabe:
Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung und des NDR werden vom Africom-Hauptsitz in Stuttgart aus Drohnenangriffe in Afrika befehligt.Drohnentod aus Deutschland, Süddeutsche Zeitung (von John Goetz, Hans Leyendecker, Frederik Obermaier, Bastian Obermayer und Niklas Schenck), 28. November 2013 Africom-Kommandeur Townsend bestätigte im September 2020, dass seit Januar des Jahres 46 Drohnenangriffe auf Ziele in Afrika angeordnet wurden.46 Drohnenangriffe seit Januar befohlen, stuttgarter-zeitung.de, 7. September 2020
Organisation Hauptquartier mini|Hauptquartier des US Africa Command: Kelley Barracks, Stuttgart-Möhringen Eine Übergangskommandogruppe für die Aufstellung stand unter dem Kommando von Rear Admiral Robert T. Moeller. Derzeit ist das Hauptquartier in den Kelley Barracks in Stuttgart stationiert. Das spätere Hauptquartier des Kommandos könnte nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums in Afrika stationiert werden, als Kandidat bewarb sich Liberia 2008, nachdem andere afrikanische Länder eine Stationierung ausgeschlossen hatten. Aus Kostengründen wurde eine Verlegung in die USA geprüft. Anfang 2013 entschied Präsident Obama den Verbleib in Stuttgart. Ausschlaggebend waren operative Vorteile durch die gleiche Zeitzone, stabile politische Verhältnisse sowie die hohe Lebensqualität für das Personal. Es gibt zahlreiche Fluglinien zwischen Europa und Afrika (siehe auch Liste von Verkehrsflughäfen in Afrika).
Mitte 2020 ordnete US-Präsident Donald Trump den Abzug von rund einem Drittel der in Deutschland stationierten 36.000 amerikanischen Truppenangehörigen an. Neben dem ebenfalls in Stuttgart befindlichen Hauptquartier des United States European Command (EUCOM) soll auch das AFRICOM-Hauptquartier Deutschland verlassen. Mit der Übernahme der Regierungsgeschäfte durch die Administration Biden zu Beginn des Jahres 2022 wurde eine weitere Verlegung der beiden Kommandos vorerst nicht weiterverfolgt.
Unterstellte Kommandos und Einheiten US Army Africa (USARAF), Vicenza US Naval Forces, Africa (NAVAF), Neapel US Air Forces, Africa (AFAFRICA), Ramstein Air Base US Space Forces – Europe and Africa (USSPACEFOR-EURAF), Ramstein Air Base US Marine Corps Forces, Africa (MARFORAF), Stuttgart US Special Operations Command Africa, StuttgartMag. phil. Manjola Raich, M.A: DISSERTATION ‘NEW SCRAMBLE’ FOR AFRICA? AN ANALYSIS OF US AND EU 21ST CENTURY AGENDAS IN AFRICA CASE STUDIES: US AFRICOM AND JAES P&S. Combined Joint Task Force-Horn of Africa (CJTF-HOA), Camp Lemonnier, Dschibuti
Zum 1. Oktober 2008 wurde die 17. US-Luftflotte reaktiviert, um als Luftkomponente des AFRICOM zu fungieren.
Stab Dem Befehlshaber des US Africa Command sind zwei Stellvertreter untergeordnet. Zum einen ein Lieutenant General der US Air Force, zuständig für Militäroperationen, und zum anderen ein Botschafter, zuständig für die Zivil-Militärische Zusammenarbeit.
Befehlshaber Nr. Name Bild Beginn der Berufung Ende der Berufung1William E. Ward (USA)95px1. Oktober 20078. März 20112Carter F. Ham (USA)95px8. März 20115. April 20133David M. Rodriguez (USA)95px5. April 201318. Juli 20164Thomas D. Waldhauser (USMC)119x119px18. Juli 201626. Juli 20195Stephen J. Townsend (USA)119x119px26. Juli 20199. August 20226Michael E. Langley (USMC)119x119px9. August 202215. August 20257Dagvin Anderson (USAF)119x119px15. August 2025amtierend
Weblinks
United States Africa Command Offizielle Seite des Kommandos USAfricaCommand Offizielle Seite des Kommandos bei Twitter.com mit aktuellen Meldungen Africa Command Will Consolidate U.S. Efforts on Continent. U.S. Department of Defence, 6. Februar 2007 Offizielle Ankündigung der Aufstellung des US Africa Command Afrika im Fadenkreuz der USA? SWP-Aktuell Sandra T. Barnes: Global Flows: Terror, Oil, and Strategic Philanthropy. African Studies Association, 12. November 2004 (PDF-Datei; 207 kB) J. Stephen Morrison: AFRICOM. CSIS, 5. Oktober 2007 Kommentar des Center for Strategic and International Studies zur Indienststellung des AFRICOM (PDF-Datei; 60 kB) Simon Tisdall: African states oppose US presence. Guardian, 25. Juni 2007 USA wollen Anti-Terror-Kampf von Stuttgart aus führen Spiegel Online, 7. Februar 2007 stuttgarter-zeitung.de Hintergrunddossier der Stuttgarter Nachrichten, abgerufen am 17. Oktober 2014
Einzelnachweise
African Command Kategorie:Organisation (Stuttgart) Kategorie:Gegründet 2007 Kategorie:Möhringen (Stuttgart)