miniatur|Seitenansicht mini|Südostansicht mini|hochkant|Kirchturm mit charakteristischen Glockendach auf der Westseite Die römisch-katholische StadtpfarrkircheBistum Augsburg Heiligstes Herz Jesu im Augsburger Stadtteil Pfersee-Süd ist die größte Jugendstilkirche Süddeutschlands. 1892 wurde der Kirchbauverein gegründet, 1907 erfolgte die Grundsteinlegung. Die Kirchweihe fand am 29. Mai 1910 durch Bischof Maximilian von Lingg statt.

Herz-Jesu besitzt eine neuromanische Fassade und ist im inneren Kirchenschiff im Jugendstil errichtet. Der Kirchturm ist 72 Meter hoch, darauf steht ein 6,50 Meter hohes Kreuz. In der Länge misst die dreischiffige Basilika 72 Meter. Der Innenraum findet wegen seiner herausragenden Jugendstil-Gestaltung bundesweit Beachtung. So früh, so modern und so konsequent wurde kein anderer Sakralbau in Deutschland im Jugendstil ausgestattet.

Baugeschichte Im Zuge der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vervielfachte sich die Bevölkerung des um die Pfarrkirche St. Michael gruppierten Handwerker- und Bauerndorfs Pfersee innerhalb kürzester Zeit (1850 ca. 900 Einwohner, 1870 ca. 1850, 1880 ca. 3400, 1890 ca. 5300, 1900 ca. 7000, 1910 ca. 11000). Verschiedene Faktoren hatten die schnelle Ansiedlung von Fabriken gefördert: die Nähe zur Stadt Augsburg bei gleichzeitiger Unabhängigkeit von den dortigen Industriellenkreisen, billige Arbeitskräfte mit Handwerkserfahrung, die Wasserkraft des Mühlbachs und die Anbindung an den Augsburger Hauptbahnhof durch die Lokalbahn. Vertreten waren Unternehmen der Textilindustrie (Spinnerei Weberei Pfersee, J. P. Bemberg, Dierig), der Metallindustrie (Eberle) und der chemischen Industrie. Da das immens angewachsene Dorf die aus dem sprunghaften Bevölkerungsanstieg resultierenden Probleme nicht alleine bewältigen konnte, wurde Pfersee 1911 nach Augsburg eingemeindet. Nur so konnten die Maßnahmen zum Hochwasserschutz, die Verlegung von Trinkwasserleitungen und Kanalisation sowie der Neubau eines Schulhauses sichergestellt werden.

Da auch die seelsorgerischen Bedürfnisse angewachsen waren, wurden zusätzlich zwei Kaplanstellen eingerichtet (1890, 1904). Um die räumliche Enge in der Pfarrkirche zu überwinden (bei 4700 Gläubigen, davon etwa 2740 Kirchenbesuchern, fasste die Kirche nur etwa 700 Personen), planten die Verantwortlichen zunächst, die bestehende Kirche St. Michael zu erweitern. Stadtpfarrer Josef Dirr (1870–1893) gründete einen Kirchbauverein, der die Finanzierung sicherstellen sollte. Nachdem er schon im Jahr darauf verstorben war, entschloss man sich 1894 unter dem tatkräftigen Stadtpfarrer Anton Schwab (Amtszeit 1893–1912, verstorben 1927) zu einem Neubau. Bereits im Jahr darauf fand sich an der Augsburger Straße ein passender Bauplatz, der vom Kirchbauverein angekauft wurde. Unter großer Anstrengung wurde von diesem eine immense Summe gesammelt.

Erste Entwürfe des Münchner Architekten Johann Marggraff (1830–1917) von 1894 zeigten eine neuromanische, dreischiffige Basilika. Den Zuschlag erhielt auf Empfehlung des Benediktinerpaters Paulus Sauter (1862–1944) aus St. Ottilien 1905 der im Bayerischen Wald geborene, an der Technischen Hochschule München ausgebildete Gögginger Architekt Michael Kurz (1876–1957) für seine ebenfalls neuromanischen Entwürfe. Diese entwickelte der noch nicht einmal Dreißigjährige jedoch im Zuge des Baues im Sinne der beginnenden Moderne weiter. Damit konnte er sein Erstlingswerk eines modernen Kirchenbaus in Schwaben verwirklichen und wurde so zum Bahnbrecher fortschrittlicher Kirchenarchitektur. Auch für Details der Ausstattung (z. B. Beichtstühle und Opferstöcke) legte er im Laufe der Zeit Entwürfe vor und schuf so ein Gesamtkunstwerk. In seinem Programm über die künstlerische Ausstattung der neuen kath. Kirche in Pfersee vom 26. Januar 1909 legte er das Konzept dar: „Der Stil des Baues lehnt sich an das Romanische an, doch ist die Raumwirkung und das Detail modern. Die Einrichtung und Ausmalung sollen, soweit Zweck u. Stimmung uns es erlauben, modern werden.“

Weitere Werke dieses Architekten in Augsburg sind St. Anton (1924–1927), St. Joseph in Oberhausen (1927–1930), St. Konrad im Bärenkeller (1937–1938), der Wiederaufbau der Heilig-Kreuz-Kirche (1948–1954), der Wiederaufbau der Dreifaltigkeitskirche in Kriegshaber (1950) und als Neubau St. Elisabeth in Lechhausen (1951–1952). Schon nach kurzer Bauzeit (Grundsteinlegung am 7. Juli 1907) waren am 18. Januar 1908 der Rohbau (Baumeister Hans Pauler, Augsburg) und Dachstuhl fertig gestellt, 1909 der Kirchturm und die Fenster, Anfang 1910 auch der Tabernakelaltar. Am 29. Mai 1910 konnte Bischof Maximilian von Lingg (1902–1930) die Kirchweihe vornehmen.

Die Ausmalung des Chores begann der Kunstmaler Christoph Böhner (1881–1914), Sieger eines entsprechenden Wettbewerbes, im Sommer 1912 in Kasein-Technik und schloss sie im folgenden Jahr ab. Inzwischen war Stadtpfarrer Schwab aus gesundheitlichen Gründen als Schwesternseelsorger nach Augsburg gewechselt und so leitete Stadtpfarrer Georg Wagner (1912–1933) den weiteren Innenausbau. Der Münchner Kunstmaler Theodor Baierl (1881–1932) malte ab Juni 1912 den Kreuzweg.

Diese Arbeit konnte er erst Ende 1918 abschließen, da die Ausführung der einzelnen Stationen erst nach gesicherter Finanzierung möglich war. Seine Fresken über den Seitenaltären entstanden 1914, die Wand- und Deckengemälde in der Marienkapelle folgten erst 1930/1931.

Der linke Seitenaltar von Bildhauer Hans Miller wurde als Exponat der Münchner Gewerbeausstellung 1912 erworben. Von ihm stammen auch die Bronzereliefs des rechten Seitenaltars (1908) und die Plastiken am Turm. Der Kuppelbau über dem Hochaltar wurde 1914 erstellt. Die Kanzel, erst nach dem Ersten Weltkrieg errichtet, schmückte Karl Baur mit dem großen Hochrelief. Der Schalldeckel wurde erst 1927/1928 von Jakob Rehle (1881–1968) gefertigt. Von ihm stammt auch der Entwurf für die von Karl Baur ausgeführte Kreuzigungsgruppe an der Westseite des Turms (1937).

Georg Lill wies als Direktor des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege (1929–1950) nachdrücklich darauf hin, dass die eigentümlich neue Stilgestaltung bei den Regierungsstellen nur wenig Anklang gefunden habe, so dass man sich schon bald weigerte, weitere Bauten in dieser Richtung zu genehmigen. Dies ist umso erstaunlicher, da das Kultusministerium wiederholt für die Innenbemalung Mittel aus dem Fonds „zur Förderung und Pflege der Kunst durch den Staat“ bewilligt hatte. Die Regierung von Schwaben und Neuburg hatte in einem Schreiben vom 22. Dezember 1912 festgestellt: „Die Kirche ist in ihrer neuen Formensprache nach allgemeinem Urteil wohlgelungen.“ Und Stadtpfarrer Wagners Meinung in einem Schreiben an das Kultusministerium vom 2. November 1912 blieb unwidersprochen: „Die Gemeinde Pfersee […] hat wie einem hohen K[öni]gl[ichen]. Ministerium bekannt, ein herrliches modernes Gotteshaus gebaut, das trotz seiner Eigenart auch denjenigen imponiert, die von der Beeinflussung der alten kirchlichen Stile durch moderne Ideen sonst nichts wissen wollen. Dem Bau entspricht die Bemalung und die unnere Einrichtung.“

Die 1944 im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kunstverglasungen konnten 1947 von Wilhelm Pütz wiederhergestellt werden. Eine Außenrestaurierung wurde 1955 vorgenommen. Die moderne vierstufige Altarinsel mit Zelebrationsaltar und Ambo von Bildhauer Blasius Gerg (Glonn) wurde 1970/1971 nach Entwürfen von Theo Wieland (Weilheim) und Diözesanbaurat Valentin Müller (Augsburg) gefertigt.

Da der gleiche Kalkstein wie schon 1914 verwendet wurde, und sich auch die Formen dem Bau anpassen, ohne ornamentale Einzelheiten aufzunehmen, gilt diese Lösung als gelungen, zumal die Gläubigen dem Altar von drei Seiten näher gekommen sind. Die Innenrestaurierung von 1970/1971 fand 1975 ihren Abschluss in der Renovierung der Marienkapelle. Nach Reparaturen am Turm (1983), an den Seitenschiffen (1986) und am Fundament (2000) konnte 2008/2009 der Dachstuhl saniert, der Dachreiter gesichert und das Dach neu eingedeckt werden. Die Fenster wurden überarbeitet und die Fassade erhielt einen freundlich hellen Anstrich in einem Ockerton.

Architekt, Künstler und Handwerker Im Jahr 1910 wurde von Jakob Rehle aus Augsburg der Tabernakel geschaffen. Im gleichen Jahr formte der Goldschmied Friedrich Pöhlmann aus München die Kreuzigungsgruppe. Ein Jahr später übernahm Hans Miller die Bildhauerarbeiten am Hochaltar, der Münchner Georg Vogt trug zwei Gemälde am Tabernakel bei und in der Marienkapelle schuf Christian Winkler aus München die Kreuzigungsgruppe. 1914 überwölbte Hans Rehle den Hochaltar mit einem Baldachin. Den Chor gestaltete Christoph Böhner, den Kreuzweg und andere Bildwerke Theodor Baierl. Die Kanzel wurde 1919 errichtet, 1930 und 1931 malte Karl Baur aus München die Marienkapelle aus und die Gebrüdern Baur aus Pfersee führten die Stuckateurarbeiten aus. Im Jahr 1937 stellte Karl Stengele seine Steinfiguren des hl. Antonius von Padua und des hl. Josephs sowie eine Kreuzigungsgruppe im Westen des Turms auf.

Außenbeschreibung mini|Dreischiffige Basilika mit Querhaus und westlichem Turm mit Glockendach mini|Die Kirche bildet einen zentralen Punkt im Stadtteil und überragt gleichzeitig die umgebende Bebauung Der reich gegliederte, hell verputzte Kirchenbau erhebt sich im Zentrum von Pfersee beherrschend über den gesamten Stadtteil. Der viereckige Westturm mit seiner hoch geschwungenen Haube in Form eines Helms ist mit seinen 72 Metern Höhe (zuzüglich dem 6,50 Meter hohen Kreuz) weithin sichtbar. Er überragte einst alle Fabrikkamine und dominiert noch heute den gesamten Ausburger Westen – durchaus in harmonischem Zusammenklang mit dem das Stadtbild ebenfalls nachhaltig prägenden Turm der Basilika St.Ulrich und Afra. In äußerst geschickter Weise steigert sich die Baugruppe der dreischiffigen Basilika auf einer Länge von 72 Metern von Ost nach West: die halbkreisförmige Apsis im Osten liegt am mächtigen Langhaus (36 Meter hoch) an, das von den beiden Anbauten der Marienkapelle und der Sakristei samt kleineren Apsiden frankiert wird.

Über die ausladende Querschiffanlage (36 Meter breit) mit den anliegenden Treppentürmchen, die von einem Dachreiter mit Zwiebelturm betont wird, führt die Anlage zum steil aufstrebenden Westturm mit Helm, der in das Langhaus einbezogen ist. Die Seitenschiffe sind hier seitlich von kleinen Apsiden begrenzt.

Die fünfgeschossige Turmanlage mit den gestuften Strebepfeilern an den Ecken steigert die Höhenentwicklung. Durch diese Strebepfeiler ergibt sich auch die Dreiteilung der Westfront mit dem Hauptportal und den beiden Nebenportalen. Die erst 1937 angebrachte, aber von Anfang an geplante Kreuzigungsgruppe steigert den monumentalen Charakter. Im obersten Geschoss befinden sich die Schalllöcher in Arkadenform, im Geschoss darunter die Zifferblätter der Turmuhr. Bemerkenswerte Details sind auch die beiden kleinen Bauplastiken aus Muschelkalkstein: ein Engel mit Fackel und eine Taube im Nest.

Im Turm hängt ein sechsstimmiges Glockengeläut aus Gussstahl, dessen Glocken mit einer Ausnahme 1948 vom Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation (BVG) gegossen wurden. Die kleinste Glocke hat die beiden Weltkriege überdauert, sie wurde 1909 von der Glockengießerei Fritz Hamm aus Augsburg gegossen. ÜbersichtGlockendatenbank createsoundscape.de: Kath. Stadtpfarrkirche Herz Jesu in Augsburg-Pfersee Glocke Name Gussjahr Durchmesser Gewicht Schlagton 1 Herz Jesu 1948 2140 mm 4540 kg b° 2 Muttergottes 1800 mm 2720 kg des‘ 3 Hlgst. Dreifaltigkeit 1605 mm 1780 kg es‘ 4 Heiliges Kreuz 1430 mm 1320 kg f‘ 5 Allerheiligen 1200 mm 780 kg as‘±0 6 Michael 1909 940 mm 439 kg as‘-4