mini|Katharina I. rahmenlos|klasse=skin-invert-image mini|Katharina I. Katharina I. Alexejewna (, geb. Marta Helena Skowrońska, russisch ; * in Jakobstadt, Kurland; †  in Sankt Petersburg) war die zweite Frau Peters des Großen (1672–1725). Aus sehr einfachen Verhältnissen stammend, erwarb sie sich zunächst als jahrelange Lebensgefährtin die Zuneigung und Achtung des Zaren. Der Verbindung entsprang u. a. die spätere russische Herrscherin Elisabeth Petrowna. Peter heiratete Katharina 1712. Ihre Teilnahme an mehreren Kriegszügen ihres Mannes war ein wichtiger Grund für ihre Krönung im Jahr 1724. Nach Peters Tod 1725 war sie zwei Jahre lang bis zu ihrem eigenen Ableben regierende KaiserinIm zeitgenössischen Sprachgebrauch als auch im Ausland blieb es bis 1917 üblich, weiter vom Zaren zu sprechen und dies hat sich im Bewusstsein der Nachwelt erhalten. Was man damit traf, war nicht der geltende Würdeanspruch des Kaiserreichs, sondern der Fortbestand der spezifisch russischen Wirklichkeit, in Form des Moskauer Zarenreiches, das als Grundlage des neuen Imperiums diente. Dies führte im 19. Jahrhundert zu einer nicht quellengerechten Begriffssprache in der Literatur und zu einem überkommenen Begriffsapparat in der deutschen Literatur. Hans-Joachim Torke: Die russischen Zaren, 1547–1917, S. 8; Hans-Joachim Torke: Die staatsbedingte Gesellschaft im Moskauer Reich, Leiden, 1974, S. 2; Reinhard Wittram: Das russische Imperium und sein Gestaltwandel, in: Historische Zeitschrift Bd. 187, Heft 3 (Juni 1959), S. 568–593, hier S. 569. von Russland, überließ aber die Ausübung der Herrschaft de facto dem Fürsten Alexander Menschikow.

Abstammung und frühes Leben

Über das frühe Leben Katharinas I. liegen nur unsichere und widersprüchliche Nachrichten vor. Sie war die Tochter des Bauern Samuel Skowroński (Samuil Skawronski) aus dem Großfürstentum Litauen und dessen aus Kurland stammender Gattin Elisabeth Moritz. 1684 in Kreuzburg (heute Krustpils, Stadtteil von Jēkabpils, damals Jakobstadt) als Marta Helena Skowrońska geboren, wurde sie römisch-katholisch getauft und hatte mehrere Geschwister. Als sie erst ein Jahr alt war, starb ihr Vater an der Pest, und auch ihre Mutter starb zwei Jahre später. Nachdem Marta also schon in früher Kindheit Vollwaise geworden war, lebte sie vielleicht einige Jahre bei einer Tante und anschließend im Dorf Ringen bei einem lutherischen Pfarrer, der ebenfalls einer Pestepidemie erlag. Daraufhin kam sie im Haus des lutherischen Theologen und Bibelübersetzers Ernst Glück in Marienburg (Livland) unter, dessen Ziehtochter sie wurde und dem sie auch als Magd diente. Sie wuchs mit den Kindern des Propstes auf und bekam durch ihn u. a. mündlichen Unterricht im Katechismus, blieb aber Analphabetin und beherrschte nur unzureichend Russisch. Als 18-Jährige wurde sie mit einem schwedischen Dragoner namens Johan Cruse verheiratet.

Bereits kurz darauf mussten sich die Schweden im Laufe des Großen Nordischen Kriegs aus Marienburg zurückziehen. Russische Truppen unter Generalfeldmarschall Boris Petrowitsch Scheremetew eroberten im August 1702 die Stadt. Martas Gatte fiel wohl bei der Verteidigung Marienburgs. Ernst Glück, seine Familie und Marta Skawronska durften sich wie andere Zivilisten vor der Sprengung der Festung durch den schwedischen Kommandanten in Sicherheit bringen und gerieten in russische Gefangenschaft. Während Glück sich als Dolmetscher nach Moskau begab, blieb Marta im russischen Lager und arbeitete im Haushalt Scheremetews, der mit ihr ein Verhältnis unterhalten haben soll. Später wurde sie Fürst Alexander Menschikow, dem besten Freund Peters des Großen, übergeben; ob sie seine Geliebte wurde, ist umstritten. Als Peter im Herbst 1703 bei seinem Freund Menschikow zu Besuch war, begegnete er der als körperlich sehr attraktiv beschriebenen Marta, als diese das Essen servierte. Bald machte der Zar, der sich nach dem zweiten Strelizenaufstand 1698 von seiner ersten Ehefrau Jewdokija Lopuchina getrennt und sie verbannt hatte, Marta zu seiner Geliebten, wobei Menschikow die Anbahnung dieser Liaison förderte. Peter schickte Marta nun in ein abgelegenes Haus in Moskau, in dem sie durch eine adlige Dame in der Hofetikette unterrichtet wurde.Detlef Jena, Die Zarinnen Rußlands, S. 106ff.; Phillip E. Koerper, Women in World History, Bd. 3, S. 522ff.

Erste Jahre mit Peter dem Großen bis zur offiziellen Heirat

Peter der Große besuchte Marta häufig in dem abgeschiedenen Haus in Moskau. Er schätzte neben ihren Liebkosungen u. a. auch ihre Kenntnisse in Haushaltsführung. Sie konvertierte zum orthodoxen Glauben und änderte nun ihren Namen in Katharina Alexejewna (Jekaterina Alekseevna); als ihr Taufpate fungierte dabei der Zarewitsch Alexei Petrowitsch, Peters Sohn aus erster Ehe. Sie verbesserte ihre Beherrschung des Russischen, blieb aber weiterhin ungebildet und erlernte nie Lesen und Schreiben.Detlef Jena, Die Zarinnen Rußlands, S. 108; Phillip E. Koerper, Women in World History, Bd. 3, S. 524.

Katharina Alexejewna wurde Peter eine fürsorgliche Lebensgefährtin. Vielfach wirkte sie mäßigend und beruhigend auf die Handlungen des leicht aufbrausenden Monarchen ein, besänftigte ihn in seinen Wutausbrüchen und gab ihm Ruhe und Selbstsicherheit für diffizile Entscheidungen.Detlef Jena, Die Zarinnen Rußlands, S. 108. Dementsprechend wurde sie von ihm bisweilen „Mütterchen“ genannt. Sie gewann einen dauernden Einfluss auf Peter. Im Winter 1704 gebar sie ihr erstes Kind, einen Sohn, dem noch elf weitere Kinder folgten.Reinhold Neumann-Hoditz, Peter der Große, S. 109; nach anderen Angaben brachte Katharina insgesamt acht (Erich Donnert, Die russischen Zaren, S. 155 und 182) oder elf (Detlef Jena, Die Zarinnen Rußlands, S. 111) Kinder zur Welt. Von dieser großen Nachkommenschaft erreichten jedoch nur zwei Töchter das Erwachsenenalter:

Paul Petrowitsch (* 1704; † 1707) Peter Petrowitsch (* 1705; † 1707) Katharina Petrowna (* 1707; † 1708) Großfürstin Anna Petrowna (* 1708; † 1728), Zarewna (Thronfolgerin), spätere Herzogin von Schleswig-Holstein-Gottorf und Mutter Kaiser Peters III. Großfürstin Elisabeth Petrowna (* 1709; † 1762), spätere Kaiserin Großfürstin Natalie Petrowna (* 1713; † 1715) Großfürstin Margarete Petrowna (* 1714; † 1715) Großfürst Peter Petrowitsch (* 1715; † 1719), Zarewitsch (Thronfolger) Großfürst Paul Petrowitsch (* 1717; † 1717) Großfürstin Natalie Petrowna (* 1718; † 1725) Großfürst Peter Petrowitsch (* 1723; † 1723) Paul Petrowitsch (* 1724; † 1724)

1706 wohnte Katharina mit Peter dem Großen in einer kleinen Blockhütte in Sankt Petersburg, das damals als neue bedeutende Stadtgründung im Aufbau begriffen war. Doch bald war der Zar aufgrund von Staatspflichten und Krieg wieder öfter für längere Zeit von Katharina getrennt. 1707 soll er sie heimlich geheiratet haben. Im selben Jahr starben ihre beiden ältesten Söhne im Kleinkindalter.Phillip E. Koerper, Women in World History, Bd. 3, S. 524.

Bevor Peter zum definitiven Kampf gegen den schwedischen König Karl XII. aufbrach, befahl er, im Fall seines Todes 3000 Rubel an Katharina und deren Tochter auszuzahlen. Er unterhielt eine Korrespondenz mit Katharina, die schließlich auf seine briefliche Aufforderung hin zu ihm nach Poltawa fuhr, ihm dort zu Diensten war und auch verletzte Soldaten verpflegte. Vor der Schlacht bei Poltawa () begab sie sich nach Kiew und wartete dort den Ausgang der kriegerischen Auseinandersetzung ab. Diese endete mit einem entscheidenden russischen Sieg über die Schweden. Der Zar zog daraufhin nach Kiew zur schwangeren Katharina, die nach Moskau mitreiste, sich dann nach Kolomenskoje begab und dort am () ihre dritte Tochter Elisabeth Petrowna gebar. 1710 hielt sie sich wiederum eine Weile an der Seite des Zaren in Sankt Petersburg auf.

Am erklärte Peter Katharina formell zu seiner rechtmäßigen Gemahlin und Zariza. Sollte er sterben, würden ihr die Einkünfte einer regulären Zarenwitwe zustehen. Als er im Juni zum Krieg gegen das Osmanische Reich aufbrach, setzte Katharina durch, dass sie an diesem Feldzug ebenfalls teilnehmen durfte. Im Juli 1711 erlitten die russischen Truppen aber am Fluss Pruth eine Niederlage gegen die feindlichen Streitkräfte. Von einer türkischen Übermacht eingekreist, soll Katharina die Situation für Peter gerettet haben, indem sie zusammen mit anderen Frauen den Großwesir Baltaji Mehmed Pascha durch die Aushändigung ihres Schmucks bestochen und für Waffenstillstandsverhandlungen zugänglich gemacht habe. Trotz harter Bedingungen konnte Russland jedenfalls durch Abschluss des Friedens vom Pruth eine militärische Katastrophe abwenden. Peter rühmte später Katharinas Verdienste am Pruth. In ihrem Wagen rettete sie auch den auf die russische Seite übergewechselten moldawischen Hospodaren Dimitrie Cantemir vor türkischen Nachstellungen über die russische Grenze.

Künftig begleitete Katharina den russischen Monarchen auf etlichen Feldzügen und Reisen, hielt seine Kleidung in Ordnung, teilte die Entbehrungen und kümmerte sich freundlich und stets heiter um das Wohlbefinden der Soldaten. Am fand die offizielle Vermählung von Peter und Katharina in der Isaakskathedrale zu Sankt Petersburg statt, womit erstmals nicht eine russische Adlige, sondern eine aus der niedrigen Gesellschaftsschicht stammende Frau Gattin eines Zaren wurde.Detlef Jena, Die Zarinnen Rußlands, S. 108ff.; Reinhold Neumann-Hoditz, Peter der Große, S. 108ff. Zu den Trauzeugen gehörten Alexander Kikin und Tichon Lukin.

Zargemahlin

Peter der Große stiftete am 25. November 1714 den Orden der Heiligen Katharina. Dieses Datum war der Namenstag seiner Gemahlin Katharina, die von ihm gleichzeitig unter Bezugnahme auf ihr selbstbeherrschtes Auftreten während des Feldzugs am Pruth zur ersten Großmeisterin des neuen Ordens ernannt wurde. Wenn Peter seine Gattin auf eine Reise nicht mitnahm, führte er mit ihr einen warmherzigen Briefwechsel und legte ihr die Anrede Katharinuschka bei. Als er 1716–1717 eine ausgedehnte Reise nach Westeuropa unternahm, begleitete ihn Katharina. Das Zarenpaar besuchte dabei u. a. Berlin, hinterließ aber in Preußen wegen seines grobschlächtigen Benehmens eher wenig günstige Erinnerungen. So beurteilte die Markgräfin von Bayreuth das Auftreten und die Aufmachung Katharinas, deren jugendliche Schönheit im Abnehmen begriffen war, äußerst negativ. Auch die von dem russischen Herrscherpaar bezogene Unterkunft wurde nach dessen Abreise in einem sehr bedauernswerten Zustand vorgefunden.

Der Zar ließ ein von ihm ab 1718 bei Reval erbautes Schloss nach seiner Gemahlin Katharinenthal benennen. Beide Ehepartner hatten eine Neigung für Prachtbauten und Gartenanlagen wie etwa Schloss Peterhof. Katharina nahm zwar wenig Anteil an der Politik ihres Gatten und äußerte auch selten offen eine abweichende Meinung, setzte sich aber u. a. bei Peter mehrmals für Alexander Menschikow ein, wenn dieser sich wegen Bestechlichkeit und Unterschlagungen den Zorn des Zaren zuzog. Dafür erhielt sie von Menschikow von ihr gern entgegengenommene teure Geschenke. Sie bat auch, allerdings vergeblich, dass Peter seinen Sohn aus erster Ehe, Alexei Petrowitsch, nicht wegen angeblichen Hochverrats hinrichten und ihm stattdessen nur eine Existenz im Kloster bereiten möge; Alexei starb am . Der von Katharina und Peter besonders geliebte gemeinsame Sohn Peter Petrowitsch, der im Februar 1718 anstelle Alexeis zum Zarewitsch bestimmt worden war, verschied zum großen Kummer der Eltern bereits am im Alter von nur drei Jahren. Die Geschwister Katharinas wurden indessen mit kleinen Pensionen abgefunden.