mini|Logo der Stadt Neckarsulm (Stand 07.2024) Neckarsulm () ist eine Stadt im Norden des Landes Baden-Württemberg. Ihre Kernstadt stellt mit der Nachbarstadt Heilbronn ein durchgehend bebautes Gebiet dar. Seinen Namen hat Neckarsulm von der Lage nahe der Mündung der Sulm in den Neckar. Mit Einwohnern () und rund 29.500 Arbeitsplätzen ist Neckarsulm die bevölkerungsreichste und wirtschaftlich wichtigste Stadt des Landkreises Heilbronn und ein Mittelzentrum in der Region Heilbronn-Franken sowie der äußeren Metropolregion Stuttgart. Seit dem 1. Januar 1973 ist Neckarsulm Große Kreisstadt.
Neckarsulm wurde 771 erstmals urkundlich erwähnt und erhielt um 1300 das Stadtrecht. 1484 kam die Stadt an den Deutschen Ritterorden, der sie über 300 Jahre beherrschte. Die früher hauptsächlich vom Weinbau geprägte Stadt entwickelte sich ab dem späten 19. Jahrhundert zur Industriestadt. Bekannt wurde sie durch das Unternehmen NSU, das Mitte der 1950er Jahre der größte Zweirad-Produzent der Welt war und zur selben Zeit große Erfolge im Motorrennsport feierte. Die NSU-Tradition wird durch das Neckarsulmer Audi-Werk fortgesetzt, das mit über 14.000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber der Stadt und der Region ist. Des Weiteren ist die Stadt bekannt für die Zentrale des größten europäischen Handelskonzerns, der Schwarz-Gruppe, der die Lebensmittelhändler Lidl und Kaufland betreibt.
Geographie Lage Neckarsulm liegt an der Ostseite des Neckars, wo das von der Sulm durchflossene Weinsberger Tal in das Neckartal einmündet. Die Altstadt befindet sich südlich der Sulm, die in den Löwensteiner Bergen entspringt und unweit von Neckarsulm (auf dem Gebiet von Bad Friedrichshall) in den Neckar mündet. Nach diesem Fluss wird die Gegend auch Sulmgau genannt. Ausläufer der Löwensteiner Berge, die den nordwestlichen Teil der Schwäbisch-Fränkischen Waldberge darstellen, reichen mit dem Scheuerberg und dem Stiftsberg bis in den Osten des Neckarsulmer Stadtgebiets. Westlich des Neckars liegt der Stadtteil Obereisesheim, im Nordosten der Kernstadt der Stadtteil Amorbach, wiederum östlich davon der Stadtteil Dahenfeld. Die niedrigste Stelle der Neckarsulmer Gemarkung befindet sich in den Neckarwiesen mit , die höchste im Stadtwald Dahenfeld mit .Topographische Karte 1:25 000, Nr. 6821 Heilbronn, 3. Auflage, 2001Topographische Karte 1:25 000, Nr. 6721 Bad Friedrichshall, 5. Auflage, 2006. Neckarsulm hat Anteil an den vier Naturräumen Neckarbecken, Kraichgau, Hohenloher-Haller Ebene und Schwäbisch-Fränkische Waldberge.Naturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009.
Ausdehnung des Stadtgebiets Das Neckarsulmer Stadtgebiet umfasst 24,94 km², wovon 12,39 km² auf Neckarsulm (davon 0,86 km² auf Amorbach), 5,11 km² auf Dahenfeld und 7,44 km² auf Obereisesheim entfallen.
In den Jahren 1988 bis 2004 verteilte sich die Flächennutzung wie folgt: (Flächenangaben in ha, Quelle: 1988–2004: (abgerufen am 9. Juni 2007).) Flächennutzung nach Jahr in ha 1988 1992 1996 2000 2004 abs. rel. abs. rel. abs. rel. abs. rel. abs. rel. Siedlungs- undVerkehrsfläche80832,4 %86033,8 %88635,5 %89836,0 %93337,4 % Landwirtschaftsfläche1.36354,7 %1.31151,5 %1.23449,5 %1.22149,0 %1.18747,6 % Waldfläche28911,6 %31012,2 %31012,4 %31112,5 %31112,5 % Wasserfläche341,4 %391,5 %391,6 %391,6 %391,6 % Übrige Nutzungsarten – –261,0 %251,0 %251,0 %240,9 %Summen2.494100 %2.546100 %2.494100 %2.494100 %2.494100 %
Flächenaufteilung 2014
in etwas anderer Aufschlüsselung:
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Neckarsulm.
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Neckarsulm (im Uhrzeigersinn, beginnend im Nordwesten): Bad Wimpfen, Untereisesheim, Bad Friedrichshall, Oedheim, Neuenstadt am Kocher, Eberstadt und Erlenbach (alle zum Landkreis Heilbronn gehörend) sowie Heilbronn (Stadtkreis). Mit den Gemeinden Erlenbach und Untereisesheim ist Neckarsulm eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.
300px|mini|Lageplan der Stadtteile Stadtgliederung Das Stadtgebiet Neckarsulms besteht aus der Kernstadt und den Stadtteilen Amorbach, Dahenfeld und Obereisesheim. In den durch die Gebietsreform der 1970er Jahre eingegliederten Stadtteilen Dahenfeld und Obereisesheim, die den Status einer Ortschaft haben, gibt es jeweils einen bei jeder Kommunalwahl von der wahlberechtigten Bevölkerung zu wählenden Ortschaftsrat mit einem Ortsvorsteher. Diese Gremien sind zu wichtigen die Ortschaft betreffenden Angelegenheiten zu hören.
In der Kernstadt unterscheidet man die Wohngebiete mit eigenem Namen wie die Südstadt, Nordstadt, Viktorshöhe, Stiftsberg und das Wohngebiet Neuberg im Ostteil der Stadt, deren Grenzen jedoch meist nicht festgelegt sind.
Abgegangene, also heute nicht mehr bestehende Orte sind auf Markung Neckarsulm die Burg Scheuerberg und Steinach, auf Markung Dahenfeld Kirchenbach, auf Markung Obereisesheim Sigehardeshusen.Zusätzliche Quelle für den Abschnitt Stadtgliederung: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1, S. 115–118.
Raumplanung Neckarsulm bildet ein Mittelzentrum innerhalb der Region Heilbronn-Franken, in der Heilbronn als Oberzentrum ausgewiesen ist. Zum Mittelbereich Neckarsulm gehören die Städte und Gemeinden im Nordosten des Landkreises Heilbronn, und zwar neben Neckarsulm noch Bad Friedrichshall, Erlenbach, Gundelsheim, Hardthausen am Kocher, Jagsthausen, Langenbrettach, Möckmühl, Neudenau, Neuenstadt am Kocher, Oedheim, Offenau, Roigheim, Untereisesheim und Widdern.
Geschichte Stadtgeschichte Vor- und Frühgeschichte Archäologische Funde wie Gefäßscherben deuten auf mehrere Siedlungskerne im Bereich der heutigen Stadt bereits in der Mitte des 6. Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung (Jungsteinzeit) hin.Werner Thierbach, Christina Jacob: Vor- und Frühgeschichte im Neckarsulmer Raum. In: Neckarsulm. Die Geschichte einer Stadt, Stuttgart 1992, S. 25–30.
Im Jahr 2001 fanden Archäologen im Trendpark-Süd (ungefähr im Bereich des heutigen Bechtle-Areals) ein Gräberfeld der Spätbronzezeit, das anhand der Metall- und Keramikfunde auf etwa 1100 v. Chr. datiert wurde und nach Einschätzung von Fachleuten einzigartig in Mitteleuropa ist. In den 33 Grabanlagen des Gräberfeldes sind insgesamt 51 erwachsene Männer bestattet, die ungewöhnlicherweise nicht wie zu dieser Zeit üblich eingeäschert worden waren. Aufgrund der Beigabe von Bronzeschwertern in drei Gräbern schlossen die Archäologen, dass es sich bei diesen Toten um Krieger handeln muss, die die soziale Elite der spätbronzezeitlichen Gesellschaft darstellten.Wandtafel Kriegerfriedhof im Trendpark im Erdgeschoss des Stadtmuseums Neckarsulm.
Beigaben in Gräbern, die im Bereich der heutigen Binswanger Straße – südlich der alten Stadtmauern – gefunden wurden, belegen außerdem, dass hier bereits im 7. Jahrhundert n. Chr. eine fränkische Siedlung existiert haben muss.
Erste urkundliche Erwähnung, Geschichte im Mittelalter mini|links|Erste urkundliche Erwähnung 771 im Lorscher Codex Neckarsulm wird als villa Sulmana im Jahr 771 erstmals schriftlich in einer Schenkungsurkunde des Lorscher Codex erwähnt. In dieser Urkunde vermachen ein Plidroch und seine Ehefrau Blitrud ihren gesamten Besitz in dieser villa Sulmana an das Kloster Lorsch.Immo Eberl: Die villa Sulmana als Vorläuferin der Stadt Neckarsulm. Eine frühmittelalterliche Siedlung und ihre Geschichte. In: Neckarsulm. Die Geschichte einer Stadt, Stuttgart 1992, S. 31–46.
Die Ortschaft Sulm war zunächst im Besitz der Staufer, die die Herren von Weinsberg mit dem Ort belehnten. Um 1212 hielt ein Engelhard von Weinsberg – oder auch Engelhard II. – unter Ulmen von Sulm Gericht, was durch eine Urkunde belegt ist. Die Herren von Weinsberg waren es auch, die die Burganlage auf dem Scheuerberg errichteten, die erstmals für 1264 nachgewiesen ist. Bis ins 13. Jahrhundert reicht wohl auch der Ursprung des Stadtschlosses zurück. Um etwa 1300 erhielt der Ort Sulm Stadt- und Marktrecht, was nicht direkt durch eine Urkunde belegt werden kann. Der ungefähre Zeitpunkt der Stadterhebung wurde aus zwei Urkunden geschlussfolgert, die 1248 und 1318 ausgestellt wurden. In der Urkunde von 1318 wurde die Stat zu Sulme erstmals genannt. Aus dieser Zeit um 1300 stammt wahrscheinlich auch die Stadtmauer mit mindestens zehn Türmen und den zwei Stadttoren.August Vogt: Villa Sulmana Neckarsulm – Bilder einer Stadtentwicklung. Neckarsulm 1999, S. 19 f und 33 f.
Die Burg Scheuerberg – als Verwaltungssitz für Neckarsulm und die Dörfer Erlenbach, Binswangen, Obereisesheim, Oedheim, Kochertürn, Lautenbach und halb Gellmersbach – wurde bereits 1331 an das Erzstift Mainz verpfändet. 1335 verkauften die Herren von Weinsberg die Burg Scheuerberg, die Stadt Sulm und die genannten Ortschaften für 22.000 Pfund Heller an das Erzstift Mainz, das den Ort von etwa 1450 bis 1483 an die Herren von Sickingen verpfändete. Um etwa 1400 errichteten die Mainzer Herren eine Münzstätte, die am heutigen Marktplatz östlich des alten Rathauses lag. Mitte bis Ende des 15. Jahrhunderts wurde die Kapelle im Gewann Steinach – der Vorgängerbau der heutigen Frauenkirche beim alten Friedhof – erbaut.Barbara Griesinger: Neckarsulm im Mittelalter. In: Neckarsulm. Die Geschichte einer Stadt, Stuttgart 1992, S. 47–74.
Neckarsulm unter der Herrschaft des Deutschen Ordens mini|Älteste Darstellung Neckarsulms, 1578 mini|Deutschordensritter und heutiges Stadtwappen an einer Hauswand in der Kolpingstraße mini|Neckarsulm um 1648; Kupferstich von Matthäus Merian 1484 kam die Stadt durch Tausch gegen die Ortschaft mit Burg Prozelten vom Erzstift Mainz an den Deutschen Ritterorden, dessen Herrschaft sie dann bis Anfang des 19. Jahrhunderts unterstand. Neckarsulm gehörte zur Deutschordensballei Franken, die wiederum ab 1500 ein Teil des Fränkischen Reichskreises wurde. Die typischen Farben Schwarz und Weiß des Deutschen Ordens sind noch heute im Stadtwappen mit dem schwarzen Kreuz auf weißem Grund und in der Stadtflagge zu finden und erinnern damit an die über 300 Jahre dauernde Zugehörigkeit zum Deutschen Orden. Ebenfalls 1484 wurde der Löwenbrunnen auf dem Marktplatz erstmals errichtet. 1513 wurde mit der Anstellung eines ersten Lateinlehrers der geregelte Schulunterricht in Neckarsulm begründet.
Im Bauernkrieg 1525 zerstörten aufgebrachte Bauern – vor allem wegen ihrer unerträglichen Lebensbedingungen – den Verwaltungssitz des Deutschordensamtmanns, die Burg auf dem Scheuerberg. Diese wurde danach nicht mehr aufgebaut; der Verwaltungssitz des Deutschordens wurde in das damals ebenfalls zerstörte, aber dann wiederhergestellte Stadtschloss verlegt. Der Bergfried diente als Gefängnis. Als Strafe dafür, dass Neckarsulm den Bauern Unterstützung gewährt hatte, wurde die Stadtbefestigung geschleift, aber im Laufe des 16. Jahrhunderts wieder errichtet, und den aufständischen Bauern wurden bis 1575 harte Auflagen erteilt, darunter Fronleistungen beim Bau von Rathaus (1544), Großem Kelter (1567) und dem Vorgängerbau der heutigen Stadtpfarrkirche (1575).
Über das Neckarsulmer Hochgericht gibt es widersprüchliche Angaben: Vermutlich waren Gericht und Gerichtsstätte zeitweise sowohl in Neckarsulm selbst als auch – laut Halsgerichtsordnung von 1539 – in Erlenbach gelegen.Michael Diefenbacher: Die Amtsstadt Neckarsulm des Deutschen Ordens 1484–1805. Zur Sonderrolle Neckarsulms unter der Herrschaft des Deutschen Ordens. In: Neckarsulm. Die Geschichte einer Stadt, Stuttgart 1992, S. 77–88.