Der Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ ist ein internationaler Verkehrsflughafen in Schönefeld, direkt an der südlichen Berliner Stadtgrenze.

Im Jahr 2026 flogen vom Flughafen aus 80 Fluggesellschaften zu 155 Flugzielen in 55 Ländern.Sommerflugplan 2026: Vom BER zu 155 Zielen in Europa und der Welt, BER Flughafen Berlin Brandenburg, abgerufen am 29. März 2026. Gemessen am Fluggastaufkommen war er 2025 mit 26,1 Millionen Passagieren der drittgrößte deutsche Flughafen.

Die Anlage wird durch die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH betrieben. Eigentümer der GmbH sind die Länder Berlin und Brandenburg sowie die Bundesrepublik Deutschland.

Der Bau des Flughafens, der 2006 begann, war eines der größten Bauprojekte Deutschlands. Die Aufnahme des Flugbetriebs war im Jahr 1999 für 2007 geplant. 2020 wurde der Flughafen eröffnet. Die Gesamtkosten für das Projekt betrugen etwa 7,3 Milliarden Euro.

Geschichte

Standortentscheidung

Pläne für einen Ausbau des Flughafens Schönefeld existierten seit den 1960er Jahren, wurden aber nur in sehr geringem Umfang umgesetzt. Die Notwendigkeit der Erweiterung von Kapazitäten und der Ruf nach dem Aufbau eines wettbewerbsfähigen, modernen Großflughafens für den Ballungsraum Berlin-Brandenburg erstarkten erst nach der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990.

mini|Flughafenausbauplanungen am Standort Schönefeld 1960–2020

Im Jahr 1992 wurden sieben für einen neuen Großflughafen Berlin-Brandenburg in Frage kommende Standorte nach verkehrlichen, wirtschaftlichen und Umweltaspekten verglichen. Als Standort für den Flughafen wurden neben Schönefeld vor allem Sperenberg und Jüterbog-Ost eine Zeit lang favorisiert. Obwohl in einem Suchverfahren im Rahmen der Raumordnung 1993 Schönefeld am schlechtesten bewertet wurde, entschieden sich der Bund und die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg, vertreten durch Matthias Wissmann, Eberhard Diepgen und Manfred Stolpe, am 28. Mai 1996 für diesen Standort. Kurz nach der Standortfestlegung wurden Bürgerinitiativen aus Berlin und dem Umland gegründet, die sich gegen die Pläne engagierten, den Flughafen am Berliner Stadtrand zum neuen Großflughafen auszubauen. Im März 2006 wurden die Musterklagen vom Bundesverwaltungsgericht zum überwiegenden Teil abgewiesen.

Grundlage des zu Beginn des 21. Jahrhunderts beschlossenen Ausbaues wurde der Konsensbeschluss aus dem Jahr 1996 und die daraus folgenden Verfahren, wie die darauf ausgelegte Landesentwicklungsplanung, der Planfeststellungsbeschluss des brandenburgischen Ministeriums für Infrastruktur und Raumordnung vom 13. August 2004 abgerufen am 19. Mai 2023 sowie der Planergänzungsbeschluss „Lärmschutzkonzept BBI“ vom 20. Oktober 2009. Sowohl der Konsensbeschluss als auch der Planfeststellungsbeschluss aus dem Jahr 2004 beinhalteten den Ausbau des Schönefelder Flughafens unter der Voraussetzung der Schließung der beiden anderen Berliner Flughäfen Tempelhof und Tegel.

Beim ersten Spatenstich 2006 wurde mit einer Eröffnung im Oktober 2011 gerechnet. 2010 wurde diese Prognose auf den 3. Juni 2012 verschoben. Am 8. Mai 2012, nur vier Wochen vor diesem Termin, wurde bekanntgegeben, dass die Eröffnung wegen Problemen mit der Brandschutzanlage verschoben werden müsse. In den Folgejahren wurden Missmanagement, Fehlplanungen und Pfusch am Bau sowie Baufehler bekannt. Aufgrund immer weiterer sicherheitsrelevanter Probleme mit der Gebäudetechnik des Hauptterminals wurde der Eröffnungstermin mehrmals verschoben und der Flughafen konnte lange Zeit nicht in Betrieb gehen.

Ab 2010 formierten sich weitere Bürgerinitiativen, die sich gegen den Flughafenbau richteten. Diese sahen die Belastung durch Fluglärm und Schadstoffemissionen als nicht ausreichend berücksichtigt. Mehrere Anwohner von vier betroffenen Gemeinden klagten zusätzlich gegen den Planfeststellungsbeschluss. Dem Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft zufolge sind vor der Eröffnung des BER etwa 225.000 Berliner von Fluglärm betroffen, nach der Eröffnung rund 65.000.

Umsiedlungen Für die Ortschaften Diepensee und Selchow sind Umsiedlungen durchgeführt worden, da die Dörfer teilweise auf dem geplanten Flughafengelände lagen. Alle 335 Einwohner mussten Diepensee verlassen, das Dorf wurde in einen eigens dafür neu errichteten Ortsteil von Königs Wusterhausen umgesiedelt. Von Selchow zogen 35 Einwohner nach Großziethen. Die Umsiedlungen von Diepensee und der betroffenen Selchower Ortsteile wurden bis Dezember 2004 bzw. Juli 2005 vorgenommen.

Dabei ermöglichte insbesondere die Umsiedlung der Ortslage Diepensee eine zweijährige Erforschung der 14 Hektar großen Fläche, wodurch das mittelalterliche Dypensey, ein Angerdorf des 13. und 14. Jahrhunderts, dessen Geschichte zuvor weitgehend unbekannt war, sehr gut erhalten zutage trat.

Bauarbeiten mini|Im Bau befindlicher Terminal, März 2010

Mit der Realisierung des Projekts wurde als Generalplaner die Planungsgemeinschaft Berlin-Brandenburg International (pg bbi) beauftragt, ein Gemeinschaftsunternehmen, bestehend aus dem Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner,Eine Tragödie in Nussbraun. In: Der Spiegel, 21. August 2020 der JSK und der IGK-IGR Ingenieurgesellschaft Kruck mbH. Zu den größten Auftragsnehmern und bauausführenden Unternehmen zählen u. a. Siemens, Bosch, T-Systems, Rom, Caverion.Thorsten Metzner: So verdienen die Firmen am BER-Desaster. In: Der Tagesspiegel, 23. November 2017.

Der erste Spatenstich zur zentralen Baustelleneinrichtung erfolgte am 5. September 2006. Zuerst wurden Baustraßen und die Bau-Infrastruktur errichtet und die Rollbahnanschlüsse an die BER-Nordbahn hergestellt. 2007 begann der Bau des Eisenbahntunnels, des Tunnelbahnhofs und der neuen Südbahn sowie der Lückenschluss der Bundesautobahn 113. Der neue Abschnitt der A 113 wurde im Mai 2008 eröffnet.

Am 11. Juli 2008 begannen die Bauarbeiten zum Hauptterminal. 2010 wurde die Feuerwache erstmals in Betrieb genommen.

Der Bau des Flughafens Berlin Brandenburg entwickelte sich seit 2012 zu einem der größten Skandale der deutschen Baugeschichte. Bei den Bauarbeiten wurden bis Ende 2012 Unfälle bekannt, bei denen vier Menschen ums Leben kamen, 46 schwer und 197 leicht verletzt wurden.Fast 250 Arbeitsunfälle am künftigen Flughafen BER. In: Berliner Zeitung, 5. Mai 2013.

Zubringerbauten

Im Rahmen des Flughafenbaus entstanden rund 18,5 km Fern- und Regionalbahnstrecke. Die Verlängerung der S-Bahn vom bestehenden Bahnhof Schönefeld zum neuen Flughafenbahnhof, mit zusätzlichem Haltepunkt in Waßmannsdorf, misst 8,6 km. Auf dem Flughafengelände werden beide Strecken in einem 3009 m (Fernbahn) bzw. 2425 m (S-Bahn) langen Tunnel in Ost-West-Richtung geführt.

mini|Bauarbeiten an der westlichen Tunneleinfahrt des künftigen Flughafen-Bahnhofs, Juli 2010

Die Ausführung des Tunnelrohbaus erfolgte durch eine Arbeitsgemeinschaft, die sich aus mittelständischen Berliner Bauunternehmungen zusammensetzte. Die Bauarbeiten am Empfangsgebäude begannen im Sommer 2007 und waren im Juli 2008 so weit fortgeschritten, dass der Bereich überbaut werden konnte. Die Tunnelstation liegt mit rund 14,5 m unter dem Gelände als unterstes Geschoss des neuen Terminals.

Im November 2007 wurden die Aufträge für die Rohbauarbeiten der westlichen Schienenanbindung sowie der Oberbauarbeiten und zu den Bahnsteigen des Flughafenbahnhofs vergeben. Die beiden Aufträge umfassen 2,4 km Trogbauwerke, drei Eisenbahn- und vier Straßenbrücken. Rund 330.000 m³ Erdmassen mussten bewegt und etwa 87.000 m³ Stahlbeton eingebaut werden. Insgesamt wurden 33 km Gleise mit 23 Weichen verlegt.

Der Bau war in neun Teilabschnitte untergliedert, die zeitlich versetzt zueinander ausgeführt wurden. Die Baugruben der Bauwerke entstanden dazu größtenteils im Schutz einer Grundwasserabsenkung, sodass ein konventioneller Aushub erfolgen konnte. In den Baugruben wurden anschließend die Bauwerke als Stahlbetonkonstruktionen (Weiße Wanne) in Ortbetonbauweise errichtet. Juli 2008 war der erste – 185 Meter lange – Abschnitt des Bahnhofs im Rohbau so weit fertiggestellt, dass darauf das Terminalgebäude errichtet werden konnte. Für die Ostanbindung erfolgte der Planfeststellungsbeschluss erst im Frühjahr 2010.

Die Schienenanbindung samt Flughafenbahnhof ist seit dem 7. Juni 2011 elektrisch befahrbar und seit dem 30. Oktober 2011 betriebsfähig.

Insgesamt wurden rund 636 Millionen Euro investiert. Davon trug der Bund 576 Millionen Euro, die Bundesländer Berlin und Brandenburg jeweils 30 Millionen Euro.

Bauskandal

In der Folge der Absage der Eröffnung des Flughafens im Juni 2012 traten schnell mehr und mehr Baudefizite und -mängel sowie Managementversagen im Zusammenhang mit dem Bauvorhaben in Erscheinung, die sich später zu einem der größten Skandale der deutschen Baugeschichte entwickeln sollten. Fortwährend neu veröffentlichte Eröffnungstermine und deren Absagen folgten die gesamten 2010er Jahre hindurch in stetem Wechsel aufeinander, während sich die Baukosten vervielfachten und der Flughafen in Deutschland allgemein zum Synonym für staatliches Missmanagement und aus dem Ruder gelaufene staatliche Großprojekte wurde.

Inbetriebnahme Um einen problemfreien, nahtlosen Standortwechsel von Schönefeld und Tegel zum BER zu gewährleisten, entschied man sich, den Flughafen mit all seinen Prozessen und Abläufen bereits vor der Eröffnung intensiv zu testen.

Der erste Probebetrieb fand ab November 2011 unter Mitwirkung von rund 10.000 Komparsen statt und wurde am 8. Mai 2012 aufgrund der Verschiebung des Eröffnungstermins abgebrochen. Im Zeitraum April bis Oktober 2020 wurde ein erneuter Probebetrieb abgehalten. Es wurden Check-in, Gepäckaufgabe und -sortierung, Durchlauf von Sicherheits- und Passkontrolle sowie Boarding, bis hin zur Gepäckabholung und Transfer mit rund 500 (Negativ-)Szenarien durchgespielt. Des Weiteren gehörten zur Testphase auch Nachtprobebetriebe, Notfallübungen oder Massenprobebetriebe dazu.

Ende August 2012 wurde als erstes Gebäude die „Aufnahmeeinrichtung für Asylsuchende“ eröffnet. Am 3. Juli 2013 wurde als erster Schritt zur Teileröffnung des Flughafens das neue Frachtzentrum eröffnet. Die erste Abfertigung eines Frachtflugzeuges erfolgte am 1. August 2013.Erste Maschine bringt Luftfracht zum Hauptstadtflughafen BER. Bei: airliners.de, 1. August 2013.

Air Berlin und Oneworld Alliance planten am BER ein Luftfahrt-Drehkreuz zu betreiben. Air Berlin meldete 2017, vor der verspäteten Eröffnung des Flughafens, Insolvenz an.

Im April 2020 erklärte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup, dass alle erforderlichen Dokumente der Bauaufsichtsbehörde, darunter auch bisher offene Prüfbescheinigungen des TÜV, übergeben worden seien. Damit lagen alle behördlichen Genehmigungen vor. abgerufen am 19. Mai 2023 Zu diesem Zeitpunkt startete auch der ORAT-Probebetrieb. An insgesamt 28 Testtagen wurden 9000 Freiwillige eingesetzt. Mit Bescheid vom 1. Oktober 2020 gestattete die Gemeinsame Obere Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg der Flughafengesellschaft die rechtliche Inbetriebnahme des BER zum 4. November 2020.

mini|Bahnhof Flughafen BER, 2020

Am 25. Oktober 2020 wurde bereits das IATA-Kürzel des Flughafens Schönefeld von SXF in BER geändert und dessen bestehenden Abfertigungsanlagen in „BER Terminal 5“ umbenannt. Ebenfalls wurde der Flughafenbahnhof eröffnet. Am 29. Oktober folgte die Linie S45 und ab dem 1. November auch der Regional- und Fernverkehr.

Die geringere Auslastung des Flughafens Tegel aufgrund der COVID-19-Pandemie ermöglichte einen sukzessiven Umzug eines Großteils der Technik und des Materials bereits während des Probebetriebs. Im Zeitraum vom 31. Oktober bis zum 8. November fand der endgültige Umzug in drei Etappen statt, bei dem unter anderem die Vertretungen aller 59 Fluggesellschaften sowie sämtliche Bodenabfertigungsdienste und deren Fahrzeuge von Tegel nach Schönefeld verlagert wurden. abgerufen am 19. Mai 2023