Der Landkreis Schlüchtern (auch Kreis Schlüchtern) war ein von 1821 bis zur Gebietsreform 1974 bestehender Landkreis in Hessen. Sein Gebiet gehört seitdem zum Main-Kinzig-Kreis. Die Kreisstadt war Schlüchtern. Er bestand zuletzt aus den Städten Schlüchtern, Steinau, Bad Soden-Salmünster und den Gemeinden Sinntal und Züntersbach sowie einem Teil des Gutsbezirk Spessart.
Geographie Zuletzt grenzte der Landkreis, im Osten beginnend im Uhrzeigersinn, an die Landkreise Bad Kissingen und Main-Spessart in Bayern sowie an den Landkreis Gelnhausen, den Vogelsbergkreis und den Landkreis Fulda in Hessen an. Südlich des Gutsbezirk Spessart schloss sich der Forst Aura mit dem zur bayerischen Markt Obersinn gehörenden Weiler Emmerichsthal als funktionale Exklave an.
Vor der Gebietsreform war der Landkreis bis zum 30. Juni 1972 von den Landkreisen Bad Brückenau, Gemünden am Main, Gelnhausen, Lauterbach und Fulda umgeben.
Die Große Haube (auch Mottener Haube genannt) war bis zur Gebietsreform am 31. Juli 1972 mit einer Höhe von als Grenzgipfel zwischen dem bayerischen Motten und dem hessischen Heubach die höchste Erhebung des Landkreises Schlüchtern. Infolge der Eingemeindung der Gemeinde Heubach zur Gemeinde Uttrichshausen lag dieser Punkt in der Zeit vom 1. Januar 1972 bis 31. Juli 1972 im Gemeindegebiet Uttrichshausen. Sie gehört in der naturräumlichen Trennung der Haupteinheitengruppe Osthessisches Bergland (Nr. 35), in der Haupteinheit Vorder- und Kuppenrhön (353) und in der Untereinheit Kuppenrhön (353.2) zum Naturraum Brückenauer Kuppenrhön (353.20). Der Frauenstein (Taufstein) im Gemeindegebiet Oberkalbach unweit der Gaststätte "Zum Taufstein" (Gemarkung Heubach) und des Sparhofs (Gemarkung Veitsteinbach) war mit Höhenangabe aus Geoportal Hessen der zweithöchste Gipfel und die höchste Binnenerhebung des Landkreises Schlüchtern. Er stellt innerhalb der Brückenauer Kuppenrhön den Beginn des Landrückens dar. 1971 wurde der Frauenstein mit dem Frauensteinlift ausgestattet, deren Liftstützen bis wenige Meter vor den Gipfel reichen. Die dritthöchste Erhebung im Kreisgebiet war der südlich zur Großen Haube benachbarte bayerisch-hessische Grenzgipfel Kleine Haube mit .Höhenangabe aus Geoportal Hessen Mit der Kreisgebietsreform des Landkreises Fulda zum 1. August 1972 fielen die Gipfel Große Haube, Frauenstein und Kleine Haube in den Landkreis Fulda. Dadurch wurde der Haag in der Gemeinde Sinntal mit zur höchsten Erhebung des Landkreises Schlüchtern.
Geschichte Der Kreis Schlüchtern wurde 1821 aufgrund einer kurfürstlichen Verordnung als ein Kreis der kurhessischen Provinz Hanau gebildet.Verordnung vom 29. Juni 1821 über die Umbildung der bisherigen Staatsverwaltung betreffend. In: (Sammlung von Gesetzen, Verordnungen, Ausschreiben und anderen allgemeinen Verfügungen für Kurhessen vom Jahre 1821, Hof- und Waisenhaus-Druckerei, Cassel) kurhess GS 1821, S. 29–62; auch in: Wilhelm Möller, Karl Fuchs (Hrsg.): Sammlung der im Kurfürstenthum Hessen noch geltenden gesetzlichen Bestimmungen von 1813 bis 1860. Elwert’sche Universitäts-Buchhandlung, Marburg/Leipzig 1866, S. 311–351. Infolge der Märzrevolution 1848 wurde der Landkreis Schlüchtern am 31. Oktober 1848 aufgelöst und in den neugebildeten Bezirk Hanau eingegliedert. Am 15. September 1851 wurde der alte Kreis wiederhergestellt. 1860/61 wurde dem Landkreis Schlüchtern der bayerische Teil von Züntersbach angegliedert.
Durch die Annexion Kurhessens durch das Königreich Preußen nach dem Preußisch-österreichischen Krieg 1866 wurde der einst kurhessische Kreis Schlüchtern preußisch. 1867 wurde er Teil des neuen Regierungsbezirkes Kassel und 1868 der neu gebildeten Provinz Hessen-Nassau.
Die Gutsbezirke im Kreis Schlüchtern wurden in den Jahren 1928 und 1929 aufgelöst.Amtsblatt der Regierung zu Kassel - vgl. Jahrgang 1928 Nr. 37a, Sonderbeil. zu Nr. 48; Jahrgang 1929 Nr. 38. Digitalisat
Zum 1. Juli 1944 wurde die preußische Provinz Hessen-Nassau in die neugebildeten Provinzen Kurhessen und Nassau aufgeteilt und dabei wurden die Kreise Kreis Gelnhausen, Hanau und Schlüchtern sowie die kreisfreie Stadt Hanau vom Regierungsbezirk Kassel in den Regierungsbezirk Wiesbaden überführt. Im April 1968 wechselte der Landkreis Schlüchtern nach der Auflösung des Regierungsbezirks Wiesbaden in den Regierungsbezirk Darmstadt.
Gutsbezirk Spessart Der Gutsbezirk Spessart wurde am 30. September 1929 aus verschiedenen Forstgutsbezirken gebildet und erstreckte sich über die Landkreise Schlüchtern und Gelnhausen. Der Gutsbezirk "Spessart, Anteil Kreis Schlüchtern" bildete sich dabei aus Teilen des Forst Marjoß und des Forst Salmünster. Teile des Forst Marjoß wurden der Gemarkung der Landgemeinde Jossa zugeschlagen, während Teile des Forst Salmünster der Gemarkung der Stadtgemeinde Salmünster zugeschlagen wurden, wovon ein Teil bereits bewohnt war. Der Rest ging an den Gutsbezirk Spessart. Südlich des in den Gutsbezirk Spessart aufgegangenen Forst Marjoß schießt sich der Forst Aura mit dem Weiler Emmerichsthal an.
Gebietsreform im 20. Jahrhundert Bis zu den ersten Gemeindefusionen im Jahre 1969 umfasste der Landkreis 46 Gemeinden, darunter die drei Städte Bad Soden, Salmünster und Schlüchtern, sowie den Gutsbezirk Spessart. Im Jahr 1972 änderte sich die Abgrenzung des Landkreises: Die Gemeinde Katholisch-Willenroth des Landkreises Gelnhausen wurde am 1. Juli in die Stadt Salmünster im Landkreis Schlüchtern eingegliedert. Die Gemeinden Oberkalbach und Uttrichshausen wurden am 1. August in die Gemeinde Kalbach des Landkreises Fulda eingegliedert. Die Gemeinde Reinhards wurde am 1. August in die Gemeinde Freiensteinau des Vogelsbergkreises eingegliedert. Durch eine Reihe von weiteren Gemeindefusionen verringerte sich die Zahl der Gemeinden des Landkreises bis Juni 1974 auf 14.
Die Hessische Landesregierung beschloss am 23. Mai 1972 nach den damals gültigen Regelungen der Hessischen Gemeindeordnung (HGO), dass die Gemeinde Katholisch-Willenroth aus dem Landkreis Gelnhausen zum 1. Juli 1972 in die Stadt Salmünster im Landkreis Schlüchtern eingegliedert wird, wodurch sich der Landkreis letztmalig in der Fläche vergrößerte. Ein eigenes Gesetz zur Eingliederung bedurfte es hierzu nicht.
Da in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeitgleich zu den Gebietsreformen in Hessen auch in Bayern entsprechende Bestrebungen erfolgten, grenzte der Landkreis Schlüchtern bis zum 30. Juni 1972 entlang der Staatsgrenze zum Freistaat Bayern an den Landkreis Bad Brückenau und Landkreis Gemünden am Main an. Ab 1. Juli 1972 folgte auf den Landkreis Bad Brückenau der Landkreis Bad Kissingen und auf den Landkreis Gemünden am Main der Landkreis Mittelmain, der zum 1. Mai 1973 in Landkreis Main-Spessart umbenannt und unter großem Protest der Kreissitz von Lohr am Main nach Karlstadt verlegt wurde. Im Rahmen des ersten Neugliederungsabschnitts der hessischen Gebietsreform wurde zum 1. August 1972 der benachbarte Landkreis Lauterbach mit dem Landkreis Alsfeld unter einem Rechtsnachfolger mit dem neuen Namen "Vogelsbergkreis" zusammengeschlossen. Die Fusion und neue Namensgebung waren nicht die einzige Änderung im Nachbarkreis, da sich mit der Reform auch die Grenzen zum Blauen Eck veränderten, indem die Gemeinde Reinhards aus dem Landkreis Schlüchtern ausgekreist und in die Gemeinde Freiensteinau des neu geschaffenen Vogelsbergkreises eingegliedert wurde. Zeitgleich erfolgte die Auskreisung und Eingemeindung von Oberkalbach und Uttrichshausen mit dem Ortsteil Heubach in die Gemeinde Mittelkalbach des Landkreises Fulda, die fortan den Namen Kalbach erhielt. Trotz des Zuwachses von Katholisch-Willenroth schrumpfte der Landkreis Schlüchtern im Jahr 1972 durch eine Vielzahl an Gebietsverlusten zusammen und reduzierte sich um die drei Gemeinden Uttrichshausen (Heubach bereits eingemeindet), Oberkalbach und Reinhards. Zudem verkürzte sich der Grenzverlauf des Landkreises Schlüchtern zum Freistaat Bayern und des bayerischen Landkreises Bad Kissingen, da die Grenze zum bayerischen Staatsgebiet entlang der Gemeinde Uttrichshausen mit dem Ortsteil Heubach nun in den Landkreis Fulda fiel.
Am 1. Juli 1974 ging der Landkreis Schlüchtern gemeinsam mit den Landkreisen Hanau und Gelnhausen sowie der kreisfreien Stadt Hanau im Main-Kinzig-Kreis, dem bevölkerungsreichsten Landkreis Hessens, auf. Gleichzeitig fanden zum 1. Juli 1974 noch weitere Eingemeindungen statt, so dass aus dem Altkreis Schlüchtern neben dem Gutsbezirk Spessart letztendlich die Städte Schlüchtern, Steinau an der Straße und Bad Soden-Salmünster sowie die Gemeinden Sinntal und Züntersbach in den Main-Kinzig-Kreis eintraten.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1821 17.557 Johann Peter Eyring: Der Landkreis Hanau. In: Georg-Wilhelm Hanna (Bearb.): Der Landkreis Hanau und seine Landräte. Hrsg.: Kreissparkasse Hanau. Hanau 1989, S. 7. 1871 30.626 Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Hessen-Nassau und ihre Bevölkerung 1871 1890 28.497 1900 28.093 1910 31.964 1925 30.692 1939 31.338 1950 45.533 1960 40.400 1970 44.000 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1973 43.600 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1975
Politik Landräte Von Bis Name 1821 1825 George Stern 1825 1829 Karl Friedrich Giesler 1829 1833 Wilhelm Henß 1834 1840 Heinrich Rudolph Ferdinand Wachs 1840 1845 Jacob Adrian Wilhelm von Specht 1847 1849 August Emil Wegner 1849 1851 Martin Schlott 1851 1859 Karl Friedrich Leopold Cöster 1860 1863 Heinrich Kramm 1863 1880 Hermann Wolff von Gudenberg 1880 1904 Eugen Albert Heinrich Roth 1904 1906 Wilhelm zu Solms-Laubach 1906 1916 Justus Theodor Valentiner 1916 1927 Bodo von Trott zu Solz 1927 1933 Friedrich Müller (DDP) 1933 1945 Adolf von und zu Gilsa (NSDAP) 1945 1946 Josef Christian Körling (später CDU) 1946 1964 Walter Jansen (CDU) 1964 1970 Wolfgang Seibert (CDU) 1970 1974Eckhard Momberger (SPD)
Wappen und Flagge 100px|mini Wappen links|100px|Wappen des Landkreises Schlüchtern Das Wappen des Landkreises Schlüchtern ist in ein Mal geteilt und ein Mal gespalten. Heraldisch oben rechts sind auf goldenem Hintergrund drei rote Sparren (für das ehemalige Fürstentum Hanau). Auf der oberen linken Seite befindet sich auf blauem Hintergrund ein neunmal silbern und rot geteilter steigender Löwen (für das ehemalige Kurfürstentum Hessen). Unten rechts ist ein durchgehendes schwarzes Kreuz (für das ehemalige Hochstift Fulda). Der vierte Teil, unten links, ist viermal schrägrechts mit Rot und goldenen Streifen geteilt (für die Standesherren von Hutten).
Das Wappen wurde am 15. April 1935 genehmigt. Gezeichnet wurde das Wappen des Landkreises von Heinz Ritt.
Flagge Am 19. Juni 1956 wurde dem Landkreis Schlüchtern durch das Hessische Innenministerium eine Flagge genehmigt, die wie folgt beschrieben wird:
„Das von Rot und Gold geteilte Flaggentuch zeigt das Wappen das Kreises Schlüchtern, das im gevierten Schild 1. drei rote hanauische Sparren in Gold, 2. den rot-weiß gestreiften hessischen Löwen in Blau, 3. das Schwarze Fuldaer Kreuz in Silber und 4. die beiden Hutt’schen Schrägbalken in Rot darstellt.“
Gemeinden Die folgende Liste enthält alle Gemeinden, die dem Landkreis Schlüchtern während seines Bestehens angehörten, sowie die Daten aller Eingemeindungen: