Kleve ([], kleverländisch Kleef, , , , amtliche Schreibweise bis 20. Juli 1935: CleveStatistik des Deutschen Reichs, Band 450: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich, Teil I, Berlin 1939; S. 267Bert Thissen: Der Ortsname ‚Kleve‘. Die heutige Schreibweise aus historischer Sicht. In: Klevischer Verein für Kultur und Geschichte, Freunde der Schwanenburg: Beiträge zur klevischen Geschichte, 1, Kleve 2009, S. 3 (PDF)) ist eine mittlere kreisangehörige Stadt des Kreises Kleve im Regierungsbezirk Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen. Sie ist Sitz des Kreises Kleve, Mittelzentrum und Mitglied der Euregio Rhein-Waal. Die Stadt liegt am unteren Niederrhein an der Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden.

Der Name Kleve leitet sich ab von mittelniederländisch clef, clif‚ Kliff, Klippe, dem markanten steilen Hang des Burgberges, einer Endmoräne aus der Eiszeit.

Als Mittelpunkt des gleichnamigen Herzogtums und zeitweise Kurort hatte Kleve lange Zeit eine überregionale Bedeutung.

Geografie Lage Kleve gehört geografisch zur Unteren Rheinniederung und zu den Niederrheinischen Höhen, beides Teile des Niederrheinischen Tieflands.Wilhelm von Kürten (Bearbeiter): Geographische Landesaufnahme. Naturräumliche Gliederung Deutschlands. Blatt 95/96. Kleve, Wesel. Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen 1977, 75 Seiten, ISBN 3-87994-323-0Wilhelm von Kürten: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 95/96, Kleve/Wesel. Kartenblatt, 1977 (PDF-Datei, Navigation mit kompletter Naturraumliste, ca. 6,9 MB)

Der Klever Berg ist mit einer Höhe von der höchste Punkt des Stadtgebiets. Der tiefste Punkt Kleves mit elf Metern befindet sich in der Düffel.

Stadtgliederung Neben der Kernstadt Kleve gehören 14 weitere Stadtteile zur Stadt (Einwohner in Klammern). (PDF; 1,32 MB).

Nachbargemeinden Die Stadt Kleve grenzt im Norden an die Gemeinde Berg en Dal (Provinz Gelderland, Niederlande), die Gemeinde Zevenaar (Provinz Gelderland, Niederlande) und die Stadt Emmerich am Rhein, im Osten an die Stadt Kalkar, im Süden an die Gemeinde Bedburg-Hau sowie die Stadt Goch. Im Westen liegt die Gemeinde Kranenburg.

Geschichte Entstehung und Mittelalter mini|Kleve im 16. Jahrhundert, links die überragende Schwanenburg, rechts Mühle und Propsteikirche St. Mariä Himmelfahrt

Kleve war Sitz der Grafen und Herzöge von Kleve. Keimzelle der Stadt war die auf das 10. Jahrhundert zurückgehende Schwanenburg, neben der eine Siedlung entstand. 1092 wurde der Name „Cleve“ erstmals urkundlich erwähnt. Der Burg gegenüber, auf dem Heideberg, gründete Graf Dietrich VI. die Stadt Kleve, der er die Stadtrechte am 25. April 1242 verlieh.Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 494–497 Das Recht zur Ratswahl erhielt die Stadt gegen Ende des 13. Jahrhunderts. Im 14. Jahrhundert kam es anlässlich der Verlegung des landesherrlichen Marienstifts von der Burg Monterberg nach Kleve zu einer erheblichen Stadterweiterung, der Gründung der Neustadt, dem Hagschen Viertel. Große Brände verwüsteten Kleve 1368 und 1528. Weiteren Aufschwung nahm die Stadt dank der (Heirats-)Politik der Grafen von Kleve. Auf dem Konzil von Konstanz wurde Graf Adolf II. 1417 in den Herzogsstand erhoben.

Frühe Neuzeit mini|Kleve mit Binnentor im Jahr 1745 Seit der Vereinigung der Herzogtümer Kleve, Jülich, Berg und der Grafschaften Mark und Ravensberg 1521 konkurrierte Kleve mit Düsseldorf als herzogliche Residenz. Die vereinigten Herzogtümer umfassten im 16. Jahrhundert ein Gebiet, das – ausgenommen die Fürstbistümer Köln, Münster und Paderborn sowie der Grafschaft Lippe – ungefähr dem heutigen Nordrhein-Westfalen entspricht. Nach dem Tod des kinderlosen Herzogs Johann Wilhelm 1609 fielen die Territorien an das Kurfürstentum Brandenburg und an die pfälzischen Wittelsbacher von Pfalz-Neuburg, 1614 bekam Brandenburg davon Kleve, Mark und Ravensberg. Im 17. Jahrhundert erhielt Kleve den Status einer dritten brandenburgischen Residenzstadt (neben Berlin und Königsberg (Preußen)).

1647 bis 1679 war Johann Moritz von Nassau-Siegen vom Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm (1620–1688) als Statthalter in Kleve eingesetzt. Friedrich Wilhelm hatte zuvor über Johann Moritz in Den Haag die Prinzessin Luise Henriette von Oranien kennengelernt. Nach ihrer Heirat bevorzugten sie zuerst Kleve vor Berlin als Lebensmittelpunkt; in Kleve kamen die ersten zwei von sechs Kindern zur Welt.

Johann Moritz hatte für die niederländische „West-Indische Compagnie“ in Brasilien Mauritsstad (seit 1710 Recife) gegründet. In Den Haag ließ Johann Moritz nach seiner Heimkehr von dem berühmten Architekten Jacob van Campen eine prächtige Villa bauen, het Mauritshuis, derzeit eines der bedeutendsten Museen in den Niederlanden. Nachdem Johann Moritz von Friedrich Wilhelm nach Kleve geholt worden war, veranlasste er den barocken Umbau der Schwanenburg. Als Residenz des Statthalters wurde der Prinzenhof errichtet, an den heute nur noch ein Straßenname erinnert. Die von ihm initiierten Parkanlagen und barocken Gärten rund um die Stadt, darunter das in die Landschaft eingebettete Moritzgrab, gewannen erheblichen Einfluss auf die europäische Gartengestaltung des 17. Jahrhunderts. Die damals bekannte Stadt und die Gärten besuchten viele Reisende: John Locke war 1665/66 zeitweise als Sekretär des englischen Gesandten hier, erstaunt über den konfessionellen Frieden. Voltaire kam 1740 und 1750 als Gast des Königs.

An die Zeit unter brandenburgischer Herrschaft erinnert heute eine Reiterstatue des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm vor dem Marstall auf dem Platz vor der Schwanenburg.

Vom 18. Jahrhundert bis 1933 mini|Cleve um 1895 1741 wurde die Mineralquelle am Springenberg entdeckt, wodurch die Stadt zu Bad Cleve wurde. Die Kuranlagen wurden Mitte des 19. Jahrhunderts, der Blütezeit der Klever Kur, erheblich ausgebaut. Das ehemalige Kurhaus ist heute umgebaut zum Museum Kurhaus Kleve.. 1914 versiegte die Mineralquelle und der Erste Weltkrieg brachte den Kurbetrieb vollends zum Erliegen; bis dahin durfte sich Kleve als Bad bezeichnen.

Im Siebenjährigen Krieg wurde Kleve 1756 von französischen Truppen besetzt und von Österreich verwaltet. Julius Ernst von Buggenhagen, Präsident der preußischen Kriegs- und Domänenkammer, legte 1782 den Forstgarten an, ihm folgte 1793 der Freiherr vom Stein. Dann eroberten 1794 französische Revolutionstruppen die Stadt. Von 1798 bis 1814 war sie Verwaltungssitz des Arrondissement de Clèves im Département de la Roer der Französischen Republik bzw. des Kaiserreichs Frankreich. Während dieser Zeit bildete Kleve eine Mairie nach französischem Vorbild und gehörte zum Kanton Kleve.GenWiki: Kanton Cleve

Durch den Wiener Kongress fiel die Stadt 1815 wieder an Preußen, das den Regierungsbezirk Kleve als einen von 28 Regierungsbezirken in Preußen aufgrund der „Preußischen Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzialbehörden“ vom 30. April 1815 neugründete. Am 22. April 1816 nahm die Verwaltung ihre Tätigkeit auf. Schon nach knapp sechs Jahren wurde der Klever Bezirk zum 22. Juni 1822 aufgelöst und mit dem Regierungsbezirk Düsseldorf vereinigt. Das Oberlandesgericht wurde 1820 nach Hamm verlegt. Damit gingen viele protestantische Beamte und Richter samt ihren Einkünften der Stadt verloren.

Am 23. April 1816 wurde der Kreis Kleve als einer von 29 Landkreisen der Provinz Jülich-Kleve-Berg, der späteren Rheinprovinz, gebildet. Aus der Mairie Kleve der Franzosenzeit wurde nun die preußische Bürgermeisterei Kleve. Ein königliches humanistisches Gymnasium wurde 1817 neu gegründet.

mini|hochkant|Margarinewerbung 1911

Im kulturellen und sprachlichen Bereich hatte die Rückkehr der preußischen Behörde weitreichende Folgen. Die relative Toleranz in Sprachfragen, die Preußen noch im 18. Jh. in seinen niederrheinischen Provinzen gegenüber der Verwendung des Niederländischen hatte walten lassen, wich im 19. Jh. einer rigiden, aktiven Sprachpolitik, deren Ziel die vollständige Verdrängung des Niederländischen und die Etablierung des Deutschen als alleiniger Standard- und Schriftsprache war.Werner Besch: Sprachgeschichte: ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache, 3. Teilband. De Gruyter, 2003, S. 2636. So wurde 1827 in Kleve der Gebrauch der niederländischen Sprache in Elementarschule und Kirche verboten.Wilhelm Böttger: Land zwischen Rhein und Maas: der Linke Niederrhein. In: Monographien deutscher Wirtschaftsgebiete. Nr. 7, 1958, S. 22. Mit dem Verlust der letzten öffentlichen Domänen verschwand das Niederländische auch weitestgehend aus der privaten Schriftlichkeit (Anschreibebücher, Tagebücher, Briefe).Georg Cornelissen: Das Niederländische im preußischen Gelderland und seine Ablösung durch das Deutsche, Rohrscheid, 1986, S. 93. Dennoch wurde im Klevischen bis in die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts hinein in den Kirchen Niederländisch gesprochen und gelehrt, sodass es um 1900 noch 80.361 niederländischsprachige Einwohner des deutschen Kaiserreiches gab.Gesellschaft für Deutsche Sprache. In: Der Sprachdienst, Nr. 18: Die Gesellschaft, 1974, S. 132.

Im preußischen Kulturkampf nach 1871 gab es zahlreiche Konflikte wegen der Maigesetze.Lukas Bergmann: Kulturkampf und katholisches Milieu in Kleve. (PDF; 225 kB). Abgerufen am 27. November 2022. So wurden mehrere Bürgermeister nicht anerkannt, Gemeindepriester verurteilt.

Die industrielle Entwicklung Kleves war durch die Schuhproduktion (u. a. Gustav Hoffmann, Elefanten-Schuhe) und die neue Margarine (Ersatz für die fehlende Butter: Van den Bergh) geprägt. Besonders im Ersten Weltkrieg wuchsen die Fabriken.

Nach der Niederlage wurde Kleve 1918 bis 1926 von belgischen Truppen besetzt. Bei der Novemberrevolution 1918 behielt die antirevolutionäre Zentrumspartei die Oberhand. An die Besatzungszeit und Ermordung eines Klever Bauern erinnerte ab 1928 ein vom späteren NS-Künstler Arno Breker geschaffenes Denkmal. Wegen der bis 1936 bestehenden Entmilitarisierung des Rheinlands konnte das Kasernengebäude (Baujahr 1905) an der Brabanter Straße ab 1930 als Berufsschule (bis 1980) genutzt werden. mini|Arno Brekers Denkmal zur belgischen Besatzungszeit, 1928

NS-Zeit und Zweiter Weltkrieg Kleve gehörte zum NS-Gau Essen, kommissarischer Bürgermeister wurde 1933 der Spediteur und langjährige Nationalsozialist (Parteieintritt 1925, Stadtverordneter 1929) Alwin Görlich. Ihm folgte noch im Dezember 1933 bis 1936 SS-Obersturmführer Karl Puff (NSDAP), 1936 bis 1942 der Bankier Kurt Ebel. Kreisleiter und Landrat bis 1945 wurde Friedrich Neven. Die Bücherverbrennung 1933 fand am 19. Mai 1933 auf dem Schulhof des Klever Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums statt, das Joseph Beuys besuchte. Nach eigener Aussage hat Beuys dabei das Buch Systema Naturæ von Carl von Linné „aus diesem großen brennenden Haufen […] beiseite geschafft“ und gerettet.Götz Adriani, Winfried Konnertz, Karin Thomas: Joseph Beuys. DuMont, Köln 1994, S. 13 f. mini|Ewald Mataré, Ehrenmal Toter Krieger (1934), 1938 entfernt Ewald Matarés „Toter Krieger“, noch 1934 als Mittelpunkt des Klever Ehrenmals für die Gefallenen des Weltkrieges geschaffen, wurde 1938 von den Nationalsozialisten abgebrochen und auf einem städtischen Lagerplatz vergraben. Erst 1977 wurde das Denkmal wiederentdeckt und befindet sich heute vor der Stiftskirche St. Mariä Himmelfahrt.

Zu den bekanntesten Widerständlern gehörten noch als Gymnasiast der spätere Priester Karl Leisner und sein Mentor Walter Vinnenberg. Der Kommunist Willi Wellmann erhielt 1933 eine Haftstrafe für einen „Heil Moskau“-Ruf. Andere Aktionen betrafen Hilfe für Juden oder religiösen Unterricht. Der SPD-Stadtrat und Hotelier Gustav Meyer kam im KZ Theresienstadt um.

Siehe auch: Liste der Stolpersteine in Kleve