Mit Agfamatic bezeichnete Agfa 1970 eine spezielle Kamera für die Instamatic-Kassette vom Typ 126 und ab 1972 sämtliche Kameras für diesen Filmtyp, mit Agfamatic Pocket zudem die Modelle für den Pocketfilm vom Typ 110 seit deren Erscheinen im Jahr 1973. Agfamatic war 1960 schon der Name der Agfa Optima auf dem kanadischen Markt.

Agfamatic (Filmtyp 126) Vorgeschichte Kodak stellte 1963 mit Instamatic eine besonders leicht einzulegende Kassette vor, die auch technisch unkundigen Personen einen unproblematischen Filmwechsel ermöglichte. Anstatt eine Lizenz zu nehmen, stellte Agfa aber stattdessen das System Agfa Rapid vor, welches die Handhabung zwar ebenfalls vereinfachte, jedoch nicht so weitreichend. Es geriet dadurch nur zu einem eingeschränkten Erfolg, woraufhin man sich bei Agfa schließlich doch zu einer Instamatic-Lizenz entschloss.

Iso-Pak (Vorläufer) mini|Agfa Iso-Pak Als erste Kamera für die Instamatic-Kassette stellte Agfa 1968 die Iso Pak vor, sprach dabei aber noch nicht von einer Agfamatic. Sie besaß ein Meniskusobjektiv f/11 mit 42 mm Brennweite und eine Blitzwürfelaufnahme für den Typ N. Das Fixfokus-Objektiv reichte von 1,2 m bis ∞ und der Zentralverschluss vom Typ Agfa Parator bot zwei Belichtungszeiten. Dafür gab es einen Schieber in Kamerablickrichtung links am Objektiv mit den Symbolen Sonne für  s sowie Wolke und Blitz für  s. Da ein Blitzwürfel vom Typ N die Leitzahl 25 besaß, war die Belichtung für 2,3 m Entfernung korrekt und durfte mit dem Belichtungsspielraum des Films 1,5 m bis 3 m betragen.

Die Iso Pak entsprach der Designlinie der einfachen Rapid-Kameras. Ihre Bezeichnung resultiert aus der Agfa-Tradition, mit Einführung des isochromatischen Schwarzweißfilms gelangte der Namenszusatz „Iso“ nämlich in einige Kamerabezeichnungen. „Pak“ bezog sich auf die Filmkassette, die Kodak so nannte.

Agfamatic Aktion Teen '70 Ende der 1960er Jahre kam es in Mode, sich mit speziellen Marketing-Konzepten an die Jugendlichen zu wenden. So führte auch Agfa eine Untersuchung durch: Die Jugendlichen wünschten sich einen modischen Beutel, der keinesfalls nach „Opas Fototasche“ aussehen sollte. Die Kamera hingegen sollte einem professionellen Apparat ähneln, was seinerzeit ein schwarzes Gehäuse bedeutete. Die Verkaufsaktion Teen '70 fand dann vom 25. Mai bis zum 30. Juni 1970 in 14 Ländern statt, das Motto lautete Life is Action – Photo is Life. Ihr Angebot bestand aus einem Set für 50 DM und war auf 500.000 Stück begrenzt: Tasche Agfamatic 2 Agfacolor-Filme 1 Schwarzweißfilm 3 Blitzwürfel 2 Batterien Die St. Tropez-Tasche bestand dabei aus Jeans-Stoff, diente als Verkaufsverpackung und bot zwei aufgesetzte Fächer sowie ein Abteil für nasse Badebekleidung.

Agfa bewarb die Aktion mit großen Aufwand. Beim Fotohändler lagen Teilnahmekarten für ein Gewinnspiel aus, um Jugendliche dorthin zu führen – mit 10 „Super-Steroanlagen“ und 90 Philips Casettenrecorder als Preise. Es gab Anzeigen in Jugendzeitschriften, Werbefilme im Kino und Spots bei Radio Luxemburg sowie Ö3. Zudem unterstützte man den Handel massiv, was vom Dekorationsmaterial für das Schaufenster über Gewinnspiele bis hin zu Tipps reichte, wo Jugendliche zu finden sind. Die Aktion wurde auch später noch ziemlich bekannt, weil ein 16-mm-Film vom FWU darüber noch bis in die 1980er Jahre in den Schulen vorgeführt wurde. Agfa - Geschichte eines WeltunternehmensDas Letzte, Foto Magazin, Ausgabe Juni 1970Teen-Aktion - Aus der Arbeit einer Werbeagentur auf YouTube

Agfamatic Bei der Agfamatic selbst handelte es sich um eine einfache Plastikkamera mit einer nach Selenzelle aussehenden, aber funktionslosen Scheibe über dem Objektiv, um professionell zu wirken. Das schwarze Gehäuse trug einen verchromten Rahmen um die Frontseite. An der Kamera konnte nichts eingestellt werden, das einlinsige Objektiv f/12 mit 42 mm Brennweite arbeitete mit Fixfokus und der Zentralverschluss mit einer einzigen Belichtungszeit. Es gab einen Anschluss für N-Blitzwürfel, wobei zwei Batterien vom Typ V 825 PX zur Zündung nach Öffnen der Rückwand in das Filmfach eingesetzt werden mussten. Die Entfernungsbereiche betrugen unverändert 1,2 m bis 3 m mit Blitzlicht und 1,5 m bis ∞ mit Umgebungslicht.

Autostar X 126 Die im folgenden Jahr vorgestellte und einzeln angebotene Autostar X 126 entsprach der Agfamatic bis auf den Anschluss für die neuen X-Blitzwürfel, welche keine Batterie mehr für ihre Zündung benötigen. Da sich Typ N und Typ X in der Leitzahl nicht unterschieden, galt für die Entfernungsbereiche sowohl ohne, wie auch mit Blitz das Gleiche wie für die Agfamatic.

Agfamatic 50 bis 300 sensor mini|Agfamatic 200 sensor mini|Agfamatic 300 sensor 1972 stellte Agfa dann mit der neuen Baureihe für den Instamaticfilm einen Verkaufsschlager vor, der nur noch von den Pocket-Modellen überboten wurde. Diesen Erfolg hatte sie vor allem ihrer Formgebung mit einem charakteristischen, 26 mm breiten umlaufenden Aluminiumband zu verdanken, welches von Schlagheck Schultes Design stammte.

Agfamatic 50 Das Einstiegsmodell Agfamatic 50 beschränkte sich auf ein einlinsiges Objektiv Agfa Colorstar f/11 mit 40 mm Brennweite und einen herkömmlichen Auslöser. Gegenüber der Autostar X 126 kam gerade einmal ein Schnellschalthebel hinzu, während sich an Belichtungszeit und Blitzwürfel nichts änderte. Infolgedessen galten auch hier die Entfernungsbereiche von 1,2 m bis ∞ ohne Blitzwürfel und von 1,5 m bis 3 m mit Blitzwürfel.

Agfa gab für die Kamera ein Preis von 53,90 DM an. Das Pendant Agfamatic 50 S unterschied sich nur durch die vollkommen schwarze Gestaltung ohne umlaufenden Metallstreifen.

Agfamatic 100 sensor mini|Agfamatic 100 sensor mit Geschenkverpackung Die Agfamatic 100 besaß das gleiche Objektiv wie die Agfamatic 50, sie unterschied sich aber durch den Sensor-Auslöser und zwei Belichtungszeiten. Letztere ließen sich mit den Wettersymbolen Sonne für  s und Wolken für  s mit einem Ring am Objektiv und somit direkt am Verschluss einstellen. Mit Aufstecken eines Blitzwürfels stellte sich die Blitzsynchronzeit  s ein und der Ring hatte keine Funktion mehr.

Agfa gab 82,50 DM Verkaufspreis für die Agfamatic 100 an.

Agfamatic 200 sensor mini| Wettersymbole an der Agfamatic 200 Das Dreilinser der Agfamatic 200 vom Typ Agfa Agnar mit f/8,2 und 40 mm Brennweite brachte naturgemäß eine erheblich bessere Abbildungsqualität als die Objektive der kleineren Modelle. Es handelte sich aber ebenfalls um ein Fixfokus-Objektiv mit Entfernungsbereich von 1,2 m bis ∞, es konnte aber abgeblendet werden. Zusammen mit den beiden Belichtungszeiten ergaben sich so vier Einstellungen, die mit Wettersymbolen gekennzeichnet und mit einem Ring um das Objektiv auszuwählen waren. BelichtungseinstellungSymbolBelichtungszeitBlendenwertBedeutungWolke s8,2wolkigAufnahmen im Schattendunkle Sonne s8,2verschleierte SonneSonne s11SonneSonne und Wellen s16grelle Sonne(Meer oder Gebirge) Auf der Oberseite des Objektivtubus lagen die Symbole und an der Unterseite eine Entfernungsskala, die von 1 m bis 3,5 m reichte. Letztere kam nach Aufstecken eines Blitzwürfels zum Tragen. Dann stellte sich der Verschluss immer auf die Blitzsynchronzeit  s und man konnte mit dem Ring eine Entfernung einstellen. Damit verstellte sich dann die Blende, auf die Fokussierung hatte es keinen Einfluss. Weil im Falle der untere Grenze mit Blende 16 belichtet wurde, verringerte sie sich durch die größere Schärfentiefe aber von 1,2 m auf 1 m. Wenn der Blitzwürfel aufgebraucht war, dann erschien im Sucher ein rotes Warnsignal.

Die Agfamatic 200 kostete bereits 110 DM.

Agfamatic 300 sensor mini|Agfamatic 300 sensor mit Blitzwürfel und Kassettenfilm mini|Agfamatic 300 sensor, Batteriefach (links neben dem Objektiv) Ins Top-Modell Agfamatic 300 baute Agfa sogar eine vollelektronische Belichtungssteuerung ein, erkennbar an den beiden unübersehbaren Messaugen neben dem Sucher für die CdS-Zellen. Diese Steuerung sprach einen Paratronic-Verschluss an und benötigte zwei Knopfzellen für ihren Betrieb. Es handelte sich um eine Zeitautomatik, die Belichtungszeit passte sich bei stets voller Öffnung von 30 s bis  s der Helligkeit an. Unterbelichtung zeigte eine rote Leuchtdiode im Sucher an. Beim Objektiv handelte es sich nur um ein Agnar f/8, es ließ sich aber fokussieren, wozu es – wie von der Agfa Optima seit langem bekannt – drei Symbole für Porträt, Gruppenaufnahme und Landschaft gab. An der Unterseite existierte es zudem eine Entfernungsskala für Blitzaufnahmen: Steckte man einen Blitzwürfel auf die Kamera, dann belichtete sie stets mit s und blendete entsprechend der Entfernungseinstellung ab.

Die Agfamatic 300 fiel mit 163 DM deutlich teurer als die 200 aus, weswegen sie nur selten gekauft wurde und keinen Nachfolger mehr erhielt. Sie empfahl sich zwar für Diafilme, da diese grundsätzlich genauer belichtet werden mussten. Davon machten aber nur ganz wenige Instamatic-Fotografen Gebrauch, so dass nur wenige Fotogeschäfte diese Filme vorrätig hielten.

Agfamatic 108 sensor und 208 sensor mini|Agfamatic 108 sensor mit General Electric Flip Flash 1978 stellte Agfa die Instamatic-Kameras von Blitzwürfeln auf Topflash um. Darauf deutete – wie von den Pocketkameras gewohnt – die „8“ in den Modellnummern hin, also 108 und 208; die Produktion der 300 Sensor endete ersatzlos, weil sich so teure Instamatic-Kameras nach Einführung des Pocket-Films so gut wie gar nicht mehr verkauften. Bei dieser Gelegenheit gestaltete man das Gehäuse ein wenig rundlicher, wodurch es modischer wirkte und gab ihm entsprechend der Optima 535 einen größeren Sucher. Davon abgesehen blieben die Kameras technisch unverändert.

Agfamatic 55 C Das kleinste Modell blieb von den Maßnahmen allerdings unberührt, es verlor lediglich den umlaufenden Metallstreifen. Bei der Namensänderung von 50 in 55 C deutete das „C“ (für Cube) auf den – nach wie vor vorhandenen – Blitzwürfelanschluss hin.

Agfamatic pocket (Filmtyp 110) Vorgeschichte In den 1960er Jahren war bei den Kameraherstellern die Meinung populär, aufgrund der immer feinkörnigeren Filmmaterialien läge die Zukunft für Sucherkameras in kleineren Formaten als dem damaligen Standard 24 mm × 36 mm. So kam es zu Kameras für das Halbformat, etwa der Agfa Parat und auch schon zu 16-mm-Modellen, etwa der Rollei 16. Für letztere konfektionierten die großen Hersteller aber keine Filme, weswegen sie sich nicht durchsetzen konnten. Agfa bot im Hinblick auf die geringen Parat-Verkäufe solche Kameras gar nicht erst an. Die Situation änderte sich 1972, als Kodak seinen Pocketfilm vorstellte. Bei Agfa erkannte man dessen Bedeutung, nahm sofort eine Lizenz und bot als erster Fremdhersteller eine Eigenentwicklung an.Geschichte eines deutschen Weltunternehmens von 1867 bis 1997

Repito-matic mini|Video: Repito-matic

Für das Agfa Camerawerk München stand nicht die Gewinnerzielung im Vordergrund, vielmehr sollte es die den Filmverkauf mit seinen Kameras fördern. So konnte man die Pocketkameras von Kodak im technischen Aufwand überbieten und damit beachtliches Aufsehen erregen. Dies gelang mit der von Agfa als Repito-matic bezeichneten Einrichtung, ein Prinzip, welche es als „Teleskop-Schnellaufzug“ bereits an der Minox A gegeben hatte. Die Kamera konnte man zusammendrücken, dann waren der Sucher vorne und hinten sowie das Objektiv geschützt, und mit einem Schieber unten an der Kamera verriegeln. Das Entriegeln ließ die Kamera per Federkraft auseinander fahren. Nach dem Auslösen sorgte einmaliges Zusammendrücken zusätzlich für Filmtransport, Verschlussaufzug und Drehen des Blitzwürfels bzw. Spannen des Piezo-Zünders. Der zugehörige Werbeslogan lautete Ritsch-Ratsch-Klick und war seinerzeit in aller Munde. Mit der Repito-matic konnte man problemlos jede Sekunde ein Bild belichten.

Sensor-Auslöser