mini|hochkant=1.333|Luftbild (südorientiert) mit geographischen Namen Necker Island, traditionell Mokumanamana, ist eine felsige, unbewohnte Insel im nördlichen Pazifischen Ozean, die zu den nordwestlichen Hawaii-Inseln zählt. Politisch gehört sie zu Hawaii, dem fünfzigsten Bundesstaat der Vereinigten Staaten.

Geografie Necker Island, nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Insel der Virgin Islands in der Karibik, ist Teil des hawaiischen Archipels und gehört zur Gruppe der nordwestlichen Hawaii-Inseln oder Leeward Islands. Necker liegt 530 km nordwestlich von Kauaʻi, der nächsten bewohnten Insel.

Die Insel ist rund 1,2 Kilometer lang und 60 bis 120 Meter breit mit einer Gesamtfläche von 0,16 Quadratkilometern.Edwin H. Bryan: American Polynesia and the Hawaiian Chain. Tongg Publishing, Honolulu 1942, S. 171–174 Aus dem schmalen Hauptkamm, der sich durch die gesamte Länge der Insel zieht, erheben sich fünf Hügel, die Namen führen, das sind (von West nach Ost): Annexation Hill, rund 75 m hoch, Flagpole Hill, 56 m, Summit Hill, 84 m, Bowl Hill, 79 m und ganz im Osten Siever’s Peak mit 70 Metern Höhe.Roger B. Clapp, Eugene Kridler: The Natural History of Necker Island, Northwestern Hawaiian Islands. Atoll Researche Bulletin Nr. 206, Smithsonian Institution, Washington D.C. 1977

Die Felseninsel erhebt sich steil aus dem umgebenden Meer, ein schützendes Korallenriff fehlt, sodass ein heftige Brandung die Küste unmittelbar erreicht. Die fast vertikale Steilküste ist weitgehend unzugänglich, es gibt keine Küstenebene. Die Oberfläche der schroffen Hänge erscheint wellenförmig, da abwechselnde Schichten aus härterem und weicherem Gestein unterschiedlich erodiert sind. Der Kot zahlreicher Seevögel färbt sie oft weiß.

Am westlichen Ende von Necker Island erstreckt sich eine schmale, 250 m lange und rund 50 m hohe Halbinsel nach Nordost, die von einer tiefen, bei Flut meist überschwemmten Schlucht abgetrennt wird. Die Halbinsel begrenzt eine große Bucht, mit dem Namen „Shark Bay“. Nur an einer Stelle im Norden gewährt die Küste Zugang, die Landung ist nur bei ruhigem Seegang möglich und der Aufstieg zum Hochplateau schwierig und nicht ungefährlich.

Necker hat keine definierten Fließgewässer. Das Regenwasser versickert entweder im porösen Gestein oder läuft schnell über die Steilküste ins Meer ab.

Geologie Necker Island ist der erodierte Überrest eines schätzungsweise 10 Millionen Jahre alten Schildvulkans, dessen Zentrum etwas südsüdwestlich der heutigen Insel lag. Die Gesteine, überwiegend Olivinbasalt sowie Basanit und Hawaiit in geringeren Anteilen, sind ausschließlich vulkanischen Ursprunges.Gordon A. Macdonald et al.: Volcanoes in the Sea – The Geology of Hawaii. University of Hawaiian Press, Honolulu 1983, ISBN 978-0-8248-0832-7, S. 477–478 Von der Neckerinsel erstreckt sich der Necker-Rücken (Necker Ridge) nach Südwesten, eine 650 km lange, untermeerische Formation, die sich 2200 bis 3000 m über dem Abyssal erhebt.James V. Gardner et al.: Geomorphometry and processes that built Necker Ridge, central North Pacific Ocean. In: Marine Geology, Nr. 346 (2013), S. 310–325

Flora Aus der Distanz scheint die felsige Insel bar jeder Vegetation zu sein. Eine genauere Untersuchung zeigt jedoch, dass ihr abgerundeter Kamm und die schmalen Terrassen an ihren Flanken mit sechs Arten niedrig wachsender Pflanzen spärlich bedeckt sind:Dieter Mueller-Dombois, Francis Raymond Fosberg: Vegetation of the Tropical Pacific Islands. Springer, New York 1998, ISBN 0-387-98285-X, S. 565

den Sträuchern Chenopodium oahuense aus der Gattung der Gänsefüße sowie eine Sesbania-Art Gräsern der Gattungen Panicum (Rispenhirse) und Paspalum. den Sukkulenten Portulaca lutea und Sesuvium portulacastrum.

Fauna Auch die Landfauna ist artenarm. Das einzige Säugetier, das jemals auf Necker Island – in der Shark-Bay – nachgewiesen wurde, ist die Hawaii-Mönchsrobbe (Neomonachus schauinslandi), die auf den meisten Inseln des nordwestlichen Hawaii vorkommt. Die Population betrug im Jahr 1973 nur noch 18 Tiere, sie ist inzwischen (Stand 2019) auf 70 Tiere angewachsen. Grüne Meeresschildkröten (Chelonia mydas) kommen vor der Küste in geringer Anzahl vor. Mangels geeigneter Strände legen sie auf Necker Island jedoch keine Eier ab. Ansonsten wurden lediglich Wirbellose, zum Beispiel Ringelwürmer (Annelida), Spinnentiere (Arachnida), Krebstiere (Crustacea) und Insekten beobachtet.

Äußerst zahlreich sind die Seevögel, von denen viele Arten auch auf Necker Island brüten, zum Beispiel: Braunnoddis (Anous stolidus), Rußseeschwalben (Onychoprion fuscatus), Bindenfregattvögel (Fregata minor), Rotfußtölpel (Sula sula), Maskentölpel (Sula dactylatra), Rotschwanz-Tropikvögel (Phaethon rubricauda), Keilschwanz-Sturmtaucher (Puffinus pacificus), Bulwersturmvögel (Bulweria bulwerii) und Laysanalbatrosse (Phoebastria immutabilis) sowie weitere Arten in geringerer Population oder als Migranten. Ihre Exkremente bedecken große Teile der Inseloberfläche. Geschichte Vorgeschichte mini|Reste einer Zeremonialstätte (Marae) mit Orthostaten Der hawaiische Archipel wurde im Rahmen der polynesischen Expansion nicht früher als 300 n. Chr. besiedelt.Patrick Vinton Kirch: On the Roads of the Winds – An Archaeological History of the Pacific Islands before European Contact. University of California Press, Berkeley 2002, ISBN 0-520-23461-8, S. 233 Ob die abgelegene Neckerinsel jemals dauerhaft bewohnt war, ist nicht bekannt. Angesichts des Fehlens von Trinkwasserquellen und der unwirtlichen, für den Nahrungsanbau nicht geeigneten Umweltbedingungen dürfte das wenig wahrscheinlich sein. Allerdings deuten zahlreiche Relikte auf die zeitweise und vermutlich häufige Anwesenheit von Menschen hin. Der amerikanische Anthropologe Kenneth Pike Emory (1897–1992) besuchte im Rahmen der dritten (1923) und fünften (1924) Tanager-Expedition zu den nordwestlichen Inseln von Hawaii auch Necker Island. Während seiner dreitägigen Erkundung identifizierte er die Überreste von 33 Zeremonialplattformen (Marae), eine auffallend große Anzahl für eine winzige, unbesiedelte Insel.Kenneth P. Emory: Archaeology of Nihoa and Necker Islands. Bernice P. Bishop Museum Bulletin 53, Honolulu 1928, https://quod.lib.umich.edu/p/philamer/agz2529.0001.053 Man darf daher vermuten, dass Necker ein Ort von hervorgehobener religiöser Bedeutung für die übrigen Inseln des Archipels war.

Die Bauform der Marae ist vergleichbar mit der auf anderen polynesischen Inseln. Die typische Form einer Zeremonialanlage auf Necker ist eine niedrige, rechteckige und meist gepflasterte Terrasse von 5 bis 20 Metern Länge, mit einer erhöhten Plattform am hinteren Ende, ohne Mörtel aus naturbelassenen Steinen der Umgebung erbaut. In diese 15 bis 60 cm hohe Plattform sind mehrere Orthostaten eingelassen, rohe, verwitterte und weitgehend naturbelassene Blöcke aus Basalt. In der Mitte der Terrasse, frontal zur Plattform, stehen ein oder zwei unbearbeitete Steinsäulen, die bis zu 1,5 m hoch sind. Bei einem Teil der Anlagen sind weitere Orthostaten am vorderen Ende der Terrasse und/oder in der rechten, vorderen Ecke aufgerichtet. Gestaltung und Bauweise der Zeremonialstätten stimmt mit der von Familien- und Stammes-Marae Südostpolynesiens überein, in erster Linie der einfach gebauten Marae des Tuamotu-Archipels.

mini|Steinfigur von Necker Island im Bishop-Museum, Honolulu

Im Umfeld der Zeremonialanlagen fand man mehrere Idole aus grobkörnigem, vulkanischem Gestein. Welche religiösen Zeremonien damit verbunden waren, ist unbekannt. Sie befinden sich heute in verschiedenen Museen:

fünf vollständige Figuren, 21 bis 40 cm hoch, sowie zwei Köpfe und ein Bein im Bernice P. Bishop Museum in Honolulu zwei vollständige Figuren, 40 cm und 29 cm hoch, im British Museum in London der Kopf einer Figur (24 cm) im Metropolitan Museum of Art in New York City; die gesamte Figur war wahrscheinlich 60 cm hoch.

In den Klippen, oberhalb des von der Brandung verursachten Salznebels, liegen flache Höhlen, eher Felsüberhänge. In einigen davon fanden die Forscher der Tanager-Expedition eine Reihe von Gebrauchs- und Alltagsgegenständen, darunter einen Hammerstein, Schleifsteine, Dechsel und Meißel aus Stein, eine Ahle aus Knochen und steinerne Schalen. Abgegrenzte Kochzonen mit Ascheresten beweisen, dass die Höhlen zeitweise bewohnt waren. Teile menschlicher Skelette lassen den Schluss zu, dass zumindest eine Höhle auch als Begräbnisstätte diente.

Entdeckungsgeschichte Der erste Europäer, der Necker Island sah, war der französische Seefahrer und Geograf Jean-François de La Pérouse. Während seiner Weltumseglung von 1785 bis 1788 mit den Fregatten Astrolabe und Boussole im Auftrag von König Ludwig XVI. sichtete er am 4. November 1786 eine kleine Felseninsel, die er wie folgt beschreibtJean-François de Galaup La Pérouse: La Perouse'ns Entdeckungsreise in den Jahren 1785, 1786, 1787 und 1788 aus dem Französischen übersetzt von J. R. Forster und C. L. Sprengel (Band 1). Vossische Buchhandlung, Berlin 1799, S. 393–394:

La Pérouse benannte die Insel nach dem Bankier Jacques Necker, von 1776 bis 1781 Finanzminister unter König Ludwig XVI., der später in der Französischen Revolution eine bedeutende Rolle spielen sollte.

Das Königreich Hawaii scheint wenig Interesse an der abgelegenen und unfruchtbaren Insel gehabt zu haben. Mit der zu Beginn des 19. Jahrhunderts einsetzenden christlichen Missionierung Hawaiis verlor Necker Island seine religiöse Bedeutung. Mehrere Orthostaten der Zeremonialanlagen wurden, wie der Anthropologe Kenneth P. Emory vermutet, offenbar vorsätzlich umgestürzt.

Erst für das Jahr 1856 liegt ein weiterer Bericht über einen Besuch der Insel vor. Die Bark Gambia verließ Honolulu am 26. April 1856 zur Robben- und Haifischjagd im Pazifischen Ozean sowie der Suche nach Guano-Inseln. Kapitän N.C. Brooks passierte auch die Neckerinsel und korrigierte ihre Position, die mit 23° 34´ Nord und 164° 45´ West leicht abweichend in Nathaniel Bowditchs Navigationshandbuch „The New American Practical Navigator“ von 1800 verzeichnet war.Nathaniel Bowditch, Gilbert Stuart: The new American practical navigator. Edmund M. Blunt, Newburyport (MS) 1802, S. 372 Obwohl Brooks die Insel nicht betreten hat, gibt er eine Beschreibung ab, die sich aber im Wesentlichen auf nautisch relevante Angaben konzentriert.The Polynesian (Wochenmagazin), Nr. 15, Honolulu, 13. August 1959, S. 3 1857 entsandte König Kamehameha IV. Captain John Paty mit dem Schoner Manuokawai zu den nordwestlichen Hawaii-Inseln, um mögliche Guano-Vorkommen zu erkunden und die Inseln für das Königreich Hawaii in Besitz zu nehmen. Paty erreichte Necker Island am 24. April 1857, fand aber keinen geeigneten Landungsplatz.

mini|Annexion der Insel im Jahr 1894 Die „All Red Line“ war ein System elektrischer Telegrafen, das weite Teile des britischen Empires miteinander verband. Die letzte umfangreiche Aufgabe zur Fertigstellung war die Kabelverlegung im transpazifischen Abschnitt. Eine Resolution zur Umsetzung dieses Projekts wurde 1887 von der ersten Kolonialkonferenz (Imperial Conference) verabschiedet und erste Erkundungen begannen. In den Folgejahren annektierte Großbritannien mehrere Pazifikinseln, um dort Relaisstationen für das geplante Trans-Pazifik-Kabel einzurichten. Für die Linie von British Columbia nach Neuseeland war eine Zwischenstation auf einer der Hawaii-Inseln beabsichtigt, Necker Island schien dafür besonders geeignet. Die britische Residentur informierte die Regierung der provisorischen Republik von Hawaii über die Pläne.The Senate of the United States: Letter from the Secretary of the Navy [...] relating Sandwich Islands. 53rd Congress, 3rd Session, Washington 1894 Daraufhin beauftragte Präsident Sanford Dole Captain James Anderson King, den Innenminister der Republik Hawaii, Necker Island unverzüglich zu annektieren, da die Inbesitznahme durch Captain Paty 37 Jahre zuvor zweifelhaft erschien.