Der Ort Grüntal ist ein Ortsteil der Gemeinde Sydower Fließ im Amt Biesenthal-Barnim des brandenburgischen Landkreises Barnim. Der Ortsteil umfasst die Gemarkung Grüntal. Er hat entsprechend der Brandenburgischen Kommunalverfassung und der Hauptsatzung keine Ortsteilvertretung.Brandenburgische Kommunalverfassung - BbgKVerf; Abschnitt 2, Ortsteile In: bravors.brandenburg.de.

Geschichte Name und geografische Lage Das Straßendorf Grüntal, früher Grundal (der Name Hinricus Grundal (Bürger von Bernau)), wird im Jahre 1347 in einer Urkunde des Propstes von Bernau genannt (wahrscheinlicher damaliger Besitzer des Ortes). Grunedal, Grundel, Grundall, Grundell, Grunendal auch Grondell und Grünthal Rittergut und Kirchdorf liegt ca. 9,7 Kilometer nordöstlich von Bernau bei Berlin und 12,2 Kilometer südwestlich von Eberswalde.

Erste Erwähnung Seit 1317 an ging die bekannte Handels- und Heerstraße von Bernau über Sydow, Grüntal, Schönholz und Bornemannspfuhl nach Eberswalde.Geschichte der Stadt Eberswalde. Band 2: Von 1740 bis 1940 Im Auftrage der Stadtverwaltung verfasst von Rudolf Schmidt.

Nach dem Landbuche vom Jahre 1375, welches dieses Dorf erwähntet, hatte Grundal, wie es genannt wurde, 40 Hufen, wovon der Pfarrer zwei und die Kirche einen besaß. Von den übrigen 37 Hufen, welche im Besitz der Bauern waren, gaben diese Pacht, Zins und Bede, wobei vier Hufen für zwei gerechnet wurden (eventuell wegen ihrer Geringfügigkeit).

Gutsbesitzer von Grüntal mini|Herrenhaus Grüntal 2020 ().

Es war ein Krug im Ort, und der zur Kirche gehörige kleine See wurde verpachtet. Von 7 Hufen hatte ein gewisser Otto Britzik die Pachteinnahmen. Das Dorf zerfiel in zwei Anteile (das Gut Sydow und das Gut Grüntal), einen besaß Mentze Holzendorf als Heiratsgut für seine Frau, solange diese lebte. Den anderen besaßen die Bürger Riken (Ryken, Reiche) in Berlin seit vielen Jahren. Wie es schien, sind aber Holzendorf und seine Nachkommen nicht nur im Besitz des Anteils geblieben, sondern hatten sogar den übrigen Teil noch dazu gekauft, denn im Schoßregister (Steuerregister) vom Jahre 1450 werden die von Holzendorf als alleinige Besitzer des Dorfes genannt.

Später hatten es Ludeke und Friedrich von Arnim im Besitz, deren Nachkomme, Stephan von Arnim, in der Zeit von 1608 bis 1616 acht Bauernhöfe mit 14 Hufen ankaufte, für diese die Schlossfreiheit (Befreiung von der Vermögenssteuer) erwarb und darauf einen Rittersitz gründete.

Nach den von Arnims kam die in der Genealogie wenig beschriebene Familie von Götze in den Besitz, 1710 der Major Jacob Friedrich von Götze der auch Brunow, Löhme, Weesow und Tempelfelde besaß. Er verstarb im Jahre 1732, und Grünthal ging an seinen Sohn über, den Landrat Curt Ludwig von Götze, von diesem 1747 auf die soeben nobilitierten Geschwister von Risselmann, 1749 auf (Charlotte) Elisabeth (Luise) von Selchow, geb. von Risselmann,Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1909. Jahrgang 3, Justus Perthes, Gotha 1908, S. 633. (Digitalisat) 1790 auf den Kanonikus zu Stift Herford, Friedrich von Risselmann-Schönwalde, 1805 kurz auf den Geheimen Oberfinanzrat August Heinrich von Borgstede und 1806 an August von Wedel. mini|hochkant|Johann Heusinger: Die (preußischen) Prinzen Friedrich Wilhelm und Wilhelm. 1803.

Prinzen in Grüntal Nach der Niederlage am 14. Oktober 1806 der preußischen Armee in der Schlacht bei Jena und Auerstedt und der Flucht der königlichen Familie geht aus den Aufzeichnungen des späteren Königs Friedrich Wilhelm IV. (Eberswalder Heimatblätter Nr. 15) hervor, dass er und sein Bruder Wilhelm am 17. Oktober 1806, drei Uhr nachmittags, Berlin verließen, um über Bernau und Sydow nach Eberswalde, in Richtung Königsberg, zu gelangen und die Nacht in Grüntal bei der Familie August von Wedels verbrachten.

Kirchgemeinde Zur Kirchengemeinde Grünthal waren eingepfarrt das Dorf und Vorwerk Melchow (um 1756) und das Dorf Gratze zwischen Grünthal und Heckelberg-Brunow. Im 16. Jahrhundert bestand Grünthal aus dem Dorfschulzen und 13 Hüfnern und 11 Kötter (Kossäthen). Die Zahl der Bauerngüter war durch den vorher erwähnten Aufkauf auf sechs vermindert, wovon während des Dreißigjährigen Krieges 3 wüst wurden und 2 unbesetzt blieben.

Historie des Dorfes 1805 wohnten 159 Menschen in 21 Häusern, davon waren zwei Küfer, vier Bauern, fünf Kötter und sieben Einlieger. Es gab eine Schmiede, einen Dorfkrug und eine Försterei.

Im Jahre 1819 kaufte der Justizkommissionsrat am Berliner Gericht und Notar Carl August Julius Schütz (* 15. Januar 1781; † 21. Juni 1836) von Friedrich Ludwig Buchholz das Rittergut Grünthal für 50.575 Taler.Vgl. Karl Friedrich Rauer (Hrsg.): Hand Matrikel der in sämmtlichen Kreisen des Preussischen Staats auf Kreis- und Landtagen vertretenen Rittergüter. (Nachtrag), Selbstverlag, Berlin 1857, S. 454. (Digitalisat)

Die Brauerei Im Jahre 1826 gründete Carl August Julius Schütz in Grüntal die erste Brauerei nach bayrischer Art, „es war das erste bayerische Lagerbier, das in der Mark Brandenburg gebraut wurde“ (nach R. Schmidt 1922, 1928). Schütz„Brandenburgia“. Monatsblatt der Gesellschaft für Heiatkunde der Provinz Brandenburg zu Berlin. XVI. Jahrgang- 1907/08, Verlag P. Stankewiecz`Buchdruckerei, Berlin 1908, S. 4. (Digitalisat) hatte sich vorher in Süddeutschland ausführlich über das brauen untergärigen Bieres erkundigt und den Bamberger Küfer und Bierbrauer Conrad Bechmann (* 1801 in Pommersfelden; † 1881 in Berlin) als Braumeister für die Produktion gewonnen.

mini|links|Werbeanzeige Grünthaler Lager-Bier 1862. mini|Flaschenprägung der ehemaligen Bierbrauerei Grünthal.

Grünthaler Unterhöler Gebraut wurden die Biersorten Reading, Ale, Burten Ale, Bayrisch, Göttertrank und das auch international bekannte Grünthaler Unterhöler (auch Unterhöhler oder Unterhoeler).Anzeige in Hallisches patriotisches Wochenblatt, Halle vom 8. Februar 1835, S. 176. (Digitalisat) Es war in ganz Deutschland und besonders bei der preußischen Monarchie sehr beliebt und wurde nach Dänemark und Russland exportiert. Durch den guten Ruf der Grünthaler Brauerei und die ausgezeichnete Ausbildung brachte sie erfolgreiche Braumeister, wie z. B. Julius Bötzow (drei Großbrauereien in Berlin Prenzlauer Berg) und Geschäftsleute wie z. B. A. F. Zimmermann, Lehrer der theoretisch praktischen Braukunst und damaliger Hauptaktionär der Berliner Aktienbrauerei, hervor.

Gutsbesitzerfamilie Schütz Nach Schütz’ Tod 1836 übernahm seine Frau Johanne Sophie Wilhelmine Schütz geb. Zier (* 16. August 1788; † 30. Juli 1842) das Gut und die Brauerei. Am 10. Januar 1838 verursachte der Schornstein der Brauerei durch Funkenflug einen Brand des in der Nähe liegenden Pfarrhauses, dass vollständig niederbrannte. 1839 wurde das Pfarrhaus für 1307 Taler, 15 Groschen und 10 Pfennige wieder aufgebaut. Das heute existierende Pfarrhaus entstand erst im Jahre 1884. Im Jahr 1840 verließ Conrad Bechmann die Brauerei und kaufte in Spandau die Königsbrauerei und eröffnete das Ausflugslokal Spandauer Bock.

Nach dem Tod von Johanne Schütz 1842 ging die Brauerei und das Gut an die Söhne Herrmann Carl Friedrich und Carl August. Die Brüder verschuldeten sich, und so kam es im Jahre 1847 zu Zwangsversteigerungen, an ordentlicher Gerichtsstelle zu Grünthal meistbietend,Oeffentlicher Anzeiger (№. 2) zum 5. Stück des Amtsblatts der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin. Eigenverlag, Potsdam, den 29. Januar 1847, S. 50. (Digitalisat) im April das Brennerei- und Braugebäude, im Mai das Schmiedegebäude und das Wohnhaus des Brennmeisters. Im September des gleichen Jahres kam dann auch das im Familienbesitz befindliche Wohn- und Krughaus in Sydow zur Versteigerung.

Der nächste Besitzer des gesamten Gutes Grüntal wurde Amtsrat Johann Julius Schütz (* 19. September 1806 in Seelow; † 8. Januar 1895 in Berlin), häufig genannt Schütz-Grünthal.H. Thiel: Landwirtschaftliche Jahrbücher. Zeitschrift für wissenschaftliche Landwirthschaft und Archiv des Königlich Preussischen Landes-Oekonomie-Kollegiums. Band X (Supplement), Verlag Paul Parey (Wiegandt, Hempel & Parey), Berlin 1881, S. 50. (Digitalisat) Die Brauerei erfuhr unter ihm wieder einen Aufschwung, und der Absatz fand jetzt über den Schienenweg statt. Mit der am 1. August 1842 eröffneten Haltestelle Biesenthal-Grünthal (Teilstück von Berlin-Eberswalde der Stettiner Eisenbahnlinie) konnten die vielen Berliner Schenken und Gaststätten schnell beliefert werden. Selbst Otto von Bismarck trank sein Grünthaler. „...Aufsehen, namentlich bei den anwesenden Bayern, erregte der Inhalt einer dem Reichskanzler kürzlich als Ehrengabe zugegangenen Sendung‚ Grünthaler Göttertranks‘“ (H. v. Poschinger aus Fürst Bismarck und die Parlamentarier). In Grüntal gab es zu damaliger Zeit auch ein gut besuchtes Ausflugslokal, dass sich am Weinberg befand und heute nicht mehr existiert. Eine kleine Ruine direkt auf dem Weinberg stammt von dem 1875 errichteten Eiskeller für die Bierkühlung. 1879 betrug der Umfang des Gutes noch 900 ha, davon 287 ha Forsten. Reprint: ISBN 3-226-00787-4. mini|Montage Plan Weltausstellung 1873.mini|Ehemalige Guts-Brennerei Grüntal.

Grünthaler auf der Weltausstellung Wien 1873 Gutsbesitzer Schütz-Grüntal nahm als Aussteller an der Wiener Weltausstellung 1873, in Gruppe IV. Nahrung- und Genussmittel, in der Agricultur-Halle Ost, teil (Schütz Amtsrat, Grünthal, Brandenburg, Bier in Flaschen (mit Anerkennungs-Diplom)).

Das erfolgreiche Grünthaler Unterhöler wurde noch einige Jahre von der Biesenthaler Amtsbrauerei Seidel gebraut und beworben (1905 Annonce in der Biesenthaler Zeitung: „Brauerei Amt Biesenthal bietet Biesenthaler Pilsner und Unterhöler, die Perle der Mark“).

Gutsbesitz Ende des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts Im November 1888 zog sich Johann Julius Schütz (aus dem Geschäft) zurück und ging nach Berlin. Sein Sohn Paul Friedrich Schütz (1844–1912), Leutnant d. Landwehr, übernahm das Rittergut und das Geschäft. Sein 1873 geborener gleichnamiger Sohn, Major d. R. Paul Schütz, ging später nach Schlesien und bewirtschaftete das dortige Gut Schrien (heute Śrem / Gemeinde Gmina Gaworzyce) bei Quaritz.Siehe: Familien-Artikel Hertzog, In: Bernhard Koerner (Hrsg.): Deutsches Geschlechterbuch (Genealogisches Handbuch Bürgerlicher Familien). 1935. Band 85, Zeichnungen: Gustav Adolf Cloß, Verlag von C. A. Starke, Görlitz 1935, S. 159 f. (Gesamt-PDF-Digitalisat) So fiel Gut Grünthal an Hedwig (Helene) Freiin von Eckhardstein (1861–1934), einer Tochter der Hedwig Schütz-Grünthal und des Freiherrn August von Eckardstein-Haselberg. Hedwig von Eckardstein heiratete bereits 1878 Graf Bernhard von der Schulenburg (1852–1936), welcher das Gut Grünthal 1894 erkaufte. Graf Schulenburg schloss sogleich die Grünthaler Brauerei wegen der aufkommenden starken Konkurrenz der bayrischen Bierbrauer aus Berlin und verlegte seine Geschäftstätigkeit und den Betrieb auf die Schnapsbrennerei. Graf von der Schulenburg entwickelte die Landwirtschaft in der Region als Präsident der Brandenburgischen Landwirtschaftskammer.