Die frühere Bergbaustadt Ibbenbüren (plattdeutsch Ippenbürn) ist eine mittlere kreisangehörige Stadt und die größte Stadt im westfälischen Tecklenburger Land. Sie ist nach Rheine die zweitgrößte Stadt im Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen. Ibbenbüren erlangte überregionale Bekanntheit durch seinen ehemaligen Steinkohlenbergbau und als früherer Standort eines Kraftwerks.
Geographie Die Stadt, die von der Ibbenbürener Aa durchflossen wird, liegt am Nordwestende des Teutoburger Walds zwischen Rheine im Westen und Osnabrück im Osten, die jeweils etwa 20 Kilometer entfernt sind. Im Norden von Ibbenbüren liegt die Ibbenbürener Bergplatte mit dem Schaf- und Dickenberg, von dem bis 1859 die Plane durch die Innenstadt von Ibbenbüren floss. Die mittlere Höhenlage beträgt .
Stadtgliederung Ibbenbüren gliedert sich in neun Stadtteile, sortiert nach Einwohnerzahl (Stand: 30. September 2023) sind dies: Stadtteil Einwohner Veränderung(seit 30. Juni 2023) Innenstadt 24.737 + 78 Laggenbeck / Osterledde 9.588 + 56 Püsselbüren 5.032 + 155 Bockraden 4.695 - 11 Alstedde / Schafberg 4.181 + 408 Dickenberg 3.274 + 6 Dörenthe 1.485 − 7 Lehen / Schierloh 1.344 − 5 Uffeln 760 - 4
mini|Alter Posthof und Turm der Christuskirche mini|Unterer Markt mini|Panorama mit Mauritiuskirche (Bildhintergrund links) und Christuskirche (Bildmitte) mini|Stadtentwicklung von 1842 bis 2015
Nachbargemeinden Das Stadtgebiet grenzt an insgesamt sieben Städte und Gemeinden. Dabei ist Ibbenbüren fast ausschließlich von Kommunen des Tecklenburger Landes umgeben. Bereits im Münsterland gelegen ist die Gemeinde Saerbeck im Südwesten.
Stadtentwicklung Die Bebauung der Stadt hat sich in den letzten Jahrzehnten ausgedehnt. Dabei lassen sich zwei hauptsächliche Entwicklungsachsen ausmachen:
Richtung Westen Durch die Errichtung eines Gewerbegebietes in der Nähe der Autobahnanschlussstelle Ibbenbürener-West wuchs die Stadt in Richtung Westen. Eine weitere Ausdehnung entsteht durch neue Wohngebiete in Püsselbüren.
Richtung Osten/Süd-Osten Aufgrund der Erschließung neuer Baugebiete am östlichen Rand der Innenstadt und der Erweiterung des Stadtteils Laggenbeck in Richtung Westen, ist die Entfernung zwischen den beiden Stadtteilen auf etwa zwei Kilometer gesunken.
mini|links|600px|Panoramasicht auf das Stadtzentrum von Ibbenbüren vom Dörenther Berg aus, im Hintergrund auf dem Schafberg die Bergwerksanlagen sowie das Kraftwerk Ibbenbüren
Geschichte Herleitung des Stadtnamens Das Grundwort -büren wird hergeleitet von niederdtsch. -büren, -bur(en) und kommt althochdeutsch als bur für „kleines Haus“ etc., mittelniederländ. buur für „Wohnung, Dorf“ vor.
Die Herkunft des Bestimmungswortes ist nicht eindeutig geklärt: So sieht Dieter Berger (Duden) darin einen Eigennamen, der etwa „die Häuser des Ibbo“ bedeuten soll. Auch Ernst Förstemann (Altdeutsches Namenbuch – Ortsnamen) betrachtet es als einen Personennamen des Stammes IB und führt die Rufnamen Ibba (Feldherr Theodorichs d. Großen) und Ibbon (Bischof von Tours) an. Nach Hermann Abels kann sich das Bestimmungswort ibben zum einen von ibe = beerentragender Baum, Eibe. herleiten; aus germ. -ihwa, vgl. althochdtsch. iwa, altnord. ýr, gall. iwos, lett. ive; die Eibe wurde als direkte Verbindung zur Erdgöttin betrachtet. Diese Ableitung beschreibt einen Ort für Jagdzauber. Zum anderen ist die Bedeutung ibe/iwe = Bogen möglich; mittelhochdeutsch iwe = Bogen, schwäb. aib = Armbrust. Bogen wurde seit der Steinzeit aus Eibenholz gefertigt. Hier wird ein Versammlungsort in Kreisform beschrieben.
Mittelalter Ibbenbüren wurde erstmals am 14. April 1146 urkundlich erwähnt, als der damalige Bischof von Osnabrück, Philipp von Katzenelnbogen, dem Osnabrücker Gertrudenkloster einen Teil der Steuereinnahmen aus Ibbenbüren („der Zehnt der Menschen in den Hütten in Hibbenburen“) schenkte. Obwohl Ibbenbüren bereits viel älter ist und eine Urkunde aus dem Jahre 1348 die Gründung einer Kirche bereits im Jahre 799 belegt, gilt 1146 offiziell als Gründungsjahr Ibbenbürens. In den Jahren 1219 beziehungsweise 1234 erscheint es als Kirchdorf. In diesem Übergang vom Hochmittelalter zum Spätmittelalter besaßen die Edelherren von Ibbenbüren, die Äbtissin von Herford und die Grafen von Tecklenburg Grundherrschaften im Ort. Zu dieser Zeit gehörte Ibbenbüren zur Diözese Osnabrück. Der Stammsitz des Geschlechts wurde nur einmal im Jahr 1189 in den Schriftquellen erwähnt. Seine Reste sind wahrscheinlich in der Ruine des Heidenturms in der Nähe des Ibbenbürener Aasees zu suchen.
Nach dem Aussterben der Edelherren von Ibbenbüren geriet der Ort unter die alleinige Herrschaft der Grafen von Tecklenburg. Diese Herrschaft dauerte bis zum Ende des 15. Jahrhunderts.
Frühe Neuzeit Im Jahr 1493 wurde Ibbenbüren mit der Grafschaft Lingen von der Grafschaft Tecklenburg abgespalten. Graf Konrad von Tecklenburg-Schwerin konnte zwar im Jahr 1541 die beiden Grafschaften wieder vereinigen. Ibbenbüren fiel allerdings im Jahr 1548 durch ungeschicktes und glückloses Taktieren des Grafen von Tecklenburg mit der Grafschaft Lingen endgültig in den Besitz Kaiser Karls V., der es seiner Schwester Maria, der Statthalterin der Niederlande schenkte. In diesen Zeitraum fällt auch der Beginn der Steinkohleförderung in Ibbenbüren.
Ibbenbüren, das im Achtzigjährigen Krieg bei mehrfachem Wechsel unter die Kontrolle der Niederlande und Spaniens geriet, kam 1648 nach dem Westfälischen Frieden zum Hause Oranien. Im Holländischen Krieg eroberte das Hochstift Münster 1672 die Obergrafschaft Lingen, musste diese jedoch 1674 wieder den Oraniern überlassen. Infolgedessen mussten die Katholiken ihre Kirche, die heutige Christuskirche, der evangelischen Gemeinde abtreten. Mit Wirkung vom 6. März 1675 verboten die Oranier als Landesherrn, katholische Gottesdienste zu feiern.Werner Suer: Zufluchtsort in Zeiten der Verfolgung. Ibbenbürener Katholiken feierten Messen in der Brumley-Kirche. In: Unser Kreis. Jahrbuch für den Kreis Steinfurt, Jg. 24 (2011), S. 159–162, hier S. 159.
Im 17. Jahrhundert begann auch der Abbau von Eisenerz in und um Ibbenbüren, dessen Förderung bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts andauern sollte. Im Rahmen der Erbfolge kam Ibbenbüren 1702 unter preußische Herrschaft. Am 1. Februar 1724 erlangte Ibbenbüren Stadtrechte, was unter anderem im Zusammenhang mit der Einführung der Akzise stand. Im Jahr 1743 wurde der erste Magistrat und Bürgermeister berufen.
19. Jahrhundert In der Franzosenzeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts gehörte Ibbenbüren zunächst zum Großherzogtum Berg (1806) und später zum Kaiserreich Frankreich (Departement der Oberen Ems). 1815 wurde die Stadt von preußischen und russischen Truppen eingenommen, am 1. Januar 1816 wieder unter preußische Herrschaft gestellt und dabei dem neu gegründeten Kreis Tecklenburg zugeordnet. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war eine Verlegung des Landratsamts nach Ibbenbüren (Werthmühle) im Gespräch. Ein befürwortender Beschluss des Landtags wurde aber wegen der Kriegsgeschehnisse 1870/71 nicht umgesetzt. 1824 wurde eine Glashütte an der Glücksburger Straße in Betrieb genommen. Durch den Tod des Unternehmers Richard Borgmann stellte die Glashütte 1966 ihren Betrieb ein. 1870 kam als zweite Fabrik dieser Art die Glashütte von Wolf an der Aa hinzu. Die zweite Glashütte stellte ihren Betrieb schon 1900 aufgrund der Insolvenz des Unternehmens Wolf wieder ein.
mini|hochkant|Mahnmal zum Gedenken an die bei den Novemberpogromen 1938 vernichtete Ibbenbürener Synagoge
20. Jahrhundert 1899 wurde das Gaswerk der Stadt in Betrieb genommen. Bis 1908 erzeugte das Werk Wassergas, dieses Verfahren war jedoch ungewöhnlich störungsanfällig und teuer. Um einen zuverlässigen Betrieb zu gewährleisten, wurde 1908 eine neue Erzeugungsanlage auf Stadtgas errichtet und in Betrieb genommen. 1958 wurden die Öfen und Anlagen von 1908 wiederum durch eine modernere Anlage ersetzt, da die Bestandsanlage schon länger nicht mehr den Stand der Technik entsprach und die Erzeugungsmenge nicht mehr den steigenden Bedarf abdecken konnte. Schon wenige Jahre später wurde das Gaswerk stillgelegt und Gas extern bezogen.
In einer ehemaligen Ausflugsgaststätte oberhalb der Stadt wurde 1923 das Kloster vom guten Hirten eingerichtet, hier betreuten die Schwestern vom Guten Hirten in der Erziehungshilfe junge Frauen. Das umgangssprachlich auch Kloster Waldfrieden genannte Haus wurde 1983 in ein Altenheim umgewandelt und zusammen mit dem Kloster 1998 aufgegeben. 2003 wurde das Altenheim unter der Caritas wiedereröffnet. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die 1912/13 erbaute „Neue Synagoge“ bei den Novemberpogromen in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 demoliert und am nächsten Morgen angezündet. Im Zuge der „Arisierung“ ging das Grundstück später in den Besitz der Stadt Ibbenbüren über. 21 Ibbenbürener Juden nach der damaligen Definition wurden Opfer des Holocaust. Zum Gedenken an die ermordeten Ibbenbürener Juden wurden am 6. Oktober 2016, am 3. November 2017 und am 9. November 2018 insgesamt 41 Stolpersteine an sieben Orten verlegt.Bewegendes Gedenken an 86 Schicksale. In: Ibbenbürener Volkszeitung vom 10. November 2018.
Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt und auch der Mittellandkanal mehrfach Ziel alliierter Bombenangriffe. Vom 1. bis zum 7. April 1945 gab es in Ibbenbüren Gefechte zwischen deutschen Truppen und der vom Rhein aus vorstoßenden britischen Armee.Günter Wegmann: Das Kriegsende zwischen Ems und Weser 1945. S. 23–26, 36–47, 63–66 Ein bekannter regionaler Kriegsschauplatz liegt südlich zwischen Ibbenbüren und Riesenbeck. Diese sogenannte „Schlacht im Brumleytal“ wurde 2007 unter dem Namen „Leben und Sterben 45“ verfilmt.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bildeten die Stadt Ibbenbüren und die Gemeinde Ibbenbüren-Land bis zum 31. Dezember 1974 den Amtsverband Ibbenbüren, der im Zuge der Gemeindereform in der heutigen Stadt Ibbenbüren aufging. Mit der gleichzeitigen Auflösung des Kreises Tecklenburg und Verschmelzung mit dem Altkreis Burgsteinfurt wurde Ibbenbüren am 1. Januar 1975 dem neu gegründeten Kreis Steinfurt zugeordnet. Am 19. November 1976 wurde Ibbenbüren durch die Eröffnung der Bundesautobahn 30 in Richtung Osnabrück an das Autobahnnetz angeschlossen.
Am 26. August 1981 kamen in der Steinkohlezeche der Preussag (heute RAG) bei einem Grubenunglück durch einen Gas-/Kohlenausbruch acht Bergleute ums Leben. Am 17. Juli 1986 gab Bürgermeister Heinz Unland die Unterführung der Bundesstraße 219 unter der Bahnstrecke Löhne–Rheine und den Straßenbrücken Breite Straße und Laggenbecker Straße frei. Dadurch entfiel der Bahnübergang an dieser Stelle, der häufiger zu Verkehrsproblemen geführt hatte.Kein trister Tunnel, sondern eine einladende Passage. In: Ibbenbürener Volkszeitung vom 18. Juli 1986.
Einwohnerentwicklung Einwohnerentwicklung der Stadt Ibbenbüren:
(Stand jeweils 31 Dezember) Jahr Einwohner 1985 42.456 1990 44.643 1995 47.421 2000 48.843 2005 51.010 Jahr Einwohner 2009 51.477 2010 51.522 2011 50.644 2012 50.560201350.438 Jahr Einwohner 2014 50.665 2015 50.935 2017 52.0372018 51.904201951.822 Jahr Einwohner202053.850
Religion Römisch-katholische Kirche mini|St. Modestus in Dörenthe mini|St. Michael in Bockraden In Ibbenbüren befinden sich neun katholische Kirchen: St. Mauritius, Innenstadt St. Maria-Magdalena, Laggenbeck St. Ludwig, Innenstadt St. Johannes Bosco, Langewiese/Schierloh St. Modestus, Dörenthe St. Marien, Uffeln St. Barbara, Dickenberg St. Michael, Bockraden St. Herz-Jesu, Püsselbüren
Bis 2019 waren die Ibbenbürener Kirchen drei Pfarreien zugeordnet, die am 22. September 2019 zur Großpfarrei St. Mauritius mit rund 27.000 Katholiken fusioniert wurden.Johannes Bernard: Ibbenbürener feiern ihre neue Stadtpfarrei. In: Kirche+Leben, 22. September 2019, S. 14. Zur Pfarrei St. Mauritius Ibbenbüren gehört auch die Kirche Ss. Peter und Paul in Tecklenburg-Brochterbeck.
Evangelisch mini|Johanneskirche in Laggenbeck