Die Wiener akademische Burschenschaft Olympia (amtlicher Name gemäß Vereinsregister: Akademische Burschenschaft Olympia) ist eine deutschnationale, farbentragende und pflichtschlagende Studentenverbindung in Wien. Die Burschenschaft ist Mitglied in der Deutschen Burschenschaft (DB) und in der Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG). Ihre Mitglieder werden Olympen genannt.

Laut dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes ist die Olympia „mit dem organisierten Neonazismus“ verbunden. Sie wird von Politikwissenschaftlern als rechtsextrem eingestuft.Günther Sandner: Hochschulpolitik. In: Emmerich Tálos (Hrsg.): Die Schwarz-Blaue Wende in Österreich. Eine Bilanz. LIT Verlag, Wien 2019, S. 254.

Geschichte

Gründungszeit Die Wiener akademische Burschenschaft Olympia wurde am 10. November 1859Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig 1924/25, S. 176. unter Eindruck eines zwei Tage zuvor stattgefundenen Schiller-Fackelzuges von 24 Studenten beider Wiener Hochschulen gegründet und nannte sich ab dem 27. Jänner 1860 intern Burschenschaft Olympia. Am 20. Mai 1862 erklärte sich Olympia offiziell zur Burschenschaft, was am 6. Mai 1868 von den Behörden anerkannt wurde. Es wurden zunächst die Farben Violett-Weiß-Rot aufgenommen und eine violette Mütze getragen, später wurden die Farben in Schwarz-Rot-Gold geändert. Ein großer Teil der Mitglieder war Anhänger des konservativen Prinzips, welches am 19. Oktober 1872 zum Bundesprinzip erhoben wurde. Im November 1872 wurde die erste Schläger-Mensur gefochten. In der burschenschaftlichen Arbeit wurden Verbindungen zu den Burschenschaften des Deutschen Reichs gesucht, jedoch wurden aufgrund ihres Prinzips der Unabhängigkeit keine Kartelle eingegangen. Ab 1862 beteiligte sich die Olympia an allen Zusammenschlüssen österreichischer Burschenschaften, unter anderem auch am Linzer Deputierten-Convent vom 5. Mai 1889.

Die Olympia galt als „judenrein“ sowie streng deutschnational.Michael Wladika: Hitlers Vätergeneration – Die Ursprünge des Nationalsozialismus in der k.u.k. Monarchie. Wien/Köln/Weimar 2005, S. 225.

Die Zeit des Ersten Weltkrieges und Zwischenkriegszeit Am Ersten Weltkrieg nahmen 85 Olympen teil, von denen 9 fielen. 1919 trat sie zusammen mit den übrigen Burschenschaften der Burschenschaft der Ostmark in die Deutsche Burschenschaft ein. Im Wintersemester hatte sie 118 Alte Herren, 40 Aktive und Inaktive. Nach der Auflösung der Korporationen im Zuge des Anschlusses Österreich und ihrer Eingliederung in den NSDStB konstituierte sich die Olympia ab 1938 als Kameradschaft Johann Gottlieb Fichte.

Die Zeit des Zweiten Weltkrieges und Nachkriegszeit Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Olympia als Burschenschaft Anfang der 1950er Jahre wiedergegründet, mit Unterstützung und Übernahme der Mitglieder einer 1941 gegründeten Burschenschaft Libertas, die sich in der Nachkriegszeit Akademische Tafelrunde Laetitia nannte.

Akademische Tafelrunde Laetitia Zwölf ausgetretene Gymnasiasten der Katholischen Deutschen Mittelschülerverbindung Arminia Klosterneuburg (gegr. 1919) hatten am 8. April 1936 eine pennale Burschenschaft Trimalchonia mit den Farben Schwarz-Gold-Rot und dem Wahlspruch Nec aspera terrent! gegründet. Nachdem die Mitglieder 1937 die Matura abgelegt hatten, hielten sie auch weiterhin engen Zusammenhalt. Im Herbst 1941 wurde beschlossen, dem Bund Hochschulcharakter zu geben und der Name Akademische Burschenschaft Libertas Wien angenommen, wobei Name und Wahlspruch von der Trimalchonia übernommen wurden. Als einige Aktiven im WS 1943/44 bei der Prager Studentenkompanie Wehrdienst leisteten wurde auch dort eine Zweigstelle der Libertas aufgemacht, die auch einige Füchse aufnahm. Nach dem Krieg wurde der Bund, der sich einer guten Entwicklung erfreute, auf feste Grundlagen gestellt und in Akademische Tafelrunde Laetitia umbenannt, da der Name Libertas einzig der wiedererstandenen Wiener akademischen Burschenschaft Libertas (gegr. 1859) zustand.

Wiener akademische Burschenschaft Olympia Am 18. November 1950 verschmolz Laetitia mit dem Altherrenverein der Olympia zur Akademischen Verbindung Olympia-Laetitia, wobei Farben, Zirkel und Satzungen der Laetitia beibehalten wurden. Am 16. Mai 1952 einigte man sich, für den Bund die Bezeichnung Akademischer Bund Olympia und die alten Farben der Olympia wiederanzunehmen.Oskar Waas: Die Pennalie – Ein Beitrag zu ihrer Geschichte. Graz 2011 (Neuauflage 1967), S. 483.

Am 29. Mai 1952 war Olympia an der Gründung des Allgemeinen Deputierten-Convents in Österreich (ADCÖ) beteiligt. 1961 war sie Gründungsmitglied der Burschenschaftlichen Gemeinschaft, die für eine Vereinigung des ADCÖ mit der Deutschen Burschenschaft eintrat und die heute von ihren Kritikern als weit rechts stehend angesehen wird.

1961 wurde die Burschenschaft Olympia behördlich aufgelöst, weil sich mehrere Olympen, darunter Norbert Burger, dem Befreiungsausschuss Südtirol angeschlossen hatten und in Bombenanschläge verwickelt waren und die Olympia in diesem Zusammenhang ihren satzungsmäßigen Wirkungskreis überschritten habe, weil sie ihre Mitglieder zu einer Spende für den in Italien inhaftierten Olympen Helmut Wintersberger verpflichtet hatte. Wintersberger, der an mehreren militanten Aktionen beteiligt gewesen war, war in einem Stadtbus in Rom ein Molotowcocktail vorzeitig explodiert, was zu seiner Verhaftung geführt hatte. Nachdem die Mitglieder der Olympia in der Zeit nach der Auflösung ihre Tätigkeit in der Wiener akademischen Burschenschaft Vandalia fortgesetzt hatten, konstituierte sich die Olympia 1973 neu, und die meisten Mitglieder der Vandalia traten der erneuerten Wiener akademischen Burschenschaft Olympia bei.Olympia: 1983 trat Olympia aus der Deutschen Burschenschaft in Österreich (DBÖ) aus. Sie verblieb nur noch in der Deutschen Burschenschaft (DB), in der sie 1971 über Vandalia eingetreten war.

Als die Olympia am 5. Jänner 1996 erneut den Vorsitz des Dachverbandes Deutsche Burschenschaft übernahm, traten einige Verbindungen aus diesem aus.DÖW: Zum deutschnationalen Korporationswesen in Österreich (Siehe auch: Neue Deutsche Burschenschaft) Als Grund für diesen Schritt wurde unter anderem angegeben, dass die Olympia gefordert habe, „Österreich und Teile Polens in die Wiedervereinigung Deutschlands miteinzubeziehen“.Junge Freiheit Nr. 18–19, 1996, S. 4.

Sich selbst beschrieben die Olympen in einem Flugblatt in den 1990ern so: „Wir sind normal geblieben unterm Schutt der Zeit, an uns sind Umerziehung, Trauerarbeit und Betroffenheit, doch auch Konsum, soziale Dünkel und Moderne fast völlig spurlos vorbeigezogen.“

Weiter hieß es dort:

„Bist du häßlich, fett, krank oder fremd im Lande, bist Du von Sorgenfalten, Weltschmerz oder linksliberaler Gesinnung gepeinigt, trägst Du alternative oder Schicky-Kleidung oder gar ein Flinserl im Ohr, studierst du Psychologie, Politologie oder Theologie oder gar nicht, hast du den Wehrdienst verweigert oder eine Freundin mit, die weder schön noch still ist, kurz: bist Du auf irgendeine Weise abnormal oder unfröhlich, dann bleib lieber zu Hause.“Heribert Schiedel, Klaus Zellhofer: Personal für die Dritte Republik. Die Studiosi: Vom RFS zur FSI zum RFS. In: Wolfgang Purtscheller (Hrsg.): Die Rechte in Bewegung. Seilschaften und Vernetzungen der »Neuen Rechten«. Picus Verlag, Wien 1995, S. 55.

Seit 2000 2008 nominierte die FPÖ Martin Graf als dritten Nationalratspräsidenten. Er wurde wegen seiner Mitgliedschaft in der Olympia kritisiert, aber dennoch mit 109 von 156 gültigen Stimmen gewählt; auf den grünen Gegenkandidaten Alexander Van der Bellen entfielen 27 Stimmen. Auf das oben zitierte Flugblatt angesprochen meinte Graf, es habe sich bei diesem Flugblatt um einen Scherz gehandelt.Chat mit Graf auf diepresse.com

Korporationshaus Im Frühjahr 1927 bezog die Olympia ihr eigenes Verbindungshaus. Die Olympia kaufte 1976 das Haus der vertagten Wiener Burschenschaft Alemannia. Heutzutage hat sie ihren Sitz im 6. Wiener Gemeindebezirk Mariahilf.

Auswärtige Verhältnisse Seit 1896 besteht ein Verkehrsverhältnis mit der Leobener akademischen Burschenschaft Leder. Es bestehen Freundschaftsverhältnisse mit den Burschenschaften Germania Hamburg, Arminia Graz und Aldania Wien.

In den Geschäftsjahren 1953/54, 1961/62, 1970/71, 1979/80 1991/92 war sie Vorsitzende des Wiener Korporationsrings (WKR). In den Geschäftsjahren 1969/70 und 1980/81 war sie Vorsitzende der Deutschen Burschenschaft in Österreich. In den Geschäftsjahren 1989/90 und 1996/97 war Olympia Vorsitzende der Deutschen Burschenschaft. In den Geschäftsjahren 1971/72, 1982/83, 1985/86, 1986/87 und 2009/10 hatte die Olympia den Vorsitz innerhalb der Burschenschaftlichen Gemeinschaft, einem deutschnational orientierten Zusammenschluss deutscher und österreichischer Burschenschaften, inne.

Kontroversen Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW), der Sozialwissenschaftler Dietrich Heither und die Mehrzahl der deutschen und österreichischen Medien stufen die Burschenschaft als rechtsextreme bzw. sehr weit rechtsstehende Organisation ein.Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands: Suchers „Heil“. Neues von ganz rechts, Mai 2006Dietrich Heither: Burschenschaften. Rechte Netzwerke auf Lebenszeit. In: Stefan Braun, Daniel Hörsch (Hrsg.): Rechte Netzwerke – Eine Gefahr. VS Verlag, 2004, ISBN 978-3-8100-4153-1, S. 134.Sebastian Fischer: Rechtsradikaler Grüßaugust. Spiegel Online, 4. Februar 2007. Der FPÖ-Politiker Martin Graf kritisierte die Einschätzung des DÖW und erwiderte, das DÖW würde „jede Position, die nicht links angesiedelt ist“, bereits als rechtsextrem ansehen.

1990–2009 1991 stellte die Delegation der Olympia beim Burschentag in Eisenach einen Antrag, in dem es hieß: „Die Unterwanderung des deutschen Volkes durch Angehörige von fremden Völkern bedroht die biologische und kulturelle Substanz des deutschen Volkes (…) Das deutsche Volk ist vor Unterwanderung seines Volkskörpers durch Ausländer wirksam zu schützen.“Markus Perner, Klaus Zellhofer: Österreichische Burschenschaften als akademische Vorfeldorganisationen des Rechtsextremismus. In: Stiftung Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.): Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus. Wien 1996, S. 275.

Das NS-Verbotsgesetz wird von Olympia-Mitgliedern seit Jahrzehnten kritisiert. 2000 forderte der Olympe Walter Asperl die damaligen Bundesminister mit burschenschaftlichem Hintergrund auf, etwas gegen das Verbotsgesetz zu tun.Format Nr. 21, 2000, S. 50. Martin Graf stellte das Verbotsgesetz ebenfalls 2000 in Frage. In einer Festschrift der Olympia von 1989 waren rechtliche Schritte im Zusammenhang mit der Auschwitzlüge als „Rückfall in eine längst überwunden geglaubte Zeit der geistigen Unfreiheit“ bewertet worden. 1993 hatten der damalige Sprecher und Schriftwart der Olympia dazu aufgerufen, Widerstand gegen den „Gesinnungsterror“ des NS-Verbotsgesetzes zu leisten.Hans-Henning Scharsach: Stille Machtergreifung. Hofer, Strache und die Burschenschaften. 2. Auflage. Kremayr&Scheriau, Wien 2017, ISBN 978-3-218-01084-9, S. 172.

In der jüngeren Vergangenheit lud die Olympia immer wieder Repräsentanten des Neonazi-Spektrums ein: bereits 1993 und im Juni 2000 den Liedermacher Frank Rennicke,Musik als geheime Botschafterin der Neonazis. In: Der Standard, 18. November 2011, abgerufen am 16. Dezember 2018. im Jänner 2003 den Liedermacher Michael Müller,Olympia-Liederabend mit Neonazi. Neues von ganz rechts – Jänner 2003 im Archiv des DÖW, abgerufen am 16. Dezember 2018. im November 2005 den Holocaust-Leugner David IrvingSebastian Krass: Burschenschafter treffen sich an Hitlers Geburtstag. In: Süddeutsche Zeitung, 17. April 2013.Prozess gegen David Irving am 20. Februar. ORF, 13. Dezember 2005. und im Jänner 2008 den NPD-Funktionär und Liedermacher Jörg Hähnel.Radio Orange 94,0: , 23. Jänner 2008.

2010–2019