Das Brüderschafttrinken (in Österreich auch: „Bruderschafttrinken“) zweier Personen bezeichnet den ritualisierten Übergang vom Siezen zum Duzen mittels des Trinkens. Im 17. und 18. Jahrhundert war dafür auch der Ausdruck auf den Dutz trinken (auf das Duzen trinken) gebräuchlich. Dahinter steht wohl die Annahme, dass „gemeinsames Trinken … verbinden und verpflichten“ kann.Regina und Manfred Hübner: Trink, Brüderlein, trink. Illustrierte Kultur- und Sozialgeschichte deutscher Trinkgewohnheiten. Leipzig 2004.
mini|Trinken mit verschränkten Armen Im modernen Brauch trinken beide Beteiligte aus je einem Trinkgefäß, wobei die das Gefäß haltenden Arme gegenseitig durch die Armbeuge des anderen greifen und man sich sozusagen unterhakt. Unter vertrauten oder bereits verwandtschaftlichen Verhältnissen gibt man sich danach einen Kuss – früher meist auf den Mund, heute eher auf die Wange. Anschließend stellt man sich mit seinem Vornamen vor („Ich bin der/die …“, „ich heiße …“).
Dieser Brauch findet sich in Form einer sprichwörtlichen Redensart auch in der Literatur.
Geschichte Der Ursprung des rituellen Brüderschafttrinkens ist nicht genau zu bestimmen: RöhrichLutz Röhrich: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Lemma „Bruder“, Freiburg im Breisgau 1991. geht davon aus, dass die Redensart ursprünglich auf eine durch magische Riten verpflichtete Form der Wahlverwandtschaft zurückgeht. Riten wie wechselseitiges Trinken des Blutes oder gemeinsames Eintauchen der Hand in Tierblut verpflichteten dabei die Teilnehmer auf die gleichen Ziele und Ideale und formten so eine Bruderschaft.
Rudolf Schultze erwähnt den Brauch bereits für das Spätmittelalter,Rudolf Schultze: Geschichte des Weins und der Trinkgelage. Berlin 1867, S. 166: allerdings ohne Angaben von Quellen. Ganz sicher nachweisbar ist der Brauch im 17. Jahrhundert mit der Schrift Jus Potandi oder Zechrecht, einer im Jahr 1616 herausgegebenen juristisch-parodistischen Schrift eines anonymen deutschen Verfassers. Das Jus Potandi war die Übersetzung der Disputatio inauguralis theoretico-practica jus potandi des englischen Dichters Richard Brathwaite (1588–1673) aus demselben Jahr. Im Kapitel 20 der genannten Schrift heißt es:
Das Brüderschafttrinken scheint hier aus der Sitte des Zutrinkens entstanden zu sein: Derjenige, der dem anderen die Brüderschaft antragen will, spricht diesen an, trinkt ihm zu und füllt den Trinkbecher wieder. Aus demselben Becher trinkt dann der Angesprochene und der erste nennt seinen Namen. Daraufhin versprechen sie sich gegenseitig zu tun, was dem anderen „lieb“ und zu lassen, was dem anderen „leid“ sei.
Diese Formel findet sich auch in der Dichtung Wunderlichen und wahrhaftigen Gesichten Philanders von Sittewald des Michael Moscherosch aus dem 17. Jahrhundert, in der ein StudentengelageSo Wilhelm Bode: Kurze Geschichte der Trinksitten und Mäßigkeitsbestrebungen in Deutschland. München 1896, S. 213. beschrieben wird (Teil 1, Gesicht 6):
Im 18. Jahrhundert war das Brüderschafttrinken bei den Studentenverbindungen offenbar gängig. So berichtet vom Brauch des „Brüderschaft Trinkens“ der aus Halle stammende Magister Christian Wilhelm Kindleben (1748–1785) in einem von ihm verfassten Studenten-Lexicon von 1781 wie man zum Duzbruder wurde: . Später wurde dies zum Schmollis trinken.
Die Brüder Grimm schreiben in ihrem Wörterbuch „es heiszt brüderschaft trinken“ und führen als literarische Belege für die Verwendung in Form einer sprichwörtlichen Redensart mehrere Werke an: So heißt es bei Friedrich von Hagedorn: und in Goethes Egmont (4. Aufzug) heißt es: . Bei Friedrich Schiller wird in den Räubern sogar die Brüderschaft mit dem Teufel angedeutet: .
Das Brüderschafttrinken war mitunter auch Teil eines familiären Aufnahmerituals vor einer anstehenden Heirat. So berichtet der Werksmeister Rudolf Gremmer im Eintrag vom 21. Mai 1899 seines Tagebuchs:
In Meyers Enzyklopädie von 1888 heißt es unter dem Stichwort Brüderschaft: Dies sei
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