mini|hochkant=1.2|Westfassade mini|hochkant=1.2|Saint-Pierre d’Aulnay Saint-Pierre d’Aulnay (früher: Saint-Pierre-de-Saintonge) ist die Pfarrkirche und eine ehemalige Pilgerkirche in der französischen Gemeinde Aulnay. Sie wurde ab dem 12. Jahrhundert im Stil der Romanik errichtet, ist ein Monument historique, das seit 1840 unter Denkmalschutz steht, und wurde 1998 als Teil des „Jakobswegs in Frankreich“ als Weltkulturerbe der UNESCO anerkannt.Inventaire général du patrimoine culturel de la Région Poitou-Charentes online St-Pierre d’Aulnay stellt in der Entwicklung der Kunst des Poitou einen besonderen Höhepunkt dar und gehört zu den wichtigen Bauwerken der Romanik in Frankreich.

Geografische Lage mini|Nachpflanzung des Grundrisses des gallo-römischen Umgangstempels an der Ausgrabungsstelle mini|hochkant|Jakobspilger, Darstellung von 1568 Die Kirche liegt in Aulnay im Département Charente-Maritime in der Region Nouvelle-Aquitaine, circa 84 km südwestlich von Poitiers und 40 km nordöstlich von Saintes. Ursprünglich befand sich die Kirche außerhalb des Ortes, weitab der geschlossenen Bebauung, an der historischen Pilgerstraße „Via Turonensis“ (heutige Route départementale D 950) von Poitiers nach Saintes, einem der vier Hauptpilgerwege nach Santiago de Compostela. Heute ist die Ortsbebauung an die Anlage herangewachsen. Die Kirche ist von einem historischen Friedhof umgeben, der schon in der Antike genutzt wurde.Werner, S. 1. Etwa 100 Meter Luftlinie südwestlich der Kirche wurde ein gallo-römischer Umgangstempel archäologisch ausgegraben.

Geschichte Vorgeschichte Die urkundliche Überlieferung zu der Kirche ist vor dem 14. Jahrhundert sehr gering. Die älteste Quelle, die einen Bezug auf die Kirche haben kann, ist die Erwähnung einer Vikariatsstelle in Aulnay 963/964. Die nächste Erwähnung stammt erst von 1031. 1119 bestätigte Papst Calixt II. der Abtei St. Cyperien in Poitiers den Besitz der Kirche. 1122 bestätigt derselbe Papst dem Domkapitel von Poitiers den Besitz der Kirche, die dann bis 1790 in den Händen des Domkapitels verblieb.Werner, S. 1f. Über dieses erste Kirchengebäude ist nichts bekannt. Eine archäologische Ausgrabung der Anlage hat bisher nicht stattgefunden.

Der Übergang an das Domkapitel von Poitiers bedeutete einen mächtigen Investitionsschub für die Anlage. Das Domkapitel besaß sowohl die Finanzkraft als auch die Verbindungen zu den Spitzenhandwerkern der Zeit, um die Kirche neu zu errichten. Die Quellen verraten keine Daten zur frühen Baugeschichte. Stilistische Kriterien lassen einen Baubeginn kurz nach 1122, wohl um 1130 vermuten.

Mit dem Hundertjährigen Krieg im 14. und 15. Jahrhundert nahm die Pilgerbewegung drastisch ab, auch kam die Bautätigkeit in Westfrankreich weitgehend zum Erliegen.

Im Zuge der Französischen Revolution wurde das Kircheneigentum verstaatlicht. 1798 ging ein monumentales Reiterstandbild, das sich vermutlich in der zentralen Bogennische im Obergeschoss der Westfassade befand und wahrscheinlich Kaiser Konstantin darstellte, verloren. Davon ist heute nur noch der Hals des Pferdes erhalten.Werner, S. 24. Das Fragment befindet sich heute im linken Seitenschiff der Kirche.

Baugeschichte mini|hochkant=1.2|Grundriss

Bau des 12. Jahrhunderts Errichtet wurde eine dreischiffige Hallenkirche. Aufgrund baulicher Merkmale sind drei Bauphasen deutlich unterscheidbar: Das Querhaus zeichnet sich durch ungegliederte Außenwände aus. Nur das südliche Querschiff hat ein eigenes Portal, dessen Schmuckfiguren radial angeordnet sind. Dieses Portal und die Ostseite insgesamt besitzen einen reichen Figurenschmuck. Die Kapitelle weisen sowohl figürlichen als auch pflanzliche Schmuckelemente auf, oft in keltischem Stil gehalten.Werner, S. 15ff. Das Langhaus wird außen durch Blendarkaden gegliedert. Die Kapitelle im Innern weisen als Dekor pflanzliche Motive und Masken auf. Zwischen der Errichtung des Langhauses und des Chors wird deshalb ein – nicht genau zu fassender – zeitlicher Abstand angenommen.Werner, S. 23. Der dritte Bauabschnitt war eine Planänderung die noch während des laufenden Baus des Langhauses vorgenommen wurde: Den ursprünglich geplanten vier Jochen wurde westlich noch ein fünftes vorgestellt. Das ist heute noch sowohl an der Süd- als auch an der Nordwand an den Resten der bereits vorgenommenen Fundamentierungen einer Westfassade als Abschluss des vierten Jochs zu erkennen.Werner, S. 23, Abb. 165.

Die Fertigstellung und Konsekration der Kirche wird um 1170 angenommen.

Veränderungen Im 15. oder 16. Jahrhundert gab es Probleme mit der Westfassade. Die Schubkraft aus den Gewölben des ersten Jochs ließ um deren Standsicherheit fürchten. Durch beidseitig der Westfassade und zwei vor der Fassade angebrachte Strebepfeiler, die bis zum Ortgangansatz hinaufreichen, wurde das Problem behoben aber auch die Fassade massiv umgestaltet. Die ursprüngliche Rahmung der Westfassade wurde durch die Stützpfeiler vermauert und ist heute nicht mehr sichtbar.Werner, S. 2.

Die Skulpturen des Erdgeschosses der Westfassade und des Südportals sind weitgehend erhalten, allerdings fehlen vielen Figuren die Köpfe. Die Verwitterung der Skulpturen hält sich dagegen in Grenzen.

Ursprünglich lag das Terrain vor dem Hauptportal etwas tiefer und einige Stufen führten zu ihm hinauf. Da das Bodenniveau des Kirchenraumes wieder etwas tiefer lag, vermittelte der Eintritt in die Kirche eine Art „erhobenem Zustand“, ein raffiniertes Arrangement. Erst bei einer Sanierung des Gebäudes im 19. Jahrhundert wurde das äußere Niveau vor der Fassade bis auf die Höhe der Schwelle des Portals aufgeschüttet.

Denkmalpflege Seit die Kirche 1840 unter Denkmalschutz gestellt wurde, kam es immer wieder zu Sanierungen. Im 19. Jahrhundert auch unter der Leitung von Paul Abadie, dem Architekten von Sacré-Cœur de Montmartre in Paris. Zu den damaligen Restaurierungen gehörte auch der steil angespitzte Helm des Treppenturmes neben dem Glockenturm und die beiden runden Türmchen, ebenfalls mit spitzen, kegelförmigen Helmen, auf den Strebepfeilern, die seit dem 15. Jahrhundert die Westfassade an beiden Seiten begrenzen.

Bauwerk

Abmessungen, zirka (ohne Wandvorlagen):

Langhausbreite (innen): 13,50 m Langhauslänge (innen): 27,40 m Mittelschiffbreite (innen): 5,10 m Querhauslänge (innen): 22,80 m Querhausbreite (innen): 5,80 m Chorbreite (innen): 5,00 m Chorlänge inkl. Apsis (innen): 9,50 m Langhausbreite (außen): 17,20 m Langhauslänge (außen): 29,00 m Querhauslänge (außen): 26,70 m Querhausbreite (außen): 9,80 m Chorbreite (außen): 8,80 m Chorlänge (außen): 10,90 m

Inneres Die Kirche erhebt sich über dem klassischen Grundriss des lateinischen Kreuzes. Ihr Langhaus weicht von dem oft in der Saintonge üblichen Typ des einschiffigen Saales ab und findet Vorbilder im nördlichen Poitou.

Langhaus mini|hochkant|Weihwasserbecken neben Südportal Beim fünfjochigen Langhaus wird das Mittelschiff von zwei nahezu halb so breiten, aber fast gleich hohen Seitenschiffen begleitet. Es gibt keine Obergaden-Belichtung. Die Anspitzung der Tonnengewölbe verrät den Einfluss Clunys. Die massiven Scheidewände (zwischen den Schiffen) werden getragen von vier Pfeilerbündeln und an deren Enden von den Vierungspfeilern und den Halbpfeilern an der Westwand. Die Pfeilerbündel bestehen aus vier „alten“, fast dreiviertelrunden Diensten, zwischen denen keine Pfeilerecken hervortreten. Die Pfeilerkerne sind genauso dick wie die Dienste. Die Pfeilerbündel sehen aus wie vier eng zusammenstehende runde Säulen. Die Pfeilerbündel werden gekrönt durch üppige Bündel von vier Kapitellen mit aufwändiger figürlicher und pflanzlicher Skulptur. Auch die weit ausladenden Profile der Kämpfer sind pflanzlich skulptiert. Die Pfeilerbündel stehen mit ihren profilierten Basen auf weit ausladenden, im Grundriss kreuzförmigen und circa einen halben Meter hohen Postamenten. Die angespitzten Scheidbögen weisen rechtwinklige Querschnitte auf, die an den Kanten einfach zurückgestuft sind. Die Scheidewände ragen etwas über die Scheitel der Scheidbögen hinauf, bis zu einem profilierten Kraggesims, das den Wölbungsansatz markiert.

Auf den zu den Schiffen hin weisenden Kapitellen stehen halbrunde „junge“ Zwillingsdienste, die mit ihren skulptierten Kapitellen bis zu den vorgenannten Gesimsen hinaufreichen. Ihre Kämpfer gehen seitlich in die Gesimse über. Die Gurtbögen der Seitenschiffe stehen außenseitig auf jungen dreiviertelrunden wandhohen Zwillingsdiensten. Auf den vorgenannten paarweise ausgeführten Diensten stehen die rechtwinkligen Gurtbögen der Schiffe. Die Gewölbe sind heute mit modernen Halogenleuchten auf den Gesimsen hell angestrahlt, die die Kapitelle hervorragend ausleuchten. Im Mittelalter hat man die Skulpturen in verhältnismäßiger Dunkelheit erahnen müssen.

Die natürliche Belichtung des Mittelschiffs erfolgt indirekt durch rundbogige Fenster in der oberen Außenwandhälfte der Seitenschiffe, zentriert in jedem Joch. Die Gewände der Fenster sind nach innen aufgeweitet, ihre Kanten werden durch rechtwinklige Rückversätze gebrochen. Ihre Fensterbänke sind leicht abgeschrägt. Auf der südlichen Außenwand gibt es in Joch 3 eine türartige Nische mit Stichbogenüberdeckung, dessen Keilsteine noch die Kante der steil abgeschrägten Fensterbank überschneidet. Die Nischenachse ist gegenüber der Fensterachse deutlich versetzt. Im oberen Bereich der Nische ist ein kreisrundes „Ochsenauge“ ausgespart.

In der westlichen Giebelwand gibt es im Gewölbebereich der Seitenschiffe je ein rundbogiges Fenster, außermittig nach außen gerückt. Im Mittelschiff findet sich in derselben Höhe ein halb so breites Fenster in der Nähe der südlichen Scheidewand, vermutlich ein Überrest späterer Veränderungen im Obergeschoss der Fassade. Das Hauptportal wird innenseitig durch einen neuzeitlichen hölzernen „Verschlag“ verkleidet, mit seitlichen Türen zu den Seitenschiffen und einer oberseitigen Tribüne.

Querhaus und Vierung mini|hochkant|Nördlicher Querhausarm Das Zentrum des Querhauses, die quadratische Vierung, besitzt allseitig hohe Öffnungen mit angespitzten Rundbögen, deren Scheitel knapp unter die Scheitelhöhe des Mittelschiffes, der Querhausarme und des Chors hinaufreichen. Die kräftigen Vierungswände werden getragen von angespitzten, im Querschnitt rechtwinkligen Rundbögen mit einfach zurückgestuften Kanten. Diese stehen auf wesentlich stärkeren Pfeilerbündeln als die des Langhauses und zwar wieder allseitig aus „alten“ dreiviertelrunden Diensten, zwischen denen jeweils ein Paar von „jüngeren“ Diensten eingefügt ist. Dementsprechend vervielfältigen sich auch die jene Dienste krönenden Kapitelle und Kämpfer. Das gilt auch für die Postamente, die in Vierung und Chor deutlich höher sind als im Schiff.

Die Vierung wird überdeckt durch eine elegante Pendentifkuppel. Vier Pendentifs (Hängezwickel und Teile einer großen Kuppelwölbung) in den Ecken der Vierungswände, leiten vom Vierungsquadrat in den kreisförmigen Rand der darüber aufstehenden Kuppel über. Dieser Kuppelrand wird durch ein umlaufendes profiliertes und ornamentiertes Kraggesims markiert, das knapp über den äußeren Keilsteinen der Vierungsbögen angeordnet ist. Die Kuppelschale wird gegliedert und unterstützt durch acht profilierte Rippen. Im Kuppelscheitel dient eine von einem Kreisring eingefasste Öffnung zum Transport der Glocken. In einem in südliche Richtung weisenden Feld der Kuppel ist ein rundbogiges Fenster ausgespart, das die Kuppel in mäßiges Licht taucht. Die Fenstergewände werden durch eine Stichkappe überdeckt.

mini|hochkant|Vierung, südlicher Querhausarm