mini|250px|Karte von 1808 mit den Falklands, den Aurora-Inseln und Südgeorgien (unten rechts) Die Aurora-Inseln bilden eine Gruppe von, je nach Quelle, zwei bis sechs Phantominseln, die in zahlreichen kartographischen Darstellungen des 18. und 19. Jahrhunderts erscheinen. Sie sollen sich im Südpolarmeer zwischen den Falklandinseln und Südgeorgien befinden, doch wird ihre Existenz als fraglich angesehen. Niemand hat die Inseln je betreten. Möglicherweise wurden sie mit den Shag Rocks verwechselt.

Entdeckung Das erste Schiff, das die mutmaßlichen Aurora-Inseln passierte, war die spanische Fregatte Aurora. 1762 sichtete die Mannschaft auf der Rückreise von Lima nach Spanien eine Gruppe von zwei kleinen Inseln 35 Leguas (≈ 146 km) östlich des Falkland-Archipels. Sie erstreckten sich von Nordost nach Südwest und waren 2 ½ bis 3 Leguas (≈ 10 bis 12 km) voneinander entfernt. Der nordöstlichen Insel, der kleineren von beiden, war ein Riff vorgelagert, das jedoch eine Durchfahrt freiließ, die dem Schiff die Passage erlaubte. Die südwestliche Insel lag 5,46 (alte spanische) MeilenIm Originaltext heißt es „Millas“. Mila, hier übersetzt mit Meilen, ist ein altes spanisches Längenmaß römischen Ursprungs, das 7,146 Kilometern entspricht. (≈ 39 km) in Nord-Süd-Richtung. An ihren unzugänglichen Ufern war kein Strand zu erkennen, der eine Bootslandung zuließ. Eine Meile (≈ 7 km) nördlich fand eine Lotung bis in 120 Faden (220 m) Tiefe keinen Grund mehr. Durch eine Standortmessung am selben Tag wurde die Position der Insel mit 53° 15' südlicher Breite und 325° 22' südlicher Länge des „Meridians von Teneriffa“ (= Ferro-Meridian; entspricht 53° 15' S und 18° W nach dem Nullmeridian) ermittelt.Josef Espinosa y Tello (Hrsg.): Memorias sobre las observaciones astronómicas, hechas por los navegantes españoles en distintos lugares del globo las quales han servido de fundamento para la formación de las cartas de marear publicadas por la Direccion de trabajos hidrográficos de Madrid (Aufzeichnungen über die astronomischen Beobachtungen spanischer Seefahrer in verschiedenen Teilen der Welt [. . .]). Bd. 1, Imprenta Real, Madrid 1809

Im Jahr 1769, das genaue Datum ist nicht bekannt, befand sich die spanische Fregatte San Miguel auf 52° 37' südlicher Breite und 47° 49' westlicher Länge.Stephen A.Royle: A Geography of Islands Small island insularity. Routledge, London 2001, ISBN 0-203-16036-3, S. 7Raymond H. Ramsay: No longer on the Map. The Viking Press, New York 1972 Die Mannschaft entdeckte dort sechs Inseln unterschiedlicher Größe, die man für die Aurora-Inseln hielt.

In der geografischen Breite stimmen die Positionsbestimmungen der Aurora und der San Miguel ungefähr überein, die geografischen Längen weichen jedoch erheblich voneinander ab. Die auf der Aurora ermittelte Länge liegt rund 1200 km östlich von Südgeorgien. Dort gibt es keine Insel, wie Satellitenaufnahmen und moderne Karten beweisen. Die auf der San Miguel ermittelte liegt 29 Längengrade (≈ 1900 km) weiter westlich, etwa auf halber Strecke zwischen Falkland und Südgeorgien. Auch dort gibt es keine Insel. Solche Positionsangaben sind aus heutiger Sicht problematisch. Sie lassen einen Vergleich kaum zu, denn bei der Festlegung der geographischen Länge ist zu bedenken, dass deren Bestimmung durch die Addition der Etmale wenig zuverlässig war, da präzise Schiffsuhren noch nicht verbreitet waren (siehe → Längenproblem).

Die Aurora-Inseln wurden im Jahr 1774 von der Fregatte Aurora auf der Position 53° 38' südlicher Breite und 326° 10' geografischer Länge nach dem Ferro-Meridian (entspricht 53° 18‘ S und 17° W nach dem Nullmeridian) erneut gesichtet, das liegt rund 120 km südwestlich der zwölf Jahre zuvor ermittelten Position. Die Beschreibung lässt erkennen, dass zunächst eine größere Insel ins Blickfeld kam, mit vielen kleinen Hügeln, die man irrtümlich für Schneeverwehungen hielt. Bei der Annäherung bestätigte sich, dass es sich um eine Insel von etwa drei Leguas (ca. 12 km) Länge handelte, die sich von Nord nach Südost erstreckte. Ostsüdöstlich davon, 3 bis 4 Leguas (≈ 12 bis 17 km) entfernt, lag eine weitere, kleinere Insel, die „viel Rauch ausstieß“ („Al E. S. E. de esta isla á 3 ó 4 leguas vió otra pequeña que despedia mucha reventazon“).

Drei weitere spanische Schiffe, die Perla im Jahr 1779, die Dolores im Jahr 1790, und die Fregatte Princesa der Königlich-Philippinischen Gesellschaft (Real Companía de Filipinas) im selben Jahr sahen die Aurora-Inseln auf ihrer Rückreise von Lima nach Spanien ebenfalls, doch stellten sie weder die genaue Position fest, noch hinterließen sie eine Beschreibung. Lediglich der Kapitän der Princesa, Martín de Oyarvide, meldete, dass sich 11 Meilen (≈ 78 km) in Ost-Südost der südlichen der beiden Inseln eine Untiefe befand.

1789 entsandte die spanische Regierung die Korvetten Descubierta und Atrevida von Cádiz auf eine fünf Jahre dauernde politisch-wissenschaftliche Weltreise, mit dem Ziel, genaues Kartenmaterial der überseeischen Kolonien und noch unbekannter Inseln zu erstellen und sie ggf. für Spanien in Besitz zu nehmen. Kommandant der Descubierta und Leiter der Expedition war Alejandro Malaspina, Kapitän der Atrevida war José de Bustamante.

In Concepción trennten sich die Schiffe und die Atrevidea erhielt den Auftrag zur Erkundung der Diego-Ramírez-Inseln südlich von Kap Hoorn, zum Besuch der Falklandinseln und der spanischen Siedlung Soledad (Puerto de Nuestra Señora de la Soledad) auf Ostfalkland sowie der genauen Bestimmung der Position der angeblich östlich davon gelegenen Aurora-Inseln.Pedro de Novo y Colson (Hrsg.): Viaje político-científico alrededor del mundo por las corbetas Descubierta y Atrevida al mando de los capitanes de navío D. Alejandro Malaspina y Don José de Bustamante y Guerra, desde 1789 á 1794 (Politisch-wissenschaftliche Weltreise der Korvetten Descubierta und Atrevida unter dem Kommando der Marinekapitäne D. Alejandro Malaspina und Don José de Bustamante y Guerra, von 1789 bis 1794). Imprenta de la Viuda é Hijos de Abienzo, Madrid 1885

Nach der Abfahrt von Ostfalkland am 11. Januar 1794 ging die Atrevida auf östlichen Kurs entlang des 53. und 54. Breitengrades. Die Suche hatte Erfolg, denn am 20. Januar 1794 wurde eine Insel gesichtet, deren Oberfläche in weiten Bereichen von einer dicken Schneeschicht bedeckt war, während an anderen Stellen, insbesondere am Südufer, freiliegendes, dunkles oder schwarzes Gestein zutage trat. Nordwestlich dieser Insel schwamm eine Eisfläche, die sich vermutlich von der Insel gelöst hatte. Die am Mittag ermittelte Position war 53° 40' südlicher Breite und 42° 24' westlicher Länge. Am 22. Januar 1794 kam eine weitere, schneebedeckte Insel in Sicht. Sie war mit sechs Meilen (≈ 43 km) Nord-Süd-Ausdehnung größer als die erste und flacher, aber im Nordwesten erhob sich ein höherer Gipfel. Am 26. Januar 1794 meldete der Ausguck eine dritte, ebenfalls schneebedeckte Insel, die höher und größer war als die zuvor gesichteten, von steilen, unzugänglichen Klippen gesäumt. Nach Südosten erstreckte sich ein zwei Meilen (≈ 15 km) langes Riff, das von einer heftigen Brandung teilweise überspült war.

In Malaspinas Expeditionsbericht umfasst der Abschnitt über die Aurora-Inseln vier Seiten, das zeigt die Bedeutung, die die Spanier der Entdeckung beimaßen. Die von Bustamante ermittelte Position der Gruppe liegt rund 1000 km südöstlich der Falklandinseln und 300 km nordwestlich Südgeorgiens. Welche Inseln er tatsächlich gesehen hat, ist unklar. Die Shag Rocks liegen ungefähr 180 km südlich davon, sodass eine Verwechslung durchaus möglich ist, obwohl die Beschreibung deutlich davon abweicht.

Die Entdeckung der Inseln im Südpolarmeer und der antarktischen Halbinsel im frühen 19. Jahrhundert hatten das Interesse der Walfänger und Robbenjäger für die weit im südlichen Pazifischen und Atlantischen Ozean gelegenen Regionen geweckt. Die Aktivitäten britischer Walfänger und die russische Expedition von Fabian Gottlieb von Bellingshausen ließen auch in Nantucket und Stonington, den Zentren des Walfangs und der Robbenjagd in den Vereinigten Staaten, das öffentliche und wirtschaftliche Interesse an der Antarktis wachsen. Britische Walfänger und Robbenjäger hatten über riesige Robbenkolonien auf den Südlichen Shetlandinseln berichtet. Dies gab den Anlass für eine von Geschäftsleuten in Stonington und Nantucket organisierte Fangexpedition mit fünf Schiffen in das Südpolarmeer, darunter die Brigg Hersilia unter dem Kommando von Kapitän James P. Sheffield, die im Juli 1819 von Stonington in See stach.Edouard A. Stackpole: The Sea-Hunters. Lippincott Co., Philadelphia 1953, S. 360 Die Hersilia sollte zunächst die Falklandinseln anlaufen, Frischwasser aufnehmen und dann weiter zu den Aurora-Inseln segeln, um dort auf Robbenjagd zu gehen.

Nach der Abfahrt von den Falklands sichtete die Besatzung eine Gruppe aus drei Inseln und einem südwestlich gelegenen Riff, von der Kapitän Sheffield annahm, es seien die Aurora-Inseln. Die steil aus dem Meer ragenden Inseln hatten die „Form eines Zuckerhuts“ („in form of a sugar-loaf“) und boten keinerlei Möglichkeit zur Landung, sodass die Brigg sie nur umrundete und passierte. Die einzigen Lebewesen, die man entdecken konnte, waren Vögel. Die mittlere der Inseln verortete Kapitän Sheffield auf 52° 58′ südlicher Breite und 47° 51′ westlicher Länge.Edmund Fanning: Voyages Round the World [. . . ]. O. Rich, London 1834, S. 428–430

In den Jahren 1819/1820 ging der britische Kapitän James Weddell mit der Brigg Jane im Südpolarmeer auf Robbenjagd. Weddell suchte gezielt nach den Aurora-Inseln, denn der Bericht Malaspinas war ihm bekannt und er vermutete dort reiche Robbenbestände. Die mehrtägige Suche vom 1. bis 4. Februar 1820 unter den von Malaspina genannten Positionen blieb erfolglos.James Weddell: A voyage towards the South Pole, performed in the years 1822-24, containing an examination of the Antarctic Sea [. . .]. Longman, Rees, Orme, Brown, and Green, London 1827

Der beträchtliche Gewinn aus dieser (ersten) Reise in das Südpolarmeer veranlasste die Eigner, die Jane mit einem Begleitschiff, dem Kutter Beoufoy, zu einer weiteren Expedition zu den Südorkneyinseln, Südshetland und Südgeorgien zu entsenden, bei der Weddell erneut versuchen wollte, die Aurora-Inseln zu finden. Am 17. April 1883 passierten die Schiffe die Position der Shag Rocks, konnten sie jedoch wegen schlechten Wetters nicht sehen. Weddell segelte nun verschiedene Kurse zwischen den Breitengraden 53° 15′ und 52° 37′ um die Aurora-Inseln aufzufinden, doch die mehrtägige Suche war vergeblich. Als die Schiffe am 3. Mai 1883 in einen Sturm gerieten, brach Weddell seine Nachforschungen endgültig ab.

Der US-amerikanische Forscher, Kapitän und Handelsreisende Benjamin Morrell unternahm eine zweijährige Forschungsexpedition in das damals in weiten Teilen noch unbekannte Südpolarmeer. Am 30. Juni 1822 brach er mit dem Schoner Wasp bei „günstigem Wind und angenehmem Wetter“ von New York City auf. Ein zentrales Ziel dieser Reise war die Suche nach den Aurora-Inseln.Benjamin Morrell: A narrative of four voyages: to the South sea, north and south Pacific ocean, Chinese sea, Ethiopic and southern Atlantic ocean, Indian and Antarctic ocean. From the year 1822 to 1831 [. . .]. J. & J. Harper, New York 1832 Am 6. November 1822 passierte die Wasp die Stelle, an der die Inseln vermutet wurden, jedoch ohne sie zu entdecken. Morrell segelte nun mit Tag und Nacht besetztem Ausguck den 52. und 53. Breitengrad ab, ohne auf Land zu stoßen. Am 18. November 1822 brach er die Suche ergebnislos ab: