Die Nordex SE mit Sitz in Hamburg-Langenhorn ist ein börsennotiertes Unternehmen, das die Fertigung, Errichtung und Wartung von Windkraftanlagen betreibt; in manchen Märkten ist Nordex ebenfalls in der Planung von Windparks bis hin zu deren schlüsselfertiger Errichtung tätig. Nordex ist nicht im Offshore-Bereich tätig. Für die Erschließung von Standorten mit vergleichsweise niedrigen durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten im Landesinneren stellt das Unternehmen „Schwachwindanlagen“ her.
Nordex produziert an Standorten in Deutschland, Brasilien, Indien, Mexiko und Polen und bis 2022 in Spanien. Die Hauptproduktionsstätte befindet sich am Stammsitz in Rostock (siehe den in der Südstadt), wo das Unternehmen auch im Handelsregister eingetragen ist. Nordex hat Zweigniederlassungen und Tochtergesellschaften in 19 Staaten. Bis Ende 2023 hatte das Unternehmen nach eigenen Angaben weltweit in über 40 Staaten Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von ca. 50 GW installiert.Nordex auf einen Blick. Internetseite von Nordex, abgerufen am 21. März 2024. 2017 war Nordex das umsatzstärkste Unternehmen des Landes Mecklenburg-Vorpommern sowie das Unternehmen mit den zweitmeisten Beschäftigten.
Geschichte Anfang in Dänemark Die Nordex A/S ging im Mai 1985 aus der Brande Kedel og Beholderfabrik in Svindbæk bei Give in Dänemark hervor, einer Kesselfabrik, die von Flemming Pedersen und seinen Söhnen Carsten und Jens gegründet worden war. Dänemark ist sowohl das Pionierland der Energiewende als auch der (modernen) Windenergienutzung.Mario Neukirch: Die internationale Pionierphase der Windenergienutzung. Dissertation. Göttingen 2010, S. 288. Bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts wurde in Dänemark an Windkraftanlagen geforscht und kleine Anlagen gebaut. Wichtige Pioniere hierbei waren beispielsweise Poul la Cour und Johannes Juul, Konstrukteur der Gedser-Windkraftanlage. Ein technisches Grundkonzept für den Bau von Windkraftanlagen war in Dänemark bereits seit den 1940er Jahren getestet worden.
Als das fast vollständig von Öl als Primärenergieträger abhängige Land infolge der Ölkrise 1973 in eine schwere Energiekrise geriet, war somit bereits eine Windkrafttradition vorhanden, auf die man beim Bau neuer Anlagen zurückgreifen konnte. Darauf aufbauend begannen in den 1970er Jahren Unternehmen aus dem Anlagenbau und der Landmaschinentechnik mit dem Bau kleiner Windkraftanlagen, die sowohl von Privatpersonen als auch von Verbrauchsgemeinschaften zur Selbstversorgung gekauft wurden.Erich Hau: Windkraftanlagen: Grundlagen, Technik, Einsatz, Wirtschaftlichkeit. Berlin/Heidelberg 2014, S. 57. Unterstützt wurde diese Entwicklung durch die Politik, welche die dänische Energiewende vorantrieb. 1979 führte die Regierung Jørgensen einen Investitionszuschuss von 30 % für den Bau von Windkraftanlagen und 1981 eine gesetzliche Einspeisevergütung für Windstrom ein, die dänische Energieunternehmen dazu verpflichtete, Strom aus erneuerbaren Energien zu einem festgelegten Preis oberhalb des Marktpreises abzunehmen.Benjamin K. Sovacool: Energy policy making in Denmark: Implications for global energy security and sustainability. In: Energy Policy 61, (2013), 829–839, S. 830, doi:10.1016/j.enpol.2013.06.106.
In den 1980er-Jahren kam es zu einem Boom dänischer Hersteller, nachdem in den USA, insbesondere Kalifornien, die Windenergie durch staatliche Beihilfen gefördert wurde und dänische Hersteller mit ihrer gegenüber amerikanischen Anlagen überlegenen Zuverlässigkeit dort große Marktanteile erzielten. 1985 fertigte die dänische Windindustrie mehr als 3000 Anlagen, den Großteil dafür für den kalifornischen Markt.Erich Hau: Windkraftanlagen: Grundlagen, Technik, Einsatz, Wirtschaftlichkeit. Berlin/Heidelberg 2014, S. 60. Damit ergaben sich neue Geschäftsmodelle für dänische Unternehmen aus verwandten Branchen wie der Metallindustrie, wodurch die Zahl der Hersteller zunahm. Unter anderem stieg auch Nordex in die Windenergiebranche ein und ließ ebenfalls 1985 von den Ingenieuren Kim Andersen und Knud Buhl einen ersten Anlagentyp entwickeln, der noch im gleichen Jahr herausgebracht wurde.Vgl. Mario Neukirch: Die internationale Pionierphase der Windenergienutzung. Dissertation. Göttingen 2010, S. 130. mini|Montagearbeiten bei Nordex in Rostock
Eingliederung bei Babcock-Borsig und Börsengang Nordex Aktivitäten in Deutschland begannen 1991 mit dem Vertrieb durch die von Volker König, Werner Napp und Günter Schmidt gegründete Nordex Energieanlagen GmbH. Im folgenden Jahr baute diese Gesellschaft in Rerik eine eigene Entwicklung und Produktion auf, die später wieder in das Gesamtunternehmen eingegliedert wurde. Hier entstand 1995 die weltweit erste Serien-Windkraftanlage der Megawattklasse. 1996 übernahm die zum Babcock-Borsig-Konzern gehörende Balcke-Dürr 51 % an Nordex. Weitere 26 % wurden 1998 erworben. 1999 wurde, da sich das bestehende Werk in Rerik zunehmend als zu klein erwies, das ehemalige Dieselmotorenwerk Rostock übernommen, welches von nun an das Hauptwerk bildete. Damals zählte Nordex zu den 10 erfolgreichsten Windenergieunternehmen der Welt.Mario Neukirch: Die internationale Pionierphase der Windenergienutzung. Dissertation. Göttingen 2010, S. 130.
2001 bereitete Babcock-Borsig wegen finanzieller Probleme den Börsengang seines profitablen Windenergiegeschäfts vor. Dazu zählten neben Nordex auch die Vertriebsgesellschaft NPV, der zuvor übernommene insolvente Windkraftanlagenhersteller Südwind (Südwind Borsig Energy GmbHiwr.de: Südwind errichtet erstes S-70 Projekt, 29. September 2000, 08.30 Uhr) und die 1999 gegründete Borsig Rotor. Eigentümer der Übergangsgesellschaft, die unter Taifun AG firmierte, waren zu 80,5 % die Borsig Energy GmbH und zu 19,5 % die Nordex-Gründerfamilie Petersen. Im April 2001 wurden Aktien von Nordex erstmals an der Börse (Marktsegment Neuer Markt) notiert.Geschäftsbericht 2000/2001. Website von Nordex, abgerufen am 1. Juni 2014. Am 1. Oktober 2001 gab Babcock-Borsig seine verbleibende Beteiligung von 29,8 % an Nordex für rund 140 Millionen Euro an die Westdeutsche Landesbank ab. Die Familie Petersen war mit 7 % an Nordex beteiligt.
Krise und erneuter Aufschwung Im Jahr 2003 geriet Nordex in eine Krise. Neben einer allgemeinen wirtschaftlichen Abkühlung, mit einem Rückgang der Nachfrage nach Windkraftanlagen und einem daraus resultierenden stark rückläufigen Auftragseingang, bereitete Nordex v. a. das große Produktportfolio mit einer Vielzahl verschiedener Anlagentypen Probleme, wodurch dem Unternehmen hohe Verluste entstanden. Bis 2005 folgte eine Restrukturierung, bei der die Produktvielfalt reduziert und die Produktion im Stammwerk in Give geschlossen wurde; außerdem wurden in Deutschland 150 Arbeitsplätze abgebaut. Zudem wurden die Nordex-Tochtergesellschaften Südwind Energy GmbH und Nordex Energy GmbH fusioniert. Im Jahr 2005 kam es zu einer Kapitalherabsetzung im Verhältnis 10:1 gefolgt von einer umfassenden Refinanzierung. In diesem Zusammenhang stiegen auch die Aktionäre CMP Management, Goldman Sachs (indirekt über einen FondsGoldman Sachs verkauft Nordex-Anteil an Hedgefonds. In: Die Welt, 18. Dezember 2009, abgerufen am 1. Juli 2013.) und Momentum (Klatten) ein.
mini|hochkant|N90/2500 im Rostocker Breitling Ab 2005 kam es zu einem erneuten Aufschwung. 2006 wurde im Breitling Deutschlands erste Offshore-Anlage errichtet und die chinesische Fertigung für Großturbinen in Betrieb genommen. Bereits 2003 war vor der dänischen Hafenstadt Frederikshavn eine Offshore-Testanlage im Kattegat errichtet worden. Im Januar 2007 wurde eine Rotorblatt-Fertigung in China eröffnet.German turbine manufacturer Nordex to quadruple production. In: Windpower Monthly, 1. Dezember 2007, abgerufen am 10. Juli 2013. Anfang 2008 bezog Nordex wieder den ehemaligen Standort in Rerik zum Zweck der Ausbildung. Im Oktober 2008 gab Nordex die Investition in eine neue Fertigungsanlage in Jonesboro im US-Bundesstaat Arkansas bekannt. Im Oktober 2010 wurde das rund 40 Mio. US-Dollar teure Werk offiziell eröffnet.. In: Die Welt, 30. Oktober 2010, abgerufen am 10. Juli 2013. Seit März 2010 hat Nordex die Rechtsform europäische Gesellschaft (SE). Sie firmiert seitdem als Nordex SE. Anfang 2011 verlegte Nordex seinen Unternehmenssitz nach Hamburg-Langenhorn, wo die neue Hauptverwaltung im Nordex-Forum bezogen wurde.Nordex bezieht neue Hauptverwaltung in Hamburg. Internetseite von Nordex, abgerufen am 1. Juni 2014.
Im selben Jahr rüstete Nordex sein Hauptwerk in Rostock als eines der ersten Unternehmen der Windenergiebranche auf Serienfertigung um. Statt der früher verwendeten Dockmontage gab es nun drei Montagelinien für Maschinenhaus, Triebstrang und Nabe, die von je drei Vormontagelinien beliefert werden. Dadurch konnte die Produktionszeit pro Turbine um 30 % gesenkt und zugleich die maximale Jahreskapazität des Werks auf 1000 Anlagen gesteigert werden. Im Dezember 2012 schloss Nordex seine Rotorblattfertigung in China wegen mangelnder Auslastung im dort stark abgeschotteten Markt. Ebenfalls aufgrund mangelnder Auslastung wurden Restrukturierungsmaßnahmen im Werk Jonesboro angekündigt.Nordex schafft 2012 Auftragsrekord. In: Handelsblatt, 15. Januar 2013, abgerufen am 15. Januar 2013. 2012 beendete Nordex zudem die Entwicklung der ausschließlich für Offshore-Windparks vorgesehenen Turbine N150/6000 aufgrund der unsicheren Entwicklung in diesem Marktbereich und strebte den Verkauf der Anteile am Offshore-Windpark Arcadis Ost 1 an.. In: notonlywindenergy.com, 12. Juni 2012, abgerufen am 3. Juli 2012. Im Juni 2013 erklärte Nordex die Gondelproduktion in den USA wegen geringer Auslastung einzustellen und 40 Arbeitsplätze abzubauen. Vor Ort erhalten blieben Vertrieb, Service und Projektabwicklung.Nordex stellt Produktion in den USA ein. In: Manager Magazin, 28. Juni 2013, abgerufen am 10. Juli 2013.
Parallel dazu baute Nordex die Rotorblattfertigung im Stammwerk in Rostock auf 400 Blatt NR 58,5 aus; laut eigenen Angaben, um die Fertigungstiefe zu erhöhen und Kosten zu senken.Nordex stellt 130 neue Mitarbeiter für die Rotorblattproduktion ein. In: Focus, 2. November 2012, abgerufen am 15. Januar 2013. Daneben bezog Nordex die teilweise aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK) bestehenden NR 58,5-Blätter vom Rotorblatthersteller SGL Rotec und seit Februar 2014 vom US-Hersteller TPI Composites, dessen Werk sich in der Türkei befindet.Nordex signs blade deal with TPI Composites. In: Windpower Monthly, 13. August 2013, abgerufen am 13. August 2013. Im März 2014 überschritt Nordex die Schwelle von 10.000 MW installierter Leistung.. In: klimaretter.info, 11. März 2014, abgerufen am 11. März 2014.
Einstieg Acciona Im Oktober 2015 verkündete Nordex die Übernahme der Windenergie-Sparte des spanischen Infrastrukturkonzerns Acciona. Der Kaufpreis betrug 785 Mio. Euro, wovon knapp die Hälfte bar und der Rest mit neu herausgegebenen Aktien von Nordex zu begleichen war. Damit wurde Acciona mit einem Anteil von 29,9 % größter Einzelaktionär von Nordex, während der bisherige Hauptaktionär, die Familie Klatten, ihren Anteil auf 5,7 % reduzierte.Nordex bekommt einen spanischen Großaktionär. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. Oktober 2015, abgerufen am 5. Oktober 2015.