Škoda 742 bezeichnet eine Pkw-Modellreihe mit Heckmotor von AZNP unter der Marke Škoda, die in verschiedenen Varianten (105/120/125/130) von 1976 bis 1990 gebaut wurde. Die beiden ersten Ziffern stehen dabei für den Hubraum in Dezilitern. Die Typbezeichnung 742 war nur intern gebräuchlich. Die Überarbeitung der Front- und Heckpartie führte 1983 zu einem veränderten Erscheinungsbild. Eine technisch umfangreiche Weiterentwicklung des Typs 742 war der Typ 746, der mit wesentlich verbessertem Fahrwerk und weiterentwickelten Motoren ab 1987 mit den Modellbezeichnungen 135 und 136 gebaut wurde. Zeitgleich war der Škoda Favorit mit Frontantrieb und neuer Karosserie erschienen, der die Baureihe 742/746 bis zum Jahr 1990 gänzlich ablöste.
Entwicklungsgeschichte Schon bei der Präsentation des Škoda 100 im Jahr 1969 wurde dessen Nachfolgemodell für etwa 1975 angekündigt und grob skizziert. Dabei betonten Repräsentanten des ČSSR-Automobilbaus auf einer Pressekonferenz ausdrücklich, dass dieses Modell keinen Hecktriebsatz mehr haben werde.75 Jahre Škoda und die neuen Modelle. In: Kraftfahrzeugtechnik 11/1969, S. 337–338. Außerdem wurde eine Mittelklasse-Typenreihe mit 1,25- und 1,5-Liter-Motor angekündigt (Prototyp Škoda 720 mit Frontmotor und Hinterradantrieb), die 1969 von Italdesign eine modern gestaltete Karosserie erhielt. Die bereits weit gereiften Pläne wurden jedoch verworfen. Gestalterische Elemente des 720 fanden sich letztlich aber in der 742-Baureihe wieder. Stattdessen wurde zunächst ein anderer Weg verfolgt, nämlich die Entwicklung eines sogenannten RGW-Autos, das gleichzeitig Wartburg 353, Trabant 601 und Škoda 100 ersetzen sollte. Das Projekt kostete jedoch beträchtliche Mittel, die nun bei der Weiterentwicklung der bestehenden Typen fehlten.
Parallel zum RGW-Auto wurde ab 1971 an der Weiterentwicklung des Škoda 100 unter Beibehaltung des Hecktriebsatzes gearbeitet. Ziele der Entwicklung waren eine vereinfachte, schnellere Produktion pro Fahrzeug, ein zeitgemäßes Design und eine erhöhte Sicherheit. Es waren auch Anforderungen der ECE (Wirtschaftskommission für Europa) einzuhalten, ansonsten wäre ein Export zur Fremdgeldbeschaffung nicht möglich gewesen. Die Formgebung des Typs 742 entstand mit dem Prototyp 727, der unter anderem auf der Maschinenmesse Brno 1972 als Coupé gezeigt wurde.Kraftfahrzeugtechnische Neu- und Weiterentwicklungen. In: Kraftfahrzeugtechnik 11/1972, S. 342–344.
Das Modell 120 wurde auf der Internationalen Maschinenbaumesse in Brno 1976 vorgestellt. Neue Knautschzonen zum Schutz der Insassen in der Fahrgastzelle wurden integriert und der Tank, vorher vorn eingebaut, unter die Rücksitze verlegt. Fahrwerk und Antrieb stammen im Wesentlichen unverändert vom Modell 100/110. Während sich beim Modell 100/110 die Lufteinlässe für die Kühlung an den hinteren Kotflügeln befanden, war der Kühler mit elektrisch angetriebenem Kühlerventilator nun vorn platziert.Jan Králik, Jiří Dufek: Historie automobilů Škoda od roku 1905 do současnosti Grada Publishing, 2015, S. 123. Recht innovativ war die Herstellung des Leichtmetall-Kühlers statt des bisher üblichen Lötens durch Aufweiten und Falzen.Entwicklungstendenz im Kühlerbau für Kraftfahrzeuge: Wärmeübertrager aus Leichtmetall. In: Kraftfahrzeugtechnik. 11/1981, S. 340–341.
Vorteilhaft für den Hersteller war, dass die Zahl der Schweißpunkte reduziert wurde, sodass mehr Fahrzeuge in gleicher Zeit produziert werden konnten. Durch eine Lackierung mit Elektrophorese wurde die Haltbarkeit der Karosserie gesteigert. Ermöglicht wurde das im Stammwerk Mladá Boleslav durch ein neues Karosseriewerk, das auch unter Zuhilfenahme von Unternehmen und Arbeitskräften aus der nichtsozialistischen Bundesrepublik Deutschland realisiert wurde.Jan Králik, Jiří Dufek: Historie automobilů Škoda od roku 1905 do současnosti Grada Publishing, 2015, S. 125.
Bei der Präsentation des Škoda 742 gab der Minister für Maschinenbau der ČSSR angesichts des kaum veränderten Fahrwerks und Motors an, dass die neue Modellreihe nicht so lange gebaut würde wie der 1000 MB/100 und für das kommende Fünfjahresplan eine grundlegende Innovation in Vorbereitung sei.Neu- und Weiterentwicklungen rund um den Škoda 105/120. In: Kraftfahrzeugtechnik 11/1976, S. 325–326. Tatsächlich ging der innovative Nachfolger der Škoda 742-Modellreihe, der Škoda Favorit, dann etwas verzögert im Jahr 1987 in Serie.
Durch einen neuen Fertigungskomplex für Karosseriebau und Lackierung war ab 1979 ein Jahresausstoß von bis zu 175.000 Stück möglich. Die Rohkarosserie wurde auf einer automatischen Taktstraße zusammengeschweißt. Ein vollständiges Tauchen der Karosserie bei der elektrophoretischen Grundierung verbesserte den Rostschutz ebenso wie der serienmäßige Unterbodenschutz.
Allgemeine Modellpflege Frühe Fahrzeuge sind an Lufteintrittsschlitzen im Heckblech zu erkennen. Diese entfielen im Juni 1978, weil sie sich als nicht erforderlich erwiesen, jedoch zur Verschmutzung des Motorraums beitrugen.Neue Details der Baureihe Škoda 105/120. In: Kraftfahrzeugtechnik 11/1978, S. 341. Für bereits ausgelieferte Fahrzeuge wurde empfohlen, die Entlüftungsschlitze von innen zuzukleben.
Generell ist zu beachten, dass bei Škoda die mit Modelljahren bezeichneten Änderungen stets bereits im Herbst des Vorjahres serienwirksam wurden. Eine erste größere Überarbeitung erfolgte mit dem „Modell 1980“: Nun gab es Ansaugschlitze in der Motorhaube, die von einem schwarzen Heckspoiler mit Lufteintrittsschlitzen abgedeckt wurden. Das Gasgestänge wurde geändert, sodass nun ein sensibleres Ansprechen des Motors auf Gaspedal-Bewegungen möglich war. Außerdem wurden Federung, Dämpfung und der Querstabilisator geändert bzw. neu abgestimmt und weitere Details geändert.Zu den Serienverbesserungen an den Modellen der Baureihe Škoda 105/120. In: Kraftfahrzeugtechnik 12/1979, S. 382–383. Mit verschiedenen Maßnahmen wurde außerdem versucht, die Resonanzschwingungen der Karosserie zu vermeiden, was jedoch nur eingeschränkt gelang. Schrittweise wurde die Radgröße von 14 auf 13 Zoll verkleinert. Ab Modell 1981 hatten dann alle Škoda-Modelle 13-Zoll-Felgen, die eine breitere Spur und geringere Bodenfreiheit zufolge hatten. Neu waren damals auch Türgriffe aus Kunststoff. Weitere Maßnahmen sollten Geräuschdämmung, Startverhalten und Betankung verbessern.Kraftfahrzeugtechnische Neu- und Weiterentwicklungen zur Leipziger Herbstmesse 1980. In: Kraftfahrzeugtechnik 10/1980, S. 293–295; 301.Technische Neuerungen am Škoda 105/120. In: Kraftfahrzeugtechnik 12/1980, S. 379–380. Die bei den gehobenen Modellen polierten Türrahmen entfielen. Ab dem Modell 1982 waren als Sonderwunsch optional breite Stoßfänger aus Kunststoff erhältlich. Die Düsenbestückung im Vergaser wurde beim Modell 1982 zur weiteren Absenkung des Kraftstoffverbrauchs geändert, und ein weiteres Mal wurde – dieses Mal mit Schaumstoff an der Trennwand zum Motorraum – versucht, der konstruktionsbedingten Neigung zum Vibrieren und Dröhnen der Karosserie Herr zu werden.Neu- und Weiterentwicklungen der tschechoslowakischen Kraftfahrzeugindustrie. In: Kraftfahrzeugtechnik 11/1981, S. 326–327; 346.
Mit dem Modell 1984 erfolgte eine Überarbeitung der Modellreihe (serienwirksam ab September 1983): Die modernisierte Gestaltung von Front und Heck mit Breitscheinwerfern und voluminösen Stoßfängern aus Kunststoff senkte den cw-Wert. Mit den sparsameren Motoren erhöhte sich so die Wirtschaftlichkeit der Fahrzeuge. Außerdem wurde das Fahrverhalten durch verbreiterte Spur und Zahnstangenlenkung verbessert.Ratgeber Skoda, transpress, 1. Auflage 1986, S. 9. Der Škoda Garde und die ab 1984 neu eingeführten Modelle 130, 135, 136 und 120 LX hatten außerdem eine Schräglenker-Hinterachse, die das Fahrverhalten deutlich verbesserte und auch endlich die Übertragung von Motorvibrationen in die Karosserie eindämmte.
Ab 1987 wurde der Škoda 742 schrittweise durch den Škoda Favorit abgelöst. Im Januar 1990 lief in Mladá Boleslav das letzte Fahrzeug mit Heckmotor vom Fließband. Kurz darauf wurde auch die Serienfertigung in Vrchlabí beendet, woher die besser ausgestatteten Varianten überwiegend stammen. Im August 1990 wurde schließlich auch die Serienfertigung des Škoda Rapid in Kvasiny mit dem damals stärksten Heckmotor eingestellt.
Modellübersicht
Škoda 105 S, 105 L, 105 GL, 105 SP (Typ 742) Škoda 105 S – Standard, einfachste Ausstattungsvariante – Fahrzeuge haben keine Zierleisten; Gummimatten; Fenster in den Hintertüren können nicht heruntergekurbelt werden; die vorderen Sitzlehnen lassen sich nicht verstellen. Bis 8/83 Rundscheinwerfer (ab 10/81 170-mm-Lichtaustrittsöffnung und H4-Lampen). Anfangs mit Bandtachometer; ab 11/79 mit Warnblinkanlage. Die Leistung des 1046-cm³-Motors sank 10/83 von 34 kW auf 33,1 kW. Der Motor galt als wirtschaftlich, hatte jedoch nur geringe Zugkraftreserven. Hergestellt von August 1976 bis zum 30. August 1986. Škoda 105 L – de Luxe – Teppichmatten, Handstützen, alle Fenster lassen sich herunterkurbeln, Rundinstrumente, Karosserie hat Chromzierleisten, Halogenscheinwerfer und anderes mehr. Einige Details waren jedoch nur gegen Aufpreis erhältlich. Ab 10/81 mit Breitscheinwerfern. Der Motor war mit dem des 105 S identisch. Hergestellt von 1976 bis 1988. Häufigstes Modell der 105er-Reihe. Škoda 105 GL – Grand de Luxe, Luxusausführung mit Aussehen und Ausstattung analog zum 120 GLS, mit Doppelscheinwerfern und Chromzierleisten auf dem Kühlergrill, Heck und Fensterrahmen. Die Fahrzeuge hatten einen Bremskraftverstärker, im Innenraum gab es Kopfstützen. Ab Herbst 1981 gab es eine modifizierte Instrumententafel, Scheibenwisch-Intervallschalter, optional einen Bugspoiler und bereits jene breiten Heckleuchten, die später an allen Modellen eingeführt wurden. Der GL fand aufgrund des Produktionsstandorts in Vrchlabí und seiner kurzen Bauzeit von März 1981 bis Juni 1983 keine große Verbreitung.
Nach Frankreich exportierte 105-Modelle mussten in 1050 umbenannt werden, da Peugeot die Zahl 105 geschützt hatte. Baujahr: 1976–1988 Motor: Viertakt-Ottomotor, wassergekühlt, Reihenvierzylinder OHV, Heckmotor längsliegend Hubraum: 1046 cm³ Leistung: 33,1 kW (44,6 PS) bei 4800 min−1 (bis 10/84: 34 kW (46 PS)) Gewicht: 855 bis 915 kg Geschwindigkeit: 130 km/h Verbrauch: 6,3 bis 9,5 Liter auf 100 km Produzierte Fahrzeuge: 840.561 Stück
Škoda 120 L, 120 LX, 120 LE, 120 GL, 120 LS, 120 GLS, 125 L (Typ 742) Diese grundsätzlich besser ausgestatteten Modelle verfügten über etwas mehr Hubraum und Leistung. Wie auch bei den kleineren Motoren erfolgte 9/84 eine geringfügige Leistungsminderung. Innerhalb des Produktionsablaufes gab es mehrere Modernisierungen.
Škoda 120 L Äußerlich mit dem 105 L identisch. Technisch hat er den größeren Motor und einen Bremskraftverstärker (ab 10/81) sowie Intervallschaltung für Scheibenwischer.Zum neuen Škoda-Typenprogramm. In: Kraftfahrzeugtechnik 3/1978, S. 86–87. Ab Herbst 1981 gab es Breitscheinwerfer. Nur für den Binnenhandel gab es außerdem die Variante Škoda 120, diese behielt die Rundscheinwerfer nach 1981 bei.Neuerungen an der Škoda-Baureihe 105/120 (Modell 82). In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1981, S. 276–277. Škoda 120 LS Unterschiede zum 120 L: Bis 8/83 mit Doppelscheinwerfern. Integrierte Kopfstützen vorn, Rollgurte vorn, heizbare Heckscheibe, elektronischer Drehzahlmesser, Mittelkonsole, Unterdruck-Bremskraftverstärker, leistungsgesteigerter Motor mit Ölkühler. Die Leistungssteigerung wurde unter anderem durch von 8,5 auf 9,5 erhöhte Verdichtung, andere Düsenbestückung im Vergaser und geänderte Steuerzeiten erreicht. Škoda 120 LX Produziert ab September 1984. Unterschiede zum 120 LS: Fünfganggetriebe.