MUNIX war ein kommerzielles UNIX-Betriebssystem der deutschen Firma PCS Computer Systeme (PCS) und wurde für den Einsatz in den professionellen CAD-Workstations Cadmus entwickelt. Die Entwicklung begann Anfang der 1980er Jahre ausgehend von UNIX-Version 7. Die ersten Versionen hatten zusätzlich einen bildschirmorientierten Editor, Bad-Block-Behandlung, Fortran 77, Pascal, C und einen bildschirmorientierten Debugger.
Besonderheiten Über die Standard-Unix-Funktionalitäten hinaus verfügt Munix über verschiedene Erweiterungen. Die Newcastle Connection (“Unixes of the world, unite!”)„The Newcastle Connection“ oder „UNIXes of the World Unite!“ (PDF) war eine kostenpflichtige Erweiterung, mit der die Datei-Namensräume mehrerer Rechner unter einem Super-Root zusammengefasst werden konnten. Auf dieser Basis wurden auch Diskless Nodes realisiert.
Die Super-Root Unterhalb des Standard-Wurzel-Verzeichnisses „/“ (Root-Verzeichnis, Root) eines Unix-Rechners, befindet sich normalerweise der Verzeichniseintrag „/..“, der allerdings auf die gleiche Inode verweist wie „/“ selber. Unter Munix ist es möglich, diesen Verzeichniseintrag durch eine sogenannte Super-Root zu ersetzen. Bei dieser Super-Root handelt es sich um ein echtes Verzeichnis, in dem weitere Verzeichnisse angelegt werden können und auf denen sich der gesamte Dateibaum eines anderen Munix-Rechners über das Netzwerk einhängen lässt. Befinden sich z. B. zwei Rechner „pcs2a“ und „pcs2b“ in einem Verbund, so kann man über den Pfad „/../pcs2b“ auf das Root-Verzeichnis des Rechners pcs2b vom Rechner pcs2a aus zugreifen. Diese werden beim Systemstart automatisch eingehängt, wenn die Rechner vorher mit den Shell-Skripten „connectnodes“ und „uunite“ verbunden wurden. Die Gerätedateien im /dev-Ordner, die beim Einhängen verwendet werden, sind dabei eine Spielart symbolischer Verknüpfungen, die auf die Ethernet-Id des einzuhängen Munix-Rechners verweisen. Dabei werden auch die Blockgeräte über das Netzwerk zur Verfügung gestellt, so dass man zum Beispiel vom Rechner „pcs2a“ auf das Magnetbandlaufwerk /dev/is0 des Rechner „pcs2b“ über den Pfad /../pcs2b/dev/is0 völlig transparent zugreifen kann (vergleiche Network Block Device unter Linux).
Das Konzept der Diskless-Node Die Rechner, auf denen Munix zum Einsatz kamen (Cadmus Workstations), besitzen ein sogenanntes ICC-Board (Intelligent Communication Controller), der in der Lage ist, nicht nur von Festplatten und Magnetbändern zu laden, sondern auch über Netzwerke. Die anderen Munix-Rechner im selben Netzwerksegment mit eigenen Festplatten dienen dabei als Server, die den Diskless-Nodes einen eigenen Verzeichnisbaum zur Verfügung stellen. Die Dateien, die dabei schreibgeschützt sein können, sind über die Super-Root auf den Server verknüpft. Über einen Broadcast auf dem Netz ermittelt dabei das ICC-Board der Diskless-Node zunächst die Ethernet-Id des Servers und startet dann mit übers Netzwerk geladenen Dateien:
<- L icckernel (Laden des ICC-Kernels) <- L /../pcs2b/unix (Laden des Unix-Betriebssystems) <- I -s (Startbefehl an den ICC zum Starten des Betriebssystems)
Dabei ist <- jeweils der System-Prompt und der Rest der Zeile der automatisch ablaufende Boot-Prozess, der sich jedoch auch händisch eingeben lässt.
Siehe auch Geschichte von Unix Unix-Derivate
Einzelnachweise
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