Montmorency ist eine französische Stadt und Gemeinde im Département Val-d’Oise, 13 Kilometer nördlich des Pariser Stadtkerns. Die Einwohnerzahl beträgt (Stand ), ihre Einwohner nennen sich Montmorencéens

Auf einer ausgeprägten bewaldeten Hügelkette liegend, wurde Montmorency ab dem 17. Jahrhundert ein beliebter Ort der Sommerfrische, attraktiv auch für zahlreiche wohlhabende und berühmte Personen. Der Aufenthalt von Jean-Jacques Rousseau von April 1756 bis Juni 1762 hat die Stadt auch als literarischen Anziehungspunkt geprägt.

Etymologie und Name mini|zentriert|hochkant=2.5|Blick vom Lac d’Enghien auf die Hügel von Montmorency Der heutige Name des Ortes stammt aus dem lateinischen Mons Maurentiacus. Dabei deutet Mons auf den felsigen Untergrund und die hügelige Umgebung hin. Maurentiacus bedeutet sinngemäß mit „der Besitz oder die Ländereien des Maurentius“.flagspot.net

Erstmals taucht dieser Name zur Zeit der Karolinger auf. Bis in die heutige Zeit wurde die Stadt mehrfach umbenannt. 1793, während der Französischen Revolution wurde Montmorency, Rousseau zu Ehren, auf Beschluss des Nationalkonvents in Émile umbenannt. 1813 erlaubte Napoleon Bonaparte der Stadt, sich wieder Montmorency zu nennen. 1814 wurde sie, anlässlich der Rückkehr von Ludwig XVIII., in Enghien umbenannt, 1815, während Napoleons Herrschaft der hundert Tage, wieder zu Montmorency, und nach seiner Abdankung im selben Jahr neuerlich in Enghien. 1832 bekam der Ort endgültig seinen traditionellen Namen Montmorency wieder. Enghien hieß seitdem nur noch das Thermalbad, das am Ufer des Sees zu Füßen des Ortes entstand. Jener See hieß damals noch Étang de Montmorency. Seit 1850, dem Gründungsjahr der selbstständigen Gemeinde Enghien-les-Bains, heißt er Lac d’Enghien.

Geographie Geographische Lage Die Stadt liegt auf felsigem Untergrund mitten auf dem Zeugenberg gleichen Namens, umgeben von einer waldreichen Landschaft. Sie erstreckt sich auf drei an den Seiten steile, oben jedoch abgeplattete Hügel. Die Höhenlage schwankt zwischen 42 und 60 Meter über NN im südlichen Bas-Montmorency (unteres Montmorency) und 176 Meter auf dem Plateau des Champeaux, an das sich nördlich der Waldrand anschließt. Das Stadtzentrum liegt etwa 130 über NN. Damit überragt Montmorency den 4 km nördlich der Seine liegenden Lac d’Enghien.

Auf dieser Anhöhe beherrschte sie strategisch einen beträchtlichen Teil des Flusstales der Oise und der nördlich von Paris gelegenen Tiefebene Plaine de France.

Die Gemeinde erstreckt sich über eine Länge von 5 km, bei einer durchschnittlichen Breite von 850 m.

Die Stadt ist umgeben von den Nachbarstädten Enghien-les-Bains, Soisy-sous-Montmorency, Andilly, Domont, Saint-Brice-sous-Forêt, Groslay und Deuil-la-Barre.

Stadtbild und Bausubstanz mini|Wohnanlage Les Atlantes Das Stadtbild variiert je nach Viertel in seinem Aussehen. In den älteren Teilen von Montmorency prägen steile Sträßchen und Gassen sowie bürgerliche Häuser das Stadtbild. Das dicht bebaute Zentrum ist einerseits von Stadthäusern aus dem 19. Jahrhundert geprägt, andererseits von maximal fünfstöckigen, oft renovierungsbedürftigen Gebäuden minderer Qualität aus den 1970er und 1980er Jahren. In etwas Abstand um das Zentrum herum findet man die aufgelockerte, großbürgerliche Villenbebauung des 19. Jahrhunderts mit vielen kleinen Parks und Gärten, sowie repräsentative moderne Häuser mit maximal 4 Stockwerken, die teilweise an die Stelle von alten Villen getreten sind.

Im südlichen Bas-Montmorency herrschen frei stehende Häuser vor, nur die Avenue de la Division-Leclerc, die die Grenze zur Nachbargemeinde Enghien-les-Bains bildet, ist von großen, hohen Gebäuden gekennzeichnet.

Auf den steilen Höhenlagen des Plateau des Champeaux im Norden, welche das Stadtzentrum überragen, findet man fast ausschließlich frei stehende Häuser. Dieses Stadtviertel wurde überwiegend in den 1960er Jahren besiedelt. Am äußersten nördlichen Rand findet man einige Bauten des sozialen Wohnungsbaus, mit maximal vier Stockwerken. Sportstätten haben die alten Ziegeleien ersetzt, die sich früher dort befanden.

Die Wohnungen in Montmorency sind im Allgemeinen größer und komfortabler als jene in der übrigen Region der Île-de-France. Neubauten sind gegenüber dem Rest der Île-de-France unterrepräsentiert: 1999 waren nur 5,1 % der Wohnbauten maximal 10 Jahre alt, gegenüber 9,1 % in der Île-de-France. 54,5 % der Bevölkerung von Montmorency sind Eigentümer ihrer Hauptwohnung oder ihres Hauses, gegenüber 44,3 % in der Île-de-France. Die Stadt führte damals 1.259 Wohnungen des sozialen Wohnungsbaus (HLM, Habitation à loyer modéré), das entsprach 15,6 % des städtischen Bestandes, gegenüber 23,4 % im regionalen Durchschnitt (alle Daten von 1999).

Geschichte Ursprünge Werkzeuge aus behauenem Sandstein, die im Wald von Montmorency gefunden wurden, belegen, dass der Ort in der Jungsteinzeit besiedelt war.

Mittelalter mini|Donjon des alten Schlosses von Montmorency im Jahr 1708 Auf einem felsigen Bergvorsprung wurde im 9. Jahrhundert eine Festung aus Holz erbaut. Der Bergvorsprung beherrschte die nach Julius Caesar benannte Straße nach Rouen. In den beiden ersten Jahrhunderten ging die Festung mehrmals in Flammen auf. 997 wurde sie vom König Robert II. an den Baron Burkhard den Bärtigen (Bouchard le Barbu) vergeben.

Im 12. Jahrhundert wurde die hölzerne Festung durch eine Burg aus Stein ersetzt. Außerdem wurde eine Mauer errichtet, die die kleine Ansiedlung schützte. Damit wurde Montmorency zur einzigen befestigten Ortschaft in der Gegend. Obwohl der Ort auf einem steilen Hügel und damit abseits der Verkehrswege lag, entstand ein bedeutender, von den Bewohnern der gesamten Gegend genutzter Markt, und das Wirtschaftsleben blühte auf. Alle Lebensmittel der damaligen Zeit wurden dort gehandelt: Schweine, Rinder, Geflügel, und sogar Fisch, der von der normannischen Küste antransportiert wurde. Ferner wurde mit Bekleidung und mit landwirtschaftlichem Werkzeug gehandelt. Zahlreiche Handwerker, beispielsweise Küfer, Maurer und Schmiede, siedelten sich an. 1207 wurde ein Maison-Dieu (Gotteshaus), das heißt ein Spital, gegründet. 1257 siedelte sich der Templerorden an. Er kaufte ein großes Grundstück in der Rue d’Étang auf, deren Name später folgerichtig in Rue du Temple geändert wurde.

Während des Hundertjährigen Krieges wurde der Ort mehrmals erobert und geplündert, insbesondere während des Bauernaufstandes 1358 und im Jahre 1381. Auch die Burg wurde von den Engländern geschleift. Sie wurde niemals wieder aufgebaut; die Ruinen verfielen mehr und mehr. Die Herren von Montmorency zogen die komfortablen Schlösser von Chantilly und Écouen vor.

Von den mittelalterlichen Befestigungsanlagen sind nur einige Relikte aus dem 15. Jahrhundert übrig geblieben. Von der alten Burg waren bereits im 18. Jahrhundert nur noch zwei Türme und einige Mauerreste erhalten. Während der Französischen Revolution wurden auch diese Reste beseitigt.

Renaissance und das 17. Jahrhundert mini|Anne de Montmorency (1493–1567) Im 16. Jahrhundert nahm die Bevölkerung Montmorencys weiterhin zu. Zwei Windmühlen gehörten zur Gemeinde, die von Jaigny und die von Clairvaux. Auf der Anhöhe baute man Wein und Obst an, im Tal Getreide. Die französischen Religionskriege verursachten jedoch zahlreiche Zerstörungen in der Stadt und ihrer Umgebung, insbesondere 1589 durch die katholische Partei, die Ligueurs. Ende des 19. Jahrhunderts fand man bei Neubauarbeiten am Marktplatz die Überreste von mehreren Hundert Leichen, Zeugen eines Massenmordes durch die Ligueurs.

1632 wurde Henri II. de Montmorency auf Betreiben des Kardinals Richelieu enthauptet. Da er keine Nachkommen hatte, gingen seine Besitztümer in das Eigentum seiner Schwester Charlotte-Marguerite de Montmorency und durch sie in jenes des Prinzen Henri II. de Bourbon über. Da die Condés sich der Fronde angeschlossen hatten, einem Zusammenschluss von Adligen, die sich dem aufkommenden Absolutismus widersetzten, wurde die Stadt erneut das Opfer von Plünderungen und Zerstörungen. Trotzdem entwickelte und vergrößerte sie sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts weiterhin, was unter anderem in einer Vergrößerung des Spitals und dem Bau des Friedhofs Cimetière des Champeaux im Norden der Stadt seinen Niederschlag fand.

Mitte des 17. Jahrhunderts beruhigte sich die Lage. Die Stadt zählte damals rund 1500 Einwohner. Montmorency entwickelt sich zu einem Ort der sommerlichen Erholung, den vor allem Finanzleute und die am Königshof beschäftigten Künstler gerne aufsuchten. Der Maler Charles Le Brun erwarb 1673 ein Grundstück mit prächtigen Gärten und Wasserspielen, die vom Brunnen Saint-Valéry gespeist wurden. Sein Schloss, das unter dem Namen petit château (kleines Schloss) bekannt wurde, sowie der dazugehörende Park sind nicht erhalten geblieben.

Die Kongregation Oratorium ließ sich 1617 in Montmorency nieder. Sie ließ ein Seminar nördlich der Stiftskirche erbauen, welches im nächsten Jahrhundert zu einem mächtigen vierstöckigen Bauwerk mit mehr als hundert Räumen ausgebaut wurde. Es wurde während der Französischen Revolution zerstört.

18. Jahrhundert mini|Das Schloss Montmorency 1702 kaufte Pierre Crozat, ein reicher Bankier, den Besitz von Le Brun auf, der seit 1689 leer gestanden hatte. Er ließ das Schloss von einem angesehenen Innenausstatter des Schlosses Versailles renovieren. Im Osten des Parks ließ er ein Schloss erbauen, in dem er bis 1740 wohnte. Von 1754 bis 1764 bewohnte dieses Schloss der Marschall von Montmorency-Luxembourg, Förderer von Jean-Jacques Rousseau. Das große Schloss entging der Zerstörung während der Französischen Revolution, verwahrloste jedoch mangels Unterhalt. 1810 kaufte und renovierte es der Graf Aldini. Der Eigentümer, der ihm folgte, ein Immobilienmakler, ließ es 1817 abreißen, um das Baumaterial anderweitig zu nutzen. Daher blieb von Montmorencys alten Schlössern kein einziges erhalten. Nur die halbrunde Orangerie des Anwesens, 1719 nach Plänen von Gilles-Marie Oppenord erbaut, ist erhalten und wurde in jüngerer Vergangenheit restauriert.

1788 wurde ein anderes Schloss im klassizistischen Stil von Nicolas-Louis Goix erbaut. Dieses Gebäude wird seit 1906 als Rathaus genutzt.

mini|hochkant|Jean-Jacques Rousseau Von April 1756 bis Dezember 1757 fand in der Ermitage (Einsiedelei) von Madame Louise d’Épinay der berühmteste Gast Montmorencys Zuflucht: Jean-Jacques Rousseau. Danach, bis zum 8. Juni 1762, fand er Unterkunft beim Marschall von Montmorency-Luxembourg.

Der Philosoph war regelmäßiger Gast im literarischen Salon von Madame d’Épinay im Schloss la Chevrette in Deuil-la-Barre. In ihrer Begleitung entdeckte er eines Tages auf einem Spaziergang ein Grundstück, etwa einen Kilometer vom Ort Montmorency entfernt, das die Wasserreservoire der Gemeinde beherbergte. Eine kleine, einsam gelegene Behausung, eine Ermitage, befand sich darauf. Jean-Jacques Rousseau sagte zu seiner Gastgeberin: Ah, Madame, quelle habitation délicieuse. Voici un asile fait pour moi. (Ah, Madame, welch köstliche Wohnung. Dies ist ein Asyl wie für mich geschaffen.)Les confessions, Buch VIII Zu seiner Überraschung entschied sich seine Mäzenin, das Haus in Schuss bringen zu lassen und ihm zur Verfügung zu stellen. Der Schriftsteller zog im April 1756 dort ein.