Basisdaten Landeskirche: Evangelische Landeskirche in Württemberg Prälatur: Reutlingen Gliederung: 23 Kirchengemeinden Gemeindeglieder: ca. 52.000 (2024) Adresse desDekanatamtes: Schlossberg 1371032 Böblingen Dekan: Markus Frasch Karte 200px|Lage des Kirchenbezirks Böblingen innerhalb der Evang. Landeskirche in Württemberg

Der Evangelische Kirchenbezirk Böblingen ist einer von derzeit (2026) 35 Kirchenbezirken bzw. Kirchenkreisen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sein Gebiet ist deckungsgleich mit dem Dekanat Böblingen.

Geografie Der Kirchenbezirk Böblingen liegt im Westen der württembergischen Landeskirche. Sein Gebiet umfasst den Südosten des Landkreises Böblingen, also das Gebiet der politischen Städte und Gemeinden Aidlingen, Altdorf, Böblingen, Ehningen, Grafenau, Holzgerlingen, Magstadt, Schönaich, Sindelfingen, Steinenbronn, Waldenbuch und Weil im Schönbuch.

Nachbarkirchenbezirke Der Kirchenbezirk Böblingen grenzt an folgende Kirchenbezirke (beginnend im Nordosten): Kirchenkreis Stuttgart (ehem. Kirchenbezirke Stuttgart und Degerloch) und Bernhausen (alle Prälatur Stuttgart) sowie Tübingen, Herrenberg, Calw-Nagold und Leonberg (alle Prälatur Reutlingen).

Geschichte mini|hochkant|Marktplatz mit Stadtkirche Böblingen Das Gebiet des heutigen Dekanats bzw. Kirchenbezirks Böblingen gehört zum alten Kernland Württembergs, das ab 1534 die Reformation einführte, so dass das Gebiet ganz evangelisch geprägt ist. Lediglich Dätzingen als Besitzung des Johanniterordens blieb katholisch. Böblingen wurde bald nach der Reformation, wohl ab 1556 Sitz eines Dekanats, damals Specialsuperintendentur, das zum Generalat Maulbronn gehörte. Zum Dekan wurde der Stadtpfarrer von Böblingen ernannt. Ab 1823 gehörte das Dekanat Böblingen zum Generalat Ludwigsburg, ab 1913 zum Generalat Reutlingen, aus dem die heutige Prälatur Reutlingen hervorging.

Infolge der Auflösung einiger Kreise bzw. Oberämter in Württemberg 1939 wurden auch die kirchlichen Verwaltungsbezirke teilweise neu gegliedert. So wurde mit Wirkung vom 1. April 1939 die Kirchengemeinde Schafhausen in den Kirchenbezirk Leonberg umgegliedert. Im Gegenzug erhielt der Kirchenbezirk Böblingen vom Kirchenbezirk Calw die Kirchengemeinde Dachtel.

Zwischen 1992 und 2003 gehörte es erneut zur Prälatur Ludwigsburg. Am 1. Januar 1981 wurde der Kirchenbezirk Böblingen um die beiden Kirchengemeinden Steinenbronn und Waldenbuch, die zuvor zum Kirchenbezirk Degerloch gehörten, vergrößert.

Leitung des Kirchenbezirks Die Leitung des Kirchenbezirks obliegt der Bezirkssynode, dem Kirchenbezirksausschuss (KBA) und dem Dekan. Dekan ist seit 2021 Markus Frasch, der zugleich einer der Pfarrer an der Stadtkirche in Böblingen ist. mini|149x149px|Dekanatsamt in Böblingen

Dekane des Kirchenbezirks 1801–1819: Johann Friedrich Reuchlin 1819–1821: Johann Immanuel Friedrich Schmid 1821–1837: Jakob Immanuel Kies 1837–1859: Gottlieb Friedrich Rapp 1860–1868: Johann Georg Friedrich Baur 1869–1881: Karl Immanuel Heermann 1881–1889: Karl August Schnaidt (1837–1902) 1890–1897: Christian Niethammer 1898–1906: Theodor Christoph Lenckner (1847–1907) 1906–1926: Albert Karl August Pregizer (1856–1936) 1926–1933: Theodor Kappus 1934–1950: Hermann Dürr 1950–1968: Robert Baur 1968–1978: Jakob Straub (1913–1997) 1978–1986: Klaus Lubkoll (1928–1992) 1987–1992: Jens Timm (* 1940) 1993–1999: Hans-Peter Ehrlich (* 1948) 1999–2020: Bernd Liebendörfer (* 1955), 50. Dekan seit 1534 seit 2021: Markus Frasch

Kirchengemeinden Im Kirchenbezirk Böblingen gibt es insgesamt 23 Kirchengemeinden. Davon haben sich neun Kirchengemeinden zu insgesamt drei Gesamtkirchengemeinden zusammengeschlossen, bleiben aber weiterhin eigenständige Körperschaften des öffentlichen Rechts. Die jeweils in Klammern hinter dem Namen der Kirchengemeinde angegebenen Gemeindegliederzahlen beziehen sich auf das Jahr 2005 und sind gerundet.

Das Gebiet des Kirchenbezirks Böblingen ist überwiegend evangelisch geprägt. Es gibt daher fast in jedem Dorf auch eine evangelische Kirchengemeinde und eine meist alte Kirche. In den meisten Orten (außer Böblingen und Sindelfingen) zogen Katholiken überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu.

Kirchengemeinde Aidlingen mini|120px|Nikolauskirche Aidlingen Die Kirchengemeinde Aidlingen (ca. 2.800) umfasst den Hauptort der Gemeinde Aidlingen. Eine Kirche wird in Aidlingen erstmals 1275 genannt. Sie gehörte dem Kloster Reichenau. 1481 wurde sie von Graf Eberhard im Bart dem Stift Tübingen geschenkt. Württemberg führte die Reformation ein. Die heutige Kirche wurde 1460 bis 1470 von Aberlin Jörg erbaut. Sie hat einen spätgotischen Satteldachturm. Der Chor ist netzgewölbt. 1784 wird die Kirche St. Nikolaus genannt. Nach einem Brand von 1949 wurde die Kirche wieder aufgebaut.

Kirchengemeinde Altdorf mini|links|120px|Blasius- und Bricciuskirche Altdorf Die Kirchengemeinde Altdorf (ca. 2.200) umfasst die Gemeinde Altdorf. Eine Kirche wurde in Altdorf 1275 erstmals erwähnt. Sie wurde 1402 dem Kloster Bebenhausen inkorporiert. In der Reformationszeit kam sie an Württemberg. 1467 wird sie St. Blasius und Briccius genannt. Die einstige Wehrkirche St. Blasius ist eine Chorseitenturmanlage mit netzgewölbtem Chor und spätgotischer Sakristei. 1944 brannte das Schiff aus. 1950 wurde die Kirche wieder aufgebaut.

Gesamtkirchengemeinde Böblingen Die Gesamtkirchengemeinde Böblingen (ca. 13.000) umfasst die Kernstadt von Böblingen. Sie entstand durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 13. Februar 1964, als die bis dahin alleinige Kirchengemeinde Böblingen in zunächst drei Teilkirchengemeinden, nämlich Stadtkirchengemeinde Böblingen, Martin-Luther-Kirchengemeinde Böblingen und Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde Böblingen aufgeteilt und diese in der gleichzeitig neu gebildeten Gesamtkirchengemeinde Böblingen zusammengeschlossen wurden. Das Kultusministerium hatte die Gesamtkirchengemeinde Böblingen und deren Teilkirchengemeinden mit Schreiben vom 23. Dezember 1963 als Körperschaften des öffentlichen Rechts anerkannt. Mit Wirkung vom 1. Januar 1982 wurde dann noch die selbständige Kirchengemeinde Diezenhalde (seit 1990 Christuskirchengemeinde Böblingen) als weitere Teilkirchengemeinde innerhalb der Gesamtkirchengemeinde Böblingen gebildet, so dass diese seither aus vier Teilkirchengemeinden besteht. Die Gesamtkirchengemeinde hat für die Teilkirchengemeinden bestimmte Aufgaben übernommen. So ist die Verwaltung und die Kirchenpflege für die vier Kirchengemeinden zentral organisiert. Das örtliche Jugendwerk der evangelischen Kirche wird ebenfalls auf dieser Ebene betrieben. Zu ihm gehört das Waldheim Tannenberg, in dem seit über 50 Jahren Kinderfreizeiten als Stadtranderholung angeboten werden. Ein wichtiger Zweig der Gesamtkirchengemeinde ist das Alten- und Pflegeheim Sonnenhalde. Es ist das einzige Heim im Bereich der Evang. Landeskirche in Württemberg, das unmittelbar von einer Kirchengemeinde getragen wird. Eine neue Initiative ist der Tafelladen, den es seit Januar 2005 gibt. Hier werden Lebensmittel kostengünstig an Bedürftige abgegeben. Über diese eigenen Bereiche hinaus koordiniert die Gesamtkirchengemeinde das Miteinander der vier evangelischen Kirchengemeinden in der Kernstadt.Internetauftritt der Gesamtkirchengemeinde Böblingen

Stadtkirchengemeinde Böblingen mini|120px|Stadtkirche Böblingen Die Stadtkirchengemeinde Böblingen (ca. 3.500) umfasst die Altstadt von Böblingen. Kirchlich gehörte Böblingen wohl zunächst zur Martinskirche in Sindelfingen. 1261 wurde erstmals ein Pfarrer an der Marienkirche außerhalb der Stadt bezeugt. 1469 wurde eine Kaplanei an der Marienkapelle gestiftet, doch wurde bereits 1419 die Schlosskapelle in Böblingen zur Pfarrkirche St. Dionysius erhoben. Sie wurde wohl im 13. Jahrhundert erbaut, hatte wohl aber mehrere Vorgängerbauten. Der Chor wurde wohl um 1340 erbaut und das Schiff vergrößert. 1550 wurde der Turm verändert. 1468 gelangte die Kirche an das Kloster Hirsau. Nach der Reformation kam die Kirche an Württemberg. Sie wurde alsbald Sitz eines Dekanats. 1707 wurde der Turmaufbau durch einen Neubau ersetzt. 1892 wurde die Kirche erneut verändert und eine neue Orgel und Kanzel eingebaut. Im Zweiten Weltkrieg brannte die Kirche aus und wurde 1950 wieder aufgebaut. 1983 wurde die letzte Renovierung durchgeführt.

Die heutige Stadtkirchengemeinde Böblingen entstand durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 13. Februar 1964, als die bis dahin alleinige Kirchengemeinde Böblingen in seinerzeit drei Teilkirchengemeinden aufgeteilt wurde. Heute versehen der Dekan und eine weitere Pfarrerin ihre Dienste in der Stadtkirchengemeinde Böblingen.

Martin-Luther-Kirchengemeinde Böblingen mini|links|120px|Martin-Luther-Kirche Böblingen Die Martin-Luther-Kirchengemeinde Böblingen (ca. 4.100) umfasst Teile der Kernstadt Böblingen, insbesondere die Wohngebiete Tannenberg und Rauher Kapf. Infolge starken Zuzugs nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die evangelische Kirchengemeinde Böblingen, die bis dahin nur über die Stadtkirche verfügte, zu groß. Deshalb wurde 1960 die Martin-Luther-Kirche mit dazugehörigem Gemeindehaus erbaut. Als eigenständige Kirchengemeinde wurde die Martin-Luther-Kirchengemeinde Böblingen dann durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 13. Februar 1964 gebildet, als die bis dahin alleinige Kirchengemeinde Böblingen in seinerzeit drei Teilkirchengemeinden aufgeteilt wurde.

Auch die Martin-Luther-Kirchengemeinde wuchs weiter, so dass in den 1970er Jahren für den Bereich Tannenberg das Gemeindezentrum am Murkenbachweg und später für die Gemeindeglieder der Waldsiedlung Rauher Kapf das Gemeindezentrum Taunusstraße errichtet bzw. erworben wurde. Somit verfügt die Martin-Luther-Kirchengemeinde heute über drei Gemeindezentren. Heute versehen zwei Pfarrer in den Seelsorgebezirken Nord und Süd ihre Dienste in der Martin-Luther-Gemeinde.

Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde Böblingen mini|120px|Paul-Gerhardt-Kirche Böblingen Die Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde Böblingen (ca. 3.200) umfasst Teile der Kernstadt Böblingen. Infolge starken Zuzugs nach dem Zweiten Weltkrieg war die Kirchengemeinde Böblingen, die bis dahin nur über die Stadtkirche Böblingen verfügte, zu groß geworden. So wurde 1960 die Martin-Luther-Kirche und 1960/61 eine weitere Kirche, die Paul-Gerhardt-Kirche erbaut. Als eigenständige Kirchengemeinde wurde die Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde Böblingen dann durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 13. Februar 1964 gebildet, als die bis dahin alleinige Kirchengemeinde Böblingen in seinerzeit drei Teilkirchengemeinden aufgeteilt wurde. 1972 erbaute sich die Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde ein Gemeindehaus, das den Namen Bonhoeffer-Haus erhielt.

Christuskirchengemeinde Böblingen mini|links|120px|Christuskirche Böblingen Die Christuskirchengemeinde Böblingen (ca. 2.900) umfasst das Wohngebiet Diezenhalde der Kernstadt Böblingen. Für die evangelischen Bewohner dieses Wohngebiets wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1982 die selbständige Kirchengemeinde Diezenhalde innerhalb der Gesamtkirchengemeinde Böblingen gegründet, nachdem das Kultusministerium die neue Kirchengemeinde als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt hatte. 1990 wurde in der Diezenhalde dann ein Ökumenisches Gemeindezentrums erbaut: In eine quadratische Grundform sind ein Rundbau (katholische Vater-unser-Gemeinde) und ein rechteckiger „Kleiner Sakralraum“ (evangelische Christuskirche) eingefügt. Das Gemeindezentrum verfügt über eine Glocke, die beiden Konfessionen dient. 1990 wurde die Kirchengemeinde Diezenhalde dann in Christuskirchengemeinde Böblingen umbenannt.

Kirchengemeinde Dachtel mini|226x226px|Kirche Dachtel