mini|Hauptfassade der Basilika von Osten (2022) mini|Giovanni Paolo Pannini: Santa Maria Maggiore und die Mariensäule, Gemälde um 1745 mini|Außenansicht der Apsis mit dem Obelisco Esquilino (2024)

mini|Basilika Santa Maria Maggiore (Rom), Grundriss

Santa Maria Maggiore (, ), auch Santa Maria della Neve („Unsere Liebe Frau vom Schnee“), Santa Maria ad praesepe („Heilige Maria an der Krippe“) oder Basilica Liberiana ist eine der vier Papstbasiliken Roms im Rang einer Basilica maior und eine der sieben Pilgerkirchen. Sie befindet sich im exterritorialen Besitz des Heiligen Stuhls und liegt im Stadtzentrum Roms unweit des Bahnhofs Roma Termini. Erzpriester ist seit Juli 2025 Rolandas Kardinal Makrickas.

Geschichte Basilica Liberii mini|Gallienusbogen (Porta Esquilina) und Apsis der Kirche SS. Vito e Modesto in der Via di S. Vito (2009) mini|hochkant|Mathis Gothart Nithart genannt Grünewald: Gründung der Basilica Liberii, Altartafel von 1517 im Augustinermuseum Freiburg mini|hochkant|Masolino da Panicale: Gründung der Basilica Liberii, um 1428 Die Basilica Santa Maria Maggiore wurde unter Papst Coelestin I. (422–432) auf dem Esquilin errichtet. Sie soll einen etwa 100 Jahre älteren Vorgängerbau mit der Bezeichnung Basilica Liberii (oder Basilica Liberiana) gehabt haben. Dieser war nach 352 auf Geheiß des Papstes Liberius (352–366) entstanden. Die archäologischen Untersuchungen der jüngsten Zeit haben aber keine Spuren eines älteren Kirchenbaus unter der Basilica Santa Maria Maggiore erbracht. Außerdem ergibt sich aus den historischen Quellen, dass Papst Liberius „eine Basilika auf seinen Namen nahe bei dem Markt der Livia“ (hic fecit basilicam nomini suo iuxta macellum Liviae) erbaut hat. Dieser Standort liegt wenige hundert Meter südöstlich der Basilica Santa Maria Maggiore, zwischen der Via Merulana und dem antiken Gallienusbogen in der Via di San Vito, etwas nördlich der heutigen Kirche Santi Vito, Modesto e Crescentia als Nachfolgebau der mittelalterlichen Kirche S. Vitus in macello (Liviae). Die recht genaue Lokalisierung und die negativen Grabungsergebnisse unter der Marienbasilika schließen aus, dass die Basilica Liberii der Vorgängerbau der Basilica Santa Maria Maggiore war. Eine insoweit anders lautende Nachricht aus dem 6. JahrhundertLiber Pontificalis I, 88, 232 f. ist hinsichtlich der Ortsangabe nicht glaubwürdig; sinngemäß richtig wäre diese Nachricht allerdings, wenn damit ausgedrückt werden sollte, dass die Marienbasilika die Basilica Liberii von 352 „dem zeitgemäßen Anspruch entsprechend in Liturgie und Funktion ersetzen“ sollte, nachdem letztere bei der Plünderung Roms (410) in Flammen aufgegangen war.Hugo Brandenburg: Die frühchristlichen Kirchen in Rom vom 4. bis zum 7. Jahrhundert. Regensburg 2013, S. 120, 195.Kristina Friedrichs: Episcopus plebi Dei. Die Repräsentation der frühchristlichen Päpste. Regensburg 2015, S. 150f.Filippo Coarelli: Rom – Ein archäologischer Führer. Freiburg 1981, S. 195, 209.

Bei der Basilica Liberii als einer päpstlichen Stiftung muss es sich um einen repräsentativen basilikalen Kirchenbau gehandelt haben, der auch in der Geschichte der frühchristlichen Gemeinde Roms eine wichtige Rolle gespielt hat. Nach neueren Forschungen wird die Basilica Liberii als mit der Basilica Sicinini identisch angesehen; die erste Bezeichnung soll auf den Kirchengründer Papst Liberius, die zweite auf die Stadtgegend Sicinium auf dem Mons Cispius am Anfang der Via Merulana zurückzuführen sein.Steffen Diefenbach: Römische Erinnerungsräume. Heiligenmemoria und kollektive Identitäten im Rom des 3. bis 5. Jahrhunderts n. Chr. Berlin 2007, S. 226f. mit Anm. 39Walther Buchowiecki: Handbuch der Kirchen Roms. Der römische Sakralbau in Geschichte und Kunst von der altchristlichen Zeit bis zur Gegenwart. Band 1. Wien 1967, S. 238f. Die Basilika Liberii war nach der Wahl von Damasus I. zum Bischof von Rom im Jahr 366 auch Schauplatz der Straßenkämpfe zwischen den Anhängern von Damasus und den Anhängern des etwa zeitgleich gewählten Diakons Ursinus (oder Ursicinus), bekannt aus dem Libellus precum.PL 13, 82.

Um den Weihetag der Basilica Santa Maria Maggiore am 5. August 434 rankt sich eine Legende, die allerdings nicht auf dieses Gründungsdatum, sondern auf den 5. August 352 (oder 358) bezogen ist. Danach soll die Gottesmutter in der Nacht auf den 5. August 358 dem römischen Patrizier Johannes und seiner Frau erschienen sein und versprochen haben, dass ihr Wunsch nach einem Sohn in Erfüllung gehe, wenn ihr zu Ehren eine Kirche an der Stelle errichtet werde, wo am nächsten Morgen Schnee liege. Das Ehepaar begab sich daraufhin zu Papst Liberius, der, wie man erfuhr, denselben Traum gehabt hatte. Am Morgen des 5. August sei dann die höchste Erhebung des Esquilinhügels von Schnee weiß gefärbt gewesen. Deshalb führt die Marienkirche bis heute auch die Bezeichnung Santa Maria ad Nives („Unsere Liebe Frau vom Schnee“). Ein Gemälde von Masolino da Panicale, ursprünglich Teil des Polyptychons Pala Colonna, zeigt die Grundsteinlegung der Kirche mit dem Papst vor der schneebedeckten Fläche; diese Bilderfolge wurde nach Entfernung aus der Kirche zerteilt; das genannte Gemälde befindet sich heute im Museum Capodimonte in Neapel. Auch Matthias Grünewald stellte 1517 auf einer Altartafel das sogenannte Schneewunder dar; das Bild befindet sich mittlerweile im Augustinermuseum in Freiburg.

Papst Liberius setzte im Jahr 354 den Termin zur Feier des Weihnachtsfestes auf den 25. Dezember fest. Er wurde 366 in den Priscilla-Katakomben an der Via Salaria beigesetzt. Er gilt als der einzige der frühen Bischöfe von Rom, der nicht als Heiliger verehrt worden ist. Im Liber Pontificalis ist diesem Papst ein eigenes Kapitel gewidmet.Hans Georg Wehrens: Rom – Die christlichen Sakralbauten vom 4. bis zum 9. Jahrhundert – Ein Vademecum. Freiburg, 2. Auflage 2017, S. 157.Fabrizio Mancinelli: Führer zu den Katakomben in Rom. Scala Florenz 2007, S. 53.

Basilica Santa Maria Maggiore Die heutige Basilika ist die bedeutendste der über vierzig Marienkirchen Roms; sie wird deshalb Maria Maggiore genannt. Nach neuesten Forschungen wurde sie schon unter dem Vorgänger von Papst Sixtus III., nämlich von Papst Coelestin I. (422–432) errichtet.Gerhard Steigerwald: Die frühchristlichen Mosaiken des Triumphbogens von S. Maria Maggiore in Rom. Regensburg 2016, S. 218: Mit der Vollendung des Baus rechnet Richard Krautheimer zu Ende des Pontifikats Cölestins I. († 22. Juli 432). Geweiht wurde sie von Papst Sixtus III. am 5. August 434G. B. De Rossi: Inscriptiones christianae urbis Romae septimo saeculo antiquiores. 2. Auflage. Band 2. Rom 1888, S. 71, nr. 42. als Ecclesia Sanctae Mariae. Die Päpste des beginnenden 5. Jahrhunderts sahen sich vor die Aufgabe gestellt, der ehemals heidnischen Weltmetropole Rom ein christliches Antlitz zu geben.Richard Krautheimer (Hrsg.): Rom – Schicksal einer Stadt 312- 1308. Darmstadt 1996, S. 43–71. Die Ewige Stadt war seinerzeit durch ihre weltberühmten heidnischen Bauten geprägt, vor allem am Forum Romanum. Nun hatten in der Nachfolge der römischen Kaiser und des römischen Senats die Päpste die alleinige Befugnis und Macht, das Stadtbild zu verändern. Diese Planungen begannen bereits unter Papst Coelestin I. in den zwanziger Jahren des 5. Jahrhunderts. Die prächtige Basilika auf der höchsten Erhebung des Esquilin sollte das Antlitz des christlichen Roms als Mittelpunkt der Kirche und als Zentrum des Imperium Romanum entscheidend prägen.

Santa Maria Maggiore gilt als die erste dem Patronat der Jungfrau Maria unterstellte Kirche im Westen und ist auch die älteste Marienkirche Roms. Die Basilika Santa Maria in Trastevere war zwar bereits in der Mitte des 4. Jahrhunderts gegründet worden, als Titulus sancti Iulii et Callixti, wurde aber frühestens um 587 der hl. Maria als Titulus sanctae Mariae gewidmet. Die Kirche Santa Maria Antiqua, vorher ein byzantinisch-kaiserliches Amtsgebäude wurde vor 579 dem Patrozinium Mariens unterstellt; das spätantike Pantheon wurde 607 als Sancta Maria ad Martyres geweiht.Hans Georg Wehrens: Rom – Die christlichen Sakralbauten vom 4. bis zum 9. Jahrhundert – Ein Vademecum. 2. Auflage Freiburg i. Br. 2017, S. 215.

Santa Maria Maggiore ist auch die erste frühchristliche Basilika, die nicht mehr vom Kaiser oder der kaiserlichen Familie, sondern vom römischen Bischof als Votivkirche in Auftrag gegeben wurde. Außerdem übertrifft sie durch ihre Größe (79 m Länge, 35 m Breite und 18 m Höhe) die meisten Titelkirchen dieser Zeit. Die besondere Bedeutung dieser Basilika hob Hugo Brandenburg hervor. Allerdings ist die marianische Ausrichtung der Stationsgottesdienste für die Spätantike nicht belegt.

Architektur mini|hochkant|Rekonstruierter Grundriss des Zustandes um 1300, nach den Erweiterungen unter Nikolaus IV. Der Neubau des 5. Jahrhunderts gründete teilweise auf den Fundamenten spätrömischer Vorgängerbauten. Es war eine dreischiffige Basilika ohne Querhaus, mit einer nach Nordwesten ausgerichteten großen Apsis, einem offenen Dachstuhl im Mittelschiff und in den Seitenschiffen sowie mit Narthex und Vorhalle. Im Mittelschiff trugen je zwanzig Marmorsäulen mit ionischen Kapitellen einen Architrav. Nach lokaler Überlieferung stammen die Säulen vom Tempel der Juno auf dem Aventin.

Von den großen Rundbogenfenstern über jeder Interkolumnie, also dem Raum zwischen zwei Säulen, wurde im 8. Jahrhundert die Hälfte zugemauert. Nach dem Liber Pontificalis soll Papst Sixtus III. auch ein Baptisterium gestiftet haben. Unter Papst Eugen III. (1145–1153) wurde vor der Kirchenfassade eine neue Vorhalle errichtet, außerdem im Langhaus ein Marmorfußboden verlegt. Papst Nikolaus IV. (1288–1292) ließ die alte Apsis abtragen, um an dieser Stelle ein Querhaus errichten zu können; das ursprüngliche Apsismosaik wurde durch das heute sichtbare Mosaik von Jacopo Torriti in der angebauten neuen Apsis ersetzt.Hans Georg Wehrens: Rom – Die christlichen Sakralbauten vom 4. bis zum 9. Jahrhundert – Ein Vademecum. 2. Auflage Freiburg i. Br. 2017, S. 216f. In der Zeit von 1294 bis 1308 entstanden die Mosaiken von Filippo Rusuti an der östlichen Kirchenfassade. 1377 wurde der Campanile unter Verwendung alter Bauteile errichtet; es ist der letzte und mit 75 m höchste aller romanischen Türme Roms.

In den Jahren 1584–1590 wurde die von Sixtus V. gestiftete und von Domenico Fontana entworfene Cappella Sistina an das Querschiff angefügt. Im Jahr 1613 folgte die von Papst Paul V. (Borghese) gestiftete Cappella Paolina des Architekten Flaminio Ponzio. Beide lassen das Querschiff deutlicher erscheinen. Von außen ist dies jedoch nicht zu erkennen, da der Kirchenbau durch die anderen Anbauten wie das Baptisterium (1605), die Cappella Sforza (1564–1573) und die Cappella Cesi (um 1550) heute wie ein einheitlicher Block erscheint.

Vor der im Westen gelegenen Chorpartie ließ Papst Sixtus V. 1587 den Obelisken vom Augustusmausoleum (Obelisco Esquilino) wieder aufstellen. In den Jahren von 1673 bis 1687 hat Carlo Rainaldi die Westpartie der Basilika als Tribunafassade neu gestaltet; die um 1290 versetzte Apsis wurde ummantelt und erhielt eine Treppenkaskade von 30 Stufen. Die Hauptfassade im Osten erhielt von Ferdinando Fuga im Auftrag von Papst Benedikt XIV. ab 1741 eine neue Gestalt: der Ostfassade mit den Mosaiken des 13./14. Jahrhunderts wurde ein spätbarocker Portikus mit fünf Eingängen hinzugefügt, darüber eine sich in drei Rundbögen öffnende Loggia mit einer Benediktionsloggia in der Mitte.