Nornickel () ist ein russisches Bergbauunternehmen, das Nickel, Palladium, Platin, Kupfer, Silber, Gold, Kobalt und andere Buntmetalle fördert.
Tätigkeit Nornickel ist das größte Unternehmen der Buntmetallurgie Russlands, es gehört zu den zehn größten Privatunternehmen des Landes.
Nornickel befasst sich mit der Erkundung, Erschließung, Förderung, Aufbereitung und Verarbeitung der Bodenschätze, produziert und vertreibt Nichteisenmetalle und Edelmetalle in über drei Dutzend Ländern. Die Produktionsstätten befinden sich in Russland im Norilsker Industriegebiet, auf der Halbinsel Kola und in der Region Transbaikalien sowie in Finnland und in der Südafrikanischen Republik.
2019 betrug die Nickelproduktion 229.000 Tonnen, die Kupferproduktion 499.000 Tonnen, die Palladiumproduktion lag bei 2,9 Millionen Unzen und die Platinproduktion bei 0,7 Millionen Unzen. Damit ist Nornickel der weltweit größte Produzent von Nickel (Weltmarktanteil 14 %) und Palladium (41 %) sowie der drittgrößte Platinproduzent (10 %).
Nornickel produziert auch weitere Rohstoffe wie Rhodium, Kobalt, Kupfer, Silber, Gold, Iridium, Ruthenium, Selen, Tellur und Schwefel.
Der Umsatz des Unternehmens (nach IFRS) lag 2020 bei 15,5 Milliarden US-Dollar, der Nettogewinn betrug 3,6 Milliarden US-Dollar.
Unternehmensstruktur Nornickel vereint drei Hauptproduktionsstätten. Die erste ist die Zapoljarny-Filiale auf der Halbinsel Taimyr (in Norilsk, Talnach, Kajerkan und Dudinka). Der zweite Standort befindet sich auf der Halbinsel Kola (in Montschegorsk, Sapoljarny und Nickel). Der dritte Standort ist das Bergbau- und Aufbereitungswerk Bystrinskij.
Beteiligung an Unternehmen Bis 2006 war Nornickel Eigentümer von Polyus GAG, dem größten Goldproduzenten Russlands (20 % der Goldproduktion). Nach der Umstrukturierung wurden die Aktien der GAG auf das neugegründete Unternehmen Polyus Gold OAG übertragen. Die Aktien der OAG wurden unter den Aktionären von Norilsk Nickel im Verhältnis zu ihren Anteilen verteilt. Norilsk Nickel besitzt zudem 60,66 % der russischen Energiegesellschaft OGK-3.
Am 29. Juni 2007 gab Norilsk Nickel bekannt, 90 Prozent der Anteile an der kanadischen LionOre erworben zu haben. Mitte August 2007 kaufte das Unternehmen weitere 7,7 Prozent der Aktien von LionOre, somit besitzt es nun 97,7 Prozent der Anteile. Die restlichen 2,3 Prozent Anteile beabsichtigt Nornickel nach kanadischem Recht zwangsweise abzukaufen.
Nornickel hält durch LionOre 50 Prozent an einem gemeinsamen Projekt mit dem südafrikanischen Unternehmen ARM. Den Partnern gehört die Nickelmine Nkomati in Südafrika. 2006 wurden von Nkomati 396,9 Tausend Tonnen Erz und 4826 Tonnen Nickel sowie 2,8 Tausend Tonnen Kupfer und 22 Tausend Unzen Palladium produziert. 2019 beschlossen Nornickel und African Rainbow Minerals, das Projekt zu schließen. Im November 2021 verkaufte Nornickel die afrikanischen Vermögenswerte an die botswanischen Regierung und die staatlichen Gesellschaft BCL Group für den Verkauf der afrikanischen Vermögenswerte.
Geschichte
Die Kupfer- und Nickelvorkommen der Taimyrhalbinsel waren bereits seit dem 17. Jahrhundert bekannt, aber erst in den 1920ern begann der Bergbau in der Region Norilsk. Im Jahre 1919 wurden in der Nähe der zukünftigen Stadt Norilsk von der geologischen Expedition unter Leitung von Nikolaj Urwantsew und Alexandr Ssotnikow, die als Entdecker der Lagerstätten gelten, die ersten Erzproben genommen. 1923 wurde von Nikolaj Wysotskij das Vorhandensein von Platin im Erz nachgewiesen. Die Forschungen wurden bis 1934 fortgesetzt, als die detaillierte Erkundung der Lagerstätten Norilsk-1 und Norilsk-2 zur Genehmigung der ersten Erzreservenschätzung führte.
Die Regierung der UdSSR schuf am 23. Juni 1935 das Norilsker Kombinat (das Politbüro des Zentralkomitees der KPdSU (B) (Kommunistischen Partei der Sowjetunion (der Bolschewiken)) erließ ein Erlass über den Bau Norilsker Kombinats) und somit den Anfang des mittlerweile größten Bergbau- und Metallurgie-Unternehmens des Landes. 1939 begann die Produktion.
In den ersten beiden Jahrzehnten wurden Norilsk und das dortige Nickelkombinat fast ausschließlich von Gulag-Häftlingen gebaut und betrieben, die in dem von 1935 bis 1956 bestehenden Norilsker Besserungsarbeitslager (russische Kurzform: Noril-Lag) inhaftiert waren, darunter auch Nikolaj Urwantsew, der Entdecker dieser Lagerstätten. Die Insassenzahl dieses Lagers stieg bis zu Stalins Tod 1953 stetig an und erreichte in den frühen 1950er-Jahren etwa 70.000 bis 90.000 Personen. 270.000 Personen durchliefen insgesamt das Lager, 17.000 bis 18.000 starben in der Haftzeit.
Auch in der Oblast Murmansk auf der Kolahalbinsel entstanden Bergbaukombinate zur Förderung von Kupfer und Nickel – 1935 Seweronikel in Montschegorsk und 1940 Petschenganikel in Sapoljarny und Nikel.
In der ersten Hälfte der 1940er Jahre wurde die Produktion von Nickel, Kupfer, Kobalt und Platinmetallen aufgenommen. 1953 produzierte das Norilsker Kombinat 35 % Nickel, 12 % Kupfer, 30 % Kobalt und 90 % der Platinmetalle der Gesamtproduktion dieser Metalle in der Sowjetunion.
1960 wurde die weltweit größte Kupfer-Nickel-Sulfid-Erzlagerstätte, die Talnachskoje-Lagerstätte, entdeckt. 1965 entdeckte man die Lagerstätte Oktjabrskoje.
1979 wurde das Nadeschdinski-Hüttenwerk in Betrieb genommen, 1981 die Aufbereitungsanlage Talnach.
Am 4. November 1989 wurde vom Ministerrat der UdSSR eine Resolution über die Gründung „des staatlichen Konzerns zur Buntmetallproduktion ‚Norilsk Nickel‘“ erlassen. Mitglieder des Konzerns wurden das Norilsker Kombinat, die Kombinate Petschenganickel und Seweronickel, das Mechanische Werk Olenegorsk, das Krasnojarsker Buntmetallverarbeitungswerk und das Institut Gipronickel (Leningrad). Diese Unternehmen bildeten einen Konzern auf der Grundlage eines gemeinsamen technologischen Konzepts für die Verarbeitung von sulfidischen Kupfernickelerzen.
1993 wurde der Konzern „Norilsk Nickel“ per Dekret des Präsidenten der RF in eine Aktiengesellschaft für die Produktion von Nichteisen- und Edelmetallen umgewandelt (RAO „Norilskij Nickel“).
Im Jahr 1995 erhielt die Onexim-Bank von Wladimir Potanin bei einer sogenannten „Kautionsauktion“ 38 % des Stammkapitals des Konzerns (51 % der stimmberechtigten Aktien) für 170,1 Millionen US-Dollar.
2001 wurde das Unternehmen umstrukturiert, die Gesellschafter der Norilsk Nickel tauschten ihre Aktien gegen Aktien des GMK (Bergbaukombinat) Norilsk Nickel. Die Aktien des Unternehmens wurden erstmals an den Börsen RTS und MICEX gehandelt.
Im Jahr 2002 erwarb Norilsk Nickel die Gruppe Poljus und wurde somit zum größten Goldproduzenten Russlands mit einem Marktanteil von über 15 Prozent. Der gesamte Goldbergbau von Norilsk Nickel wurde auf die Gesellschaft Poljus übertragen. 2006 wurde Poljus in eine separate Aktiengesellschaft namens Poljus Soloto ausgegliedert.
Im Jahre 2006 erwarb GMK Norilsk Nickel eine Abbauberechtigung für die Masslowskoje-Lagerstätte. Die Lagerstättenvorräte wurden im September 2009 zur staatlichen Registrierung zugelassen.
2007 erhielt Norilsk Nickel den Zuschlag für ein Angebot über 6,3 Milliarden US-Dollar für das kanadische Unternehmen LionOre.
2009 wurde eine eigene Eisbrecherflotte gebildet.
2014 verkaufte das Unternehmen seine Beteiligungen an Gold- und Nickelvorkommen (Lake Johnston, Cawse, Avalon, Black Swan, Silver Swan) in Australien.
Seit 2014 entwickelt Norilsk Nickel das Kupfer-Gold-Eisen-Vorkommen Bystrinsky bei Tschita.
2016 erfolgte unter anderem aus ökologischen Gründen die Stilllegung des 1942 gebauten ältesten Nickelwerks des Unternehmens, das sich innerhalb der Stadtgrenzen befand. Die Kosten der sofortigen Stilllegung beliefen sich auf 11 Milliarden Rubel. Im selben Jahr änderte Norilsk Nickel seinen Namen in Nornickel, des Weiteren wurde ein neues Unternehmenslogo eingeführt.
2017 wird Nornickel Russlands einziger Nickelproduzent. Die Marke „Nornickel“ wurde zu dieser Zeit von Brand Finance auf einen Wert von 675 Millionen Dollar geschätzt. In der Transbaikal-Region wird ein neues Bergbau- und Aufbereitungskombinat mit einer Jahreskapazität von 10 Mio. Tonnen Erz in Betrieb genommen. Die Baukosten wurden auf 1,5 Milliarden US-Dollar veranschlagt. Nornickel gehört zu den Top 5 des World Wildlife Fund bei der Bewertung der Umweltverantwortung von Bergbauunternehmen Russlands.
2018 gründet Nornickel ein Joint Venture mit der Gesellschaft Russian Platinum unter dem Namen Arctic Palladium. Das Produktionsvolumen der Platingruppemetalle beträgt bis zu 100 Tonnen pro Jahr, was mit eigenen Produktionsmengen von Nornickel vergleichbar ist. Das Gemeinschaftsunternehmen umfasst die Lagerstätte Maslowskoje von GMK (Bergbau- und Metallurgiekombinat) sowie die Lagerstätte Tschernogorskoje und den südlichen Teil der Lagerstätte Norilsk-1 von Russian Platinum. Das Gemeinschaftsunternehmen wurde jedoch bereits 2020 aufgelöst, da das Projekt von Rusal blockiert wurde; daraufhin vereinbarten Russian Platinum und Nornickel eine operative Partnerschaft zur Erschließung der Lagerstätte Tschernogorskoje.
Ebenfalls 2018 kaufte Wladimir Potanins Interros einen Aktienanteil von 2,1 % an Nornickel von Roman Abramowitsch und erhöhte somit seinen Anteil auf 32,9 %. Im selben Jahr wurde die Hauptumbauphase des Flughafens Norilsk, der zu Nornickel gehört, mit dem Gesamtinvestitionsvolumen von über 12,5 Milliarden Rubel abgeschlossen, wovon 7,6 Milliarden aus dem föderalen Haushalt bereitgestellt wurden.
Im selben Jahr schloss Nornickel eine Vereinbarung mit BASF Deutschland über die Lieferung von Nickel und Kobalt an eine Fabrik zur Herstellung von Batterien für Elektro-Automobilen mit einer Jahreskapazität von 300.000 Fahrzeugen in Harjavalta, Finnland.
2019 verkaufte Roman Abramowitsch einen Aktienanteil von 1,7 % an Nornickel für 551 Millionen US-Dollar an einen breiten Kreis von Investoren, dabei konnten sich Rusal sowie die mit Rusal verbundene Parteien nicht an dem Kauf beteiligen. Im selben Jahr benannte Forbes GMK Norilskij Nickel als das russisch Unternehmen mit den höchsten Prämien für Top-Manager.
Am 29. Mai 2020 passierte ein Unfall im Fernheizkraftwerk TEZ-3, das der Norilsk-Taimyr Energiegesellschaft, einer Tochtergesellschaft von Nornickel, gehörte. Im August 2021 meldete das Ministerium für Notfallsituationen die vollständige Beseitigung des ausgelaufenen Kraftstoffs.
Ebenfalls im Jahr 2020 stellte Nornickel 10,5 Milliarden Rubel für die Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie bereit und plante, weitere 10 Milliarden Rubel bereitzustellen. Im selben Jahr startete Nornickel ein Projekt zur Digitalisierung des Metallverkaufs. Es wurde berichtet, dass Nornickel an einer Handelsplattform für Schöpfung von Krypto-Tokens für den Handel mit Palladium arbeitet.
Anfang 2021 stellte Nornickel den Betrieb in zwei wichtigsten Bergwerken, Oktjabrski und Taimyrski, wegen ansteigenden Grundwassers teilweise ein.
Im Sommer 2021 gab Nornickel bekannt, eine Charge kohlenstoffneutralen Nickels (CO2-neutraler Nickel, CNN) hergestellt zu haben.
Privatisierung 1994 wurden die Unternehmen der RAO Nornickel in Aktiengesellschaften umgewandelt. In Übereinstimmung mit dem Privatisierungsplan wurde ein Teil der RAO-Aktien auf das Arbeiterkollektiv übertragen, während ein anderer Teil auf Auktionen versteigert wurde. Mehr als 250.000 Menschen erwarben dadurch Norilsk-Nickel-Aktien.
Die Mehrheitsbeteiligung an der RAO im Besitz der Russischen Föderation wurde im November 1995 auktioniert. Dabei wurde die Onexim-Bank der Mehrheitsgesellschafter der RAO Nornickel.
Am 5. August 1997 wurde die staatliche Beteiligung an RAO Nornickel für 270 Millionen US-Dollar durch Swift GAG erworben, die als Vertreter der Interessen der Onexim-Bank-Gruppe fungierte. Zusätzliche Bedingung für den Erwerb waren die Finanzierung eines Investitionsprogrammes und Tilgung von Schulden.