Die Berliner Feuerwehr ist die Feuerwehr der deutschen Hauptstadt Berlin. Sie besteht aus der Berufsfeuerwehr und den Freiwilligen Feuerwehren. Die Berliner Feuerwehr wurde im Jahr 1851 von Ludwig Scabell gegründet und ist die älteste Berufsfeuerwehr Deutschlands.Wolfgang Hornung-Arnegg: Feuerwehrgeschichte. Kohlhammer, 4. Auflage. 1995, ISBN 3-17-013203-2, S. 61.

Geleitet wird die der Senatsverwaltung für Inneres und Sport unterstellte Landesbehörde seit dem 1. August 2018 durch Landesbranddirektor Karsten Homrighausen., Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Senatskanzlei, abgerufen am 31. Juli 2018 Der Sitz der Behördenleitung befindet sich in der Voltairestraße in Berlin-Mitte.

Mit ihren rund 5500 MitarbeiternStand Dezember 2020: und 36 BerufsfeuerwachenBerliner Feuerwehr in Zahlen 2021 ist sie die größte Berufsfeuerwehr in Deutschland.

Die Berliner Berufsfeuerwehr wird durch 59 Freiwillige Feuerwehren mit rund 1600 aktiven ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen unterstützt.Jahresbericht 2022, Seite 110

Geschichte Leiter der Berliner Feuerwehr (seit 1851) mini|hochkant|Ludwig Carl Scabell, Gründer der Berliner Feuerwehr

AmtszeitNameAmtsbezeichnung1851–1875Ludwig ScabellBranddirektor1875–1887Gustav WitteBranddirektor1887–1893Alexander StudeBranddirektor1893–1905Erich GiersbergBranddirektor1905–1922Maximilian ReichelOberbranddirektor1922–1933Walter GemppOberbranddirektor1933–1943Gustav WagnerGeneralmajor d. Pol.1943–1945Walter GoldbachGeneralmajor d. Pol.1945–1948Karl FeierabendOberbranddirektor (bis 1952 Ostteil)1949–1957Ludwig WissellOberbranddirektor (West)1952–1963Ernst EttrichOberst der Feuerwehr (Ost)1957–1968Friedrich KaufholdOberbranddirektor (West)1963–1970Rudi MöschOberst der Feuerwehr (Ost)1968–1970Heinz HoeneLandesbranddirektor (West)1970–1990Horst MeierBranddirektor (Ost)1970–1988Kurt-Werner SeidelLandesbranddirektor (West)1989–1992Wolfgang ScholzLandesbranddirektor1990Manfred SchäferOberbrandrat (Ost)1992–2006Albrecht BroemmeLandesbranddirektor2006–2018Wilfried GräflingLandesbranddirektorseit 2018Karsten HomrighausenLandesbranddirektor

Industrialisierung und Gründerzeit (1851–1899) mini|Die Feuerwache Prenzlauer Berg, 1883 bezogen, ist die älteste noch in Betrieb befindliche Berufsfeuerwache Deutschlands

Als Ludwig Scabell am 1. Februar 1851 vom preußischen König, Friedrich Wilhelm IV., den Befehl zum Aufbau der ersten deutschen Berufsfeuerwehr erhielt und zum königlichen Branddirektor ernannt wurde,Eckart Lottmann: Berliner Feuerwehr – Auf der Drehleiter der Geschichte. be.bra, 1996, ISBN 3-930863-20-0, S. 21. stand Berlin unter dem Eindruck einer Reihe von verheerenden Großbränden. Die Stadt wuchs schnell, die Bebauung wurde immer enger und die Menschen lebten dicht an dicht. Ausbildung und Technik der bisherigen Feuerwehren waren unzulänglich, auch konnten die Einsatzmittel nicht mehr mit der Größe der Gebäude mithalten. Daher fasste Preußens König den Entschluss, Scabell mit der Gründung einer Berufsfeuerwehr zu beauftragen und deren Ausbildung und Ausrüstung sicherzustellen. Innerhalb kürzester Zeit wurden knapp 1000 Männer eingestellt und ausgebildet. Gleichzeitig begann der Bau von Berufsfeuerwachen.

Im selben Jahr bekam die Stadt Berlin auch das erste elektrische Feuermeldenetz der Welt. Es wurde von Siemens & Halske installiert und verband die Zentrale in der Stadtvogtei am Molkenmarkt mit 24 Feuerwachen und allen Polizeirevieren. Im Jahr 1854 konnte die erste Neubau-Feuerwache eröffnet werden, zwei Jahre später ging in Berlin ein Wasserleitungsnetz mit 1520 Hydranten in Betrieb.

Im Jahr 1875 erreichte Scabell das Rentenalter, sein Nachfolger wurde Gustav Witte. Dieser erhielt im Jahr 1879 zusammen mit dem Ingenieur und Fabrikanten Greiner das deutsche Patent der weltweit ersten Drehleiter.Wolfgang Hornung-Arnegg: Feuerwehrgeschichte. Kohlhammer, 4. Auflage. 1995, ISBN 3-17-013203-2, S. 73. Die Berliner Feuerwehr stellte ihre erste, von der Firma BAMAG gebaute Drehleiter 1882 auf der Hauptwache in Dienst.Eckart Lottmann: Berliner Feuerwehr – Auf der Drehleiter der Geschichte. be.bra, 1996, ISBN 3-930863-20-0, S. 41.

Jahrhundertwende und Weimarer Republik (1900–1932) Im Jahr 1901 fand zum 50-jährigen Bestehen der Berufsfeuerwehr die Internationale Feuerschutzausstellung in Berlin statt.Wolfgang Hornung-Arnegg: Feuerwehrgeschichte. Kohlhammer, 4. Auflage. 1995, ISBN 3-17-013203-2, S. 80. Im Jahr 1906 wurde auf der Feuerwache Berlin-Grunewald als erstes Benzinauto-Löschfahrzeug in Deutschland eine Gasspritze in Dienst gestellt.Wolfgang Hornung-Arnegg: Feuerwehrgeschichte. Kohlhammer, 4. Auflage. 1995, ISBN 3-17-013203-2, S. 85. Während des Ersten Weltkriegs 1914 bis 1918 gab die Berliner Feuerwehr 700 Beamte an das Heer ab, in dem ein Teil der eingezogenen Feuerwehrleute in den neu geschaffenen Flammenwerferregimentern eingesetzt wurde.Eckart Lottmann: Berliner Feuerwehr – Auf der Drehleiter der Geschichte. be.bra, 1996, ISBN 3-930863-20-0, S. 68f.

Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) mini|Berliner Feuerwehr im August 1945.

Am 15. Dezember 1933 wurde für die preußischen Berufsfeuerwehren die Bezeichnung „Feuerlöschpolizei“ eingeführt. Die Feuerwehren im gesamten Deutschen Reich wurden 1938 der Ordnungspolizei unterstellt und hießen fortan „Feuerschutzpolizei“. Bei den Novemberpogromen 1938 griff die NS-geführte Feuerschutzpolizei bis auf wenige Ausnahmen nicht ein, als die Synagogen in Brand gesteckt wurden.

Eine Stadt – zwei Feuerwehren (1946–1990) Nach Kriegsende waren von den ehemals 38 Berufsfeuerwehrwachen sechs unbrauchbar, und bei der Freiwilligen Feuerwehr waren von 51 Wachen drei total und zwölf teilweise zerstört.Eckart Lottmann: Berliner Feuerwehr – Auf der Drehleiter der Geschichte. be.bra, 1996, ISBN 3-930863-20-0, S. 106. Am 21. November 1948 wurde die Berliner Feuerwehr in zwei getrennte Behörden, Ost und West, geteilt.Wolfgang Hornung-Arnegg: Feuerwehrgeschichte. 4. Auflage. Kohlhammer, 1995, ISBN 3-17-013203-2, S. 103. In beiden Stadthälften entstanden in den 1950er Jahren die ersten Nachkriegs-Neubauwachen, Technik und Ausbildung entwickelten sich getrennt weiter. Im Jahr 1952 wurde die Ostberliner Feuerwehr als „Organ F“ in die Deutsche Volkspolizei eingegliedert.Eckart Lottmann: Berliner Feuerwehr – Auf der Drehleiter der Geschichte. be.bra, 1996, ISBN 3-930863-20-0, S. 119. Die Ostberliner Feuerwehr bekam zum Schutz der in den 1950er Jahren errichteten Stalin-Allee (heute Karl-Marx-Allee) eine „West-Drehleiter“. Die von Metz hergestellte DL 52 mit einer Rettungshöhe von über 50 Metern verfügte bereits über einen Fahrkorb, der als Aufzug genutzt werden konnte.Hans-Jörg Schierz: Berliner Feuerwehrfahrzeuge – Von 1960 bis heute. Walter Podzun, 1998, ISBN 3-86133-192-6, S. 138 f. In den Tagen nach dem Mauerbau 1961 musste die West-Berliner Feuerwehr immer wieder ihre Sprungtücher aufspannen, weil Menschen aus Gebäuden auf der Demarkationslinie in den Westteil der Stadt sprangen.

In der Amtszeit von Landesbranddirektor Heinz Hoene wurde das Rettungsamt West-Berlin 1969 in die Feuerwehr eingegliedert. Seitdem ist die (West-)Berliner Feuerwehr auch für den Rettungsdienst verantwortlich. In Ost-Berlin wurde der Rettungsdienst bis zur Wiedervereinigung unabhängig von der Feuerwehr vom Rettungsamt wahrgenommen. Ab Anfang der 1980er Jahre hatte die West-Berliner Feuerwehr immer wieder mit Einsätzen bei Maikrawallen in Berlin-Kreuzberg zu tun. Dabei wurde in der Nacht des 1. Mai 1987 ein LF 16 der Feuerwache Berlin-Kreuzberg völlig zerstört.Hans-Jörg Schierz: Berliner Feuerwehrfahrzeuge – Von 1960 bis heute. Walter Podzun, 1998, ISBN 3-86133-192-6, S. 144 f.

Wiedervereintes Berlin (seit 1990) Am 3. Oktober 1990, dem Tag der deutschen Wiedervereinigung, wurde die Ost-Berliner Feuerwehr (siehe: Feuerwehr in der DDR) Landesbranddirektor Wolfgang Scholz übergeben. Zu diesem Zeitpunkt lag die Personalstärke der Berufsfeuerwehr in West-Berlin bei 3788 und in Ost-Berlin bei 1112.

Am 18. März 1991 starben zwei Feuerwehrleute während eines Brandeinsatzes an einem Hochregallager. Die Drehleiter mit Korb, in der sie sich befanden, wurde durch eine einstürzende Wand getroffen, wobei sie aus dem Korb geschleudert wurden.

Mitte des Jahres 1992 wurde Albrecht Broemme zum Landesbranddirektor von Berlin ernannt.Eckart Lottmann: Berliner Feuerwehr – Auf der Drehleiter der Geschichte. be.bra, 1996, ISBN 3-930863-20-0. mini|Siegerehrung Feuerwehr-Olympiade 1993 Disziplin Löschangriff Freiwillige Feuerwehren: von links Berlin, Beselich-Obertiefenbach und Tschechische Republik Vom 11. bis 17. Juli 1993 fanden im Stadion Wilmersdorf in Berlin die X. Internationalen Feuerwehrwettkämpfe des CTIF (Feuerwehrolympiade) statt. Im Programm waren traditionelle internationale Feuerwehrwettbewerbe, internationale Feuerwehrsportwettkämpfe und internationale Jugendfeuerwehrwettbewerbe. Die Berliner Feuerwehr lieferte sich im Herbst 1993 in der Feuerwache Wiesbaden mit der Freiwilligen Feuerwehr Beselich-Obertiefenbach einen Wettkampf im Hakenleitersteigen für die Frank-Elstner-Show Aber Hallo des Fernsehsenders RTL.

Aufgrund des höheren Verkehrsaufkommens und der zahlreichen neuen Verkehrsberuhigungsmaßnahmen in den Bezirken wurde in den Jahren 1993/94 ein neues Fahrzeugkonzept erprobt: Das Lösch-Hilfeleistungsfahrzeug 16/12, kurz „City-LHF“, war 2,2 Meter kürzer, 0,2 Meter schmaler und damit wendiger als die herkömmlichen LHF 16 der Berliner Feuerwehr. Nach der erfolgreichen Erprobungsphase wurden von 1994 bis 1997 41 Fahrzeuge dieses Typs beschafft.Eckart Lottmann: Berliner Feuerwehr – Auf der Drehleiter der Geschichte. be.bra, 1996, ISBN 3-930863-20-0, S. 155.

In der Neujahrsnacht zum Jahr 2000 kam es zu einem Totalausfall der Leitstellen-IT einschließlich Rückfallebene. Es war für mehrere Stunden keine geordnete Abarbeitung von Notrufen möglich; als Behelf wurden Einsatzfahrzeuge auf Streifenfahrten geschickt. Ein Zusammenhang mit dem sogenannten Jahr-2000-Problem bestand dabei nur am Rande.Computer-GAU: Das Silvesterchaos bei der Berliner Feuerwehr. In: heise online, 16. Juni 2000.Jürgen Kuri: Dumm gelaufen? – Anatomie eines Computer-GAUs, c’t 13/2000, S. 216 ff. Das betroffene Einsatzleitsystem FIS wurde im Jahr 2000 durch das modernere IGNIS und im Jahr 2017 durch dessen Nachfolger IGNIS-Plus ersetzt.Berliner Feuerwehr: Einführung von IGNIS-Plus. Abgerufen am 3. April 2018

Nach der Ernennung des Landesbranddirektors Broemme zum Präsidenten des Technischen Hilfswerks im Mai 2006 wurde dessen Stellvertreter Wilfried Gräfling zunächst kommissarischer Leiter der Behörde und schließlich im November 2006 neuer Landesbranddirektor von Berlin.

Gräfling schied mit Ablauf des Juli 2018 aus dem Feuerwehrdienst aus und trat in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde zum 1. August 2018 Karsten Homrighausen.

Im Jahr 2018 kam es unter dem Schlagwort „Berlin brennt“ zu Protestaktionen der Feuerwehr vor dem Roten Rathaus und politischen Diskussionen im Senat und Abgeordnetenhaus.Abgeordnetenhaus von Berlin, 18. Wahlperiode: Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Burkard Dregger (CDU) vom 28. Februar 2019 zum Thema: Ausnahmezustand Rettungsdienst bei der Berliner Feuerwehr. Drucksache 18 / 18 072.Senat will Belastungsspitzen im Rettungsdienst verringern. Ärzte Zeitung, 25. April 2019. Als Ursache werden die steigende Zahl der Einsätze, mangelhafte Ausstattung mit Fahrzeugen und Material sowie der Personalmangel identifiziertAndreas Kopietz, Alexander Schmalz: . In: Berliner Zeitung, 23. Februar 2018.Berliner Feuerwehr: Feuerwehr braucht Hilfe. In: die tageszeitung, 15. Oktober 2018. – vor der Wende hatte allein West-Berlin mehr Feuerwehrleute als 2018 die gesamte Stadt.Seit über 30 Jahren im Dienst: „Permanent Ausnahmezustand“ – Feuerwehrmann packt aus. In: Berliner Zeitung, 23. Mai 2018.

Am 18. Juni 2021 beging die Berliner Feuerwehr den 170. Jahrestag ihrer Gründung.