Die Kapgoldmulle (Chrysochloris) sind eine Säugetiergattung aus der Familie der Goldmulle (Chrysochloridae). Die Gattung umfasst zwei Arten, die im südlichen Afrika leben. Von den beiden Arten ist aber nur eine weit verbreitet und relativ häufig. Der Kap-Goldmull bewohnt den südwestlichen Küstenbereich von Südafrika und bevorzugt sandige Lebensräume. Visagies Goldmull ist bisher nur von einem Exemplar ebenfalls aus dem südwestlichen Südafrika bekannt. Wie alle Goldmulle sind auch die Kapgoldmulle an eine grabende Lebensweise angepasst. Sie besitzen dementsprechend einen spindelförmig gestalteten Körper, dem äußerlich sichtbare Ohren und ein Schwanz fehlen, die Vorderfüße sind darüber hinaus mit kräftigen Grabklauen ausgestattet. Die Tiere graben Tunnelsysteme und sind nachtaktiv. Ihre Nahrung umfasst hauptsächlich Wirbellose, die Lebensweise ist generell nur wenig untersucht. Aus einer forschungsgeschichtlichen Perspektive stellen die Kapgoldmulle die erste Gattung der Familie dar, die einen wissenschaftlichen Namen erhielt, was im Jahr 1799 erfolgte. Die Bestände der häufigeren Art gelten als ungefährdet.

Merkmale Habitus Die Kapgoldmulle repräsentieren kleinere bis mittelgroße Vertreter der Goldmulle. Sie weisen Kopf-Rumpf-Längen von 9,4 bis 11,5 cm auf, das Körpergewicht variiert von 30 bis 64 g. Prinzipiell ähnelt der Körperbau wie bei allen Goldmullen dem der Maulwürfe, mit denen die Kapgoldmulle jedoch nicht verwandt sind. Der Körper ist spindelartig geformt und besitzt keine äußerlich sichtbaren Ohren oder einen Schwanz. Die Augen sind mit Fell bedeckt, die Schnauze trägt ein lederartiges Polster, das teilweise der Grabetätigkeit dient. Das Fell zeichnet sich durch eine variable Färbung aus, die von schwärzlich über braun, olive braun bis zu schiefergrau und silbrig grau reicht. Je nach Lichteinwirkung kann es einen grünlichen, violetten oder purpurfarbenen oder silbrigen metallischen Glanz aufweisen. Im Gesicht treten akzentuierende helle Farbflecken auf. Die Gliedmaßen sind äußerst kräftig gebaut, die Vorderfüße verfügen über vier Strahlen, die Hinterfüße über fünf. An den Vorderfüßen sind kräftige Grabklauen ausgebildet, die eine Anpassung an eine grabende Lebensweise darstellen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Goldmullen ist neben der großen Mittelklaue die Klaue des zweiten Fingers ebenfalls gut entwickelt. Der erste Finger trägt eine kleine Klaue, sie ist deutlich kürzer als bei den Vertretern der nahe verwandten Gattung Cryptochloris. Der vierte Finger ist nur ein kleiner Stummel.

Schädel- und Gebissmerkmale Die Schädellänge variiert von 21,1 bis 25,4 mm, die Schädelbreite von 14,3 bis 19,2 mm. Die Form des Schädels erinnert an einen Konus mit einem sehr breitem Hirnschädel. Der Schädel ist kurz und breit, die größte Breite erreicht über 70 % der größten Länge. Das Rostrum ist nicht sonderlich verbreitert, die Gaumenbreite weist 30 bis 32 % der größten Schädellänge auf. Die Jochbögen sind vollständig geschlossen, ihnen fehlen aber die nach hinten und oben weisenden knöchernen Platten wie sie bei den Riesengoldmullen (Chrysospalax) vorkommen. Das auffälligste Schädelmerkmal stellt der keulenartig verlängerte Kopf des Hammers im Mittelohr dar. Das gesamte Gehörknöchelchen ist stark vergrößert und besitzt ein Gewicht von 20 mg. Der Kopf des Hammers lagert durch die Verlängerung in einer äußerlich sichtbaren, knöchernen Blase an der Schläfengrube. Das Gebiss setzt sich aus insgesamt 40 Zähnen zusammen, die Zahnformel lautet: . Der jeweils zweite Schneidezahn im Oberkiefer überragt den dritten und den nachfolgenden Eckzahn, beim verwandten Cryptochloris sind die drei Zähne etwa gleich groß. Der letzte Molar ist ausgebildet, allerdings von kleiner Gestalt und nagelförmig gestaltet oder wie die übrigen Mahlzähne mit einem dreihöckerigen (tricuspiden) Kauflächenmuster ausgestattet. Die Länge der oberen Zahnreihe vom Eckzahn bis zum hintersten, dritten Molaren beträgt 5,4 bis 6,7 mm.

Verbreitung Die Kapgoldmulle sind endemisch in Afrika verbreitet. Der Kap-Goldmull kommt in einem zusammenhängenden Gebiet im südwestlichen Südafrika vor, etwa von der Kap-Halbinsel in der Provinz Westkap entlang der Küste des Atlantiks nach Norden bis auf die Höhe von Port Nolloth in der Provinz Nordkap. Nach Osten reicht es ins Landesinnere bis etwa Calvinia. Rund 86 km östlich von Calvinia befindet sich der bisher einzige bekannte Nachweis von Visagies Goldmull. Der Kap-Goldmull als häufigere Art bevorzugt trockene Gebiete mit sandigen Böden und dringt teilweise auch in Kulturlandschaften vor.

Lebensweise Territorialverhalten Wie alle Goldmulle leben auch die Kapgoldmulle unterirdisch. Die Gängen verlaufen knapp unterhalb der Erdoberfläche und beginnen oder münden in kleinen Kammern. Gelegentlich graben die Tiere auch tiefere Tunnel in den Untergrund. Die hauptsächlichen Aktivitäten finden nachts statt, sie erhöhen sich nach kräftigen Regenschauern und gehen in den trockenen Sommermonaten, wie beim Kap-Goldmull beobachtet, zurück. Einen Teil ihrer Wege legen die Tiere oberirdisch zurück. Sie orientieren sich mit Hilfe von niederfrequenten Geräuschen und von seismischen Wellen, wozu sie der deutlich vergrößerte Hammer im Mittelohr befähigt. Berechnungen zufolge können die Kapgoldmulle Frequenzen von 48 bis 300 Hertz wahrnehmen, die Obergrenze liegt bei 13,7 kHz. Über das Sozialsystem ist nur wenig bekannt, die Tiere leben einzelgängerisch, nur Muttertiere mit ihren Jungen treten gemeinsam auf.

Ernährung Die Kapgoldmulle ernähren sich insekten- und fleischfresserisch. Ihre Nahrung besteht aus Regenwürmern, Käfern und anderen Insekten sowie. Hinzu kommen Asseln und andere Krebstiere sowie Tausendfüßer.

Fortpflanzung Das Fortpflanzungsverhalten der Kapgoldmulle ist kaum erforscht. Ein Wurf umfasst wohl eins bis drei Junge, die als Nesthocker zur Welt kommen und haarlos sind. Sie verbleiben im Tunnelsystem des Muttertiers und werden dort für zwei bis drei Monate gesäugt. Die Individualentwicklung schreitet nur langsam voran.

Systematik

Die Kapgoldmulle sind eine Gattung innerhalb der Familie der Goldmulle (Chrysochloridae) und der Überordnung der Afrotheria. Die Goldmulle stellen kleinere, bodengrabende Säugetiere dar, die endemischen in Afrika verbreitet sind. Sie kommen hauptsächlich im südlichen Teil des Kontinentes vor, nur einige wenige Arten bewohnen die zentralen und östlichen Teile. Die nächsten Verwandten bilden die ebenfalls afrikanisch verbreiteten Tenreks (Tenrecidae); beide Familien zusammen formen die Ordnung der Afrosoricida. Die Trennung der Goldmulle und der Tenreks erfolgte laut molekulargenetischen Untersuchen bereits relativ früh, im Übergang von der Oberkreide zum Paläozän vor rund 65 Millionen Jahren. Die stärkere Diversifizierung der Goldmulle setzte ab dem Oligozän vor etwa 28,5 Millionen ein.

Die unterirdische Lebensweise der Goldmulle hat zur Folge, dass die einzelnen Arten und Populationen Habitatspezialisten darstellen, ihr Vorkommen ist mit wenigen Ausnahmen dadurch lokal deutlich begrenzt. Es lassen sich innerhalb der Familie zwei ökologische Gruppen unterscheiden. Eine besteht aus Arten mit einer Spezialisierung auf trockene bis teils halbwüstenartige Regionen, etwa der Wüstengoldmull (Eremitalpa), einige Angehörige der Kapgoldmulle sowie die Arten der Gattung Cryptochloris. Zur zweiten Gruppe zählen die Vertreter der offenen Gras- und Savannenlandschaften sowie der Wälder, beispielsweise die Kupfergoldmulle (Amblysomus), Arends’ Goldmull (Carpitalpa), die Riesengoldmulle (Chrysospalax) oder die Arten der Gattung Neamblysomus. Die innere Gliederung der Familie ist bisher nicht abschließend geklärt. Aus anatomischer Sicht befürwortet die Gestaltung des Hammers im Mittelohr eine Aufteilung in zwei oder drei Unterfamilien: die Amblysominae mit einem normal gebauten Malleus, die Chrysochlorinae mit einem stark verlängerten Kopf des Malleus und die Eremitalpinae mit einem kugelig aufgeblähten Kopf des Malleus. Andere Wissenschaftler vereinen die beiden letztgenannten aber auch zu einer Unterfamilie, den Chrysochlorinae. Molekulargenetisch wird diese auf skelettanatomische Unterschiede beruhende Untergliederung der Goldmulle nicht vollständig unterstützt. Den genetischen Untersuchungen zufolge bilden die Kapgoldmulle eine gemeinsame Gruppe mit dem Wüstengoldmull und den Gattungen Huetia und Cryptochloris, wobei bis auf Huetia alle Formen über einen vergrößerten Kopf des Malleus verfügen und somit den Chrysochlorinae angehören würden. Cryptochloris und Chrysochloris bilden Schwestertaxa, was auch anatomisch über den keulenförmigen Hammerkopf belegt werden kann. Der in diesem Fall übereinstimmende genetische und anatomische Befund lässt vermuten, dass dieses Merkmal nur einmal innerhalb der Goldmulle entstanden ist. Neuere genetische Untersuchungen aus dem Jahr 2018 legten nahe, dass Cryptochloris möglicherweise nur als Untergattung innerhalb von Chrysochloris aufzufassen ist. Allerdings bestätigten dies Analysen aus dem Jahr 2023 vorläufig nicht.

Es werden zwei heute lebende Arten unterschieden: Kap-Goldmull (Chrysochloris asiatica (, 1756)); im Südwesten Südafrikas; die bekannteste Art; Visagies Goldmull (Chrysochloris visagiei , 1950); nur von einem einzigen Exemplar aus der Nähe der Stadt Gouna in der südafrikanischen Provinz Nordkap bekannt; Die artliche Eigenständigkeit von Visagies Goldmull ist umstritten. Teilweise wird die Form auch als Unterart des Kap-Goldmulls geführt. Eine genetische Untersuchung aus dem Jahr 2023 stuft Chrysochloris dementsprechend als monotypisch ein. Ursprünglich wurde auch Stuhlmanns Goldmull (Kilimatalpa stuhlmanni) aus Zentral- und Ostafrika den Kapgoldmullen zugewiesen, hierin gehörte er der eigenen Untergattung Kilimatalpa an. Diese unterscheidet sich von Chrysochloris durch den schlankeren Schädel, dem Auftreten eines Talonids an den Unterkiefermolaren sowie dem nicht ganz so massiv verlängerten Kopf des Hammers. Zudem bevorzugen die Vertreter der beiden Untergattungen unterschiedliche Habitate. Einige Autoren sprachen sich daher für einen eigenständigen Gattungsstatus von Kilimatalpa aus, was letztendlich im Jahr 2023 umgesetzt wurde.

Neben den rezenten Vertretern wurden zwei ausgestorbene Arten beschrieben: Chrysochloris arenosa , 2010 Chrysochloris bronneri , 2010

Forschungsgeschichte mini|hochkant|Bernard Germain Étienne Médard de La Ville-sur-Illon, comte de La Cépède Die Gattung Chrysochloris wurde im Jahr 1799 von Bernard Germain Lacépède wissenschaftlich eingeführt, sie ist somit der erste benannte Gattungsvertreter der Goldmulle und stand 26 Jahre später Pate für den durch John Edward Gray kreierten Familienname Chrysochloridae. Als Typusart gab Lacépède Chrysochloris capensis an, was aber als Synonymname für Chrysochloris asiatica gilt, dem Kap-Goldmull. Der Name Chrysochloris stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den Wörtern χρύσεος (chryseos „golden“) und χλωρός (chlōrós „hellgrün“ oder „frisch“) zusammen. Chloris ist auch eine Bezeichnung für die die griechische Göttin der Blüte, deren römisches Gegenstück Flora darstellt. Der Gattungsname bezieht sich nicht auf die Fellfarbe, die sehr unterschiedlich sein kann, sondern auf den metallischen Glanz des Fells unter bestimmten Lichtverhältnissen.