mini|hochkant=1.65|Luftbild von Karlstad
Karlstad [] ist eine schwedische Stadt in der historischen Provinz Värmland und die Residenzstadt der heutigen Provinz Värmlands län. Die 61.492 Einwohner zählende Stadt (2015) ist der Hauptort der Gemeinde Karlstad und Sitz des Bistums Karlstad der Schwedischen Kirche sowie seit 1999 Universitätsstadt. Karlstad gehört zu den zwanzig größten Städten in Schweden (Stand 2020).
Värmland ist als Dichterlandschaft bekannt und Karlstad beheimatete mehrere Kunstschaffende; einer der meistgeschätzten ist Gustav Fröding. Karlstads Symbol ist eine glückliche Sonne, bekannt durch die Sola i Karlstad. Der Legende nach war sie eine stets fröhliche Kellnerin in ihrem städtischen Außenwirtshaus, welche der Stadt einen sonnigen Ruf verlieh. Seit 1985 steht ihr zu Ehren vor dem Stadthotel eine Statue.
Geographie Karlstad befindet sich im südlichen Värmland, am nördlichen Ufer des Vänern und liegt im breiten Mündungsdelta des Klarälven. Die Stadt ist der Sitz der Gemeinde Karlstad, die an die Gemeinden Filipstad, Forshagas, Grums, Hagfors, Hammarö, Kil, Kristinehamn sowie Storfors grenzt und eine Seegrenze zur Gemeinde Säffle hat. Die bebaute Fläche bedeckte im Jahr 2010 laut dem Schwedischen Statistischen Büro 3001 Hektar, dies ergibt eine Bevölkerungsdichte von 2035 Einwohnern pro Quadratkilometer. Zwei weitere Städte (tätort) innerhalb der Gemeinde sind Alster und Skåre, dazu kommen kleinere Orte (småort) wie Dingelsundet, Edsgatan, Höja, Björby och Gräsås und Steffensminne. Diese umgebenden Orte liegen in einem Abstand von weniger als einem Kilometer zur städtischen Bebauungsgrenze. Ein bisschen weiter außerhalb (zwei bis drei Kilometer) befinden sich die Städte Skattkärr und Skoghall sowie Vidöåsen in der Hammarö-Gemeinde. Karlstad und die vier umliegenden Gemeinden Forshaga, Grums, Hammarö und Wedge bilden die Region Karlstad mit einer Bevölkerung von 133.207 Personen (2012).
Der größte Wasserlauf der Stadt ist der Klarälven, dieser mündet mit seinen acht Zweigen in Karlstad und dessen Umgebung in den Vänern. Direkt östlich der Stadt fließt neben dem Klarälven auch der Alster. Neben dem Vänern gibt es weitere größere Seen wie den Kroppkärrssjön, den Sundstatjärn und den Örsholmstjärn.
Klima Karlstad befindet sich im Bereich feucht-kontinentalen Klimas (nach Wladimir Köppen: Dfb). (direkt: Final Revised Paper; PDF; 1,7 MB)
Geschichte Vorgeschichte und „Tingvalla“ mini|links|Domarring von Dye mini|Karte von Karlstad sowie der Dom und das Rathaus (aus dem Nordischen Familienbuch) Es ist nicht sehr viel über die Vorzeit des Gebietes um Karlstad bekannt. Hauptsächlich liegt es darin begründet, dass große Teile der Landschaft bis zur Zeitenwende mit Wasser bedeckt waren. Man geht auf Grund makrofossiler Untersuchungen davon aus, dass die Landschaft, deren Zentrum Karlstad bildet, gegen Ende der skandinavischen Eisenzeit, im Jahr 1000, besiedelt wurde. Jedoch mangelt es für diese Zeit an physischen Überresten. Lediglich indirekt kann, durch nachweislichen massiven Holzeinschlag zur Nutzung des Deltagebietes als Weide, auf menschliche Nutzung geschlossen werden.
Hingegen sind für die Zeit des frühen Mittelalters (Vikingatiden, das ist die Wikingerzeit) Reste und Funde zu Tingvalla erhalten. Tingvalla war Karlstads Vorgängersiedlung und existierte als namengebender Platz zwischen 1290 und 1584, bis Karlstad durch König Karl IX. als Stadt mit Stadtrecht gegründet wurde und die Siedlung ihren heutigen Namen erhielt. Während des Mittelalters war Tingvalla ein bedeutender Handelsplatz, mehr als dreißig Dokumente aus der Zeit zwischen 1347 und 1520 belegen dies.
Laut Ortsnamenforschung bedeutet Ting Tingplatz, während vall für einen glatten, grasbewachsenen Platz steht. Die Bezeichnung des Ortes stammt vermutlich erst vom Ende der Eisenzeit. Zu Tingvalla gehört auch Lagberget (lagberg = Berg des GesetzesJohann Jakob Egli: Nomina geographica. Sprach- und Sacherklärung von 42000 geographischen Namen aller Erdräume. Friedrich Brandstetter, 2. Aufl. Leipzig 1893, S. 917). Dieser Name taucht in mehreren Büchern auf, erstmals im Jahr 1411.
Aus anderen Quellen ist bekannt, dass in Schweden und im Ausland mehrere Tingvallas existierten. Gemeinsam war den meisten, dass sich in der Nähe des Platzes auch Kirchen und Märkte befanden. Für Karlstad wird die erste Kirche im Jahr 1347 genannt. Zu diesem Zeitpunkt kam König Magnus Eriksson und hielt den Ting und eine Waffenschau. Durch die Lage am Vänern und dem Klarälven konnte die Insel Tingvalla (Tingvallaön) recht einfach erreicht werden. Die nachgewiesene Bebauung auf der Insel bestand jedoch nur aus wenigen Höfen.Martin Karlsson: Den Dolda Staden, S. 107.
Der Legende nach soll der norwegische König Olaf Haraldsson nach seiner Rückkehr aus Nowgorod über das Värmland und nördlich entlang des Klarälventals in das Trondelaggebiet zurückgekehrt sein. Nach seinem Tod und Beisetzung wurde er als Heiliger verehrt. Viele Pilger nahmen Tingvalla als Ausgangspunkt zur Reise nach Trondheim.Ove Moberg: Karlstads Historia. Fjärde Delen. S. 5.
Die Wirtschaft im schwedischen Königreich des 16. Jahrhunderts war schmalspurig, schwer zur kontrollieren und verstreut. Es war daher schwer sie zu besteuern. Im Vergleich zum restlichen Europa besaß Schweden nur wenige Städte, die zudem von geringer Bedeutung waren. Damit das Königshaus stärker in die Regionen eingreifen konnte, unter anderem um den Handel und die Steuern zu kontrollieren, wurden zwischen 1582 und 1680, beginnend mit der Vasa-Dynastie, mehrere Städte in Schweden gegründet. Darunter fällt auch die Gründung von Karlstad.Martin Karlsson: Den Dolda Staden, S. 108.
Gründung 1584 Zu Beginn der 1580er Jahre entschied sich Herzog Karl (der spätere König Karl IX.), dass Värmlands erste Stadt auf der Insel Tingvalla angelegt werden sollte. Im Jahr 1582 forderte er die Einwohner in seinem Herzogtum auf, att byggia en kiöpstadt wedt Tingvalla („zu bauen eine Handelsstadt bei Tingvalla“). Im selben Jahr tauchte auch das erste Mal der Name Karlstad in den herzoglichen Rechenschaften auf. Nach einigen Besuchen und Handelserlassen in der Folgezeit unterschrieb er am fünften November 1584 den Privilegsbrief für die neue Stadt. Zusätzlich erklärte der Herzog, dass zukünftige Veränderungen der Privilegien nur zur Verbesserung der Bevölkerung geschehen sollten.Ove Moberg: Karlstads Historia. Fjärde Delen. S. 8. Die erste Volkszählung aus dem Jahr 1585 der Stadt Karlstad verzeichnet 45 Haushalte mit den Namen der Hausherren.Ove Moberg: Karlstads Historia. Fjärde Delen. S. 9. Jeden Frühling war die Stadt von regelmäßigen Überflutungen betroffen.
17. und 18. Jahrhundert mini|Karlstad im 17. Jahrhundert, Stich aus Suecia antiqua et hodierna Auf Grund der kriegerischen Auseinandersetzungen mit Dänemark in den 1640er Jahren plante das Kriegskollegium in Stockholm aus Karlstad eine befestigte Stadt zu machen. Jedoch wurden diese Pläne nicht umgesetzt. In der Stadt wurden durch eine städtische Regulierungsverordnung mehrere Häuser abgerissen oder versetzt, Straßen kamen hinzu, wurden begradigt oder verschwanden ganz.Martin Karlsson: Den Dolda Staden, S. 66. Auch im Laufe des 18. Jahrhunderts fanden bautechnische Veränderungen statt, vor allem die Brände 1716, 1719 und 1752 führten zu Erweiterungen und Umgestaltungen. 1716 brannten 36 Höfe nieder. Der Brand 1719 traf die Stadt stärker. Dabei wurden die Kirche, das Rathaus, das Gymnasium, die Eisenwaage und 170 Höfe Opfer der Flammen. In der Nacht zum 22. Juni 1752, während eines trockenen und warmen Sommers, breitete sich vom Brauhaus erneut ein Feuer aus und erfasste zügig die ganze Stadt. Auch dieses Mal brannten Rathaus und Gymnasium ab, die Kirche blieb jedoch fast unbeschadet. Nur etwa 20 Gebäude, hauptsächlich kleine Häuser im südlichen Teil der Stadt blieben verschont.
Der Architekt Carl Hårlemalen erhielt nach dem Brand 1752 den Auftrag, einen neuen Stadtplan zu entwerfen. Er veränderte die Bebauungen nicht grundlegend. Das Rathaus und Gymnasium wurden nun modern und standesgemäß aus Stein errichtet. Die Bevölkerung entschied sich meist gegen Steinbauten und errichtete ihre Wohnhäuser wieder aus Holz, diese nun aber oft größer als zuvor und mit zwei Geschossen. Um einen ordentlichen Eindruck zu geben, wurde veranlasst, dass die Häuser rot gestrichen werden sollten. Das neue, aus Ziegeln gemauerte Rathaus entstand seit 1754 und wurde erst 1783 fertiggestellt.Martin Karlsson: Den Dolda Staden, S. 42.
Seit 1634 bildeten Närke und Värmland ein Län mit Örebro als Residenzstadt. Während des 18. Jahrhunderts erblühten die wärmländischen Werke, was einen Aufschwung der Region bedeutete. Der Gouverneur in Örebro erklärte im Jahr 1779, dass er nicht länger seine Pflichten in beiden Regionen Närke und Värmland erfüllen könne. Die Regierung beschloss noch im selben Jahr, dass Värmland, mit Ausnahme vom Bergbau in Karlskoga, von Närke getrennt wird und ein eigenes Län mit Karlstad als Residenzort bilden sollte.Ove Moberg: Karlstads Historia. Fjärde Delen. S. 59.
Nach 1865 mini|Karlstad in den 1860er Jahren Der Stadtbrand, der am Sonntagvormittag, dem 2. Juli 1865 in einer Bäckerei ausbrach, erfasste nacheinander fast alle Viertel und zerstörte beinahe alle Gebäude der Stadt.Ove Moberg: Karlstads Historia. Fjärde Delen. S. 99. Die Stadt wurde nach dem Brand im Jahr 1865 systematisch wieder aufgebaut. 1905 wurde in Karlstad der Vertrag von Karlstad unterzeichnet, der die Union von Schweden und Norwegen auflöste.
Stadtteil Haga Das Gebiet östlich des Kanals heißt Haga. Heute ist es ein zentraler Stadtteil von Karlstad, aber bis zum frühen 19. Jahrhundert wurde Haga dem Umland zugerechnet. Hier wuchsen Kleinindustrien, Handwerksbetriebe und kleinere Wohnungsbauten. Beim Hagatorget (Haga-Platz) wurde während des 20. Jahrhunderts das erste große Steinhaus errichtet, mit dem Namen Centralpalatset. Hier waren früher die Apotheke Beckasinen und Österbergs Eisenhandel (järnhandel) ansässig. Auf dem Hagatorget steht eine Statue des Fabrikanten Gustav Adolf Andersson, der hier wohnte. Dieser Mann legte den Grundstein für Karlstads Mekaniska Verkstad (KMV – Karlstads Mechanische Werkstatt), welche eine große Bedeutung für die Stadtentwicklung hatte.
Bevölkerung Am 31. Dezember 2011 wohnten in der Kommune Karlstad 86.409 Einwohner, der Stadtbereich hatte eine Bevölkerungsanzahl von 62.202 Einwohnern. Das Durchschnittsalter liegt bei 41,2 Jahren. Bei einer Landfläche von 1151 km² leben rund 75 Einwohner auf einem Quadratkilometer. Der Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund (außerhalb geboren bzw. beide Elternteile Migranten) liegt bei 12,9 %, also 11.142 Personen. Die zehn größten Gruppen von im Ausland geborenen Einwohnern im Jahr 2011 kommen aus dem Irak (1.293), Norwegen (840), Finnland (622), Iran (591), Bosnien-Herzegowina (410), Jugoslawien (357), der Türkei (303), Deutschland (299), Polen (281) und Thailand (230). Die Bevölkerungsentwicklung verlief seit Anfang der 1980er Jahre positiv. Zwischen 2003 und 2011 gab es immer einen Geburtenüberschuss innerhalb Karlstads.
Bildung Das Bildungsniveau der 20- bis 64-Jährigen im Jahr 2011 liegt leicht über dem Durchschnitt des Landes. Einen vorgymnasialen Abschluss haben 9,8 % der Bevölkerung, einen gymnasialen Abschluss 45,2 % und einen nachgymnasialen Abschluss 43,9 %, wobei die Frauen eindeutig öfter eine höhere Ausbildung abschließen.
Für Kinder im Alter zwischen einem Jahr und dem Schulbeginn bietet die Stadt in jedem Stadtteil die Betreuungseinrichtungen förskola (Vorschule) oder fritidshem an. Neben den kommunalen Einrichtungen übernehmen auch einige freie Einrichtungen die Betreuung. Darüber hinaus gibt es noch weitere pädagogische Pflegeversorgungen durch das Familjedaghem (Familientagesheim) und das Flerfamiljssystem (Mehrfamilienbetreuung).