mini|Zentraler U-Bahnhof Essen Hauptbahnhof; seit Umbau im Jahr 1998 mit blauem Licht
Die Stadtbahn Essen ist ein zur Stadtbahn Rhein-Ruhr gehörendes Schnellverkehrssystem in Essen. Einzelne Linien führen in die Nachbarstädte Mülheim an der Ruhr und Gelsenkirchen. Auf einigen unterirdischen Streckenabschnitten gibt es Mischbetrieb mit der Straßenbahn, die jedoch eine Spurweite von 1000 mm (Meterspur) besitzt, sodass dort Mehrschienengleise verlegt sind. Die Essener Stadtbahn wird, wie auch der übrige innerstädtische öffentliche Personennahverkehr in Essen, von der Ruhrbahn betrieben. An der Linie U 11 ist die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG als Mitkonzessionär beteiligt, trotzdem werden ausschließlich Essener Fahrzeuge eingesetzt. Auch dort, im Bereich der Haltestelle Gelsenkirchen-Horst, Buerer Straße, bestehen Mehrschienengleise.
Betrieb Zur Stadtbahn Essen gehören die drei normalspurigen Linien U 11, U 17 und U 18 auf einem Netz mit einer Streckenlänge von 19,6 Kilometern. Daneben verfügt Essen über eine klassische Straßenbahn mit sieben Linien auf rund 52,4 Kilometern Streckenlänge. Diese Straßenbahn verkehrt auf meterspurigen Gleisen und wird in der Innenstadt als U-Straßenbahn unterirdisch geführt. Sie nutzt dabei die vormals für den geplanten Stadtbahnbetrieb gebauten Tunnel und Bahnhöfe, die jedoch auf Niederflurfahrzeuge ausgerichtete Bahnsteige besitzen. Eine Ausnahme bildet die Südstrecke in Richtung Rüttenscheid, wo ein Mischbetrieb mit der U-Bahn (U 11) eine Sonderlösung erforderte.
Der viergleisige U-Bahnhof Essen Hauptbahnhof stellt den wichtigsten Kreuzungspunkt zwischen den drei Stadtbahn- und vier, zeitweise fünf Straßenbahnlinien dar. Dort ist ein bahnsteiggleicher Umstieg zwischen Stadtbahn und Straßenbahn möglich. Zu diesem Zweck sind die beiden unterschiedlich hohen Bahnsteighälften mit Stufen und Rampen ausgestattet. Die Belegung der Bahnsteige ist so angeordnet, dass von den Straßenbahnlinien aus Richtung Süden zu den Stadtbahnen Richtung Norden ein direkter Übergang besteht. Für ein barrierefreies Umsteigen in Gegenrichtung sorgen Aufzüge und eine Brücke, die den gesamten Bahnhof unterirdisch überspannt. Ansonsten nutzen Straßenbahn und Stadtbahn jedoch verschiedene Stationen. Lediglich Straßenbahnzüge der beiden Linien 108 und 107 befahren einen der südlichen Streckenabschnitte der Stadtbahn, von Essen Hauptbahnhof bis Martinstraße. Sie nutzten dabei die Hochbahnsteige der Stadtbahn, bis diese baulich in je einen Hochflurteil für die Stadtbahn sowie einen Niederflurteil für die Straßenbahn unterteilt wurden. Daher kamen auf diesen beiden Linien ältere Hochflur-Straßenbahnwagen mit Klapptrittstufen zum Einsatz, was seit dem Umbau nicht mehr nötig ist. Aufgrund der verschiedenen Spurweiten ist diese Strecke mit Drei-Schienen-Gleisen ausgerüstet.
Alle drei Stadtbahnlinien verkehren im gleichen Takt: Jede Linie wird während der Hauptverkehrszeiten im 10-Minuten-Takt, abends und an Wochenenden bzw. Feiertagen im 15-Minuten-Takt sowie spät abends im 30-Minuten-Takt befahren. Zu Messezeiten verkehrt die Linie U 11 auch an Wochenenden im 10-Minuten-Takt, zwischen Messe und Berliner Platz zuweilen auch im 5-Minuten-Takt. Der Betriebsschluss erfolgt auf allen drei Stadtbahnlinien – der Essener Konzeption von Tag- bzw. Nachtnetz folgend – gegen 23 Uhr.
Geschichte Während die erste Straßenbahn in Essen bereits 1893 in Betrieb ging, begannen die Planungen für eine teilweise im Tunnel geführte Stadtbahn erst Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg. Die ersten Vorlaufstrecken der heutigen Stadtbahn entstanden ab Anfang der 1960er Jahre, als Straßenbahngleise teilweise auf dem Mittelstreifen des Ruhrschnellwegs verlegt wurden, genau dort also, wo der Linienweg der heutigen U 18 verläuft. Dabei war eine unterirdische Stadtbahn zunächst gar nicht geplant. Die Baumaßnahmen an der Straßenbahnstrecke im Ruhrschnellweg wurden zeitgleich mit dem Ausbau des Ruhrschnellwegs selbst vorgenommen, da letzterer bis zu dieser Zeit nur drei Fahrstreifen sowie niveaugleiche Kreuzungen hatte und aufgrund der starken Verkehrszunahme nicht mehr leistungsfähig genug war. Im Zuge des Ausbaus wurden auch andere Möglichkeiten zur Führung eines öffentlichen Schnellverkehrsmittels auf dem Ruhrschnellweg diskutiert, darunter etwa Schnellbusse auf einer gesonderten Fahrspur. Letztendlich setzte sich die Variante der verkehrsunabhängigen Schnellstraßenbahn in Mittellage durch. So entstanden Teile der heutigen Essen-Mülheimer Strecke, die zunächst durch provisorische Ausfahrrampen mit dem übrigen Straßenbahnnetz verbunden waren.
Die Planungen für eine Unterquerung der – mit rund 1400 × 700 Metern recht kleinen – Innenstadt durch die dort zuvor an der Oberfläche verkehrende Straßenbahn begannen 1961. Auch hier bestanden primär Überlegungen, den hier bestehenden Straßenverkehr in diesem Bereich von der ihn ‚störenden‘ Straßenbahn zu entlasten. Die anfänglichen Lösungsvorschläge reichten von der Beibehaltung der Straßenbahn an der Oberfläche mit Schaffung einer neuen, zentralen Umstiegshaltestelle bis zur Schaffung eines reinen U-Bahn-Systems ähnlich dem in Berlin oder Hamburg. Aus unterschiedlichen Gründen einigte man sich darauf, eine unterirdische Straßenbahn mit Möglichkeit eines späteren Ausbaus zur Voll-U-Bahn zu errichten. Die Idee, sogleich ein reines U-Bahn-System zu schaffen, wurde aufgrund der in diesem Fall unmöglichen, jedoch aufgrund der bestehenden Fahrgastströme notwendigen Verknüpfung mit den Straßenbahnnetzen der benachbarten Städte des Ruhrgebiets verworfen.
mini|links|hochkant|Gleise der Modellstrecke Essen–Mülheim im Mittelstreifen des Ruhrschnellweges, das Gleis in der Mitte ist die Anbindung des Betriebshofes Schweriner Straße
Bald darauf wurde mit der konkreten Planung von Tunnelstrecken in der Innenstadt begonnen. Dabei erstreckten sich die Planungen simultan auch auf die Errichtung eines Schnellstraßentunnels für den Ruhrschnellweg unter der Innenstadt. Letztendlich setzte sich eine sogenannte Y-Lösung durch, die die Haltestelle Essen Hauptbahnhof als zentralen, viergleisigen Verknüpfungspunkt aller Linien sowie nördlich davon eine Verzweigung und drei Rampen vorsah. Die erste Baumaßnahme war 1964 die Errichtung der Station Planckstraße im Rohbau; hier wurde für einen späteren Zeitpunkt die Anbindung an die bestehende oberirdische Straßenbahnstrecke zur Margarethenhöhe vorgesehen. Die als erstes in Betrieb genommene U-Straßenbahn-Strecke war die am 5. Oktober 1967 eröffnete, 522 Meter lange innerstädtische Tunnelstrecke mit dem U-Bahnhof Saalbau. Dies war der Anfang für das gesamte U-Stadtbahn-Netz der Rhein-Ruhr-Region, da die Station Saalbau zugleich auch die erste Straßenbahn-Tunnelhaltestelle in Nordrhein-Westfalen war.
Östlich des Saalbaus (der heutigen Philharmonie) und südlich des noch nicht existierenden, aber geplanten Aalto-Theaters wurde 1969 mit dem Bau einer U-Bahn-Station samt einer Abstell-, Reparatur- und Wartungsanlage unter dem Stadtgarten begonnen. Die Strecke führt von der U-Bahn-Haltestelle Essen Hauptbahnhof unter der Huyssenallee entlang und biegt mit meterspurigen Gleisen nach Südosten zum Stadtgarten ab. In dem zweistöckigen Bauwerk sollte in der oberen Ebene der U-Bahnhof mit möglichem Namen Opernhaus oder Musiktheater entstehen, und darunter Raum für Fahrzeugwartung und -abstellung. Weitere Planungen, die eine Weiterführung der Strecke bis nach Kray vorsahen, wurden nicht umgesetzt, so dass der Tunnel unter dem Stadtgarten vor der geplanten, aber nicht gebauten Station endet.Marcus Schymiczek: Nächster Halt „Geister-U-Bahnhof“. In: WAZ Essen, 14. Juli 2016
Als nächster Bauabschnitt wurde die durchgehende Stadtbahnverbindung von Essen nach Mülheim auf dem Mittelstreifen des Ruhrschnellweges realisiert, an der, wie bereits erwähnt, teilweise schon in den 1960er Jahren gebaut wurde. Diese Strecke galt als Modellstrecke für die weiteren Stadtbahn-Bauvorhaben. Mit der am 28. Mai 1977 erfolgten Eröffnung einer knapp acht Kilometer langen, durchgehenden Verbindung zwischen Mülheim-Heißen und der Essener Innenstadt, einschließlich der U-Bahnhöfe Heißen Kirche auf Mülheimer Stadtgebiet sowie der U-Bahnhöfe Bismarckplatz, Essen Hauptbahnhof und Wiener Platz (heute Hirschlandplatz) in Essen, wurde die erste Stadtbahnstrecke des Netzes eröffnet, die vom Straßenverkehr völlig unabhängig trassiert war. Ebenfalls am 28. Mai 1977 ging auch die Stadtbahnstation Porscheplatz (heute Rathaus Essen) in Betrieb, die nur von Straßenbahnen bedient wurde (und nach wie vor wird). Die Inbetriebnahme der restlichen fünf Mülheimer U-Bahnhöfe folgte am 3. November 1979.
1981 wurde die Strecke der Linie U 17 zur Margarethenhöhe einschließlich des bereits in den 1960er Jahren im Rohbau errichteten U-Bahnhofs Planckstraße und der zugehörigen Rampe in Betrieb genommen. Dabei erhielten die Haltestellen an der Oberfläche zunächst Niedrigbahnsteige, die 2002 angehoben und in Mittellage versetzt wurden. Zugleich gingen die beiden U-Bahnhöfe Berliner Platz und Universität ans Netz; der erste als Endhaltestelle für die U 18 und der zweite für die U 17.
Die nächste Bauphase umfasste nun erstmals den Bau einer Tunnelstrecke in die Essener Außenbezirke, und zwar die sogenannte Südstrecke von der bestehenden Station Saalbau in Richtung Messe/Gruga bzw. Bredeney. Diese Strecke wurde bis zum U-Bahnhof Martinstraße für den gemeinsamen dreischienigen Betrieb von Stadtbahn und Straßenbahn eingerichtet; südlich jener Station verzweigen sich die meterspurigen und die normalspurigen Gleise. Hier entstanden vier U-Bahnhöfe für die U 11 sowie südlich der Verzweigung die Straßenbahn-Tunnelstation Florastraße. 1986 wurde der Verkehr aufgenommen.
mini|Station Karlsplatz, Baujahr 2001
Als bislang letzter Bauabschnitt kam der nördliche Außenast, in zwei Etappen ausgeführt, hinzu. 1998 wurde der Tunnel von der Station Universität Essen bis Altenessen Bahnhof fertiggestellt, drei Jahre später folgte der Abschnitt bis Karlsplatz und weiter bis zur Rampe II. Schichtstraße. Die Linie U 11 endete am Karlsplatz, während die U 17 weiter bis Gelsenkirchen verkehrte, wobei der oberirdische Abschnitt nördlich von Karlsplatz bis 2001 auf Basis einer früheren Straßenbahnstrecke für den normalspurigen Stadtbahnbetrieb ausgebaut wurde. Die Gelsenkirchener Strecke der U 17 endete von 2001 bis 2004 an der Haltestelle Fischerstraße, 2004 wurden zusätzliche zwei Stationen (Schloss Horst und Buerer Straße) in Gelsenkirchen in Betrieb genommen. Seit Januar 2010 verkehrte die Linie U 11 bis Gelsenkirchen Buerer Straße und ersetzte dort die Linie U 17, die nur noch bis zum Berliner Platz verkehrte. Die Linie U 18 wurde zu diesem Zweck zur „Einkaufslinie“ und fuhr bis Karlsplatz. Seit September 2011 verkehrt die Linie U 11 bis Gelsenkirchen Buerer Straße, die Linie U 17 ersetzt die U 18 bis Karlsplatz. Die „Einkaufslinie“ U 18 verkehrt seit September 2011 zwischen Mülheim Hauptbahnhof und dem Berliner Platz in Essen.
Linien und Stationen Das Essener Stadtbahn-System umfasst eine unterirdische Stammstrecke im Zentrum sowie vier Außenäste, die jeweils von einer, stellenweise auch von zwei Linien befahren werden. Bei der Stammstrecke handelt es sich um den Abschnitt zwischen Essen Hauptbahnhof und Berliner Platz, den alle drei Linien bedienen. Der nördliche Abschnitt zwischen Berliner Platz und Karlsplatz wird von den Linien U 11 und U 17 befahren. Die Strecke zwischen den Stationen Essen Hauptbahnhof und Bismarckplatz wird von den Linien U 17 und U 18 bedient, auf den übrigen Strecken verkehrt jeweils nur eine Linie.
Die Linien im Einzelnen