Altdorf (in einheimischer Mundart (z/uf) Alteref [])Gabrielle Schmid: Altdorf UR (Uri) in: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon_der_schweizerischen_Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, S. 85; angegebene Lautschrift: [].Altdorf unter ortsnamen.ch; angegebene Lautschrift: ts, uf ạ̄́ɫtərəf; á̫ɫtərəf. Hans Stadler: Altdorf (UR) im Historischen Lexikon der Schweiz. ist eine Einwohnergemeinde und der Hauptort des Schweizer Kantons Uri.
Geographie
Der Ortskern von Altdorf liegt auf in der Reussebene, wenig oberhalb der Mündung der Reuss in den Urnersee.
Zur Gemeinde gehört neben dem Dorf auch die Streusiedlung Eggberge (1410–) am Westhang der Höch Egg ().
235 ha oder 23,0 % der Gemeinde sind Siedlungsfläche. Davon sind 116 ha Gebäude- und 27 ha Industrieareal sowie 69 ha Verkehrsfläche. Etwas umfangreicher ist die Landwirtschaftsfläche mit 367 ha oder einem Anteil von 35,9 %. Darunter befinden sich keine Alpgebiete. Dagegen sind 360 ha Wies- und Ackerland. Ausserdem sind 402 ha oder 39,3 % von Wald und Gehölz bedeckt. Unproduktives Gebiet umfasst den kleinen Rest des Gemeindegebiets, genauer 19 ha oder 1,9 %.
Die westliche Gemeindegrenze bildet die Reuss. Kurz vor ihrer Einmündung in den Urnersee dreht die Gemeindegrenze nach Nordosten, umschliesst in einem Halbrund die Streusiedlung Eggberge und geht zur Höch Egg. Von dort verläuft sie in südlicher Richtung bergab bis kurz vor den Schächen(-Bach) und schliesslich nördlich des Bachs in westlicher Richtung zurück zur Reuss. Durch die Gemeinde fliesst der Altdorfer Dorfbach.
Altdorf grenzt im Westen an Attinghausen und Seedorf, im Norden an Flüelen, im Osten und Süden an Bürglen. Mit diesen und weiteren Gemeinden bildet Altdorf eine Agglomeration, die Ende 2019 32'515 Einwohner zählte.
Klimatabelle
Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung Die Einwohnerzahl erreichte um die Mitte des 18. Jahrhunderts die Marke von 3000 Personen. Mit der Helvetischen Revolution von 1798 erlebte Altdorf eine Reihe empfindlicher Rückschläge. Zum einen gingen damals die Untertanengebiete verloren und die Konkurrenzsituation im Transitverkehr spitzte sich markant zu. Zum anderen wurde Altdorf 1799 Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen Urnern, Franzosen, Österreichern und Russen. Einquartierungen, Requisitionen und Plünderungen führten zu gewaltigen Belastungen. Katastrophal war der Altdorfer Dorfbrand vom 5. April 1799, der den Hauptflecken innert Stunden in Schutt und Asche legte. Teile der Bevölkerung verliessen Altdorf und liessen sich in Nachbargemeinden nieder. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stagnierte die Einwohnerzahl. Danach wuchs sie bis 1880 stark an (1850–1880: +37,6 %). In den 1880er-Jahren schrumpfte sie infolge der Wirtschaftskrise und dem darauf folgenden Einbruch des weit verbreiteten Heimgewerbes massiv um 12,5 %. Zwischen 1888 und 1920 folgte ein grosser Wachstumsschub (1888–1920: +63,8 %). Gründe hierfür waren der Anschluss an die Bahn (Gotthardlinie) und die Ansiedlung von Industriebetrieben wie der Munitionsfabrik Altdorf und den Schweizerischen Draht- und Gummiwerken. Nach einer Stagnationsphase in den 1920er-Jahren kam es zwischen 1930 und 1970 zu einem erneuten Wachstumsschub (1930–1970: +103,9 %). Damals verdoppelte sich die Bevölkerungszahl. Viele Leute aus dem oberen Kantonsteil und aus dem Ausland wanderten in dieser Zeit zu. In der Zeit der Erdölkrise in den 1970er-Jahren verliessen etliche ausländische Bewohner den Ort; zwischen 1970 und 1980 musste Altdorf einen Bevölkerungsverlust von 4,8 % hinnehmen. Seit den 1990er-Jahren ist wieder ein stetiges Bevölkerungswachstum zu beobachten.
Der Bahnhof Altdorf wurde zum Kantonsbahnhof Uri umgebaut und an die Neue Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) angeschlossen. Die Eröffnung des neuen Bahnhofs war zum Fahrplanwechsel im Dezember 2021, er soll Uri als Wohnkanton attraktiver machen.
Bevölkerungsentwicklung Jahr 1837 1850 1880 1888 1920 1930 1950 1970 1980 1990 2000 2005 2010 2015 2020 2023 Einwohner 1903 2112 2906 2542 4163 4240 6576 8647 8230 8282 8541 8615 8861 9203 9565 10198
Sprachen Fast die gesamte Einwohnerschaft spricht als tägliche Umgangssprache Schweizerdeutsch (mit Urner Dialekt), eine Mundart, die zur höchstalemannischen Dialektgruppe gehört. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 88,27 % Deutsch, 4,20 % Serbokroatisch und 2,48 % Italienisch als Hauptsprache an.
Religionen – Konfessionen Die Bevölkerung war früher vollumfänglich Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Die Konfessionsverhältnisse im Jahr 2000 lassen immer noch die ursprüngliche Struktur erkennen. 6701 Personen waren katholisch (78,46 %). Daneben gab es 7,19 % evangelisch-reformierte und 3,56 % orthodoxe Christen, 4,50 % Muslime und 2,96 % Konfessionslose. 221 Personen (2,59 %) machten keine Angaben zu ihrem Glaubensbekenntnis.
Herkunft – Nationalität Von den Ende 2021 9719 Bewohnern waren 8116 (83,51 %) Schweizer StaatsangehörigeBundesamt für Statistik, Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geburtsort und Staatsangehörigkeit. Die Zugewanderten stammen mehrheitlich aus Mittel- und Westeuropa (Deutschland 265, Ungarn 49, Österreich 39, Niederlande 23, Polen 15, Slowakei 14 und Tschechien 11 Personen), Südeuropa (Italien 207, Portugal 137 und Spanien 21 Personen), dem ehemaligen Jugoslawien (Serbien 86, Kroatien 83 sowie Bosnien-Herzegowina und Kosovo/Kosova je 23 Personen), der Türkei (114 Personen), Asien (China 67, Afghanistan 48, Syrien 22, Sri Lanka 21 sowie Thailand 11 Personen) und Afrika (Eritrea 96 und Somalia 19 Personen). Bei der Volkszählung 2000 waren 7145 Personen (83,66 %) Schweizer Bürger; davon 274 Personen mit einer doppelten Staatsbürgerschaft.
Altersstruktur Die Gemeinde zählt einen hohen Anteil an Personen mittleren Alters (30–59 Jahre; 41,48 %). Der Anteil der Personen unter zwanzig Jahren von 22,71 % der Ortsbevölkerung liegt leicht unter dem Anteil der Personen im Seniorenalter (60 Jahre und älter; 23,25 %). Auffallend ist die geringe Anzahl der Bewohner im Schulalter und der hohe Anteil von jüngeren Senioren zwischen 60 und 79 Jahren.
Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 ergab sich folgende Altersstruktur:
Alter 0–6 Jahre 7–15 Jahre 16–19 Jahre 20–29 Jahre 30–44 Jahre 45–59 Jahre 60–79 Jahre 80 Jahre und älter Anzahl 646 896 398 1072 1935 1608 1497 489 Anteil 7,56 % 10,49 % 4,66 % 12,55 % 22,66 % 18,83 % 17,53 % 5,73 %
Politik Legislative Gesetzgebendes Organ der Gemeinde Altdorf ist der Schweizer Kanton Uri. Die offene Dorfgemeindeversammlung, welche zweimal jährlich stattfindet, regiert die örtlichen Verwaltungsapparate und regelt regionale Aufgaben.
Exekutive Als ausführendes Organ (Exekutive) leitet der siebenköpfige Gemeinderat die Geschicke der Gemeinde. Vorsteher des Gemeinderates (Gemeindepräsident) ist Sebastian Züst (SP). Dem Gemeinderat gehören ferner an: Ruedi Bomatter (Gemeindevizepräsident, CVP-Die Mitte), Marlies Rieder-Dettling (Verwalterin, CVP-Die Mitte), Lorenz Jud (FDP.Die Liberalen), Werner Walker (FDP.Die Liberalen), David Arnold (CVP-Die Mitte) und Marian Balli (SP) (Stand März 2025).
Städtepartnerschaften Altdorf UR unterhält eine informelle Städtepartnerschaft mit: Altdorf bei Nürnberg, Deutschland Die Kontakte gehen auf die Schweizer Nachkriegshilfe zugunsten der notleidenden Bevölkerung zurück und bestehen seit 1947. Weitere Berührungspunkte sind die Schiller-Festspiele (Wallenstein-Festspiele in Altdorf bei Nürnberg, Tellspiele in Altdorf UR) und das nahezu identische Wappen.
Wappen und Fahne Beschreibung: Gespalten von Gelb mit halbem, rotbewehrtem und -gezungtem schwarzem Adler am Spalt und von Rot mit zwei weissen Linksschrägbalken.
Wirtschaft In Altdorf gibt es 769 Arbeitsstätten mit insgesamt 6681 Beschäftigten (5091 Vollzeitäquivalente). Davon entfallen 4671 Beschäftigte bzw. 69,9 % auf den Dienstleistungsbereich. 1901 Personen bzw. 28,5 % der Beschäftigten sind in Industrie und Gewerbe tätig, während auf die Land- und Forstwirtschaft noch 109 Beschäftigte (1,6 %) entfallen.
Die wichtigsten Arbeitgeber sind die Dätwyler AG, die Kantonale Verwaltung und das Kantonsspital Uri. Rund 38 % aller Arbeitsstellen im Kanton werden in Altdorf angeboten.
2078 Personen verrichten ihre Arbeit als Wegpendler ausserhalb von Altdorf, grösstenteils in anderen Gemeinden des Kantons Uri. Umgekehrt wurden 2014 in Altdorf 3688 Zupendler gezählt.Statistik der Unternehmensstruktur, BFS, 2012.
Geschichte
Einzelfunde auf dem Gemeindegebiet von Altdorf gehen bis in die Bronzezeit zurück und häufen sich ab der späten La-Tène-Zeit. Die Anwesenheit von Alemannen ist für das 7. Jahrhundert nachgewiesen. Die früheste Erwähnung des Orts als Alttorf stammt aus dem Jahr 1223; der Ortsname ist allem Anschein nach eine Zusammensetzung aus den Wörtern alt und dorf und könnte darauf hinweisen, dass zur Zeit der alemannischen Einwanderung schon eine geschlossene Siedlung bestand. Altorf ist eine frühere Schreibweise.
Altdorf brannte 1400, 1693 und 1799 ganz oder teilweise nieder. Eine Darstellung aus dem letztgenannten Jahr zeigt, wie französische Soldaten löschen helfen, während regierungsfeindliche Bauern rauchend zuschauen, wie 390 Gebäude zerstört werden und ein Schaden von 3 Millionen Gulden entsteht.Johann Georg Heinzmann: Kleine Schweizer-Chronik. 2. Theil, Bern 1801, S. 657–662 (); Anton von Tillier: Geschichte der helvetischen Republik […]. 1. Band, Chr. Fischer, Bern 1843, S. 262–264 (); Karl Franz Lusser: Leiden und Schicksale der Urner, während der denkwürdigen Revolutionszeit […]. Franz Xaver Z’Graggen, Altdorf 1845, S. 95–103 (). Nach dieser Katastrophe wurde das Rathaus von Uri 1805/08 durch Architekt Niklaus PurtschertHans Muheim: Das Rathaus von Uri in Altdorf (= Schweizerische Kunstführer, Nr. 463). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1995, ISBN 978-3-85782-463-0. neu erbaut.
1899 wurde die Klausenpassstrasse eröffnet, die von Altdorf aus durch das Schächental und über den Klausenpass (1948 m) nach Linthal im Kanton Glarus führt.
Laut Friedrich Schillers Schauspiel Wilhelm Tell war Altdorf der Schauplatz des legendären Apfelschusses: Weil der Freiheitsheld sich weigert, den Hut des Landvogts Gessler zu grüssen, zwingt ihn dieser, einen Apfel vom Kopf des eigenen Sohnes zu schiessen. Dies soll sich auf dem Altdorfer Marktplatz ereignet haben, wo deswegen 1895 am Fusse eines alten Turms (Türmli) das Telldenkmal errichtet wurde, das Tell und seinen Sohn in Bronze zeigt. Die Tellspiele wurden 1823 zum ersten Mal aufgeführt. 1898 entstand die «Tellspielgesellschaft Altdorf» und 1899 wurde in der Nähe des Telldenkmals das Tellspielhaus eröffnet mit dem alleinigen Zweck, Schillers Stück aufzuführen.
Historische Ansichten
Kultur
Theater Altdorf verfügt über zwei öffentliche Theater sowie über mehrere Theatergruppen: theater(uri) Tellspielhaus Altdorf: Das theater(uri) stammt aus der Zeit um 1865 und diente bis 1924 als Gemeindehaus. 1925 wurde es auf die heutige Grösse zum Tellspielhaus Altdorf erweitert. Primär stand die Aufführung des Schauspiels Wilhelm Tell von Friedrich Schiller im Vordergrund. 1999 ging das theater(uri) ins Eigentum der Gemeinde Altdorf über. Diese übertrug den Betrieb des Hauses dem forum theater(uri). Dieses ist heute die grösste Kulturstätte des Kantons und nimmt in der Zentralschweizer Kulturszene einen wichtigen Platz ein. Kellertheater im Vogelsang: Kleintheater, gegründet 1969. In zwei alten Kellergewölben finden Veranstaltungen diverser Stilrichtungen statt. Die Saison dauert von September bis Juni und umfasst 25 bis 30 Anlässe.