Helfer vor Ort (HvO), auch Sanitäter vor Ort (SanvO), in Bayern offiziell Ersthelfergruppen bzw. örtliche Einrichtungen organisierter Erster HilfeBayerisches Staatsministerium des Inneren – Ersthelfergruppen in Bayern, in Hessen Voraus-Helfer, in Nordrhein-Westfalen Notfallhelfer genannt, sind eine Ergänzung der Rettungskette. Es sind mindestens in erweiterter Erster Hilfe und i. d. R. grundlegend sanitäts- oder rettungsdienstlich ausgebildete Personen, die bei Notfällen die Zeit bis zum Eintreffen eines Rettungsmittels mit qualifizierten basismedizinischen Maßnahmen überbrücken sollen.

Nicht zu verwechseln mit dem allgemeinen Begriff Ersthelfer, engl. First Responder (FR). Dieser bezeichnet jeden, der zufällig bei einem Unfall anwesend ist und Hilfe leistet.

Im Englischen sind die Bezeichnungen Emergency Medical Responder, Emergency First Responder, Medical First Responder, Ambulance First Responder und Certified First Responder gebräuchlich.

mini|hochkant|Magen David Adom (MDA) Erstversorgungsroller in der Altstadt von Jerusalem

Begriff In Deutschland wurde der Begriff „Certified First Responder“ zunächst meist nur von Feuerwehren verwendet. Inzwischen ist er aber auch bei Hilfsorganisationen verbreitet, dort wird jedoch auch der deutschsprachige Begriff „Helfer vor Ort“ benutzt. Die Bedeutung ist im deutschsprachigen Raum synonym, was einen Unterschied zum angloamerikanischen Raum darstellt, wo Certified First Responder teilweise höher qualifiziert sind als die meisten Helfer vor Ort. Es gibt auch die Bezeichnung „Sanitäter vor Ort“ (SanvO). Hiermit soll deutlich gemacht werden, dass das eingesetzte Personal eine geregelte sanitätsdienstliche Ausbildung absolviert hat und die Hilfeleistungen ein Niveau deutlich oberhalb der Laienhilfe erreichen (das ist bei den anderen Bezeichnungen auch so, nur wird es nicht durch den Begriff betont).

Das Bayerische Staatsministerium des Inneren benennt die Helfer vor Ort als Ersthelfergruppen bzw. örtliche Einrichtungen organisierter Erster Hilfe. In Hessen gibt es inzwischen die offizielle Bezeichnung Voraus-Helfer und das Hessische Sozialministerium gibt Empfehlungen zur Ausbildung sowie persönlicher Eignung heraus.Hessisches Sozialministerium Empfehlungen für Voraus-Helfer-Systeme (First-Responder-Systeme) 2011 (PDF; 28 kB) In Nordrhein-Westfalen werden die Helfer vor Ort offiziell als Notfallhelfer bezeichnet, was nicht absolut deckungsgleich mit der gleichnamigen Malteser-Ausbildung ist.Notfallhelfer-Ausbildung in NRW

Im militärischen Sprachgebrauch etabliert sich der englische Begriff „first responder“ ebenfalls zunehmend. So existieren für Soldaten der Bundeswehr verschiedene Ausbildungsstufen der sogenannten Einsatzersthelfer und Combat First Responder, also für besonders sanitätsdienstlich geschultes Personal, das als erstes bei einem (poly)traumatisierten Soldaten eintrifft oder bereits vor Ort ist.

Aufgaben Der Helfer vor Ort leistet qualifizierte Erste Hilfe, erkundet die Lage, gibt eine qualifizierte Meldung an die Rettungsleitstelle, weist die Rettungsmittel ein, überbrückt das hilfeleistungsfreie Intervall bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes, unterstützt gegebenenfalls die Rettungskräfte, dokumentiert den Einsatz.

Sinn und Zweck Helfer vor Ort (HvO) und Sanitäter vor Ort (SanvO) sollen das Zeitintervall zwischen der Disposition eines Notfalls durch die Leitstelle und der ersten medizinischen Versorgung verkürzen. Der Zeitraum zwischen dem Ereignis bis zum Eintreffen der Rettungskräfte wird Therapiefreies Intervall genannt. Je schneller qualifizierte Maßnahmen durchgeführt werden, desto günstiger ist der Heilungsablauf und umso kürzer ist im Durchschnitt die nachfolgend notwendige Behandlungszeit.

Das Kammerflimmern ist eine häufige Form des Kreislaufstillstands. Man geht davon aus, dass mit jeder Minute, in der ein Kammerflimmern nicht mit einer Herz-Lungen-Wiederbelebung behandelt wird, die Chancen für eine erfolgreiche Genesung um zehn Prozent sinken. Nach bereits sechs bis acht Minuten treten schwere irreversible Schäden am Hirn auf, verursacht durch fehlende Sauerstoff- und Glukoseversorgung. Bei einem Herzstillstand mit Kammerflimmern ist die Anwendung eines Defibrillators für die Wiederbelebung geboten. Da das Absetzen des Notrufs und die Vermittlung in der Rettungsleitstelle zwei Minuten in Anspruch nimmt, und zusätzlich die Hilfsfrist bis zu zwölf Minuten betragen kann, erreichen die Einsatzkräfte eines Rettungswagens möglicherweise erst 14 Minuten nach dem Eintritt eines Kammerflimmerns den Patienten um einen Defibrillator einzusetzen. Je länger das Therapiefreie Intervall bis zur Reanimation mit dem Einsatz eines Defibrillators, desto größer die Gefahr, dass der Patient ein schwerer medizinischer Pflegefall wird.

Eine Reanimation könnte aber von einem Helfer vor Ort oder einem Sanitäter vor Ort mit entsprechender Ausrüstung schon nach wenigen Minuten eingeleitet werden. Im Fall des Herzstillstands mit Kammerflimmern ist dies vor allem ein automatischer externer Defibrillator. Durch die Verkürzung der Hilfsfrist können viele Patienten selbst nach einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall vollständig genesen. Bei Unglücken und Unfällen ist der Sanitäter vor Ort außerdem verantwortlich für eine konkretere Einschätzung der Lage am Unglücksort und kann über BOS-Funk oder mit einem Mobilfunktelefon Einsatzkräfte nachfordern, so dass eine effektivere Vermittlung der Hilfe möglich ist.

Ursprung Entstanden ist diese Einrichtung aus der Erkenntnis, dass der organisierte Rettungsdienst oft zu lange zum Einsatzort benötigt, um schwere gesundheitliche Schäden von Notfallpatienten abzuwenden, allerdings die mangelnde Notfallhäufigkeit in diesem Gebiet die Einrichtung einer zusätzlichen Rettungswache nicht rechtfertigt.

Hintergrund ist wohl auch die Tatsache, dass in vielen meist ländlichen Bereichen bereits ehrenamtliche Hilfskräfte verschiedener Hilfsorganisationen und Gruppierungen vor Ort etabliert sind. So kam und kommt es immer wieder auch vor, dass ein Hilfesuchender einen ortsbekannten qualifizierten ehrenamtlichen Helfer einer Hilfsorganisation oder Feuerwehr privat durch das Telefon kontaktierte. Dieser kam dann im Rahmen seiner erweiterten Hilfeleistungspflicht an den Notfallort – natürlich nicht ohne die zuständige Rettungsleitstelle über das Geschehen zu informieren. Diese Bürgerhilfe wurde und wird natürlich von den Rettungsleitstellen nicht unkritisch gesehen, weil dabei der Einsatz nicht von Anfang an unter deren Koordination verläuft. Andererseits ist dieses Verhalten der Bürger im akuten medizinischen Notfall aber auch sehr verbreitet und nachvollziehbar.

Besonders in den USA mit ihren großen und vergleichsweise dünn besiedelten Flächenlandkreisen wurden die örtlichen Strukturen und die Verfügbarkeit von organisierten Kräften in Form von Freiwilliger Feuerwehr und Streifenwagen der Polizei bereits früh genutzt, um die ersten Maßnahmen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes mit sehr langen Anfahrtszeiten zu übernehmen. Auch Mitglieder der American Women’s Voluntary Service Organization waren als Helfer tätig.

Aus ähnlichen Gründen entstanden auch in Deutschland Vorläufer in der Anfangszeit des Rettungsdienstes moderner Prägung Anfang der 1970er Jahre: Der Rettungsdienst war damals noch nicht in dem Maße ausgebaut wie heute – oft war die örtliche Freiwillige Feuerwehr lange alleine am Unfallort tätig und bat deshalb Mitglieder einer örtlichen Hilfsorganisation mit auszurücken. Die Alarmierung war oft sehr langwierig, da weder tragbare Funkmeldeempfänger noch ausreichend Telefone verfügbar waren. Mit der Verkürzung der rettungsdienstlichen Hilfsfristen wurde dieses Konzept dann bedeutungslos.

Erst Mitte der 1980er Jahre wurden zunehmend ehrenamtliche Einheiten des Katastrophenschutzes mit tragbaren Funkmeldeempfängern ausgerüstet. Es lag nahe, diese Möglichkeit auch für eine schnelle Hilfe vor Ort einzusetzen. Dies bedeutete, dass man nicht mehr nur für den imaginären Not- oder Katastrophenfall übte, sondern die erworbenen und eingeübten notfallmedizinischen Fertigkeiten und das Wissen aktiv für die Erstversorgung von Notfallpatienten einsetzen konnte.

In Deutschland etablierten sich Mitte der 1980er Jahre die ersten Einrichtungen dieser Art. Über ein Pilotprojekt beim DRK Kreisverband Karlsruhe e. V. wurde in der Fachzeitschrift „Rettungsdienst“ im Jahr 1987 berichtetFertig B., Fien H., Mehmel HC., Törpisch P., Trübenbach T., "EPM Pilotprojekt", in Zeitschrift "Rettungsdienst", Stumpf & Kossendey-Verlag Edewecht, Ausgabe 10/1987, Seite 547ff. Nach diesem Vorbild gründete die BRK-Ortsgruppe Glonn im Jahr 1988 ein „Erste-Hilfe-Team“, dieses besteht ununterbrochen als „Helfer vor Ort“ noch heute.

Im Jahr 1993 unternahm der DRK-Ortsverein Rheinstetten-Mörsch e. V. mit den damals sogenannten „Schnelleinsatzteams“ einen weiteren erfolgreichen Pilotversuch moderner Prägung in Deutschland, der in einer Fachzeitschrift 1995 publiziert wurde.

Im Norden Deutschlands wurde durch eine private Initiative, angeregt durch mehrere Besuche in den USA in den Jahren 1992 bis 1995, ebenfalls eine der ersten First-Responder-Organisationen Deutschlands gegründet.

Ab Mitte der 1990er Jahre verbreitete sich diese Art der Hilfeleistung dann sehr weitflächig. So waren z. B. allein im Rettungsdienstbereich Karlsruhe im Jahr 2005 60 First-Responder-Gruppen bei der Rettungsleitstelle einsatzbereit gemeldet und wurden regelmäßig zu Einsätzen alarmiert.

Gründe dafür sind: Die Alarmierungsmittel waren mittlerweile geeignet und vorhanden (seit Anfang der 1990er: weitgehend Umstellung von Sirenenalarm auf Funkmeldeempfänger, Verfügbarkeit von Mobiltelefonen). Die Idee wurde anerkannt, einige Pilotprojekte konnten gute Ergebnisse vorweisen. Die rechtlichen Gegebenheiten wurden nach kontroversen Diskussionen weitgehend geklärt (z. B. Versicherungsschutz, Fahrzeuggenehmigungen). Die Feuerwehren (als größte Einsatzorganisation) erkannten die Gelegenheit, gerade für wenig beanspruchte Einheiten in abgelegenen Gebieten eine interessante Einsatzmöglichkeit für engagierte Helfer zu schaffen. Auch die Hilfsorganisationen entdeckten diese Einrichtung als motivierenden und nützlichen Dienst für ihre Ortsverbände.

Heute ist das System anerkannt.

Organisation Die Organisation ist nicht einheitlich geregelt, sie beruht auf dem freiwilligen Engagement der Hilfsorganisationen, die sie stellen. Aus diesem Grund gibt es keine übergreifend einheitlichen Ausstattungs- oder Ausbildungsvorschrift für diesen Dienst (organisationsinterne Regelungen gibt es jedoch sehr wohl, in Nordrhein-Westfalen gibt es eine Empfehlung des Landesfachbeirates für die organisierte Notfallhilfe). Häufig sind dienstfreie ehren- und hauptamtliche Rettungsdienstmitarbeiter dabei tätig.

Es gibt verschiedene alternative Merkmale der unterschiedlichen Organisationsformen: Status:ehrenamtliche Kräfte, selten hauptamtliches Personal (wie z. B. Berufsfeuerwehr und Polizei, die oft in der Öffentlichkeit unterwegs sind)Alarmierung:Funkmeldeempfänger, (Mobil-)TelefonDurchführende:Hilfsorganisationen, Feuerwehr, Technisches HilfswerkPersonalstärke:eine oder mehrere Personen, die gleichzeitig alarmiert werden; davon gehen maximal 3 zum Patienten vor, die übrigen halten sich bereitFahrzeug:Privat- oder Dienst-Kfz: Pkw, Motorrad, Mannschaftstransportfahrzeug, Löschfahrzeug oder Rettungs-/KrankentransportwagenFahrzeugstandort:beim diensthabenden Helfer (zu Hause, am Arbeitsplatz), Fahrzeughalle oder Wache

Alarmierung Alarmiert wird die Einrichtung durch die zuständige Leitstelle per SMS, Alarmierungsapp auf Smartphone oder Funkmeldeempfänger.

Einsatzindikation