miniatur|Logo der Dr. Dietz & Ritter GmbH aus einer Werbung für Rundfunkempfänger aus den 1930er JahrenLogo entnommen aus Werbebroschüren (PDF) Jogis Röhrenbude
Die Körting Radio Werke GmbH war ein Hersteller von Rundfunk- und Fernsehgeräten mit Sitz in Grassau im Chiemgau. Ihre Ursprünge gingen auf ein 1889 gegründetes Leipziger Beleuchtungsunternehmen zurück, mit dessen Kapitalbeteiligung 1925 das Unternehmen Dr. Dietz & Ritter gegründet wurde, das 1932 mit dem Bau von Rundfunkempfängern unter der Marke Körting begann. Oft gerühmt für die hohe Qualität seiner Produkte, gehörte Körting auch zu den Pionieren des Farbfernsehens in Deutschland.
Von 1954 bis 1978 war Körting Hauslieferant des seinerzeit bedeutenden Neckermann-Versandes. Danach wurde das Unternehmen von dem jugoslawischen Haushaltsgerätehersteller Gorenje übernommen. Nach dem Bankrott des daraus entstandenen Unternehmens 1983 wurde die Marke Körting noch in diversen osteuropäischen Ländern für einige Haushaltsgeräte verwendet.
Geschichte Unternehmensgründung in Leipzig miniatur|hochkant|Signet von Körting & Mathiesen (ca. 1920)
Die Bogenlampenfabrik Körting & Mathiesen Im Jahr 1889 gründeten Max Körting und Wilhelm Mathiesen die Bogenlampenfabrik Körting & Mathiesen AG in Leipzig. Das Unternehmen zog später nach Leutzsch vor den Toren der Stadt um. 1901 firmierte das Unternehmen zur Lichttechnischen Spezialfabrik Körting & Mathiesen AG um. 1914 wurde „Kandem“ als Markenname gewählt. Der Betrieb war damals bereits international aufgestellt und hatte beispielsweise eine Vertretung in New York. Zu den Produktdesignern gehörte die Bauhauskünstlerin Marianne Brandt, deren Lampenentwurf für eine Kandem-Tischlampe in zwei Größen, die sie 1928 gemeinsam mit Hin Bredendieck entwickelt hatte, zum Design-Klassiker wurde. Auch weitere Kandem-Leuchten gingen auf Brandt zurück.Sabine Grunwald: bauhausleuchten? KANDEMLICHT! Eine erhellende Ausstellung. gastbeitrag vom 6. Mai 2003 auf AVIVA-Berlin.de, abgerufen am 1. Mai 2020.
1946 wurde das Unternehmen enteignet, das Werk wurde demontiert und als Reparationsleistung in die Sowjetunion verbracht. 1948 stellte der Sohn des Gründers Fritz Körting, der seit 1930 im Vorstand war, das Unternehmen als Kandem – Apparate- und Leuchtenbau GmbH, die heute zum Philips-Konzern gehört, in Limburg an der Lahn neu auf.
Marktführend war die Körting & Mathiesen AG bei der Herstellung von Bogenlampen für Straßenbeleuchtungen. Ab 1923 begann sie außerdem mit der Fertigung von Kleintrafos, Drosselspulen und Stromversorgungsgeräten für die Funk- und Rundfunktechnik.
Dr. Dietz & Ritter – Fabrik für Radio-Erzeugnisse und Transformatoren Mit Beteiligung von Körting & Mathiesen gründeten 1925 zwei vormalige Mitarbeiter des Unternehmens, der Kaufmann Oswald Ritter und der Techniker Wilhelm Dietz, in Leipzig-Stötteritz die Dr. Dietz & Ritter GmbH, Fabrik für Radio-Erzeugnisse und Transformatoren. Unternehmenssitz waren die ehemaligen Betriebsräume der Graphischen Kunstanstalt Dr. Trenkler & Co. in der Eichstädtstraße 11. Geschäftsführer waren Ritter und der Technische Leiter Dietz mit je 40 Prozent der GmbH-Anteile, Körting & Mathiesen gaben die Erlaubnis zur Verwendung der Marke „Körting“ und hielten 20 Prozent. Der Betrieb produzierte zunächst unter anderem Transformatoren, Kraftverstärker und dynamische Lautsprecher unter Lizenz des amerikanischen Unternehmens Magnavox.
Rundfunkempfänger, zunächst Geradeausempfänger, erweiterten 1932 die Produktpalette. Bereits ab 1933 produzierte das Unternehmen, nun unter der Firma Körting Radio, Dr. Dietz & Ritter GmbH, mit den Modellen Cyclo-Super und Hexodensuper seine ersten Superheterodynradios, auch Überlagerungsempfänger genannt. Im Rundfunkgerätehandel erreichte die Marke Körting bereits 1933 einen Marktanteil von 5,2 %, der im Folgejahr auf 7,35 % stieg.
1934 wurden die Superhet-Modelle Cyclo-Selector,Cyclo-Selector S4340GL auf radiomuseum.org, abgerufen am 20. Januar 2016 Cyclo-Royal und weitere in das Programm aufgenommen und auch der Zweikreis-Reflexempfänger NovumNovum (38) GB2207GW auf radiomuseum.org, abgerufen am 20. Januar 2016 verkaufte sich in mehreren Varianten sehr gut.
Die Radios von D & R, wie der Ultramar von 1935 mit neun Kreisen,Ultramar SB7360W auf radiomuseum.org, abgerufen am 20. Januar 2016 erwarben sich bald einen ausgezeichneten Ruf. Der Achtkreis-Super Transmare mit 12 ElektronenröhrenTransmare 38 SB7440W auf radiomuseum.org, abgerufen am 20. Januar 2016 war das erste Rundfunkgerät mit Motorabstimmung und Drucktasten-Senderwahl. Das Gerät mit 20 Stationstasten gewann auf der Weltfachausstellung Paris 1937 zwei Grand Prix in der Klasse 15 (Radio) bzw. 49 (Musikinstrumente). Der Verkaufspreis betrug 745 Reichsmark (RM) – zum Vergleich: der Körting-Volksempfänger VE301Wn war 1937 für 76 RM erhältlich. Diese Preise entsprechen inflationsbereinigt in heutiger Währung € bzw. €Diese Zahlen sind mit der Vorlage:Inflation ermittelt, auf volle 10 Euro gerundet und beziehen sich auf den vergangenen Januar.
Im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht baute D & R ab 1935 im Auftrag des Reichsluftfahrtministeriums (RLM) in Lizenz von Telefunken und Lorenz Bordfunkgeräte für die Luftwaffe. Hierfür richtete das Unternehmen nicht weit entfernt in der Melscher Straße 7 einen zweiten Standort ein. Oswald Ritter gelang es, den noch von Körting & Mathiesen gehaltenen Geschäftsanteil zu erwerben. Im Jahr 1938 zählte Körting Radio zu den marktführenden Herstellern und beschäftigte 3.000 Mitarbeiter.
Wegen Differenzen mit dem Heereswaffenamt wurde die Entwicklung und Produktion von Militärtechnik unter RLM-Aufsicht gestellt und zum 1. November 1939 in die reichseigene Leipziger Funkgerätebau G.m.b.H. ausgegliedert. Die beiden Anteilseigner und Geschäftsführer Dietz und Ritter verloren ihre Posten. Wilhelm Dietz, der ohnehin im Konflikt mit Ritter wegen dessen Einmischung in die technischen Angelegenheiten des Unternehmens stand, ließ sich seinen 40-Prozent-Anteil an der GmbH auszahlen und starb im Juli 1944.
Körting-Radio-Werke Der Leipziger Funkgerätebau wurde im April 1941 als Löwe Radio AG, Werk Leipzig der Berliner Löwe Radio AG angegliedert. Ab 1. August 1942 firmierte das Löwe-Zweigwerk in der Melscher Straße analog zum Mutterunternehmen Opta Radio AG, Werk Leipzig. Mit den finanziellen Mitteln der Ausgliederung seiner Wehrmachtsfertigung führte Ritter als alleiniger Inhaber in dem alten Werk Eichstädtstraße 11 (heute Untere Eichstädtstraße) unter dem Namen Körting-Radio-Werke Oswald Ritter die Rundfunkempfängerfertigung weiter.
Nach dem Krieg: Neugründung im Westen 1948 erfolgte die Enteignung des Werkes in Leipzig, das im Herstellerverband Rundfunk- und Fernmelde-Technik der DDR als VEB Funkwerk Leipzig aufging. Der mittlerweile 70-jährige Oswald Ritter setzte sich mit einigen Mitarbeitern 1949 nach Marquartstein in Oberbayern ab und baute in Schloss Niedernfels eine Radiofabrik auf.
Mit Hilfe eines staatlichen Flüchtlingsförderungskredits von 5 Millionen DM erwarb er schließlich 1951 in Grassau die Belwe GmbH, einen Hersteller von Bügeleisen, Toastern und Kleinstlampen, und erweiterte die Produktion dort um Rundfunkgeräte und Lautsprecher sowie zeitweise auch elektromedizinische Geräte. Auf einem Werksgelände von 26.000 Quadratmetern entstand zunächst eine neue Werkshalle von 2.500 m² Bodenfläche und ein Verwaltungsgebäude mit 1.500 m² Büroraum – ein Komplex, der etwa 1.500 Arbeitskräfte aufnehmen konnte.Funkschau, Nr. 16, 1952
Bereits im Mai 1951 befasste sich Körting mit dem Aufbau einer Abteilung für Entwicklung und Bau von Fernsehern. Der Anfang verzögerte sich aber aufgrund mangelnder Verfügbarkeit von Spezialgeräten und Fachpersonal. Bei Rundfunkgeräten erfolgte nach anfänglicher Typen-Vielfalt 1952 eine Beschränkung auf drei Modelle zuzüglich einiger Exportversionen, was die Wirtschaftlichkeit verbesserte und konkurrenzfähige Angebote ermöglichte. „In der Gestaltung der Modelle, vor allem des preiswertesten […] wurde größter Wert auf hervorragenden Klang und auf hohe UKW-Leistung gelegt. Auch das 300-DM-Modell gab dank des eingebauten, neuartigen Hochtonlautsprechers echte UKW-Qualität.“
Mit dem gegenüber den Mitbewerbern verspäteten Start von Körting auf dem westdeutschen Markt ergaben sich im Vertrieb, möglicherweise auch durch die Modellpolitik, dennoch erhebliche Probleme. Die Hausbank beauftragte Anfang 1953 Gerhard Böhme mit der Sanierung. Er fand 26.000 unverkaufte Rundfunkgeräte vor. Oswald Ritter trat noch im Sommer 1953 als Gesellschafter zurück und Böhme übernahm die Leitung des Unternehmens. 1955 sollte Ritter ganz aus dem Unternehmen ausscheiden und verstarb am 2. Oktober 1959Internationale elektronische Rundschau, Band 13, S. 403 nach langer Krankheit.
Dennoch arbeitete die Entwicklungsabteilung erfolgreich und der mit Syntektor-UKW-Schaltung ausgestattete Syntektor 54W erregte bei der Funkausstellung 1953 in Düsseldorf mit seiner hervorragenden Trennschärfe und Stör- beziehungsweise Amplitudenmodulations-Unterdrückung Aufmerksamkeit.
Kooperation mit Neckermann Böhme traf schließlich mit dem weiland sehr bedeutenden Versandhaus Neckermann in Frankfurt am Main weitreichende Vereinbarungen. Neckermann nahm nunmehr alle Rundfunk- und Fernsehgeräte von Körting ab. Körting ersetzte dabei das in Dachau ansässige Apparatewerk Bayern, das 1953 ein ähnliches Arrangement bezüglich des Vertriebes von Rundfunkempfängern getroffen hatte. Dabei wurde ein gemeinsam von AWB und Neckermann entwickelter und für 187 DM vertriebener „Klaviertastensuper mit UKW-, Mittel- und Langwellenteil“ eingeführt, der ein „sensationeller Verkaufserfolg [wurde], der den Namen Neckermann über den Flüchtlings- und Landbewohner-Kundenkreis des Unternehmens hinaus der breiten Öffentlichkeit bekanntwerden ließ.“ Die von Neckermann vertriebenen Körting-Geräte trugen nun zusätzlich das Neckermann-Logo. Körtings Name verschwand für kurze Zeit ganz von den Produkten, kehrte aber bald als Neckermann-Körting wieder zurück. Unter eigenem Namen wurde nurmehr für den Export gefertigt.
Im Herbst 1954 brachte Neckermann einen Körting-Fernseher Weltblick für 648 DM auf den Markt, damals ein „Sensationspreis“, der den vor dem Krieg avisierten Preis des Volksfernsehers von 650 Reichsmark erstmals unterschritt. 1955 war bereits ein Weltblick mit 43-cm-Bildröhre für 548 DM auf dem Markt und damals „das billigste Gerät seiner Art“. Die Kooperation zwischen Neckermann und Körting trug in jener Zeit entscheidend dazu bei, die Preisbindung der zweiten Hand für Fernsehgeräte auf dem deutschen Markt, die für den Einzelhandel Margen von 41 Prozent und damit 25 Prozent Handelsspanne ermöglicht hatte, zu beenden.
Durch die Zusammenarbeit mit Neckermann erreichte Körting ein Produktionsvolumen, das die Massenfertigung ermöglichte. Außerdem entfielen die sonst bei anderen Unternehmen anfallenden Marketingkosten.Schlussbericht des Konkursverwalters Dr. Volker Grub im Konkursverfahren über das Vermögen der Körting Radio Werke GmbH, Grassau, vom 27. August 1981, Wirtschaftsarchiv Hohenheim, Bestand Y 517
Ab 1957 fertigte Körting auch Geräte für andere Hersteller, die von diesen unter deren Marken vertrieben wurden. Aufgrund der geringen Margen des Geschäftsmodells wurde das Unternehmen aber nicht reich. Körting betrieb aber weiterhin erfolgreiche Entwicklungsarbeit. 1957 brachte Körting als weltweit erstes Rundfunkgerät mit Dynamik-Expander den Dynamic 830 W auf den Markt.
Von 1952 bis 1964 versiebenfachte sich der Umsatz. In den Jahren 1963 und 1964 war Körting bei den steigenden Umsätzen gezwungen, seine Kapazitäten deutlich auszuweiten. In kurzer Folge wurden Zweigwerke in Grödig bei Salzburg, die Möbelwerke Wallerstein und die Körting-Italiana in Pavia gegründet, die zusammen später 1700 Mitarbeiter beschäftigten.
Mit wechselndem Erfolg versuchte Körting die ausländischen Märkte mit Geräten unter der Marke „Körting“ zu beliefern.
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