mini|„Peypses Iſland“ in einer Darstellung von William Hacke 1699 mini|Hermann Molls Südamerika-Karte von 1711 zeigt sowohl „Pepys Isle“ und „S. De Waerds Isles“ als auch „Falkland I.“ (Island) Als Pepys Island oder Peypses Island wurde eine Phantominsel im südlichen Atlantischen Ozean bezeichnet, die nördlich oder nordwestlich der Falklandinseln liegen sollte. Angeblich hat sie der englische Pirat William Cowley 1684 entdeckt und nach Samuel Pepys, dem damaligen Sekretär der Admiralität, benannt. Wahrscheinlich ist Pepys Island mit einer der Falklandinseln identisch.
William Cowley William Ambrosia Cowley war ein englischer Freibeuter des 17. Jahrhunderts, der zusammen mit Edward Davis und William Dampier zur Mannschaft des Piratenkapitäns John Cook gehörte. Die Freibeuter hatten vor der Küste Guineas ein dänisches Handelsschiff gekapert, das sie Bachelor's Delight (Junggesellenfreude) tauften und segelten damit zur Magellanstraße, um in den Pazifik zu gelangen. In Höhe von 47° südlicher Breite entdeckten sie 1683 (abweichend 1684) eine Insel, von der sie annahmen, dass sie bis dahin nicht bekannt war.Philip Gosse: The Pirates’ Who’s Who – Giving Particulars of the Lives and Deaths of the Pirates and Buccaneers. Burt Franklin, New York 1924, S. 88–89 William Hacke aus London, ein produktiver Herausgeber von Karten und Atlanten, veröffentlichte Cowleys Reisebericht – angeblich wörtlich – in seinem 1699 erschienenen, mehrbändigen Werk: „Collection of Original Voyages“. Dort heißt es:
Auf der nachfolgenden Seite des Buches ist die oben stehende Karte abgedruckt, die zahlreiche Details der Insel aufzeigt und benennt, zum Beispiel Berge, Landzungen und Buchten. Die Doppelinsel, die von einem Sund getrennt wird, der von Nordost nach Südwest verläuft, heißt dort „Peypses Island“. Weiter vorne in Hackes Buch ist eine Weltkarte enthalten, die den Kurs der Bachelors Delight wiedergibt. Sie ist eine der ersten gedruckten Karten, die auch Pepys Island abbilden, auf der Position 47° südlicher Breite direkt vor der patagonischen Küste.
Der Name der Insel bezieht sich auf den damaligen Staatssekretär im englischen Marineamt (Chief Secretary to the Admiralty) Samuel Pepys, der uns heute eher wegen seiner in einer verschlüsselten Kurzschrift verfassten Tagebücher bekannt ist, die nicht nur offizielle Angaben enthalten, sondern daneben – in der damaligen Zeit völlig unüblich – auch eigene Erlebnisse und persönliche Ansichten, die der heutigen historischen Forschung freimütige Hinweise zum Leben der gehobenen Stände überliefern.
Diese Version der Entdeckung von Pepys’s Island und der Name dürften eine Erfindung von William Hacke seinAlexander G. Findlay: A Sailing Directory for the Ethiopic Or South Atlantic Ocean […]. Richard Holmes Laurie, London 1867, S. 227, einem der bekanntesten Mitglieder der Londoner „Thames school of chartmakers“, die sich auf die Herausgabe von Seekarten im Stil italienischer oder mallorquinischer Portolankarten spezialisiert hatte. In einem handschriftlich verfasstem Bericht, der Cowley zugeschrieben wird und der mit der Sammlung von Sir Hans Sloane in das Britische Museum gelangte, wird die die Entdeckung der Insel völlig anders geschildert:
Der Freibeuter William Dampier segelte zusammen mit William Cowley auf der Bachelors Delight. Auch er hat einen Bericht über diese Reise verfasst:
Sibbel de Wards oder Sibble D'wards sind alte Namen für die Jason Islands, die im Nordwesten der Falklandinseln liegen und die der holländische Seefahrer Sebald de Weert im Jahr 1600 entdeckt hatte. Der Name wurde von manchen Kartenmachern auch für den gesamten Falkland-Archipel verwendet, zum Beispiel in der Atlantik-Karte von Edmond Halley.Edmond Halley: A new and correct chart shewing the variations of the compass in the western & southern oceans as observed in ye year 1700, London 1702
Suche nach Pepys Island Im 18. Jahrhundert versuchten mehrere Expeditionen verschiedener Nationen Pepys Island aufzufinden, da die Insel als Versorgungsstation im Konkurrenzkampf um die Vorherrschaft im Pazifik zwischen Spanien, Frankreich und England von strategischer Bedeutung sein könnte.
George Anson Der britische Seeoffizier und spätere Admiral George Anson hatte Hackes Buch gelesen. Er war von der Existenz der Insel Pepys überzeugt und wusste um deren strategischen Wert für England.George Anson: A Voyage Round the World in the Years MDCCXL, I, II, III, IV by George Anson. John and Paul Knapton, London 1748 (Nachdruck 1911), S. 91 Der Kurs seiner Weltumseglung von 1740 bis 1744 mit HMS Centurion führte nahe an der argentinischen Küste vorbei und Anson bekam Pepys Island nicht in Sicht.
John Byron Am 3. Juli 1764 segelte John Byron mit den Schiffen Dolphin und Tamar vom Plymouth ab, mit dem Auftrag, die Insel Pepys zu suchen und die britische Präsenz auf den Falklandinseln zu sichern. Auch er hatte Hackes Buch gelesen, wie sich aus seinen Aufzeichnungen ergibt:Katherine Parker: Pepys Island as a Pacific stepping stone: the struggle to capture islands on early modern maps. In: The British Journal for the History of Science, Band 51 (4), Dezember 2018, S. 659–677
Trotz Byrons Skepsis verschwand Pepys Island weder sofort, noch vollständig von den Karten. Während der Fahrten in diesem Bereich des Südatlantiks suchten Seeleute weiterhin danach.
Louis Antoine de Bougainville Auch der Franzose Louis Antoine de Bougainville versuchte während seiner Weltumsegelung von 1766 bis 1769 vergeblich, Pepys Island zu entdecken:
James Cook Kapitän James Cook machte sich während seiner ersten Reise in den Pazifik von 1768 bis 1771 mit HMS Endevour auf die Suche nach Pepys Island.
Bei seiner zweiten Reise in den Pazifik von 1772 bis 1775 setzte James Cook sich im Vorwort zu seinem Reisebericht zwar noch mit Pepys Island auseinander, aber er hielt die weitere Suche danach für vergeblich, da sie mit den Falklandinseln identisch sei.James Cook: A voyage towards the South Pole, and round the world. Performed in His Majesty's ships the Resolution and Adventure, in the years 1772, 1773, 1774, and 1775. Strahan and Cadell, London 1777, Band I, General Introduction
José de la Peña Aber auch die Spanier machten sich auf die Suche nach Pepys Island. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sah sich das Königreich Spanien gezwungen, mit der Organisation und Durchführung von Marineexpeditionen auf die wachsende englische Dominanz der Seerouten zu reagieren. José Antonio Puig, Kapitän der Fregatte San Francisco de Paula, alias La Catalana, hatte 1771 auf der Breite von 318 Grad und 13 Minuten (nach dem Ferro-Meridian, das entspricht 46° 43´ Süd nach dem Greenwich-Meridian und liegt rund 430 km nördlich der Falklandinseln) eine ihm unbekannte Insel entdeckt, die er nach seinem Schiff „Catalana“ nannte. Jorge Juan y Santacilia (1713–1773), Marineingenieur und Wissenschaftler in der spanischen Marinebehörde, identifizierte sie als Pepys Island. Daraufhin wies Marineminister Julián de Arriaga den Gouverneur von Buenos Aires an, eine Erkundungsmission zu dieser Insel zu entsenden. 1789 führte der spanische Marineoffizier und spätere Gouverneur der Falklandinseln (spanisch: Islas Malvinas) Ramón de Clairac y Villalonga (1748–1814), eine Expedition nach Patagonien mit dem Ziel, Karten dieses Gebietes zu erstellen, die Anwesenheit ausländischer Schiffe zu überprüfen sowie Örtlichkeiten für mögliche Stützpunkte und Siedlungen zu identifizieren.Luis Conde-Salazar Infiesta: Expediciones Patagónicas, El Redescubrimiento del Extremo Sur de América. In: Atlas de los Exploradores Españoles. Editorial Planeta, Barcelona 2009, ISBN 978-84-08-08683-3, S. 320. Drei Schiffe, die Korvette Santa Elena und die beiden Briggs Nuestra Señora de Belén (Belén) und Nuestra Señora del Carmen y las Ánimas (Carmen), stachen am 19. März 1789 von Montevideo aus in See. In Puerto Deseado trennten sich die Schiffe und die Carmen machte sich unter dem Kommando von José de la Peña auf die Suche nach der Insel Pepys. Nachdem Peña 13 Tage lang unter widrigen Wetterbedingungen in dem fraglichen Seegebiet gekreuzt war und die Insel nicht finden konnte, beschloss er schließlich, die Rückfahrt anzutreten und kam am 29. Mai 1789 in Buenos Aires an. Diego Vilegas, der erste Offizier der Santa Elena, zeichnete mehrere Karten für den Vizekönig von Río de la Plata, darunter auch eine der Isla de los Leones, heute Sealion Island des Falkland-Archipels.
Die Folge war, dass auch eine spanische, allerdings völlig unterschiedliche Detailkarte von Pepys Island existiert. Sie trägt den Titel „Plano de la Ysla de Pepys“, ist nicht datiert und stammt aus dem Besitz des spanischen Seefahrers und späteren Gouverneurs der Falkland-Inseln Ramón de Clairac y Villalonga (1748–1814), der sie von einer Vorlage aus dem Besitz eines englischen Kapitäns kopiert haben soll. Die Karte, die sich heute in der Sammlung des Archivo General de Indias in Sevilla befindet, zeigt eine dicht bewaldete Insel, die ungefähr einer langgestreckten, liegenden Ellipse ähnelt, mit einer Bucht und einem Kap im Süden. Tatsächlich dürfte sie die Isla de los Leones oder Sealion Island, die südlichste der Falklandinseln, darstellen und ist wahrscheinlich während der Expedition von José Antonio Puig entstanden.Juan Alfonso Maeso Buenasmañanas: La expedición de Ramón de Clairac a la Patagonia en 1789. In: Espacio Tiempo y Forma, Historia Moderna, Serie IV (12), Madrid 1999, S. 373–414
Kartendarstellung Pepys Island ist auf zahlreichen Karten des 17. und 18. Jahrhunderts abgebildet, hier einige Beispiele:
Der Portolan von Johannes Janssonius: Americae pars Meridionalis, Amsterdam, 1642, zeigt zwar die „Insule Sebaldi de Weerdt“, aber noch nicht Pepys Island.
Edmond Halley: A new and correct chart shewing the variations of the compass in the western & southern oceans as observed in ye year 1700. Sowohl „Pepys I[sland]“ als auch „Sybold de Waard Iſles“ sind eingezeichnet.
Hermann Moll: A New & Exact Map of the Coast, Countries and Islands within ye Limits of ye South Sea Company, London 1711, zeigt sowohl „Pepys Isle“ und „S. De Waerds Isles“ als auch „Falkland I.[sland]“. In der rechten unteren Ecke ist eine Detailkarte von Pepys Island abgebildet, die der Darstellung von William Hacke (1699) entspricht.
In Alexander Findlays Navigationshandbuch von 1867 wird Pepys Island nur noch kurz erwähnt mit der Erläuterung, sie sei mit „Sebald de Weerts Islands“ (heute Jason Islands), identisch.
Fazit Pepys Island gibt es tatsächlich nicht, sie ist eine Erfindung von William Hacke und mit einer der Jason Islands oder einer anderen Insel der Falklands identisch, wie bereits James Cook annahm. Das bedeutet, dass sich Cowley bei seiner Positionsbestimmung mindestens um drei Breitengrade, ungefähr 300 Kilometer, verrechnet hat. Das ist ein beträchtlicher Navigationsfehler, aber man muss bedenken, dass es im 17. Jahrhundert noch keinen Sextanten gab, der eine exakte Feststellung der geographischen Breite ermöglicht hätte. Außerdem war Cowley Pirat und kein ausgebildeter Marine-Navigator.
William Hackes Karte von Pepys Island zeigt eine Doppelinsel mit einem von Südwest nach Nordost laufenden Sund. Die Zeichnung hat durchaus Ähnlichkeit mit West- und Ostfalkland, die vom Falklandsund getrennt sind. Die zweite Karte von Pepys Island, die wahrscheinlich von José Antonio Puig oder einem seiner Offiziere stammt, zeigt zweifellos Sealion Island oder spanisch Isla de los Leones, die südlichste Insel des Falkland-Archipels.
Auch der Name Pepys Island stammt von William Hacke. Sowohl Cowleys als auch Dampiers Aufzeichnungen erwähnen diesen Namen nicht. Es ist auch kaum anzunehmen, dass Piraten eine Insel ausgerechnet nach dem Sekretär der Admiralität benennen würden.
Weblinks Rare Charts: First printed map of Peypses or Pepys Island.
General de Indias, Madrid/„Plano de la Ysla de Pepys“
Literatur