Bad Lauterberg im Harz ist eine Stadt im Landkreis Göttingen im Süden von Niedersachsen (Deutschland). Die ehemalige Bergbaustadt im Harz ist heute staatlich anerkanntes Kneipp-Heilbad und Schroth-Kurstadt mit über 10.000 Einwohnern.
Geographie mini|Blick auf den östlichen Teil Bad Lauterbergs vom Hausberg mini|Blick auf den Ortsteil Bartolfelde mini|Die Oder in Bad Lauterberg mini|Odertalsperre
Lage Bad Lauterberg befindet sich an den Südausläufern des Oberharzes und ist ringsum von Bergen des Naturparks Harz umgeben, die im Bereich des Stöberhai (gemeindefreies Gebiet Harz) bis hoch und von Mischwäldern bedeckt sind; direkt nördlich der Stadtmitte erheben sich der Kummelberg () und der Hausberg (ca. ), westlich davon die Heibeeksköpfe () und östlich der Ortschaft erhebt sich der Scholben (). Die Stadt ist etwa 40 km von Göttingen und knapp 72 km (jeweils Luftlinie) von Braunschweig entfernt. Sie liegt auf Höhe an der Oder, in die in Bad Lauterberg die Lutter mündet. Nordöstlich der Ortschaft befindet sich die Odertalsperre, im Süden der Wiesenbeker Teich, ein Stauteich des Oberharzer Wasserregals.
Nachbargemeinden Zu den Nachbargemeinden gehören im Westen Herzberg am Harz, im Norden Braunlage, im Südosten Bad Sachsa und im Süden Sonnenstein.
Stadtgliederung Die Stadt Bad Lauterberg ist eine Einheitsgemeinde und besteht aus den Ortsteilen: Kernstadt Bad Lauterberg (darin enthalten sind u. a. das Zentrum, die Aue und das Odertal) Barbis (darin enthalten sind u. a. Oderfeld, Altbarbis und Königshagen) Bartolfelde Osterhagen
Etymologie Der Ortsname geht auf den Fluss Lutter zurück, der erst dem Berg, dann der Burg und schließlich der Siedlung ihren Namen gegeben hat. Dieser Name dürfte eine Derivation von altsächsisch hlûttar sein, was sich als „hell, rein, klar, lauter“ übersetzen lässt.
Die Genese des Toponyms (in Auszügen): 1183 „Luterberch“, 1324 „Lutterberg“, 1568 „Lautterberg“, ab 1617 fast nur mehr „Lauterberg“.
Geschichte mini|Bad Lauterberg um 1900
Errichtung der Burg Lutterberg Im Jahr 1180 ließ Graf Siegebodo II. aus Scharzfeld auf dem Hausberg die Burg Lutterberg errichten. 1190 wird diese erstmals erwähnt. 1203 wurde sie zusammen mit anderen Burgen im Harzer Umland im Erbteilungsvertrag der Söhne Heinrichs des Löwen genannt und Otto IV. zugesprochen. Der letzte Graf der Burg Lutterberg, Graf Heidenreich III. von Scharzfeld-Lauterberg, starb 1398, woraufhin Ritter Hans von Minningerode die Burg für vier Jahre besetzte, bis sie schließlich an den Grafen von Hohnstein übergeben wurde. 1415 wurde die Burg Lutterberg infolge eines Streites zwischen dem Herzog von Grubenhagen und den Grafen von Hohnstein vollständig zerstört.
Entwicklung des Bergbaus Der Grafschaft Lutterberg wurde 1521 die Bergfreiheit erlassen, die den Bergleuten dort besondere Rechte gab. Dadurch sollte erreicht werden, dass erfahrene Bergleute aus dem Erzgebirge in die Stadt kamen. Aus dem kleinen Ort Lutterdorf am Fuße des Hausberges wuchs nun eine Bergbausiedlung heran. 1619 erhielt die Stadt die Erlaubnis, zweimal pro Jahr einen Jahrmarkt zu veranstalten.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt 1641 geplündert und fast vollständig niedergebrannt; lediglich drei Häuser blieben vom Feuer verschont. Nach dem Wiederaufbau wurden 1705 die Kupferhütte im Luttertal und 1733 das Hüttenwerk Königshütte errichtet. Letztere wurde 1820 um eine Gießerei und ein Hochofenwerk erweitert. Die Gießerei blieb bis 2001 in Betrieb. Zwischen 1830 und 1868 endete der Kupferbergbau bei Lauterberg. Der Abbau von Schwerspat in der Grube „Wolkenhügel“ wurde bis Juni 2007 fortgesetzt.
Entwicklung zur Kurstadt Schon 1839 erkannte Ernst Ritscher den Bedarf an Alternativen zum Bergbau und schuf eine Kaltwasserheilanstalt. Im Jahr 1900 zählte man 5004 Kurgäste und 5305 Einwohner.W. Keil: Neumanns Orts- und Verkehrslexikon. Leipzig 1905, S. 594. 1866 wurde mit dem zehnjährigen Bau des Kurparks begonnen. Vierzig Jahre später wurde der Ort von der Bezirksregierung Hildesheim zum Bad ernannt und trug von nun an den Namen Bad Lauterberg im Harz. Sanitätsrat Josef Mayer aus München führte 1926 die Kneippsche Therapie und später auch das Schrothkurverfahren ein. Im gleichen Jahr wurde der örtliche Kneippverein gegründet.
Im Zuge der Industrialisierung siedelten sich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts verschiedene Gewerbe und Unternehmungen an. Diese hatten zum Teil erhebliche Beschäftigtenzahlen. Zu nennen sind insbesondere: Pinselproduktion (Adler, Richter u. a.); Stuhl- und Möbelproduktion (Germania, Böhme, Blödhorn, Haltenhoff); Zündholzproduktion (Deig); Knopfmacherei; Werkzeugmaschinenproduktion (Kuhlmann); Stahl- und Blechverarbeitung (MIAG); Gießerei und Mühlenbau (Königshütte). Eine gewisse Rolle als Energiequelle spielte dabei die durch das Gefälle der Oder bzw. Lutter zu nutzende Wasserkraft: bis in die Gegenwart gibt/gab es rund fünf verschiedene Wassergrabensysteme. Der 32-wöchige Streik der Stuhlarbeiter im Jahr 1896 war einer der längsten Streiks in Deutschland im ausgehenden 19. Jahrhundert.Irene Altenmüller: Lang und erbittert: Der Stuhlarbeiter-Streik in Lauterberg. Bericht des NDR, Abruf am 22. Juni 2021.Klaus Wettig: Der Lauterberger Stuhlarbeiterstreik. In: Soziale Demokratie und Geschichte. Reden und Aufsätze. Vorwort von Gabriele Andretta. Wallstein Verlag, Göttingen 2020, ISBN 978-3-8353-3855-5, S. 19–29.
1929 erhielt Bad Lauterberg das Stadtrecht. Im Folgejahr wurde angefangen, den Damm für die Odertalsperre zu bauen, dessen Fertigstellung 1934 erfolgte. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges gab es harte Kämpfe um Bad Lauterberg, wobei 54 Häuser und 153 Wohnungen zerstört wurden, was einem Zerstörungsgrad von 8 % entsprach.Niedersächsisches Städtebuch. Braunschweig 1952. Die Stadt wurde schließlich von amerikanischen Truppen eingenommen, sie gehörte anschließend zur Britischen Besatzungszone.
Nach 1945 wuchs die Einwohnerzahl durch den Zuzug von Heimatvertriebenen aus den Ostgebieten erheblich an. Tausende Menschen aus Schlesien, Pommern, dem Sudetenland und Ostpreußen fanden im Ort eine neue Heimat. Eine wichtige Rolle bei der Ansiedlung der Vertriebenen spielte dabei das nach Kriegsende leer stehende „Gemeinschaftslager Odertal“ (Fremdarbeiterlager). Ab 1949 konnten viele Neubürger mit ERP-Mitteln im Ortsteil Aue neu gebaute Wohnungen in Mehrfamilienhäusern beziehen. Parallel dazu entstanden ebenfalls in der „Aue“ viele Einfamilienhäuser. Um das Potential an Arbeitskräften unter den Flüchtlingen zu nutzen, entstand in der Zeit nach 1945 eine ganze Reihe von großen und kleineren Produktionsstätten. Zu nennen sind: DETA (Akkumulatoren); Fouchs (Blockhäuser); Trinks (Dämmplatten); Schneider (Holzschliff); Tischlerei Dilinski (Schranksysteme).
1949 erhielt die Kurstadt offiziell die Bezeichnung Kneipp-Heilbad und wurde 1968 zum staatlich anerkannten Kneipp-Heilbad, 1982 schließlich auch zum Schroth-Kurort. 2008 feierte die Stadt ihr 825-jähriges Bestehen. Seit dem Zusammenschluss der Landkreise Osterode am Harz und Göttingen am 1. November 2016 gehört Bad Lauterberg im Harz zum Landkreis Göttingen.
Eingemeindungen Am 1. Juli 1972 wurden die Gemeinden Barbis, Bartolfelde und Osterhagen eingegliedert.
Einwohnerstatistik Bad Lauterberg im Harz – Bevölkerungsentwicklung seit 1961 Jahr Einwohner Veränderung Jahr Einwohner Veränderung Entwicklung 1961 14.832 2010 11.124 −5,06 % 1970 14.573 −1,75 % 2011 11.080 −0,40 % 1987 12.884 −11,59 % 2013 10.671 −3,69 % 1990 13.318 +3,37 % 2014 10.626 −0,42 % 1995 12.901 −3,13 % 2016 10.548 −0,73 % 2000 12.169 −5,67 % 2017 10.404 −1,37 % 2005 11.717 −3,71 % Einwohnerzahlen: 1961 am 6. Juni, 1970 am 27. Mai, jeweils Volkszählungsergebnisse einschließlich der später eingemeindeten Orte, danach jeweils zum 31. Dezember
Konfessionsstatistik Mit Stand 31. Dezember 2020 waren von den Einwohnern 49,7 % evangelisch, 8,1 % katholisch und 42,2 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an. Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder ist seitdem gesunken.Stadt Bad Lauerberh Statistische Gemeindeprofile abgerufen am 26. Juli 2025Berichtsheft 2024 Teil 1 Landkreis Göttingen Bevölkerungsbestand nach Religion Seite 44, abgerufen am 25. Juni 2024Statistische Berichtsheft 2023 Landkreis Göttingen Bevölkerungsbestand nach Religion, abgerufen am 23. Oktober 2023 Mit Stand 31. Dezember 2024 waren von den Einwohnern 44,6 % evangelisch, 7,5 % katholisch und 47,8 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Stadt Bad Lauerberh Statistische Gemeindeprofile abgerufen am 26. Juli 2025
Religionen mini|St.-Benno-Kirche An der Hauptstraße befindet sich die historische St.-Andreas-Kirche. 1965/1966 wurde im Westen der Stadt, am Stollenweg, die St.-Paulus-Kirche erbaut und 1972/1973 um ein Gemeindehaus ergänzt. Die Gemeinden beider Kirchen gehören zum evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Herzberg. Weitere evangelisch-lutherische Kirchen befinden sich in den Ortsteilen Barbis, Bartolfelde und Osterhagen.
Die katholische St.-Benno-Kirche befindet sich am Kirchberg. Sie wurde von Josef Fehlig entworfen und 1963 geweiht. Bereits 1920 wurde von der katholischen Kirche ein ehemaliges Schülerpensionat gekauft, das spätere Kneipp-Sanatorium St.-Benno-Stift am Lönsweg. Dort fanden bis zur Einweihung der St.-Benno-Kirche die Gottesdienste statt. Das Pfarrheim der Gemeinde wurde nach Joseph Müller benannt, der in Bad Lauterberg seine erste Pfarrstelle hatte. Die Pfarrgemeinde gehört zum Dekanat Nörten-Osterode im Bistum Hildesheim, heute gehören zu ihr auch die katholischen Kirchen in Bad Sachsa, Braunlage, Sankt Andreasberg und Walkenried.
Eine Neuapostolische Kirche befindet sich an der Straße An den Lutterhöfen, ihre Gemeinde gehört zum Kirchenbezirk Göttingen. 1881 wurde im heutigen Ortsteil Bartolfelde eine bis 1993 bestehende neuapostolische Gemeinde gegründet.
Politik
Rat mini|Rathaus Der Rat der Stadt Bad Lauterberg im Harz besteht aus 26 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 10.001 und 11.000. Auf Beschluss des Stadtrates wurde diese Zahl für die Wahlperiode 2016–2021 um sechs Ratsmitglieder auf 20 reduziert. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die laufende Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.
Stimmberechtigt im Rat ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister.
Die Kommunalwahl vom 13. September 2026 ergab das folgende Ergebnis:
Bürgermeister Hauptamtlicher Bürgermeister der Stadt ist Rolf Lange (CDU). Er wurde am 26. September 2021 in einer Stichwahl gegen den bisherigen Bürgermeister, Thomas Gans (SPD), gewählt und erreichte dabei 55,67 % der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 61,95 %. Lange trat seine Amtszeit am 1. November 2021 an. Bei den Kommunalwahlen 2026 erreichte Lange in der Stichwahl gegen Nils Gehrke (SPD) 51,03 % der Stimmen bei 42,82 % Wahlbeteiligung und wurde so im Amt bestätigt.
Ortsräte Die drei übrigen Ortsteile der Stadt Bad Lauterberg werden durch je einen Ortsrat mit insgesamt 17 Mitgliedern vertreten. Seit der Kommunalwahl 2026 verteilen diese sich wie folgt: +OrtsteileSPDCDUWG∑Barbis313*7Bartolfelde113*5Osterhagen212*5∑63817 *Wählergruppe im Rat Bad Lauterberg e. V.
Wappen
Flagge Die Flagge der Stadt Bad Lauterberg ist Rot-Gold.
Die Hauptsatzung der Stadt gibt keine Auskunft über die genaue Gestaltung von Flagge und Banner.
Beschreibung von Banner und Flagge: „Das Banner ist rot-gelb-rot im Verhältnis 1:3:1 längsgestreift mit dem aufgelegten Wappen oberhalb der Mitte“. „Die Flagge ist rot-gelb quergestreift mit dem aufgelegten Wappen in der Mitte zum Liek hin leicht verschoben“. Es sind auch Flaggen ohne Wappen zu sehen.Flagge und Banner von Bad Lauterberg im Harz
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Scholmzeche am Kurpark mini|Wiesenbeker Teich
Museen