mini|hochkant=1.3|Übersichtskarte der Admiralitätsinseln mit Manus
Manus (weitere Bezeichnungen: AllisoninselStichwort Allisoninsel oder Manus. In: Heinrich Schnee (Hrsg.): Deutsches Kolonial-Lexikon. Quelle & Meyer, Leipzig 1920, Band I. S. 35. Moánus, Taui, Tjawomu, KorHeinrich Schnee (Hrsg.): Deutsches Koloniallexikon. Band 2: H–O. Quelle & Meyer, Leipzig 1920, S. 501 f. ) ist eine Insel im Norden von Papua-Neuguinea. Sie liegt in der Bismarcksee und gehört zur Manus Province von Papua-Neuguinea.
Manus ist die größte der Admiralitätsinseln und die fünftgrößte Insel Papua-Neuguineas. Die Insel ist etwa 100 km lang und bis zu 30 km breit. Sie ist nahezu komplett mit tropischem Regenwald bedeckt. Der höchste Punkt ist mit 720 m der Mount Dremsel.
1990 lebten etwa 33.000 Menschen auf Manus. Die Inselhauptstadt Lorengau ist zugleich Hauptort der Provinz Manus Province. Eine Brücke verbindet den Flughafen Momote Airport auf den östlich vorgelagerten Los-Negros-Inseln mit Hauptinsel und Hauptstadt.
Noch bis in die 1920er Jahre war das Innere der damals Große Admiralitätsinsel genannten Insel fast nur den Einheimischen bekannt.Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 12 ff.
Bevölkerung und Sprachen Trotz der relativ geringen Größe besteht auf Manus eine enorme Sprachen- und Völkervielfalt (→ Bevölkerung und Sprachen der Admiralitätsinseln). So werden allein für Manus 21 Sprachen angegeben.Karte ethnologue.com, abgerufen am 1. August 2015. Die indigenen Einwohner werden ethnisch zu den Melanesiern gerechnet.
Etwa ein Drittel der Bevölkerung verkauft Fisch oder andere Produkte wie Kopra oder Kakao an Exporteure. Nur etwa 10 % der Bevölkerung gehen anderen Berufen nach und nur 1 % ist selbstständig in vollständiger Erwerbswirtschaft tätig. Die traditionellen Nahrungsquellen werden heute durch importierte Produkte – vor allem Reis, Fischkonserven und Fleisch, Gebäck, Tee, Kaffee, Zucker, Bier, Zigaretten und Tabak – ergänzt. Bis Mitte der 1990er Jahre wurden praktisch alle Gegenstände sowie Häuser und Kanus noch traditionell hergestellt. Seither tauchen verstärkt moderne Gegenstände auf. Das Handwerk erfährt jedoch auch eine Wiederbelebung durch den Verkauf an Touristen.James G. Carrier: Manus – Economy. In: Countries and Their Cultures auf everyculture.com, abgerufen am 29. Juli 2015.
Kulturen Kulturell werden gemeinhin drei verschiedene Volksgruppen auf Manus unterschieden:Roland u. Miriam Garve: Unter Papuas und Melanesiern. Verlag Neue Literatur, Jena / Quedlinburg / Plauen 2010, ISBN 978-3-940085-37-5. S. 188–190. (siehe auch: Kulturen auf den Admiralitätsinseln)
Matakor Die Matakor (auch Matankor oder Matankol) genannte Gruppe sind Küstenbewohner, die vor allem im Westen, Norden und Osten wohnen. Sie leben von Yamsanbau, der Viehhaltung (Schweine und Hühner), dem Fischfang und der Jagd auf Meeresschildkröten. Sie bewohnen bodenebene Hütten Früher stellten sie Muschelgeld und Obsidianmesser her, die auch für den Tauschhandel produziert wurden. Nach wie vor berühmt sind ihre kunstvollen Holzschnitzereien wie Ahnenfiguren und riesengroße runde Schalen mit spiralig gehaltenen oder mit Figuren verzierten Henkeln. Ihre Vorfahren kamen vermutlich als letzte Gruppe auf die Insel.
Usiai Die Gruppe der Usiai (auch Uisiai), die früher ausschließlich im gebirgigen Inland wohnten, betreiben ebenfalls Landbau und wohnen in bodenebenen Hütten. Ihre Vorfahren waren die ersten Besiedler von Manus, die im Laufe der Jahrhunderte von den Neuankömmlingen ins Landesinnere verdrängt wurden. Auffallend ist ihre geringe Körpergröße. Die Usiai sind bekannt für kunstvolles Flechtwerk, vor allem Körbe, aber auch wasserdicht gemachte Schalen und Kalebassen. Obwohl sie von den Küstenbewohnern früher nicht geachtet wurden, bestand ein reger Warenaustausch zwischen ihnen. (→ Tauschsystem „Fisch für Stärke“)
Manus Die Kultur der rund 4000 titansprachigen Manus (Sprache der Manus-Untergruppe der Admiralitätsinsel-Sprachen, auch M’bunai, Moanus oder Tito genannt)Hartmut Motz: Sprachen und Völker der Erde – Linguistisch-ethnographisches Lexikon. 1. Auflage, Band 2, Projekte-Verlag Cornelius, Halle 2007, ISBN 978-3-86634-368-9. S. 228, 234., die an der Südostküste der Insel sowie u. a. auf Baluan, den San-Miguel-Inseln und Rambutyo leben, wurden um 1960 von der US-amerikanischen Ethnologin Margaret Mead untersucht.
Die Manus sind ausschließlich auf den Fischfang spezialisiert und lebten bis zum Zweiten Weltkrieg auf Pfahlbauten, die in den flachen Lagunen stehen.Erich Fromm: Anatomie der menschlichen Destruktivität. Aus dem Amerikanischen von Liselotte u. Ernst Mickel, 86. - 100. Tsd. Ausgabe, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1977, ISBN 3-499-17052-3. S. 191–192, 196–199. Andere Nahrungsmittel wurden früher gegen Fisch bei den Nachbarvölkern getauscht.Göran Burenhult (Hrsg.): Illustrierte Geschichte der Menschheit. Band: Naturvölker heute. Bechtermünz, Augsburg 2000, ISBN 3-8289-0745-8 (Original: Traditional Peoples Today, Harpercollins 1994). S. 102. Der persönliche ökonomische Erfolg hat für die Männer einen enorm hohen Stellenwert und bestimmt ihren sozialen Status. Dieses Wettstreben führt nicht selten zu einem ungesunden Arbeitseifer und hatte früher zusammen mit dem permanent empfundenen Konkurrenzdruck oftmals eine deutlich verkürzte Lebenszeit zur Folge. Respekt vor dem Besitz anderer, Schamgefühl und körperliche Ertüchtigung sind daneben die höchsten Wertvorstellungen der Manus-Gesellschaft. Die sittlichen Moralvorstellungen (Sexualität, Ehe, Ordnung, Ehre, Solvenz) sind sehr hoch und erinnern an die Werte im Europa des 19. Jahrhunderts. Eine Ausnahme bilden die Gemeinschaftshäuser der Junggesellen, die ein recht lustiges, prahlerisches und unmoralisches Leben am Rande der Gesellschaft führen – bis sie heiraten. Während des Erwachsenseins wird alle Energie in das Erfolgsstreben gesteckt, so dass persönliche Motive wie Zuneigung und Vorlieben, aber auch Abneigung und Hass keine Rolle spielen. Dieses soziokulturelle System spiegelte sich früher in den Glaubensvorstellungen wider: Man suchte nicht die Harmonie mit der Natur oder der Geisterwelt mit Hilfe spirituell-transzendenter Methoden, sondern versuchte schlicht die Geister durch kleine materielle Opfergaben günstig zu stimmen.
In der Kolonialzeit waren die Manus bei den Europäern gefürchtet, da sie häufig Ansiedlungen und Schiffe überfielen. Im Zweiten Weltkrieg kämpften viele von ihnen an der Seite der Amerikaner gegen die Japaner. Danach verließen sie die künstlichen Pfahlbauinseln und zogen aufgrund der Kriegseindrücke (dunkelhäutige Soldaten wurden respektiert, moderne Güter hatten Macht) an die Küste und ins Landesinnere, um dem Prediger Paliau Maloat zu huldigen, der die Ankunft von Gütern aus Amerika versprach, wenn die Menschen ihren Alltag nach amerikanisch-militärischem Vorbild ausrichteten. 1947 zogen die Australier Maloat aus dem Verkehr; die religiöse Neuausrichtung der Anhänger war jedoch nicht mehr rückgängig zu machen. (siehe auch: Cargo-Kult)
Wirtschaft Die meisten Insulaner sind – mit Ausnahme der Bewohner von Lorengau – nach wie vor Fischer und Subsistenzbauern. Die Bewohner der umliegenden Inseln und die Titan-Manus der Südküste tauschten früher Fisch und Korallenkalk im Landesinnern der Hauptinsel gegen landwirtschaftliche Produkte, wie beispielsweise Sago, Obst und Gemüse. Dieses komplexe Tauschhandels- bzw. Muschelgeldsystem „Fisch gegen Sagostärke“ wurde im Zweiten Weltkrieg geschwächt. Anschließend zogen viele Inlandbewohner an die Küste, um dort selbst zu fischen und Korallen zu sammeln. Seit etwa 1970 wurde es weitgehend durch moderne Handelsformen ersetzt.
Die Einbindung in die moderne Geldwirtschaft erfolgt durch den lokalen Verkauf von Kokosnüssen, Gemüse, Bananen, Betelnuss, Fisch, Kakao und Früchten. Eine weitere Geldquelle sind Überweisungen aus Port Moresby.
Bis 2009 wurden Seegurken gefangen.The Manus Economy, 8. September 2014
Geschichte Die Insel Manus wurde 1529 vom spanischen Seefahrer und Kaufmann Álvaro de Saavedra für den europäischen Kulturkreis entdeckt und Uray la Grande genannt. Von 1885 bis 1899 gehörte Manus zum Deutschen Schutzgebiet und von 1899 bis 1914 zur Kolonie Deutsch-Neuguinea. In diesem Zeitraum begannen deutsche Bergbaufirmen mit dem Abbau von Phosphaten und anderen Bodenschätzen, erste Handelsposten wurden auf den vorgelagerten Inseln eingerichtet und Völkerkundler nahmen Kontakt zu den Eingeborenen auf. Alle Aktivitäten der Kolonialherren stießen oft auf heftigen Widerstand, der zahlreiche Opfer forderte. Die Europäer ahndeten dies mit ebenfalls gewalttätigen Strafexpeditionen – teilweise unter Mitwirkung von Kriegsschiffen – bei denen hunderte von Einheimischen starben. Im Juli 1914 nahm die Liebenzeller Mission ihre Tätigkeit auf Manus auf.Hermann Mückler: Mission in Ozeanien. facultas.wuv, Ort Jahr, ISBN 978-3-7089-0397-2. S. 216. Bis 2015 entstanden durch ihre Arbeit 22 Grundschulen und 18 weiterführende Schulen.Mission im Blickpunkt, Zeitschrift der Liebenzeller Mission, Ausgabe 10-2015, S. 3 . mini|links|US-Truppen auf Manus im März 1944.
Im November 1914 wurde die Insel von australischen Truppen besetzt und nach dem Krieg als Mandat des Völkerbundes von Australien verwaltet. Im Kontext des Pazifikkrieges landeten Anfang April 1942 japanische Truppen unter dem Schutz von zwei Leichten Kreuzern und zwei Zerstörern ohne Gegenwehr auf Manus.Bertke, Donald A., Kindell, Don u. a.: World War II – Sea War: The Allies halt the Axis Advance. Vol. 6. Bertke Publications. Dayton (OH) 2014, S. 89. Der größte Teil der kleinen und weit unterlegenen australischen Garnison ging in Gefangenschaft und die Japaner richteten nachfolgend dort eine Militärbasis mit einem eigenen Flugfeld ein. Im schwer zugänglichen Inselinneren führten allerdings versprengte alliierte Soldaten noch über einen Jahr lang einen Guerillakrieg. Am 18. März 1943 wurden die wenigen auf Manus lebenden Europäer, darunter die deutschen Missionare und ihre Angehörigen, von den Japanern ermordet.Walter Stern: Lebensbild: Friedrich Doepke – Pioniermissionar der Liebenzeller Mission in Papua-Neuguinea. In: Friedrich Doepke – Liebenzeller Mission. google.co.uk Die Kriegsverbrechen wurden an Bord des japanischen Zerstörers Akikaze verübt, wobei die 46 zuvor an Bord genommenen Zivilisten, darunter der deutsche Missionar Josef Lörks, rund 60 Seemeilen südlich der Insel an Bord des Kriegsschiffes erschossen und dann über Bord geworfen wurden.D. C. S. Sissons: The Australian War Crimes Trials and Investigations (1942–1951), S. 54.
Im März 1944 wurde die Insel von den Streitkräften der Vereinigten Staaten in zehntägigen Kämpfen erobert (siehe Schlacht um die Admiralitätsinseln), wobei der Großteil der etwa 2.700 Mann starken japanischen Garnison getötet wurde. Im Anschluss richteten die USA für die eigenen Flottenstreitkräfte dort eine Nachschubbasis ein. Im November 1944 ereignete sich ein schweres Unglück auf Manus, als das zum Munitionstransport eingesetzte US-Transportschiff Mount Hood im Seeadler Harbor aus ungeklärten Gründen explodierte, wobei alle 350 Personen an Bord des Schiffes umkamen. Die US-Basis wurde auch von der britischen Flotte im letzten Kriegsjahr und in der frühen Nachkriegszeit nach 1945 zur Versorgung genutzt.
Ab 1949 gehörte die Insel Manus zu dem von Australien verwalteten UN-Treuhandgebiet Territorium Papua und Neuguinea. 1950 und 1951 hielt das australische Militär die letzten Prozesse gegen japanische Kriegsverbrecher der Kategorie B und C auf der Insel ab. Diese war als Gerichtsort ausgewählt worden, weil sie der Japan am nächsten liegende Teil australischen Territoriums war. Die japanischen Gefangenen wurden 1953 ins Sugamo-Gefängnis von Tokio überstellt.