Die Siedlungswasserwirtschaft in Deutschland ist im Vergleich zu anderen Industrieländern unter anderem durch folgende Merkmale charakterisiert:

geringer Wasserverbrauch pro Kopf: 125 Liter/Kopf/Tag (2022)Entwicklung des Wasserverbrauchs pro Einwohner und Tag in Deutschland in den Jahren 1990 bis 2022. Statista im Vergleich zu 165 in Frankreich und mehr als 260 in den USA hoher Grad tertiärer Abwasserklärung: 94 % des städtischen Abwassers wird entsprechend den strengsten EU-Normen geklärt, einschließlich Nährstoffeliminierung, im Vergleich zu Frankreich (36 Prozent) und England/Wales (39 Prozent) und sehr geringe Leitungsverluste von nur 7 % im Vergleich zu 19 % in England und Wales, 26 % in Frankreich und 29 % in Italien. hohe Wasserpreise: Die Gebühren pro Kubikmeter sind in Deutschland gemeinsam mit jenen in Dänemark die höchsten im Vergleich unter den 16 Industrieländern. Allerdings ist die durchschnittliche Wasserrechnung aufgrund des geringeren Wasserverbrauchs in Deutschland nicht höher als in anderen Ländern.

Die Zuständigkeit für die öffentliche Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung liegt bei den Gemeinden unter der Aufsicht der Bundesländer. Verbände spielen eine wichtige Rolle. Wie auch in anderen Mitgliedsstaaten der EU werden Richtlinien zu einem großen Teil durch die EU festgelegt. In den vergangenen Jahrzehnten zeichnet sich ein Trend weg von Regiebetrieben hin zu privatwirtschaftlich organisierten kommunalen Unternehmen ab.

Zugang zu Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung Mehr als 99 % der Bevölkerung in Deutschland sind an ein Trinkwassernetz angeschlossen. Der verbleibende Anteil versorgt sich selbst durch Brunnen. 93 % der Bevölkerung sind an die öffentliche Abwasserentsorgung angeschlossen. Während Haushalte in Süddeutschland und im Westen Deutschlands überwiegend an ein Mischsystem angeschlossen sind, sind Haushalte in Nord- und Ostdeutschland (mit Ausnahme Thüringens) mehrheitlich an ein Trennsystem angeschlossen.

In Deutschland haben (Stand 2020) die Kanalisationsrohrsysteme zusammengenommen eine Länge von insgesamt etwa 600.000 Kilometer.

Häuslicher Wasserverbrauch

Etwa 80 % des öffentlichen Trinkwasserverbrauchs entfallen auf den häuslichen Verbrauch und kleine Betriebe. Der verbleibende Anteil entfällt auf Industriebetriebe, die durch das öffentliche Netz versorgt werden (14 %), und sonstige Nutzer (6 %). (PDF) S. 7–14.

Der Wasserverbrauch in Deutschland ist der zweitniedrigste unter 14 europäischen Ländern. Er beträgt nur einen Bruchteil des Wasserverbrauchs in Nordamerika. Trotz Prognosen über steigenden Wasserverbrauch sank der Verbrauch tatsächlich von 145 Litern pro Kopf und Tag im Jahr 1990 auf 125 Liter pro Kopf und Tag im Jahr 2022. Im selben Zeitraum ist die Wasserförderung um 26 % zurückgegangen. Das entspricht einer Reduzierung um 1,75 Mrd. m³. Der geringere Wasserverbrauch kann negative Auswirkungen haben. So kann es nötig werden, gelegentlich Trinkwasser in die Kanalisation einzuspeisen, um das Stagnieren von Abwasser zu verhindern. Durch langsam fließendes Trinkwasser kann in den Leitungen die Wahrscheinlichkeit einer gesundheitsgefährdenden Rekontamination im Leitungsnetz steigen. Derzeitige Forschungsergebnisse zeigen, dass bei Netzen, die den Anforderungen der Trinkwasserverordnung und der DIN 2000 entsprechen, keine Erhöhung der Koloniezahlen im Trinkwasser durch Stagnation zu erwarten ist. Eine geringere Entnahme von Grundwasser kann außerdem zu Schäden am Fundament von Gebäuden aufgrund eines zu hohen Grundwasserspiegels führen.

Wasserressourcen und öffentliche Trinkwasserversorgung Wasser ist in Deutschland generell nicht knapp, abgesehen von gelegentlicher örtlich begrenzter Trockenheit. Öffentliche Trinkwasserversorgungsunternehmen entnehmen nur 2,7 Prozent der erneuerbaren Wasserressourcen in Deutschland, oder 5,1 Milliarden Kubikmeter von 188 Milliarden Kubikmetern, die im langjährigen Mittel jährlich zur Verfügung stehen. Insgesamt beträgt die jährliche Wasserentnahme aller Wassernutzer zusammen 32,3 Milliarden Kubikmeter (rund 17 Prozent). Etwa 83 Prozent des verfügbaren Wasserangebots werden nicht genutzt.

Die öffentliche Trinkwasserversorgung bezieht ihr Wasser aus folgenden Quellen:

65 % Grundwasser 9 % Quellen 5 % durch Uferfiltrat 21 % aus Oberflächenwasser

Servicequalität Die Servicequalität der Trinkwasserversorgung in Deutschland ist in der Regel gut. Die Versorgung ist in den meisten Fällen kontinuierlich, unter angemessenem Druck und das verteilte Trinkwasser von hoher Qualität. Die Bestimmungen der EU-Trinkwasserrichtlinie werden eingehalten. Das gesamte gesammelte Abwasser wird geklärt. 94 % des städtischen Abwassers wird entsprechend den strengsten EU-Normen geklärt, einschließlich Nährstoffeliminierung. Dieser Anteil ist weit höher als in Frankreich (36 Prozent) oder in England und Wales (39 Prozent).

Zuständigkeit für Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung Direkte Zuständigkeit Die öffentliche Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung in Deutschland fällt in die Zuständigkeit der Gemeinden. Die Gemeinden können ihrerseits die Erfüllung der aus dieser Zuständigkeit resultierenden Aufgaben an kommunale Unternehmen, öffentlich-private Partnerschaften, Zweckverbände oder privatwirtschaftliche Unternehmen delegieren. Es gibt in Deutschland mehr als 6.000 öffentliche Trinkwasserversorger und etwa 6.000 Abwasserentsorger. Bei den meisten handelt es sich um Regiebetriebe kleinerer Gemeinden. Im Gegensatz zum Strom- und Gasmarkt, der weitgehend von privaten Unternehmen bewirtschaftet wird, ist die Wasserversorgung in Deutschland zu mehr als 90 % in kommunaler Hand.

Trinkwasserversorgung Unter den 1.266 größeren Trinkwasserversorgern sind etwa 15 % Eigenbetriebe; 16 % Zweckverbände; 63 % Eigenunternehmen, die entweder im öffentlichen, gemischten oder privaten Eigentum sind. 6 % der Trinkwasserversorger sind Wasser- und Bodenverbände. Nur 3,5 % der Trinkwasserversorger sind in privatem Eigentum (es sind keine Angaben verfügbar über den Anteil der Unternehmen in gemischtem Eigentum, eine zunehmend häufigere Form des Eigentums). Viele Trinkwasserversorger sind Unternehmen, die auch Strom, Gas und/oder Fernwärme anbieten und in diesen Bereichen den größten Teil ihres Umsatzes erzielen.

Abwasserentsorgung Während in einigen Fällen das gleiche Unternehmen für die Trinkwasserversorgung, die Abwasserentsorgung und die Regenwasserbewirtschaftung zuständig ist, werden in den meisten Fällen Wasser und Abwasser in derselben Gemeinde von verschiedenen Versorgern bewirtschaftet. Anders als die Trinkwasserversorgung ist die Abwasserentsorgung in Deutschland eine hoheitliche Kernaufgabe der Gemeinden. Dies impliziert, dass die Abwasserentsorgung von der Umsatzsteuer sowie von der Gewerbesteuer und Körperschaftssteuer freigestellt ist. Es bedeutet auch, dass nur öffentlich-rechtliche Unternehmen für die Abwasserentsorgung und Regenwasserbewirtschaftung zuständig sein können. Die meisten Gemeinden betreiben daher die Abwasserentsorgung und Regenwasserbewirtschaftung direkt in Form von Regiebetrieben. Weniger als 10 % der Abwasserentsorger sind Eigenbetriebe mit eigenständiger Rechtspersönlichkeit. Allerdings können die Gemeinden oder die kommunalen Eigenbetriebe Betreiberverträge mit privaten Unternehmen abschließen. Unter den 900 größten Abwasserentsorgern haben etwa 10 % Betreiberverträge für den Betrieb der Kanalisation abgeschlossen. 12 % haben Betreiberverträge über den Betrieb von Kläranlagen abgeschlossen.

Versorgungsunternehmen in Deutschland (Auswahl) mini|Der Bodensee, hier zu sehen in Lindau, versorgt nicht nur die an ihm gelegenen Ortschaften, sondern auch 320 zum Teil weit entfernte Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg direkt oder indirekt mit Trinkwasser Die Berliner Wasserbetriebe sind ein landeseigenes Unternehmen der Stadt Berlin. Sie versorgen 3,5 Millionen Menschen mit Wasser und entsorgen das Abwasser von 3,9 Millionen Menschen. Die Bodensee-Wasserversorgung ist ein 1954 gegründeter Zweckverband mit Sitz in Stuttgart zur Deckung des Wasserbedarfs in vielen Gemeinden der wasserarmen Schwäbischen Alb und im Großraum Stuttgart. Heute versorgt sie als eine der größten deutschen Fernwasserversorgungen etwa vier Millionen Menschen in rund 320 Städten und Gemeinden in weiten Teilen Baden-Württembergs mit Trinkwasser aus dem Bodensee. Das Versorgungsgebiet erstreckt sich vom Bodenseegebiet im Süden bis nach Bad Mergentheim und Tauberbischofsheim im Norden. Die swb AG, Nachfolgerin der Stadtwerke Bremen, versorgt über ihre Tochtergesellschaften die Städte Bremen und Bremerhaven mit Trinkwasser, die Abwasserentsorgung erfolgt über die hanseWasser Bremen GmbH. Die DREWAG, Stadtwerke Dresden GmbH, stellt Strom, Erdgas, Trinkwasser und Fernwärme bereit. Anteilseigener sind zu 90 % die Stadt Dresden und zu 10 % die Thüga AG. Eines der größten rein privaten Wasserunternehmen in Deutschland ist die Gelsenwasser AG, die rund 3,2 Millionen Einwohner in Nordrhein-Westfalen mit Wasser und Gas versorgt und deren Abwasser entsorgt. Dies geschieht im Rahmen von Konzessionsverträgen mit 39 Gemeinden. Die 2006 gegründete Hamburg Wasser versorgt mehr als 2 Millionen Menschen mit Wasser und entsorgt ihr Abwasser. Sie umfasst die Hamburger Wasserwerke und die Hamburger Stadtentwässerung. Die Landeswasserversorgung ist ein kommunaler Zweckverband in Baden-Württemberg. Das Unternehmen mit Sitz in Stuttgart wurde 1912 gegründet und gehört zu den größten Fernwasserversorgungen Deutschlands. Es versorgt rund 3 Millionen Einwohner in ca. 250 Gemeinden im Nordosten Baden-Württembergs unter anderem mit Wasser aus der Donau. Ein großes öffentliches Eigenunternehmen, das mehrere verschiedene Infrastrukturdienstleistungen anbietet, ist die Mainova AG in Frankfurt am Main, die Wasser, Strom, Gas und Fernwärme bereitstellt. Die RheinEnergie AG versorgt Köln und Gemeinden im Kölner Umland mit Strom und Wasser. Sie ist zu 80 % im Besitz der stadteigenen GEW Köln AG und zu 20 % im Besitz der RWE-Gruppe. Die Stadtwerke München zählen zu den größten Energieversorgungsunternehmen Deutschlands und bieten Wasser, Strom, Gas und Fernwärme an. Alleingesellschafterin ist die Landeshauptstadt München. Die neun Wasserwirtschaftsverbände in Nordrhein-Westfalen, darunter der Ruhrverband und der Wupperverband betreiben Kläranlagen, Talsperren sowie Messanlagen für Wasserqualität und Wasserstände. Es handelt sich bei ihnen um Körperschaften des öffentlichen Rechts.

Zuständigkeit für die Setzung politischer Rahmenbedingungen und Regulierung Die Zuständigkeit für die Setzung politischer Rahmenbedingungen und die Regulierung der Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung in Deutschland liegt gemeinsam bei der EU, dem Bundestag und den Landesparlamenten. Die EU bestimmt die Rahmengesetzgebung für die Wasserqualität und Wasserwirtschaft.

Die Organisation der öffentlichen Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung verbleibt allerdings in der Zuständigkeit der Mitgliedsstaaten. Insbesondere schreibt der europäische Gesetzgeber nicht vor, ob die Abwasserbeseitigung öffentlich-rechtlich oder privatrechtlich zu erfolgen hat. Die Länder spielen eine Schlüsselrolle, indem sie entscheiden, ob die den Gemeinden obliegende Pflicht zur Abwasserbeseitigung auf juristische Personen des Privatrechts übertragen werden darf. Sie setzen unter anderem den gesetzlichen Rahmen für die Genehmigung von Wasser- und Abwasserpreisen. Gemeinden üben indirekt Einfluss auf die Politikgestaltung aus durch ihre Verbände (den Deutschen Städtetag und den Deutschen Städte- und Gemeindebund).