mini|250px|Stadtansicht Potsdams mit Garnisonkirche, Stadtschloss und Nikolaikirche 1871 mini|250px|Das Alte Rathaus, Sitz der Stadtverwaltung von 1755–1945
Die Geschichte Potsdams umfasst mehr als eintausend wechselhafte Jahre. Die Anfänge der Stadtentwicklung sind gekennzeichnet durch die Kämpfe mit dem Heiligen Römischen Reich bis zur endgültigen Eroberung durch Albrecht den Bären im Jahr 1150. Die folgenden Jahrhunderte verblieb die Stadt eine kleine Ortschaft ohne überregionale Bedeutung. Die weitere Entwicklung der Stadt wurde wesentlich bestimmt durch die Wahl Potsdams als Brandenburgisch-Preußische Residenzstadt durch den Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von 1660 bis 1918. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Potsdamer Konferenz abgehalten, welche die Teilung Deutschlands in Besatzungszonen besiegelte. Nach der Wiedervereinigung 1990 wurde Potsdam die Landeshauptstadt des neu gegründeten Bundeslandes Brandenburg.
Namensbildung und Vorgeschichte (400–1000) mini|Schenkungsurkunde von 993
Im Zuge der Völkerwanderungen ab dem 4. Jahrhundert verließen die Sueben, der elbgermanische Teilstamm der Semnonen bis auf wenige Restgruppen ihre Heimat an Havel und Spree in Richtung Oberrhein. Im 6. und 7. Jahrhundert zogen in den vermutlich weitgehend siedlungsleeren Raum Slawen ein. In diesem Zeitraum errichtete der slawische Stamm der Heveller gegenüber der Einmündung der Nuthe eine Burganlage an der Havel. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte in einer Schenkungsurkunde des Kaisers Otto III. des Heiligen Römischen Reiches als Poztupimi (nach Karlheinz Hengst altpolabisch für „Zugang, Anlegestelle“) am 3. Juli 993. Die Schenkung sollte an seine Tante erfolgen, die Äbtissin Mathilde von Quedlinburg. Das Dokument blieb wahrscheinlich vorerst wirkungslos, da aufgrund des Slawenaufstandes von 983 die deutsche Herrschaft bis an die Elbe zurückgedrängt worden war. Die Urkunde erwähnt die beiden Orte Poztupimi et Geliti, welche heute als Potsdam und Geltow gedeutet werden. Die genaue Namensherkunft ist nicht geklärt, Poztupimi leitet sich möglicherweise von den slawischen Wörtern pod und stupa ab, welche mit „unter den Eichen“ übersetzt werden können. Eine andere Möglichkeit ist die Ableitung von einem slawischen Personennamen Postapim.
Die Bedeutung der Region beruhte auf der Beherrschung des Havelübergangs. Dennoch war die Stadt abgelegen von den bedeutenden Handelsrouten und umgeben von Wasser und Sümpfen. Die Einwohner ernährten sich überwiegend von Ackerbau, Viehzucht und Fischfang.
Entwicklung im Mittelalter (1000–1600) mini|hochkant|Albrecht der Bär gründete 1157 die Mark Brandenburg.
Das Heilige Römische Reich setzte seine Ostkolonisation in den folgenden Jahren entschiedener fort. Erst im Jahr 1150 gelang die endgültige Eroberung der Stadt Potsdam durch Albrecht den Bären. Er gründete 1157 die Mark Brandenburg und wurde damit der erste Markgraf von Brandenburg. Durch Albrecht kam die Nordmark als Mark Brandenburg auch faktisch zum Heiligen Römischen Reich. Am Havelübergang wurde eine deutsche, steinerne Turmburg erbaut, etwa 700 m von der slawischen Burg entfernt. Eine kleine Dienstsiedlung entwickelte sich neben den Burgen. Die ursprüngliche slawische Burg blieb wahrscheinlich weiterhin erhalten. Im Jahr 1304 wurde Potsdam erstmals als „Stedeken“ (Städtlein) erwähnt.
Im Jahr 1317 erfolgte die erste urkundliche Nennung als Burg und vor allem als „Stadt“ unter dem Namen Potsdam. 1345 erhielt Potsdam das Stadtrecht, Markgraf Ludwig bestätigt in einem Schreiben den Potsdamern Ratsmännern und der Gemeinde alle bisherigen Rechte. Allerdings blieb Potsdam lange Zeit ein unbedeutender kleiner städtischer Marktflecken. Von 1416 an bis zum Ende des Ersten Weltkrieges und dem damit verbundenen Untergang der Monarchie in Deutschland verblieb Potsdam im Besitz der Hohenzollern. Zwei große Brände im 16. Jahrhundert fügten der Stadt schwere Schäden zu. Die Stadtgebiete wurden häufig verpfändet und wechselten so die Besitzer. Im Jahr 1573 lebten nur 2.000 Einwohner in der Stadt in insgesamt 192 Häusern. Die Anzahl der historischen Quellen aus der Zeit vor dem 16. Jahrhundert ist relativ gering, zum einen gingen Aufzeichnungen bei Bränden verloren, zum anderen war auch die Bedeutung der Stadt gering.
Preußische Residenzstadt Der große Kurfürst (1640–1688) mini|hochkant|links|Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm wählte 1660 Potsdam zur Residenz.
Mit dem kurmärkischen Landtag 1653, auf dem der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm die Macht des Landadels einschränkte, begann die absolutistische Zeit in Brandenburg. Seine Regierungszeit war eine der einflussreichsten in der Geschichte Brandenburgs und Potsdams. Er kaufte die einzelnen verpfändeten Stadtgebiete zusammen und entschloss sich, die Stadt zu seiner zweiten Residenz neben Berlin auszubauen. Damit folgte ein Entwicklungsschub, unter anderem durch den Umbau der älteren Burg zu einem Stadtschloss sowie der Verschönerung der Umgebung. Die Wahl auf das Gebiet Potsdams kann auf mehrere Gründe zurückzuführen sein. Die relativ unberührte Natur und die reichhaltigen Jagdgründe ermöglichten dem Kurfürsten seiner Vorliebe für die Jagd nachzugehen. Zudem gab es kaum ein entwickeltes Bürgertum, welches sich dem Willen des Hofstaates gegenüberstellen konnte.
mini|hochkant|Das Edikt von Potsdam 1685 bewirkte ein schnelles Bevölkerungswachstum nach dem Dreißigjährigen Krieg. Nach dem Ende des verheerenden Dreißigjährigen Kriegs verblieben nur 700 Menschen in der Stadt. Als Potsdam 1660 offiziell Residenzstadt wurde, waren immer noch 119 von 198 Häusern unbewohnt. 29 Haushalte galten als verarmt und konnten keine Steuern zahlen. Erst mit Hilfe des Toleranzediktes von Potsdam im Jahre 1685 konnten aufgrund steigender Immigration die Landstriche neu bevölkert werden. Vor allem die verfolgten, protestantischen Hugenotten aus Frankreich flohen in den Schutz der brandenburgischen Gebiete. Etwa 20.000 Menschen folgten dem Angebot und verhalfen der Wirtschaft mit ihrem Fachwissen zum Aufschwung. Die französische Kultur war unter anderem auf dem Gebiet der Literatur und der Architektur weit entwickelt. In der Stadt Potsdam wurde ab 1719 im Zuge der ersten Stadterweiterung das Französische Quartier (ca. 50 Häuser) errichtet, welches aber im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Erhalten blieb die Französische Kirche, welche heute die älteste erhaltene Kirche im historischen Stadtgebiet von Potsdam ist. Zu den einflussreichen Nachfahren der Hugenotten zählen unter anderem der Schriftsteller Theodor Fontane, der Baumeister Carl von Gontard und der frühere Bundesinnenminister Thomas de Maizière. An die Aufnahme hugenottischer Flüchtlinge durch Friedrich Wilhelm I. erinnert ein Relief am Genfer Reformationsdenkmal.
mini|hochkant=0.6|Die 1735 errichtete Garnisonkirche (Ca. 1900) Friedrich Wilhelm I. (1713–1740) Unter dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. entwickelte sich Potsdam besonders in baulicher Hinsicht durch zwei Stadterweiterungen. Da der König seine Soldatenbataillone komplett von Königs Wusterhausen in die Stadt verlegen ließ, musste entsprechend neuer Platz geschaffen werden. Bis dieser zur Verfügung stand, kam es zu Einquartierungen in den Häusern der örtlichen Bevölkerung. Zwei bis sechs Soldaten waren aufzunehmen und mit Kleidung und Verpflegung zu versorgen. Nördlich der bisherigen Altstadt um das Stadtschloss entstanden dann ab 1720 die erste und die zweite Stadterweiterung. Die Fassaden blieben zunächst einfach gehalten da der König einen sparsamen Baustil verordnet hatte. Als äußere Begrenzung diente eine Stadtmauer, deren Tore noch heute teilweise erhalten sind (u. a. Brandenburger Tor, Nauener Tor). Den angeheuerten Soldaten, auch bekannt als Lange Kerls, sollte so das mögliche Desertieren erschwert werden. Bemerkenswert an den neuen Stadtquartieren war die Lage der Straßen, die von oben betrachtet eine Schachbrettform ergaben. Auch die drei neu gebauten Kirchen, die Heilig-Geist-Kirche, St.-Nikolai-Kirche und die Garnisonkirche bildeten eine Linie. Damit gab Friedrich Wilhelm I. Potsdam erstmals ein strukturiertes Gesicht.
Friedrich der Große (1740–1786) mini|hochkant=0.8|Der aufgeklärte Monarch Friedrich der Große
Friedrich der Große prägte das Schicksal der Residenzstadt Potsdam vor allem in künstlerischer und architektonischer Hinsicht. Er ließ ab 1745 ganze Straßenzüge umgestalten und mit Barockfassaden versehen. Diese waren zwar häufig nur vorgeblendet, gaben der Stadt jedoch ein prächtiges Aussehen, das durch weitere Projekte wie dem Umbau des Stadtschlosses oder der Gestaltung des Alten Marktes weiter aufgewertet wurde. Auch sein bedeutendstes Schloss, das Schloss Sanssouci entstand in dieser Zeit auf einem Berg im Nordwesten, dem späteren Weinberg im Park Sanssouci. Den Park selbst ließ er durch Anlage weiterer bedeutender Bauwerke im Stil des Friderizianischen Rokoko zu seinem Residenzgarten umgestalten. 50 Jahre später öffnete dieser auch für das Bürgertum.
In der Kultur entwickelte sich Potsdam neben Berlin zu einem Zentrum in Preußen. Friedrich schätzte die Gedanken der Aufklärung und förderte die Wissenschaft und die Kunst. Der bedeutende Philosoph der Aufklärung Voltaire wurde auf Wunsch des Königs 1750 an den Hof von Sanssouci eingeladen. Er trat das gut dotierte Amt eines Königlichen Kammerherrn an und wurde behandelt wie ein hochrangiger Gast.
Stadtentwicklung (1800–1918) mini|links|hochkant|Potsdamer Stadt-Obligation über 100 Thaler, 1852
In der Nacht vom 21. zum 22. Oktober 1806 erreichte Napoléon Bonaparte mit seinen Truppen die Stadt Potsdam. Die nachhaltige Wirkung der Besatzungszeit belastete die Bevölkerung schwer und warf die Stadt in ihrer Entwicklung für lange Zeit zurück. Bemerkenswert war der Besuch Napoleons am Grab Friedrichs des Großen in der Gruft der Garnisonkirche mit der überlieferten Aussage: „Wenn er noch gelebt hätte, wäre ich nicht hier“.,1
Ab 1815 entwickelte Friedrich Wilhelm III. die Stadt zu einem Verwaltungszentrum. Es siedelten sich zahlreiche Regierungsbeamte in Potsdam an. 1838 ging mit der Strecke Potsdam–Berlin die erste Eisenbahnlinie Preußens in Betrieb.
Hauptartikel → Architektur Potsdams unter Friedrich Wilhelm IV.
Die zunehmenden Spannungen in der Zeit des Vormärzes entluden sich in der Märzrevolution von 1848. Das Volk kämpfte auf den Barrikaden im benachbarten Berlin für eine liberale Verfassung. Nach den tödlichen Schüssen des Militärs hatte Friedrich Wilhelm IV. den 187 Toten auf dem Berliner Schloßplatz seine Reverenz erwiesen. Am 29. März siedelte der König in die vermeintlich ruhigere Nachbarstadt Potsdam um. Doch am 12. September 1848 sprang der Funke der Revolution auch auf Potsdam über. Meuternde Soldaten versammelten sich diskutierend vor dem Neuen Palais. Als die Soldaten versuchten, gefangene Kameraden aus dem Arrest zu befreien, wurde der Aufstand schnell von preußischen Elitetruppen niedergeschlagen. Die „Potsdamer Meuterei“ blieb damit nur eine kurze Episode der Deutschen Revolution.https://www.zeitreisen.de/1848/kap2/thema4.htm#3
mini|hochkant|Kriegserklärung zum Ersten Weltkrieg 1914.
Nach den Wirren der unvollendeten Revolution war die Restauration der alten Machtverhältnisse das vorherrschende Ziel. 1848 wurde der kurzlebige Potsdamer Verein für deutsche Sprache gegründet. Zahlreiche ambitionierte Bauprojekte trieb man voran, so die Nikolaikirche (1850) und die katholische Kirche St. Peter und Paul im Jahre 1867. Die hohen Bauten prägen noch heute das Stadtbild. Das Jahr 1888 ging als Dreikaiserjahr in die deutsche Geschichte ein. Auf Wilhelm I., der am 9. März verstarb, folgte sein an Kehlkopfkrebs erkrankter Sohn Friedrich Wilhelm als Friedrich III., der nach 99 Tagen Regentschaft am 15. Juni starb. Ihm folgte am selben Tag sein ältester Sohn Friedrich Wilhelm als deutscher Kaiser und König von Preußen Wilhelm II.
mini|links|Stadtplan von Potsdam um 1900