Basisdaten Landeskirche: Evangelische Landeskirche in Württemberg Prälatur: Reutlingen Gliederung: 19 Kirchengemeinden Gemeindeglieder: ca. 40.000 (2024) Adresse desDekanatamtes: Pfarrstr. 1571229 Leonberg Dekanin: Gabriele Waldbaur Karte 200px|Lage des Kirchenbezirks Leonberg innerhalb der Evang. Landeskirche in Württemberg
Der Evangelische Kirchenbezirk Leonberg ist einer von derzeit (2026) 35 Kirchenbezirken bzw. Kirchenkreisen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sein Gebiet ist deckungsgleich mit dem Dekanat Leonberg.
Geografie Der Kirchenbezirk Leonberg liegt im Westen der württembergischen Landeskirche. Sein Gebiet umfasst den Norden des Landkreises Böblingen, also das Gebiet der politischen Städte und Gemeinden Leonberg, Renningen, Rutesheim, Weil der Stadt und Weissach sowie den Südosten des Enzkreises, also die Städte und Gemeinden Friolzheim, Heimsheim, Mönsheim und Wimsheim.
Nachbarkirchenbezirke Der Kirchenbezirk Leonberg grenzt an folgende Kirchenbezirke (beginnend im Norden) Mühlacker (Prälatur Heilbronn), Vaihingen-Ditzingen und Kirchenkreis Stuttgart (ehem. Kirchenbezirk Stuttgart), beide Prälatur Stuttgart, sowie Böblingen und Calw-Nagold (beide Prälatur Reutlingen). Im Westen hat er eine Grenze zur Evangelischen Landeskirche in Baden (Kirchenbezirk Pforzheim-Stadt und Kirchenbezirk Badischer Enzkreis).
Geschichte Das Gebiet des heutigen Dekanats bzw. Kirchenbezirks Leonberg gehört überwiegend zum alten Kernland Württembergs, das ab 1534 die Reformation einführte, so dass das Gebiet fast ganz evangelisch geprägt ist. Lediglich das Gebiet der ehemals Freien Reichsstadt Weil der Stadt blieb nach der Reformation katholisch. Leonberg wurde 1552 Sitz eines Dekanats, damals als Superintendentur bezeichnet, das zum Generalat Maulbronn gehörte. Zum Dekan wurde der Stadtpfarrer von Leonberg ernannt. Ab 1823 gehörte das Dekanat Leonberg zum Generalat Ludwigsburg, ab 1913 zum Generalat Reutlingen, aus der die heutige Prälatur Reutlingen hervorging. Zwischen 1992 und 2003 war das Dekanat Leonberg erneut der Prälatur Ludwigsburg zugeordnet.
Infolge der Auflösung einiger Kreise bzw. Oberämter in Württemberg 1939 wurden auch die kirchlichen Verwaltungsbezirke teilweise neu gegliedert. So wurde mit Wirkung vom 1. April 1939 die Kirchengemeinde Weilimdorf in den Kirchenbezirk Bad Cannstatt umgegliedert. Im Gegenzug erhielt der Kirchenbezirk Leonberg vom Kirchenbezirk Böblingen die Kirchengemeinde Schafhausen und vom Kirchenbezirk Vaihingen an der Enz die Kirchengemeinde Weissach.
Leitung des Kirchenbezirks Die Leitung des Kirchenbezirks obliegt der Bezirkssynode, dem Kirchenbezirksausschuss (KBA) und dem Dekan. Derzeitige Dekanin ist seit 2023 (als Nachfolgerin von Wolfgang Vögele) Gabriele Waldbaur, die zugleich Pfarrerin an der Stadtkirche in Leonberg ist.
Dekane des Kirchenbezirks Leonberg seit 1794 1794–1808 Georg Christoph Sigwart 1809–1823 Gottlieb David Sarwey 1824–1833 Amandus Friedrich Günzler 1833–1838 Friedrich Eberhard Wächter 1839–1843 Ludwig Heinrich Kapff 1843–1864 Gustav Ferdinand Haug 1864–1869 Karl Theodor Wächter (1820–1888) 1869–1891 Eduard Reinhold Lamparter (1824–1903) 1891–1902 Theodor Heinrich Camerer 1903–1913 D. Gustav Groß (1864–1943) 1913–1932 Eugen Lachenmann (1869–1937) 1933–1944 Emil Mildenberger 1944–1949 Martin Plieninger (1894–1954) 1949–1953 Immanuel Pfizenmaier (1891–1965) 1953–1961 Ernst Lachenmann 1961–1970 Hansulrich Esche (1905–1974) 1970–1985 Eugen Stöffler jun. (1926–1985) 1986–1994 Otto Kollmar (* 1931) 1994–2005 Hartmut Fritz (* 1945) 2005–2022 Wolfgang Vögele (* 1956) seit 2023 Gabriele Waldbaur
Kirchengemeinden Im Kirchenbezirk Leonberg gibt es insgesamt 19 Kirchengemeinden. Die jeweils in Klammern hinter dem Namen der Kirchengemeinde angegebenen Gemeindegliederzahlen beziehen sich auf das Jahr 2005 und sind gerundet.
Das Gebiet des Kirchenbezirks Leonberg ist überwiegend evangelisch geprägt. Es gibt daher fast in jedem Dorf auch eine evangelische Kirchengemeinde und eine meist alte Kirche. In den meisten Orten zogen Katholiken überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu. Lediglich Weil der Stadt ist von alters her katholisch geprägt, doch gibt es hier seit dem 19. Jahrhundert auch eine evangelische Kirchengemeinde.
Der Kirchenbezirk Leonberg ist in drei Distrikte unterteilt, zu denen jeweils mehrere benachbarte Kirchengemeinden gehören. Innerhalb der Distrikte vertreten sich die Pfarrer in der Regel gegenseitig bei Abwesenheiten. Auch kooperieren die Kirchengemeinden in Teilbereichen miteinander. Die drei Distrikte sind: Leonberg mit der Gesamtkirchengemeinde Leonberg und der Kirchengemeinde Gebersheim-Höfingen Renningen / Weil der Stadt (Renningen, Malmsheim, Weil der Stadt, Würmtalkirchengemeinde Merklingen-Münklingen-Hausen und Schafhausen) Rutesheim / Weissach und Enzkreis (Rutesheim, Rutesheim/Silberberg, Perouse, Weissach, Flacht, Friolzheim, Heimsheim, Mönsheim und Wimsheim)
Kirchengemeinde Flacht mini|links|120px|Laurentiuskirche in Flacht Die Kirchengemeinde FlachtWebsite der Kirchengemeinde. (ca. 1.750) umfasst den Ortsteil Flacht der Gemeinde Weissach. 1343 wurde erstmals eine Kirche erwähnt, deren Patronatsrechte die Ortsherren hatten. 1340 war sie mit Württemberg strittig. 1513 wurde sie dem Kloster Maulbronn inkorporiert und 1514 als St.-Laurentius-Kirche bezeichnet. Die gotische Kirche im befestigten Kirchhof wurde im 18. und 19. Jahrhundert umgestaltet. 1961 wurde sie renoviert. Dabei wurde ein Teil eines römischen Grabmals entdeckt.
Mit Wirkung vom 1. Juli 2004 wurde der Wohnplatz Ziegelhütte von der Kirchengemeinde Flacht in die Kirchengemeinde Perouse umgegliedert.
Kirchengemeinde Friolzheim mini|120px| Agapituskirche in Friolzheim Die Kirchengemeinde FriolzheimWebsite der Kirchengemeinde. (ca. 1.500) umfasst die Gemeinde Friolzheim. Seit dem 12. Jahrhundert ist eine Kirche in Friolzheim erwähnt. Später gehörte sie dem Kloster Hirsau. Zur Pfarrei gehörte bis ins 15. Jahrhundert auch Tiefenbronn. 1556 wird sie Kirche St. Agapitus genannt. Die spätgotische Kirche wurde 1522 verbreitert und danach mehrfach verändert. Baumeister des Jahres 1522 waren unter anderen Jacob Höß und Hans Wunderer, deren Namen über der Seitentüre als Inschrift zu finden sind. Der Chorturm hat ein Rippengewölbe. 1938 wurde die Sakristei der Kirche zum Kirchsaal ausgebaut. In den Jahren 1968/69 wurde die gesamte Kirche renoviert und nach Westen erweitert. Das Chorfenster stammt von dem Flachter Künstler Sepp Vees. In Friolzheim gibt es auch einen Posaunenchor, der innerhalb des Vereins CVJM Friolzheim e. V. organisiert ist.
Kirchengemeinde Gebersheim-Höfingen Die Kirchengemeinde Gebersheim-HöfingenWebsite der Kirchengemeinde. entstand zum 1. Januar 2019 aus der Fusion der Kirchengemeinden Gebersheim und Höfingen.
mini|links|120px| Kirche und Pfarramt Gebersheim Die Kirchengemeinde Gebersheim (ca. 1.150) umfasste den Stadtteil Gebersheim der Stadt Leonberg. Eine Kirche ist bereits im 12. Jahrhundert bezeugt, als Teile davon von Graf Ludwig von Arnstein dem Kloster Hirsau eingetauscht wurden. Das Patronat hatte spätestens seit dem 14. Jahrhundert Württemberg inne, das die Reformation einführte. Das ursprüngliche Schiff der Kirche (ab 1556 St. Silvester) wurde 1588 erbaut, doch wurde es 1968/69 abgetragen und neu erweitert. Der Turm wurde 1863 errichtet, hat aber in seinen ältesten Teilen noch vorreformatorische Fresken. Das Pfarrhaus Gebersheim wurde 1800 erbaut, Teile des Kellers sind aber älter. Es befindet sich im Besitz des Landes Baden-Württemberg und wird der evangelischen Kirchengemeinde zur Nutzung überlassen.
Für die Gemeindearbeit erbaut sich die Kirchengemeinde Gebersheim 1963 das Evangelische Jugendheim. Die Kirchengemeinde Gebersheim ist auch Träger eines Kindergartens, der 1998 erweitert wurde. Ferner gibt es in Gebersheim einen Posaunenchor, der innerhalb des Vereins CVJM Gebersheim e. V. organisiert ist.
mini|120px| Laurentiuskirche in Höfingen Die Kirchengemeinde Höfingen (ca. 2.800) umfasste den Stadtteil Höfingen der Stadt Leonberg. Eine Kirche wurde erstmals 1315 erwähnt. Das Patronat hatten ursprünglich die Ortsherren, seit dem 14. Jahrhundert Württemberg. Württemberg schenkte die Kirche 1442 der Salve-Regina-Bruderschaft an der Stiftskirche in Stuttgart, der sie inkorporiert wurde. Seit der Reformation ist die ab 1696 als Kirche St. Laurentius und Mauritius bekannte Kirche evangelische Pfarrkirche. Sie steht etwas erhöht in einem ummauerten Kirchhof. Das Schiff ist im Kern noch gotisch, hauptsächlich aber im 18. Jahrhundert erbaut worden. Der Westturm hat noch einen romanischen Chor mit Kreuzrippengewölbe. Die Kirche besitzt Grabmäler der Herren von Höfingen aus dem 16. und 17. Jahrhundert.
Mit Wirkung vom 15. Oktober 1991 wurden die Evangelischen des Wohnplatzes Felsensägmühle 3 in die Kirchengemeinde Leonberg (Stadtkirche/Gartenstadt) umgegliedert.
Kirchengemeinde Heimsheim mini|links|120px| Evangelische Stadtkirche Heimsheim Die Kirchengemeinde HeimsheimWebsite der Kirchengemeinde. (ca. 2.300) umfasst die Stadt Heimsheim. Eine Pfarrei ist in Heimsheim seit 1282 bezeugt. Das Patronat der Kirche, die 1555 Marienkirche (Zu Unserer Lieben Frau) genannt wird, hatte die Ortsherrschaft, im 15. Jahrhundert die Herren von Stein, dann die von Gemmingen, bevor es an Württemberg ging. Von der ursprünglichen Kirche ist nur der spätgotische Chor erhalten, der Rest wurde 1634 zerstört. Das Schiff wurde 1657/58 neu erbaut und im 18. Jahrhundert verändert. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche 1948 bis 1950 wieder aufgebaut.
Außer der Stadtpfarrkirche „Unserer lieben Frau“ besitzt die Kirchengemeinde Heimsheim ein Gemeindehaus, ein Pfarrhaus und das Freizeitheim Wannehaus am Ortsrand von Heimsheim. Auf dem musikalischen Bereich gibt es einen Gospelchor und einen Kirchenchor sowie einen Posaunenchor (gegründet 1950).
Gesamtkirchengemeinde Leonberg Die Gesamtkirchengemeinde Leonberg (ca.) umfasst die Kernstadt und die Stadtteile Eltingen und Ramtel der Stadt Leonberg. Sie wurde durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 19. November 1970 gebildet. Damals wurde die 1965 aus der Michaelskirchengemeinde Leonberg-Eltingen und der Versöhnungskirchengemeinde Leonberg-Ramtel gebildete Gesamtkirchengemeinde Leonberg-Eltingen aufgelöst und deren beide Teilkirchengemeinden mit der Kirchengemeinde Leonberg zur neuen Gesamtkirchengemeinde Leonberg vereinigt. Das Kultusministerium hatte die neue Gesamtkirchengemeinde Leonberg mit Schreiben vom 9. Juni 1970 als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. 1983 wurde dann innerhalb der Gesamtkirchengemeinde Leonberg noch die Blosenbergkirchengemeinde Leonberg gebildet. Zum 1. Januar 2016 fusionierten Stadtkirchengemeinde, Versöhnungskirchengemeinde und Blosenbergkirchengemeinde zur Kirchengemeinde Leonberg-Nord. Neben den Kirchengemeinden Leonberg-Nord und Leonberg-Eltingen gehören auch die Kirchengemeinde Warmbronn und die Personale Gemeinde „Gemeinde am Glemseck“ zur Gesamtkirchengemeinde Leonberg, die also aus vier Teilkirchengemeinden besteht.
Kirchengemeinde Leonberg-Eltingen mini| 120px|Michaelskirche in Eltingen Die Kirchengemeinde Leonberg-EltingenWebauftritt der Kirchengemeinde auf der Website der Gesamtkirchengemeinde Leonberg. (ca. 5.400) umfasst den Stadtteil Eltingen und einige zugehörige Weiler der Stadt Leonberg. Die Michaelskirche Eltingen wurde 1150 erstmals erwähnt. Über das Kloster Hirsau kam das Patronat 1318 an Württemberg, das die Reformation einführte. Die heutige Kirche wurde 1487 von Peter von Koblenz erbaut. Es handelt sich um eine einschiffige Kirche mit Netzgewölbe im Chor und in der Sakristei. Im Innern ist ein gotisches Chorgestühl von 1494 und ein spätgotisches Kruzifix erhalten. 1989 wurden die neuen Chorfenster von Walter Schimpf und Günther Anton eingesetzt. Im Frühjahr 2000 wurde die gesamte Kirche innen und außen renoviert.