mini|hochkant=0.9|Carl Rabus Carl Johann Rabus (* 30. Mai 1898 in Kempten; † 28. Juli 1983 in Murnau am Staffelsee) war ein expressionistischer Künstler, der von den Nationalsozialisten verfolgt wurde. Nach 1945 beschäftigte er sich intensiv mit der abstrakten Malerei.

Familie Carl Rabus war Sohn des aus Bad Grönenbach im Allgäu stammenden Schreinergehilfen Joseph Rabus (1858–1907) und dessen Ehefrau Caroline (geborene Fürst) aus Memmingen. Die Familie verzog 1900 nach München, der Vater verlor wenig später sein ganzes Vermögen und verstarb.

Leben Carl Rabus wechselte 1914 von der Realschule auf die Zeichenschule und ab 1916 besuchte er die Münchner Akademie. bei Angelo Jank. Nach dem Militärdienst (1918–19) hatte Rabus ab 1920 erste Ausstellungen bei Hans Goltz in München und bei Herwarth Walden in der Sturm-Galerie in Berlin. Ab 1923 arbeitete Rabus in Berlin als Buch- und Zeitschriftenillustrator. Hier hatte er schon 1921 für den Boheme-Verlag die Coverillustration zu den Programmzetteln der Sturm- und Drangbühne (im Lyzeum-Club, Lützowplatz 8) und die Bühnenbilder und Kostüme für die dortige Uraufführung von Carl Hauptmanns Einakter Genie und Gespenster! am 28. Februar 1921 geschaffen. Er veröffentlichte unter anderem in den Zeitschriften Eulenspiegel, Orchideengarten und Jugend. In den Folgejahren entwickelte er sich weiter. Es entstanden Federzeichnungen, Tuschzeichnungen, Holz- und Linolschnitte, die einen breiten Raum seiner Anfangsjahre einnehmen, Bleistiftzeichnungen, Aquarelle, Ölgemälde; später auch Hinterglasbilder und handgeknüpfte Wandteppiche. Viele seiner Werke entstanden in den Jahren bis 1974 „vor Ort“: unter anderem in Spanien, in Frankreich, Österreich, Italien, im früheren Jugoslawien, in der Schweiz und in Belgien, wo er Asyl erhalten hatte. Dort würdigte James Ensor, einer der großen Maler seiner Zeit, den jungen Deutschen so: „Ein mitreißender Aquarellist mit Maß. Man sieht Carl Rabus, den jenseits der Norm Schaffenden, als einen der Großen“. Wenige Jahre später (1946) schrieb Albert Einstein aus den USA an Carl Rabus unter anderem: „Ich habe Ihr Werk erhalten und bin beeindruckt von der Unmittelbarkeit der Wirkung Ihrer Zeichnungen“ – gemeint war der 15-teilige Linol-Zyklus „Die Passion“.

1927 kehrte der junge Künstler nach seinen Berliner Jahren nach München zurück. Rabus war früh der Assoziation revolutionärer bildender Künstler (ASSO) beigetreten und sah sich 1934 zur Emigration nach Wien gezwungen, wo er die jüdische Fotografin Erna Adler (1913–2007), seine spätere Ehefrau, kennen lernte. In Wien stellte er bei Würthle, im Hagenbund und in der Neuen Galerie aus. Aufgrund des drohenden Anschlusses Österreichs ans Deutsche Reich flohen beide nach Brüssel, wurden jedoch nach dem Einmarsch des deutschen Militärs in Belgien am 10. Mai 1940 verhaftet. Erna Adler kam wieder frei; Carl Rabus wurde in das Internierungslager St. Cyprien in Südfrankreich transportiert. Dort entstanden Zeichnungen, die als eindrucksvolle Zeugnisse des Lageraufenthaltes erhalten geblieben sind. Im Lager traf er auch den deutschen Maler Felix Nussbaum, der später mit seiner Frau im KZ Auschwitz ermordet wurde. Im Nussbaum Museum Osnabrück ist Rabus mit verschiedenen Werken vertreten.

1943 wurde Carl Rabus wegen Rassenschande erneut verhaftet und ins Gefängnis nach Wien gebracht. 1944 heirateten Carl Rabus und Erna Adler. Nach dem Krieg erfolgten wechselnde Aufenthalte in Essen, München und Brüssel, wo er ein großes Wandgemälde im Helikopter Bahnhof der Fluggesellschaft Sabena malte. Vorübergehend hielt er sich auch in den USA und in Israel auf, wo er in diversen Galerien seine Bilder ausstellte. In den Nachkriegsjahren änderte er seinen künstlerischen Stil und entwickelte abstrakte Grafiken und Ölgemälde. 1974 ließen sich Carl und Erna Rabus in Murnau nieder. 1983 starb Carl Rabus im Alter von 85 Jahren beim Baden im Staffelsee. Seine Witwe Erna erzählte später: „Ich stand am Ufer und konnte ihm nicht helfen“.

Werke

Holz- und Linolschnitte mit christlichen Motiven, Feder- und Tuschpinsel-Zeichnungen sowie Landschaftsaquarelle der 1920er Jahre Kreuzigung, 1923 Am Stadtbach in München Gemälde 1923 Großes Abendmahl 1923 Madonna auf dem Weinberg 1923 Selbst im Spiegel, 1923 Paar, 1925 Die Wartende, 1927 Früher Winter, 1927 Kornmandl im Wallis 1928 Eingeschlafen, 1928 Landschaft mit Strommasten, 1928 Frachtdampfer im Hafen, 1932 Segelschiff im Hafen von Ostende 1935 An der Mole (in Ostende), 1935/39 „Clochards an der Seine“ (etwa 30 Bleistiftzeichnungen) Paris 1936 Das Urteil des Paris . Gemälde 1936 Zwei Freunde (Selbst mit Ernst Vogenauer) – Gemälde, 1937 St. Cyprien (Lageransichten), 1940 St. Cyprien (Liegender Lagerinsasse vor Stacheldraht), 1940 St. Cyprien (Sitzender Lagerinsasse – Kopf auf die Arme gesenkt), 1940 Selbst in der Spiegelscherbe, 1943 (72,8 × 59 cm) Die Heiligen 3 Könige vermutlich in den 1960er Jahren Passion (1945) Linolschnitte:15-teiliger Zyklus: Devant le mur, 1945 (Titelblatt des Zyklus), Bruder salbe deine Füsse! Der Weg vor Dir ist schwer!, 1945 Blatt 2, Die Zeit seht sill. Was ist Zeit? Warten, warten, Geduld ist alles!, 1945 Blatt 7, Cachette(Versteck): Ohne Hoffnung! Und Deine Hände sind leer!, 1945 Blatt 9, Fliehen, fliehen, fliehen-wovor? vor Allen!, 1945 Blatt 11, Chemin de la mort, (Der Weg des Todes), So ziehen sie vorbei, ihre Bürde tragend, 1945 Blatt 13, Selbst in St. Cyprien, 1945. Aus der Folge Passion: Geôle (Gefängnis), 1945, Aus der Folge Passion: Hoffnung, 1945. 50 unbekannte Zeichnungen: Erna Rabus schenkte dem Buchheim-Museum 50 Zeichnungen, die Carl Rabus im Internierungslager St. Cyprien gemacht hat. Sie waren Inspiration für den Linolzyklus „Passion“, den Rabus 1946 fertigte und den der Sammler Roland Krüppel komplett dem Buchheimmuseum schenkte.

Buchillustrationen

Alfred Döblin: Blaubart und Miß Ilsebill. Hans Heinrich Tillgner Verlag, Berlin, 1923 (mit Steinzeichnungen von Carl Rabus)

1937 wurde im Rahmen der deutschlandweiten konzertierten Aktion „Entartete Kunst“ ein Exemplar des Buchs aus der Kunstsammlung Chemnitz beschlagnahmt und vernichtet. Joseph Roth: April, die Geschichte einer Liebe, Einband und Bilder von Carl Rabus, J. H. W. Dietz Nachfolger, Berlin 1924 (Erstausgabe), . Hans Wolff: Astrologische Prognose. Mit Zeichnungen von Carl Rabus. München. Jati-Verlag 1922. Außerdem diverse Arbeiten unter anderem für Werke von Honoré de Balzac, Alfred Döblin, J. W. von Goethe, ETA Hoffmann, C.M. Wieland in den Zeitschriften Eulenspiegel, Orchideengarten, Jugend

Werke in Sammlungen Zentrum für verfolgte Künste, Kunstmuseum Solingen, Solingen Deutsches Historisches Museum, Berlin Felix-Nussbaum-Haus, Osnabrück Kunsthaus Zürich, Zürich Kupferstichkabinett Basel, Basel Phillips Collection, Washington Denver Art Museum, Denver Fine Arts Museums of San Francisco, San Francisco Cabinet des Estampes Prentenkabinet, Brüssel Musées Royaux des Beaux Arts de Belgique, Brüssel Städtische Galerie im Lenbachhaus, München Staatliche Graphische Sammlung, München Stadtmuseum Kempten Buchheimmuseum Bernried am Starnberger See Diverse Privatsammlungen u. a. in Wittenberg, München, Olpe, Herrsching, Wörthsee, Murnau.

Ausstellungen Verfemt: Verboten: Vergessen: Galerie Bernd Dürr GmbH München, 1990 Carl Rabus Retrospektive Sparkasse Kempten zum 100. Geburtstag 1996 „Vom Expressiven Frühwerk zur Abstrakten Komposition“ . Historisches Verwaltungsgebäude der Regierung von Oberbayern in München 1997 Malerei und Grafik, Schlossmuseum Murnau 2006 Kunst gegen das Vergessen: Beamtenfachhochschule Herrsching 2009 Carl Rabus „Spuren der Vergangenheit“ – Centre d’Art Contemporain de Saint Cyprien 2011 Carl Rabus – PASSION: Buchheimmuseum 2018 Carl Rabus. Ein Meister der Moderne. Cranach-Stiftung Wittenberg, Lutherstadt Wittenberg, 2021 Carl Rabus – Ein Künstler zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Kempten, Hofgartensaal der Residenz Kempten, 2023

Gemeinschaftsausstellung 2010: Entdeckte Moderne, Kunsthalle Jesuitenkirche, Aschaffenburg

Namensgeber für Straße

Nach Carl Rabus wurde in seiner Geburtsstadt Kempten die Carl-Rabus-Straße benannt. LageplanWebseite zur Namensgebung der Carl-Rabus-Straße auf strassen-in-deutschland.de

Literatur

Schloßmuseum Murnau (Hrsg.): Carl Rabus (1898–1983). Malerei und Graphik . Ausstellungskatalog Buchheimmuseum 2018. Roland Krüppel und Daniel J. Schreiber Magisterarbeit von Barbara Schnabel (Institut für Kunstgeschichte LMU München) Oktober 2006 Matthias Arnold im Katalog „Entdeckte Moderne“ (Sammlung Gerhard Schneider) 2008

Weblinks

Museum Zentrum für verfolgte Künste

Einzelnachweise

Kategorie:Maler der Moderne Kategorie:Maler des Expressionismus Kategorie:Verschollene Generation Kategorie:Maler (Deutschland) Kategorie:Grafiker (Deutschland) Kategorie:NS-Opfer Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Bildender Künstler (Kempten (Allgäu)) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1898 Kategorie:Gestorben 1983 Kategorie:Mann