mini|Manuel del Pópulo Vicente Rodríguez (Garcia) Manuel García (bürgerlich Manuel del Pópulo Vicente Rodríguez) (* 21. Januar 1775 in Sevilla; † 10. JuniPaulino Capdepón Verdú: Rodríguez Aguilar, Manuel. Manuel del Pópulo Vicente García. In: Dicionario Biografico espanol (DBe). Real Academia de la Historia, 2022 (spanisch; Abruf am 13. Februar 2025) 1832 in Paris) war ein spanischer Opernsänger (Tenor), Gesangspädagoge, Komponist, Dirigent und Operndirektor. Er war der Vater und Lehrer von Manuel García junior, Maria Malibran und Pauline Viardot-García.

Leben Spanien 1775 – 1807 Er war ein Sohn des Schusters Gerónimo Rodríguez Torrentera (1743–1817) und der Mariana Aguilar (1747–1821) und hatte zwei Schwestern namens Maria und Rita. Seinen eigentlichen Namen änderte er später zu Manuel del Pópulo Vicente García, kurz Manuel García.Paulino Capdepón Verdú: Rodríguez Aguilar, Manuel. Manuel del Pópulo Vicente García. In: Dicionario Biografico espanol (DBe). Real Academia de la Historia, 2022 (spanisch; Abruf am 13. Februar 2025) mini|Das Coliseo des Teatro de los Caños del Peral in Madrid, 1788

Ausgebildet vom Komponisten und Meister der Kapelle von Sevilla, Antonio Ripa, und dem Cellisten und Clavierspieler Juan Almarcha,Capdepón bezeichnet Almarcha als „teclista“, also eher allgemein und unspezifisch als Tastenspieler, was zu dieser Zeit bedeutet, dass er sowohl Cembalo als Pianoforte gespielt haben könnte. Paulino Capdepón Verdú: Rodríguez Aguilar, Manuel. Manuel del Pópulo Vicente García. In: Dicionario Biografico espanol (DBe). Real Academia de la Historia, 2022 (spanisch; Abruf am 13. Februar 2025) debütierte García als Tenor am Theater in Cádiz. Dort heiratete er 1797 die Sängerin und Tänzerin Manuela Morales (bürgerlich Manuela Aguirre Pacheco); das Paar hatte zwei Kinder, von denen Josefa Ruiz García seine Schülerin war und eine bekannte Sängerin wurde.

1798 ging das Paar nach Madrid, wo García zunächst in der Compagnie des Francisco Ramos mitwirkte und seine ersten eigenen Tonadillas El majo y la maja und La declaración komponierte. Im Teatro de los Caños del Peral sang er unter anderem 1799 seine erste bedeutende Hauptrolle in Paisiellos Nina.

Am 6. Oktober 1799 geriet er mit dem Wachposten des Coliseo Príncipe in Streit und wurde für kurze Zeit in der Kaserne Santa Isabel inhaftiert. Möglicherweise musste er wegen dieses Vorfalls Madrid verlassen und lebte 1800–1801 in Málaga, kehrte aber mit königlicher Erlaubnis als erster Tenor ans Caños del Peral zurück, wo er 1802 in der Madrider Erstaufführung von Mozarts Le nozze di Figaro (auf Spanisch) und in Paisiellos La Niteti mitwirkte. In den folgenden Jahren sang er in spanischen Übersetzungen italienischer Opern sowie französischer Opéra-comiques von Gaveaux, Méhul, Cherubini, Berton, Isouard und Dalayrac.

García, der ab 1803 zusammen mit Isidoro Máiquez auch Direktor des Teatro de los Caños del Peral war, komponierte außerdem eine Reihe spanischer „Operetten“, in denen er auch auftrat. Von diesen Werken wurden Quien porfía mucho alcanza und El criado fingido (UA am 2. Februar 1804) besonders populär, und noch Georges Bizet soll den Polo „Cuerpo bueno, alma divina“ aus El criado fingido für die Entracte zum letzten Akt seiner Carmen ausgewertet haben. Außerdem komponierte García Schauspielmusiken für Aufführungen von Racines Tragödien Athalie und Esther im Februar und März 1804.

Am 28. April 1805 sang er in der erfolgreichen Uraufführung seiner „ópera-monólogo“ El poeta calculista. Daraus wurde die Arie „Yo que soy contrabandista“ in ganz Europa berühmt, nicht zuletzt durch seine beiden Töchter Maria Malibran und Pauline Viardot-Garcia, die das Stück später in Aufführungen von Rossinis Barbiere di Siviglia einschoben; Franz Liszt komponierte darüber 1836 einen Rondeau fantastique.

Am 16. Oktober 1806 wurde García zum „Maestro supernumerario de los teatros de la Corte“ (überzähliger Maestro der Hoftheater) ernannt, nachdem er selber darum ersucht hatte. Seine letzte spanische Operette Los ripios del maestro Adán wurde am 18. Januar 1807 anlässlich der Ernennung Manuel Godoys zum Admiral uraufgeführt.

Paris und Italien 1808 – 1816 mini|Die Opéra-Comique in der rue Feydeau, Paris, um 1807 Anfang April 1807 verließ er Madrid und zugleich seine erste Frau sowie zwei gemeinsame Töchter. García reiste nach Auftritten in Valladolid, Burgos und Vitoria über Bayonne nach Paris, und debütierte dort am 11. Februar 1808 an der Opéra-Bouffe (Théâtre de l’Odéon) in Ferdinando Paërs Oper Griselda.François-Joseph Fétis: Garcia (Manuel-del-Popolo-Vicente). In: Biographie universelle des musiciens et bibliographie générale de la musique (Deuxième Édition), Bd. 3, Firmin Didot, Paris 1862, S. 403–405, hier: S. 403. Online im Internet-Archiv (französisch; Abruf am 23. Februar 2025)

In Paris lebte er bis 1811, zusammen mit seiner Geliebten Maria Joaquina Siches (genannt Joaquina Briones), die er später heiratete. Das Paar hatte drei Kinder, die alle berühmte Sänger wurden: Manuel (1805–1906), Maria Felicia (1808–1836) und später Pauline (1821–1910). Alle drei wurden zunächst von ihrem Vater ausgebildet. Garcia versäumte es auch nicht, Rollen für seine Frau zu schreiben.

Im März 1809 hatte er mit seinem Poeta calculista einen großen Erfolg, zumal das Pariser Publikum damit zum ersten Mal überhaupt „originär“ spanische Musik zu hören bekam (laut Fétis).François-Joseph Fétis: Garcia (Manuel-del-Popolo-Vicente). In: Biographie universelle des musiciens et bibliographie générale de la musique (Deuxième Édition), Bd. 3, Firmin Didot, Paris 1862, S. 403–405, hier: S. 404. Anschließend sang er in Paisiellos La molinara und Sartis Fra i due litiganti. In Paris fiel er durch seine temperamentvollen Interpretationen auf, und lobte man seine angenehme und flexible Stimme sowie seine präzise Intonation, auch wenn seine improvisierten Verzierungen für französische Ohren zu dieser Zeit als übertrieben empfunden wurden (im Gegensatz zu italienischer Musik war der traditionelle Gesangsstil in der französischen Oper schlicht und bestand zu großem Teil aus Deklamation). Im Januar 1810 veröffentlichte er eine Sammlung von Romanzen (Recueil de romances) auf Texte von Fromentin. Dank der Vermittlung von Paër wurde er in das Ensemble des Théâtre-Italien in Paris aufgenommen. mini|hochkant|Plakat zur Uraufführung des Barbiere di Siviglia, Rom 1816

1811 begab er sich nach Italien, wo er zunächst in Turin im Teatro Carignano in Paërs Camilla auftrat. Danach lebte er bis 1816 in Neapel, wo er seine Gesangskunst durch Unterricht bei dem Tenor Giovanni Ansani perfektionierte. Er debütierte am Teatro San Carlo am 6. Januar 1812 in Marco Portogallos Oper Oro non compra amore und sang auch in Glucks Ifigenia in Aulide. Im selben Jahr ernannte ihn Joachim Murat, der damalige König von Neapel, zum ersten Tenor seiner Kammermusik und seiner Kapelle („premier ténor de sa musique particulière et de sa chapelle“).

In Neapel gehörte Garcia zum besten Sänger-Ensemble seiner Zeit und sang auch in einigen bedeutenden Uraufführungen, oft an der Seite von Isabella Colbran, der (späteren) Frau Rossinis, und von seinem Tenor-Kollegen Andrea Nozzari. So war er am 28. November 1813 der erste Egeo in Giovanni Simone Mayrs erfolgreicher Medea in Corinto,S. 17 und 18 im Booklet zur CD-Box: Giovanni Simone Mayr: Medea in Corinto, mit Jane Eaglen, Yvonne Kenny, Bruce Ford, Raúl Giménez, Alastair Miles u. a., Philharmonia Orchestra, Dir.: David Parry (Opera Rara; 1994) und sang 1815 den Norfolk in der Uraufführung von Rossinis Elisabetta regina d’Inghilterra. Seine wohl erfolgreichste eigene Oper Il califfo di Bagdad brachte Garcia am 30. September 1813 am neapolitanischen Teatro del Fondo heraus. Dagegen fiel seine Oper Tella e Dallaton (UA: 4. November 1814), die am San Carlo mit Isabella Colbran in einer Gala zu Ehren der Königin gegeben wurde, durch. Gioachino Rossini schätzte Manuel Garcia sehr und komponierte für ihn die Partie des Grafen Almaviva in Il barbiere di Siviglia, die er am 20. Februar 1816 in der Uraufführung in Rom sang (unter dem ursprünglichen Titel Almaviva, ossia L’inutile precauzione).

Joaquina Briones wirkte oft in den Opern ihres Mannes mit, beispielsweise in der Uraufführung von Der Kalif von Bagdad am 30. September 1813 im Teatro San Carlo.

London und Paris 1816 – 1825 mini|Manuel Garcia als Otello (Rossini), um 1821 1816 verließ er Italien zunächst in Richtung London, und dann nach Paris, wo er wieder am Théátre-Italien sang, unter anderem in Cimarosas Il matrimonio segreto (Oktober 1816). Mittlerweile hatte sich seine Stimme durch den Unterricht bei Ansani noch verbessert und an Kraft gewonnen. Mit großem Erfolg führte er auch seinen Califfo di Bagdad auf. Er geriet jedoch bald in Konflikt mit Angelica Catalani, die damals die Direktorin des Théátre-Italien war und extrem gekränkt und wütend reagierte, als García in einer Aufführung von Portogallos Oper La morte di Semiramide am 20. September 1817 mehr Applaus bekam als sie selber.

Daher begab er sich wieder nach London, wo er 1818–19 als Sänger Erfolge in Rossinis Barbiere di Siviglia, L’italiana in Algeri und Otello, sowie in Mozarts Zauberflöte feierte. Otello wurde eine seiner Paraderollen.

Im Herbst 1819 kehrte er nach Paris zurück, um in der dortigen Erstaufführung des Barbiere di Siviglia mitzuwirken und am 7. Oktober 1820 sang er zum ersten Mal Mozarts Don Giovanni (eigentlich eine Bassbariton-Rolle!), der einer seiner größten Erfolge wurde. Überhaupt war er (nach Fétis) nun auf dem Höhepunkt seiner sängerischen Laufbahn. Auch kompositorisch war er während dieser Pariser Jahre recht fleißig: Er veröffentlichte 1820 eine Sammlung mit Chansons espagnoles, und mehrere seiner neuen eigenen Bühnenwerke wurden an der Opéra-Comique, dem Théâtre-Italien und dem Gymnase-Dramatique, sowie an der Académie Royale aufgeführt. Einen gewissen Erfolg hatte er mit La mort du Tasse (UA: 7. Februar 1821, Opéra), obwohl das Libretto nicht gefiel. Dagegen war seine Opera buffa Il fazzoletto (UA: 23. März 1820) ein Misserfolg, ebenso wie seine französische Oper Florestan ou Le Conseil des Dix (UA: 28. Juni 1822, Ópera) – als Konsequenz dieses Fiaskos entschied die Opéra, keine Werke mehr von García aufzuführen. Anfang 1822 erkrankte er ernsthaft und musste sich einige Monate von der Bühne zurückziehen.

Im März 1823 verließ Garcia Paris und ging nach London, wo er in Rossinis Opern Otello und Zelmira auftrat. Nachdem er schon in Paris begonnen hatte, Gesangsunterricht zu geben, eröffnete er 1824 eine Gesangsschule in der Dover Street in London und veröffentlichte seine Exercises and Method for Singing.

Amerika 1825 – 1828 mini|New York City und Hudson River, 1825 1825 ging er mit seiner ganzen Familie und einigen anderen Sängern in die Vereinigten Staaten, um dort als Erster italienische Opern aufzuführen, mit seiner Tochter Maria Felicia, die kurz zuvor in London mit großem Erfolg debütiert hatte, als Primadonna.Carmen de Reparaz Madinaveitia: García Siches, María Felicia. María Malibrán, la Malibrán. In: Dicionario Biografico espanol (DBe). Real Academia de la Historia, 2022 (spanisch; Abruf am 13. Februar 2025) Die erste Oper, die überhaupt öffentlich in Amerika aufgeführt wurde, war Il Barbiere di Siviglia, deren Premiere am 19. November 1825 im Park Theatre in Manhattan, New York stattfand, mit Manuel Garcia selbst als Graf Almaviva, Maria Felicia als Rosina, seinem Sohn Manuel Jr. als Figaro, und Joaquina Briones als Berta. Neben weiteren Rossini-Opern (Otello, La Cenerentola, Tancredi, Il turco in Italia) und Garcias neuen Opern L’amante astuto und La figlia dell’aria führten sie am 23. Mai 1826 auch Mozarts Don Giovanni auf.