Die spätromanische Basilika und ehemalige Prioratskirche Sacré-Cœur (heiliges Herz) steht in der Stadt Paray-le-Monial in Ost-Frankreich, in der Region Bourgogne-Franche-Comté im Département Saône-et-Loire. Ihr Narthex mit der zweitürmigen Fassade spiegelt sich in den Wassern des westlich an ihr vorbeifließenden Flusses Bourbince.

Sacré-Cœur wird von Kunsthistorikern als die bekannteste Cluny-III-Nachfolgerin und als eine der berühmtesten Kirchen Burgunds eingestuft. Die heutige Kirche Paray III ersetzte zwei Vorgängerinnen: eine frühromanische Kirche Paray I, an die einige Jahre später die ebenfalls erhaltene Vorhalle mit dem zweitürmigen Westwerk angefügt wurde, und dadurch zu Paray II wurde. Vor ihrer Umwidmung in Sacré-Cœur im Jahr 1873 stand die Kirche und ihre Vorgängerinnen unter dem Patronat der Notre-Dame. Ihre Ähnlichkeiten zu Cluny III, aber in kleinerem Maßstab, führte häufig zu ihrem Beinamen „Klein-Cluny“ oder „Taschenausgabe“ von Cluny III.

Seit dem späten 19. Jahrhundert ist Paray-le-Monial mit seiner Kirche einer der meistbesuchten Pilgerorte Frankreichs. mini|hochkant=1.6|Klosteranlage von Nordwesten mini|Westwerk von Südwesten

Geschichte

Im Jahr 973 hatte Graf Lambert von Chalon (967–978) im Paray-le-Monial ein Eigenkloster gegründet. Sein Sohn Hugo von Chalon (987–1039), der in Auxerre Bischof war, übergab es 999 an die Benediktiner von Cluny.

Zu diesem Zeitpunkt musste das frühromanische Bauwerk der ersten Klosterkirche Paray I schon weit fortgeschritten sein, denn bereits fünf Jahre später im Jahr 1004 konnte sie der fünfte Abt von Cluny Odilo (992–1048) konsekrieren. Es gibt keine Aufzeichnungen über eine ältere Kirche etwa aus dem Anfang des 10. Jahrhunderts.

Ihr Grundriss auf lateinischem Kreuz mit dreistufigem Staffelchor und zwei Querhauskapellen und das vermutliche Fehlen von steinernen Einwölbungen der Schiffe erinnern etwas an denjenigen von Cluny II. Sie hätte im Grundriss der heutigen Kirche Platz gefunden.

Nach einigen Jahren, aber noch in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts, wurde das Langhaus im Westen um eine gleich breite, ebenfalls noch frühromanische Vorhalle mit Doppelturmfassade erweitert, was zur Kirche Paray II führte. Im Gegensatz zur übrigen Kirche ist dieser Anbau in stark restaurierter Form noch heute erhalten.

In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts entwickelten sich nach Vertreibung der Mauren aus Nordspanien die Pilgerfahrten der nördlich der Pyrenäen lebenden Christen zum Jakobsgrab nach Santiago de Compostela, für die insbesondere die Klostermönche warben und die organisatorischen Umsetzungen in die Hand nahmen. Viele Klosterkirchen reichten nicht mehr für den zunehmenden Andrang der Pilger aus. Wie auch in Cluny stand ebenso für Paray ein deutlich größeres Gebäude einer Pilgerkirche bevor, mit Raum, für Prozessionen um den Chor herum, mit etlichen Altären und Platz für Reliquien und deren Verehrung. Vor allem die Chorpartien sollten dabei beträchtlich erweitert werden.

Mit dem spätromanischen Neubau Paray III sollte um 1090 begonnen werden. Fast zur gleichen Zeit – im Jahr 1095 – konnte Abt Hugo im neuen Chor der Abteikirche Cluny III bereits den Hochaltar einweihen. Wie meist üblich hat man auch hier mit der Errichtung des Chorhauptes begonnen. Dazu hat man zunächst nur den Chor des Vorgängerbauwerks abgebrochen und die „alten“ Schiffe für die möglichst ungestörte Weiterführung der Gottesdienste benutzt. Man brauchte schließlich die Spenden der Pilger. Mit weitestgehender Fertigstellung der Ostpartie und des Querhauses konnte man mit den Gottesdiensten dahin umziehen und nach weiterem Abbruch in Richtung Westen weiter bauen. In einer örtlich aushängenden Zeichnung sind diese Bauschritte in sechs Stufen dargestellt.

Die neue Prioratskirche bekam einen großen Umgangschor mit einem Kapellenkranz, ein dreischiffiges Chorjoch, ein weit ausladendes Querhaus mit zwei Kapellenapsiden und mit einer ausgeschiedenen Vierung und ein dreischiffiges Langhaus, das ursprünglich sicherlich für mehr als drei Joche geplant war. Alle Räumlichkeiten waren mit steinernen Gewölben überdeckt, alles wie man es noch heute erleben kann.

mini|links|hochkant=0.5|Jakobspilger, Holzschnitt von 1568 mini|hochkant|Jakobsgrab, Santiago-de-Compostela

Die Hauptarbeiten fielen in die Blütezeit der Wallfahrten zum Grab des Apostels Jakobus des Älteren in Santiago de Compostela in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, in der die Pilger jährlich zu Hunderttausenden über die Pyrenäen nach Süden zogen. In dieser Zeit organisierten vor allem Mönchsgemeinschaften, wie auch die Benediktiner von Cluny die Wallfahrt. Es formierten sich vier Hauptrouten und ein Netz von Nebenrouten, an denen Kirchen, Klöster, Hospize, Herbergen und auch Friedhöfe entstanden oder erweitert wurden.

So war auch Paray-le-Monial eine recht bedeutende Station des Jakobsweges an einer Nebenroute der Via Lemovicensis, mit dem Ausgangsort Vézelay, und das Priorat konnte mit seinem Kirchenneubau und dessen Reliquien an der Spendenwilligkeit der Jakobspilger teilhaben.

mini|hochkant|links|Schlacht von Auray (1364) im Hundertjährigen Krieg

Trotzdem ließ der Fortschritt der Arbeiten offensichtlich zu wünschen übrig. Um 1130/40 war man mit dem Langhaus etwa bis gegen den noch stehenden „alten“ Narthex gelangt. Die Quellen berichten über ein plötzliches Stocken und Unterbrechen der Arbeiten, als das Langhaus erst gerade halb so lang war, wie geplant, und einen ungewöhnlichen fast quadratischen Zuschnitt besaß. Offensichtlich hat man damals entschieden, die Vorhalle mit dem doppeltürmigen Westwerk des Vorgängerbauwerks zu erhalten und das Langhaus schon nach drei Jochen abzuschließen.

Als die Streitigkeiten um Aquitanien zwischen England und Frankreich nach Mitte des 12. Jahrhunderts anhoben, gingen die Pilgerbewegungen zurück und die Kriege des 13. bzw. 14. Jahrhunderts, vor allem der Hundertjährige Krieg (1339–1453), brachten einen dramatischen Einbruch. Die Klöster mit Pilgerkirchen mussten sich wieder auf die Wallfahrten zu ihren eigenen Reliquien beschränken, so auch das von Paray.

mini|hochkant=0.7|Jesus erscheint der heiligen Margareta Maria Alacoque

Die französische Mystikerin Marguerite-Marie Alacoque (1647–1690) trat 1671 in Paray-le-Monial in den Orden der Heimsuchung Marias ein. Diese Salesianerinnen widmeten sich der Kontemplation, der Armen- und Krankenpflege und der Jugendfürsorge. Bald nach ihrem Eintritt in das Kloster hatte Marguerite-Marie eine Reihe von Jesus-Erscheinungen, der ihr sein Herz zeigte. Die bedeutendste Erscheinung war die vom Fronleichnamsfest 1675, bei der sie nach eigener Aussage den Auftrag erhielt, für die Einführung des Herz-Jesu-Festes zu wirken. Marguerite-Marie wurde Novizinnenmeisterin und starb 1690.

mini|hochkant|links|Der Sturm auf die Bastille 14. Juli 1789

Im 18. Jahrhundert wurde der im Süden an die Kirche angrenzende Kreuzgang umgebaut, aber in perfekter Harmonie mit der Kirche. Sein Südflügel beherbergt heute ein Museum, während auf der gegenüberliegenden Seite in der Nordgalerie sich ein Portal befindet, das mit reich verzierten romanischen Skulpturen gestaltet ist.

Während der Französischen Revolution wurde das Kloster aufgehoben. Die Benediktiner verließen Paray im Jahr 1794. Über Zerstörungen in dieser Zeit an Kirche und Klostergebäuden geben die Quellen keine Auskünfte.

Erst 1864 wurde Marguerite-Marie seliggesprochen, und 1920 kanonisiert. In dieser Zeit erlebte die Herz-Jesu-Verehrung einen ungemeinen Aufschwung, besonders in Frankreich, wo sie sich vor allem nach dem verlorenen Krieg 1870/71 mit nationalen Tendenzen verband.

Die Quellen berichten darüber, dass Paray einen gotisch gestalteten Vierungsturm besaß, der im 19. Jahrhundert von einer neoromanischen Nachbildung ersetzt worden ist. Nicht bekannt ist, ob der gotische Turm einen romanischen Vorgänger hatte und ob er während der Revolution zerstört worden ist.

Die ehemalige Prioratskirche Notre-Dame wurde 1873 zu Sacré-Cœur umgeweiht und von Papst Pius IX. zur Basilica minor erhoben. 1876 erfolgte eine Umwidmung zur Pfarrkirche Sacré-Coeur. Damit wuchs Paray-le-Monial eine Bedeutung zu, die es im Mittelalter als von Cluny abhängiges Priorat zu keiner Zeit besessen hatte.

Paray-le-Monial ist auch noch heute einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte in Frankreich.

Bauwerke Paray I mini|hochkant=1.6|links|Grundriss Paray I, II, und III Abmessungen zirka, aus Grundriss gemessen und hochgerechnet.

Länge über alles: 43,00 m Querhauslänge: 28,00 m Länge des Langhauses: 22,00 m Langhausbreite: 13,00 m Staffelchorbreite: 14,50 m Staffelchorlänge: 14,00 m

Die erste frühromanische Kirche Paray I hätte im Grundriss der heutigen Kirche Platz gefunden. Ihr Grundriss ist durch jüngste Grabungsfunde von Gilles Rollier belegt. Der Grundriss stand auf einem lateinischen Kreuz aus einem stützenfreien Langhaus, einem Querhaus mit weit ausladenden Armen und zwei Querhauskapellen, die einen dreistufigen Staffelchor flankierten. Der mittlere Chor war etwa doppelt so breit wie dessen seitliche Kapellen. Sie wurden alle von halbkreisförmigen Apsiden abgeschlossen. Chor und Kapellen wurden durch Scheidewände mit je zwei Arkadenöffnungen getrennt und waren möglicherweise tonnengewölbt, die Apsiden von halben Kuppelkalotten überdeckt. Das Lang- und Querhaus besaß, bis auf die Kapellenapsiden wahrscheinlich keine steinernen Einwölbungen, sondern waren von offenen Dachstühlen oder flachen Holzdecken überdeckt. Das Langhaus und die Querhausarme waren vermutlich mit quer zueinander ausgerichteten Satteldächern überdeckt. Der First des Querhauses verblieb ein Stück unter dem des Langhauses. Der First des Satteldachs über dem Chor lag vermutlich auf der Höhe des Langhausfirstes, hingegen lagen die Pultdächer der den Chor flankierenden Kapellen tiefer als die Chortraufen. Daraus ergab sich auch die Höhenstaffelung der Apsidendächer, in Form halber Kegel. Paray I hatte nur etwa 25 bis 30 Jahre unverändert Bestand.

Ungewöhnlich ist, dass die Baumeister dieser Kirche den Winkel zwischen Lang- und Querhaus nicht mit exakt 90 Grad angelegt hatten. Zu den Ursachen geben die Quellen keine Auskunft. Dieser offensichtliche Baufehler war aber wahrscheinlich der Grund für das spätere Verdrehen des Grundrisses von Paray III.

Paray II Die zweite Kirche Paray II bestand aus dem Bauwerk von Paray I an das ein Westwerk aus einem zweigeschossigen Narthex mit einer Doppelturmfassade angebaut wurde. Dieses Westwerk ist heute noch in stark restaurierter Form vor der Westwand von Paray III erhalten. (Beschreibung siehe dort) Paray II hatte etwa 40 bis 60 Jahre Bestand, zusammen mit Paray I 65 bis 90 Jahre.

Paray III mini|hochkant=1.6|links|Grundriss, Paray III Abmessungen zirka (je ohne Pfeilervorlagen) Gesamtlänge mit Narthex und Scheitelkapelle, außen: 53,50 m Länge Querhaus, außen: 41,50 m Breite Querhaus, außen: 9,80 m Querhausüberstände: 9,00 m Länge Langhaus, außen: 21,50 m Breite Langhaus, außen: 24,00 m Breite Mittelschiff, innen: 7,90 m Chorlänge mit Vorjoch, innen: 14,20 m Seitenschiffbreite, innen: 6,00 m Chorumgangsbreite innen: 3,00 m Höhe Vierungskuppel: 22,50 m Höhe Vierungsturmspitze über Boden: 56,00 m Höhe Mittelschiff: 22,00 m Gewölbehöhe Seitenschiffe: 11,50 m

Die dritte Kirche Paray III ist bis auf das erhalten gebliebene frühromanische Westwerk ein gänzlich spätromanischer Neubau im Stil von Cluny III. Seine Ost-West-Achse war gegenüber dem der ersten Kirche Paray I um etwa drei Grad gegen den Uhrzeigersinn verdreht, deren Drehpunkt etwa in der Mitte des Chors liegt. Wahrscheinlich wollte man damit den Baufehler in der Anlage des rechten Winkels zwischen Lang- und Querhaus ausgleichen. Man hatte jedenfalls von Beginn an die Ausrichtung des Neubaus auf die des alten Querhauses übernommen.

Äußere Erscheinung mini|Ansicht von Nordwest