mini|Mertens (1990)
Wim Mertens (* 14. Mai 1953 in Neerpelt) ist ein flämisch-belgischer Komponist, Countertenor, Pianist, Gitarrist und Musikwissenschaftler.
Leben Mertens studierte an der Universität Löwen Sozial- und Politikwissenschaften und Musikwissenschaft an der Universität von Gent; darüber hinaus Musiktheorie und Klavier an den Königlichen Konservatorien von Gent und Brüssel.
1978 begann er für das damalige BRT (Radio-Télévision Belge) zu produzieren. Er produzierte Konzerte u. a. mit Philip Glass, Steve Reich (beide ausgezeichnet mit dem Praemium Imperiale – Nobelpreis der Künste), Terry Riley, Meredith Monk sowie Urban Sax und leitete die Sendung Funky Town.
1980 veröffentlichte er sein erstes Werk For Amusement Only, eine elektronische Komposition für Flippermaschinen.
Seit dieser Zeit hat sich Mertens weltweit vor allem als Komponist einen Namen gemacht. Er zählt heute zu den bedeutendsten Komponisten der Moderne und zusammen mit Steve Reich, Terry Riley, La Monte Young und John Adams zu den einflussreichsten Vertretern der Minimal Music.
Wim Mertens spielt Klavier und klassische Gitarre. Er singt mit seiner unverkennbar charakteristisch hohen Stimme, in einer von ihm selbst entwickelten Fantasiesprache.
Er gastiert international als Solist, mit unterschiedlichen Ensemblebesetzungen, sowie mit Symphonieorchester.
Werk Sein Werk umfasst Kompositionen in den verschiedensten Formaten: von kurzen, einprägsamen, melodiösen und zugänglichen Stücken, bis hin zu anspruchsvollen experimentellen Stücken und komplexen, mehrteiligen Zyklen Stücke für Solo-Klavier, Kammermusikensemble und Kompositionen für Symphonieorchester Sologesang und Chorkompositionen (ebenfalls in der für ihn markanten Fantasiesprache) Theater- und Filmmusiken. Er schreibt auch für außergewöhnliche Besetzungen, z. B. 12 Piccoloflöten, 10 Bassposaunen, 13 Klarinetten, …
Der Stil Mertens’ hat sich während seines überaus produktiven Schaffens immer weiterentwickelt und zeigt Einflüsse des Minimalismus, des Ambient und der Avantgarde. Gewöhnlich behält Mertens bei den von ihm unternommenen Streifzügen durch die musikalischen Welten seine charakteristisch, melodische Basis bei und verbindet das Lyrische seiner Stimme mit dem Instrumentalen.
In seiner nun mehr als 30-jährigen kompositorischen Schaffenszeit hat Wim Mertens mehr als 50 Alben veröffentlicht. Sein Gesamtkatalog ist unter EMI CLASSICS veröffentlicht (ausgenommen Spanien, dort unter Warner Music Spain).
Wim Mertens ist Autor des Buches American Minimal Music, dem ersten Buch, das sich eingehend mit der School of American Repetitive Music beschäftigt. Es enthält ein Vorwort von Michael Nyman.
Sein bekanntestes Album ist Struggle for Pleasure, welches die vielfach gecoverten Klassiker Struggle for Pleasure and Close Cover enthält.
Mertens führte das Ensemble Soft Verdict.
Einige besondere Einzelprojekte: 1983 Maximizing the Audience, komponiert für das Theaterstück The Power of Theatrical Madness von Jan Fabre, das 1984 in Venedig zur Eröffnung der 41. Biennale Premiere feierte und 1986 in der Royal Albert Hall aufgeführt wurde 1987 neben Glenn Branca Filmmusik zu Peter Greenaways Film The Belly of an Architect (Der Bauch des Architekten) 1993 Komposition und Live-Performance von Originalmusik zu den Stummfilmen La femme de nulle part von Louis Delluc und The Land beyond the Sunset Harold M. Shaw 1997 Teile des Soundtracks zu dem mit zwei Deutschen Filmpreisen ausgezeichneten und mit dem Goldenen Leoparden nominierten Film Winterschläfer von Tom Tykwer (Lola rennt, Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders) 2006 Filmmusik zu Der Lebensversicherer von Bülent Akinci, aufgeführt auf der 56. Berlinale 2007 Auftritt mit dem 70 Musiker umfassenden ORCAM-Symphonieorchester Madrid im Albeniz Theater Madrid 2007 Solokonzert in der Arena Antiqua (Amphitheater) von Ostia (Rom) 2007 Album Receptacle, in Zusammenarbeit mit einem Orchester, das nur aus Frauen bestand 2008 Komposition und Live-Performance mit dem Wim Mertens Ensemble anlässlich der Präsentation der Herrenkollektion „Christian Dior Homme“ bei der Fashion-Show in Paris 2008 Auftritt, CD- und DVD-Produktion mit dem OST-Symphonieorchester Teneriffa im Auditorio de Tenerife (Opernhaus Teneriffa) 2009 Music and Film – 3 CDs mit einer großen Auswahl von Filmmusiken und Neuauflage des Soundtracks zu dem Paul Cox Film Father Damien 2009 QUA eine 37 CDs umfassende Zusammenfassung der Wim Mertens Zyklen von 1980 bis 2001 2011 Series of Ands – Immediate Givens – eine anspruchsvolle Produktion, an der mehr als 30 Musiker mitwirkten. Ein vollständiger Satz Streichinstrumente, Hörner, Gitarren, Harfe und ein Cembalo sorgen für orchestralen Klang. 2012 A Starry Wisdom – eine Komposition für das Festival von Flandern 2012 „When Tool Met Wood“ Komposition und Live-Präsentation mit dem Fundação Orquestra Estúdio beauftragt durch die Stadt Guimarães (Portugal), Kulturhauptstadt der Europäischen Union 2012
Diskografie I. Wim Mertens solo: Klavier und Gesang 1986: A Man of No Fortune, and with a Name to Come 1988: After Virtue 1991: Stratégie de la Rupture 1994: Epic That Never Was 1995: Jeremiades 1996: Lisa 2000: Der heiße Brei 2005: Un respiro
II. Wim Mertens & Ensemble: Instrumental und Gesang 1980: For Amusement Only – The Sound of Pinball Machines 1982: At Home – Not At Home 1982: Vergessen 1983: Struggle for Pleasure 1985: Sonorus Resonances (2 CDs) 1985: Maximizing the Audience 1986: Instrumental Songs 1987: Educes Me 1987: The Belly of an Architect 1988: Whisper Me 1989: Motives for Writing 1990: Play for Me (6 CDs) 1992: Shot and Echo 1992: A Sense of Place 1992: Retrospectives Volume 1 1996: Jardin Clos 1998: Integer Valor (3 CDs) 2000: If I Can 2001: At Home – Not At Home 2003: Ver-Veranderigen 2003: Wim Mertens Moment (13 CD-Box) 2003: Skopos 2004: Shot and Echo / A Sense of Place (2 CDs) 2007: Receptacle 2008: Clairière (2 CDs) Ver-Veranderingen / For Amusement Only 2008: With Usura (2CDs) Struggle for Pleasure / Vergessen 2008: L'heure du loup 2009: The World Tout Court 2010: Zee versus Zed 2011: Series of Ands / Immediate Givens (2 CDs) 2012: Struggle for Pleasure / Double Entendre (2 CDs) 2012: A Starry Wisdom 2013: When Tool Met WoodIII. Wim Mertens: Symphonie 2006: Partes Extra Partes – Flemish Radio Orchestra 2011: Open Continuum – Tenerife Symphony Orchestra (2 CDs)
IV. Wim Mertens: Zyklen 1991: Alle Dinghe 1980–1990 (7 CDs) Part I: Sources of Sleeplessness Part II: Vita Brevis Part III: Alle Dinghe
1994: Gave Van Niets 1990–1994 (10 CDs) Part I: You’ll Never Be Me Part II: Divided Loyalties Part III: Gave Van Niets Part IV: Reculer Pour Mieux Sauter
1999: Kere Weerom 1995–1999 (7 CDs) Part I: Poema Part II: Kere Weerom Part III: Decorum
2001: Aren Lezen 1995–2001 (13 CDs) Part I: If Five Is Part of Ten Part II: Aren Lezen Part III: Kaosmos Part IV: Are
2009: QUA 1980–2001 (37 CD-Box) Part I: Alle Dinghe Part II: Gave Van Niets Part III: Kere Weerom Part IV: Aren Lezen
V. Wim Mertens: Live Serien 2002: Years Without History Volume 1: Moins de Mètre, Assez de Rythme 2002: Years Without History Volume 2: In the Absence of Hindrance 2002: Years Without History Volume 3: Cave Musicam 2003: Years Without History Volume 4: No Yet, No Longer 2004: Years Without History Volume 5: With No Need for Seeds 2008: Years Without History (6 CDs) Volume 1–Volume 5 Volume 6: The Promise Kept in Advance 2008: Years Without History Volume 7: NosotrosVI. Wim Mertens solo: Gitarre 1997: Sin Embargo
VII. Wim Mertens: Singles 1983: Close Cover 1984: The Power of Theatrical Madness 1990: No Testament 1989: Hirose 1991: Hufhuf 1994: Gave van Niets 1996: As Hay in the Sun 1998: And Bring you back 1998: In 3 or 4 Days 2000: Rest meines Ichs
VIII. Wim Mertens: Best Of 1997: Best Of 2008: Platinum Collection (3 CDs)
IX. Wim Mertens: DVD 2006 What you see is what you hear 2011 Open Continuum / Tenerife Symphony Orchestra
Filmografie (Auswahl) 1987: Der Bauch des Architekten (The Belly of an Architect) 1990: Rost (Ryð) 1992: Ich denke an euch (Je pense à vous) 1995: Fiesta 1995: Der Teufel und die tiefe blaue See (Between the Devil and the deep blue Sea) 2006: Der Lebensversicherer
In der Pop-Kultur 1998: Close Cover – auf Volume 5 der Café del Mar-Musikreihe 2000: Struggle for Pleasure – Remix von Minimalistics, einem belgischen Techno-Projekt. Top 10 der European Radio Dance Tracks, Top 40 der Charts vieler europäischer Länder 2001: Close Cover – Remix von Minimalistics. Platz 12 der britischen Single-Charts Struggle for Pleasure – Erkennungsmelodie von Proximus (größter belgischer Mobilfunkanbieter)
Schriften Wim Mertens: American Minimal Music. Vorwort von Michael Nyman. Kahn & Averill, London / Pro/Am Music Resources, White Plains NY 1983, ISBN 1-871082-00-5 / ISBN 0-912483-15-6 (Übersetzung der belgischen Erstveröffentlichung von J. Hautekiet).
Auszeichnungen 1998 Kulturbotschafter der Flämischen Gemeinschaft
Weblinks
Offizielle Website von Wim Mertens
Wim Mertens. AllMusic (englisch). Wim Mertens. Cerysmatic Factory, factoryrecords.org; Audiointerview (englisch). Wim Mertens. EMI Classics (W).
Quellen
Kategorie:Komponist klassischer Musik (20. Jahrhundert) Kategorie:Komponist (elektronische Musik) Kategorie:Komponist (Belgien) Kategorie:Filmkomponist Kategorie:Sänger klassischer Musik Kategorie:Belgier Kategorie:Geboren 1953 Kategorie:Mann