Harbach ist ein Stadtteil von Grünberg im ober- bzw. mittelhessischen Landkreis Gießen.

Geografie Geografische Lage Harbach liegt am Rande des vorderen Vogelsbergs, etwa auf halbem Weg zwischen Reiskirchen und der Stadt Grünberg. Mit den Flüsschen Josseler und Äschersbach durchfließen zwei Nebenflüsse der Wetter seine Gemarkung, weswegen es auch der nördlichsten Wetterau zugerechnet werden kann. Harbach ist der westlichste Stadtteil von Grünberg.

Nachbarorte Im Norden grenzt Harbach an die Orte Saasen und Lindenstruth, im Westen an Hattenrod und im Süden an Ettingshausen (alle Gemeinde Reiskirchen); die östlichen Nachbarn sind mit Queckborn und Göbelnrod zwei Grünberger Stadtteile.

Ortsgliederung Neben dem Kernort liegen mit zwei ehemaligen Mühlen in den Tälern von Äschersbach und Josseler im Süden sowie einem Aussiedlerhof drei weitere bewohnte Siedlungen in der Gemarkung. Eine der beiden Mühlen ist die sogenannte Sommersmühle, die zwischen Queckborn und Harbach liegt.

Ortsgeschichte Mittelalter Die Ersterwähnung des Ortes stammt aus dem Jahr 1243. In der Urkunde wird nicht nur der Ort, sondern auch ein dort ansässiger Adliger „Arnoldus de Horbach“ genannt.Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. Band 1. Darmstadt 1860–1873. Nr. 1279, S. 861. 1290 heißt es in einem Kopiar: „Henricus de Hoerbach“, der ein weiterer Vertreter des Ortsadels ist.Ludwig Baur: Hessische Urkunden. Band 1. Darmstadt 1860. Nr. 1299, S. 876.

Den 1. November 1375 bekundete der Ritter Thiele von Beltershain, dass ihm der Landgraf Hermann II. von Hessen für eine Schuld von 250 Gulden das Dorf „Horbach“ verpfändet habe.StAM, Urkunde 100, S. 2014. Vielleicht derselbe Hof erscheint urkundlich 1383: „des hobis zu hoyrbach“.StAD, Urk. Oberhessen, Harbach. 1390 wird in einer Urkunde die Lageangabe „gelegin zu Harbach“ angeführt.Ludwig Baur: Hessische Urkunden. Band 1. Darmstadt 1860. Nr. 1149 Anmerkung, S. 764. In der Namensforschung wird der Ortsname als „Siedlung am schmutzigen Bach“ gedeutet.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 160 f. Diese Deutung bezieht sich auch auf den Ort Haarhausen.Lutz Reichardt: Siedlungsnamen, S. 156 f.

Die heutige Harbacher Kirche wurde um 1250 erbaut: „parochiales nostri de Harebach“ (unsere Pfarrkirche zu Harbach).StAD, Abt. V, B 3, Konv. 266a, Fasc. 1.

Neuzeit Aus Harbach stammte der Räuber Johannes Reitz, genannt „Haarbacher Hannes“, der Anfang des 19. Jahrhunderts zur Vogelsberger Bande gehörte.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Harbach:

Die bis dahin selbständige Gemeinde Harbach wurde im Zuge der Gebietsreform in Hessen zum 1. Februar 1971 auf freiwilliger Basis In die Stadt Grünberg eingemeindet. Für Harbach sowie für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Grünberg und die Kernstadt wurde je ein Ortsbezirk gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Harbach angehört(e):

1391 und später: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Grünberg ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Grünberg 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Grünberg, Amt Grünberg ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Ober-Hessen, Amt Grünberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Grünberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GrünbergTrennung zwischen Justiz (Landgericht Grünberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Grünberg ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis GießenIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt GrünbergAm 1. Februar 1971 als Ortsbezirk zur Stadt Grünberg. ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Stadt Grünberg ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Grünberg ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Stadt Grünberg

Recht Materielles Recht In Harbach galt der Stadt- und Amtsbrauch von Grünberg als Partikularrecht. Das Gemeine Recht galt nur, soweit der Amtsbrauch keine Bestimmungen enthielt. Dieses Sonderrecht alten Herkommens behielt seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen im 19. Jahrhundert, bis es zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst wurde. Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 67, Anm. 40 und S. 103.

Gerichtsverfassung seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Harbach das „Amt Grünberg“ zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übertragen. „Landgericht Grünberg“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Harbach zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Grünberg“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.) Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Grünberg, Harbach wurde dem Amtsgericht Gießen zugelegt.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Harbach 687 Einwohner. Darunter waren 18 (2,6 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 117 Einwohner unter 18 Jahren, 303 zwischen 18 und 49, 135 zwischen 50 und 64 und 135 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 279 Haushalten. Davon waren 69 Singlehaushalte, 87 Paare ohne Kinder und 96 Paare mit Kindern, sowie 18 Alleinerziehende und 9 Wohngemeinschaften. In 54 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 180 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1577: 30 Hausgesesse • 1630: 21 zweispännige, 4 einspännige Ackerleute, 2 Einläuftige • 1669: 145 Seelen • 1742: 1 Geistlicher/Beamter, 58 Untertanen, 19 junge Mannschaften, kein Beisassen/Jude • 1806: 371 Einwohner, 73 Häuser • 1829: 381 Einwohner, 77 Häuser • 1867: 355 Einwohner, 65 bewohnte Gebäude • 1875: 359 Einwohner, 66 bewohnte Gebäude

Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 381 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1961: 520 evangelische (= 84,69 %) 83 katholische (= 15,31 %) Einwohner

Historische Erwerbstätigkeit • 1961: Erwerbspersonen: 154 Land- und Forstwirtschaft, 136 Prod. Gewerbe, 24 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 29 Dienstleistungen und Sonstige.

Politik Für den Stadtteil Harbach besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Harbach) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 61,12 %. Alle Kandidaten gehörten der „Bürgerliste Harbach“ an. Der Ortsbeirat wählte Oliver Schäfer zum Ortsvorsteher.

Naturdenkmal Die Jägereiche bei Harbach mit einem Brusthöhenumfang von 6,40 m (2014).

Literatur S. Schepp: Harbach – Über das Dorf, seine Einwohner und ihre Spuren im Wandel der Jahrhunderte, Harbach 1998; S. Schepp: Wiederse'n war uns're Hoffnung – Harbacher im Ersten Weltkrieg 1914–1918, Kirchengeschichtliche Hefte aus Ettingshausen in Oberhessen, Heft 12, Hartmut Miethe, Werner Viehl (Hrsg.), Grünberg 2014 S. Schepp: In fremder Erde ruh'n – Die Harbacher im Zweiten Weltkrieg, Beiträge zur Geschichte der Stadt Grünberg und ihrer Stadtteile, Band 2, Freundeskreis Museum Grünberg in Kooperation mit der Evangelischen Kirchengemeinde Harbach (Hrsg.), Neustadt an der Aisch 2017

Weblinks Die Stadtteile. In: Webauftritt der Stadt Grünberg.

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise Die Zugehörigkeit des Amtes Grebenau anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und

Kategorie:Ort im Landkreis Gießen Kategorie:Geographie (Grünberg, Hessen) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Gießen) Kategorie:Ersterwähnung 1243 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971