mini|270px|Luftbild aus Richtung Süden Oberweyer ist ein Stadtteil von Hadamar im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg. Die vorher selbstständige Gemeinde wurde zum 1. Januar 1972 eingemeindet.
Geografische Lage Oberweyer befindet sich am nordöstlichen Rand des Limburger Beckens, am Südrand des Westerwaldes.
An die in Nord-Süd-Richtung gestreckte Gemarkung grenzen vom Südwesten im Uhrzeigersinn die Hadamarer Stadtteile Niederweyer, Oberzeuzheim und Steinbach, im Südosten der Beselicher Ortsteil Obertiefenbach und im Süden der Limburger Stadtteil Ahlbach. Rund 500 Meter südwestlich des Ortsrands verläuft die Bundesstraße 54 in Nordwest-Südost-Richtung. Nördlich des Orts fließt der Holzbach nach Westen. Der Ort selbst liegt auf rund 230 Metern Höhe. Die Gemarkung steigt nach Süden und Osten auf rund 240 Meter leicht an. Nach Nordwesten fällt das Gelände zunächst zum Holzbach bis auf 215 Meter ab, um danach auf das Heidenhäuschen (Gemarkung Hangenmeilingen) zu wieder anzusteigen. Die Gemarkung ist bis auf einen kleinen, bewaldeten Teil im Norden fast ausschließlich mit landwirtschaftlicher Fläche bedeckt.
Geschichte Besiedlung Fundstücke lassen vermuten, dass Oberweyer durch die Alemannen schon vor der Völkerwanderung gegründet und später von den Franken unter König Chlodwig (um 500 n. Chr.) erweitert worden ist. Auch der Namensbestandteil -weyer ist ein, wenn auch unsicherer, Hinweis auf eine vor- oder frühgermanische Gründung.
Erstmalige urkundliche Erwähnungen Im Jahr 772 wurde Oberweyer bekanntermaßen erstmals im Lorscher Codex, einer Schenkungsurkunde, erwähnt. Die Komtesse Rachild (auch: Rachilt) – eine Tochter von Graf Cancor aus dem Geschlecht der Robertiner, schenkte am 12. August 772 dem Kloster Lorsch Besitzungen im Lahngau, darunter auch in Oberweyer. Unter Rachilds Besitzungen im Lahngau befand sich auch „Wilere“, das heutige Oberweyer. In der Festschrift zur 1200-Jahr-Feier von Oberweyer im Jahr 1972 ist folgende Übersetzung dieser Urkunde veröffentlicht:
Schenkung der Rachild in Wilina und Saltrissa. Im Namen Christi. Am 12. August im 4. Jahr König Karls. Dem heiligen Märtyrer Nazarius, dessen Leib im Kloster Lorsch, dem der ehrwürdige Gundulandus als Abt vorsteht, ruht, schenke ich Rachild, was ich im Lahngau in Wilina, Brachina, Saltrissa, Barenbach, Albach, Vchilheim, Wilere, Torndorf und Holtzhausen besitze, und 44 Leibeigene. Bereitwilligst bestätige ich dies und will, dass diese Schenkung auf immer gültig sei. Die Unterschrift ist hinzugefügt. Vollzogen im Kloster Lorsch zu der oben angegebenen Zeit.
Die zweite urkundliche Erwähnung von Oberweyer datiert auf das Jahr 790. Damals schenkte Karl der Große einige Höfe in verschiedenen Siedlungen des Lahngaus, darunter auch in Vilare, dem Kloster Prüm in der Eifel. Der Ortsname in der heutigen Schreibweise ist mit Sicherheit erst ab 1633 belegt. Vorher war die Ortschaft neben „Wilere“ und „Vilare“ auch als „Wilre“ und „Oberenwilre“ erwähnt. mini|Laufbrunnen in der Ortsmitte
Niederlahngau Nach der Niederwerfung der einheimischen Bevölkerung etablierten die fränkischen Herrscher im Frühmittelalter durch die Einrichtung des Lahngaus das Grafschaftsprinzip. Der fränkische Herrscher setzte Gaugrafen als seine Stellvertreter vor Ort ein, die gleichzeitig auch als oberste Richter fungierten. Noch vor dem Jahr 900 wurde der Lahngau in den Oberlahngau und den Niederlahngau geteilt, wobei Oberweyer Teil des Niederlahngaus wurde. Wie alle anderen fränkischen Gaue wurde auch der Niederlahngau in Zentmarken unterteilt. Die Zugehörigkeit von Oberweyer zur Zentmark Reckenforst bei Dietkirchen, zur Hadamarer Mark oder zur Ellarer Mark ist derzeit noch ungeklärt.
Die Grafen des Niederlahngaus stammten aus dem Adelsgeschlecht der Konradiner. Nach dem Tod von Eberhard als letztem konradinischen Grafen im Jahr 966 ging der Niederlahngau auf die Grafschaft Diez über.
Zugehörigkeit zur Grafschaft Diez und zur Grafschaft Nassau-Dillenburg Nach dem Niedergang des Niederlahngaus im 10. Jahrhundert gehörte Oberweyer politisch zunächst zur Grafschaft Diez und dort zum Verwaltungs- und Gerichtsbezirk „Dehrner Cent“. Nach dem Tod des Gerhard VII. als letzter Graf von Diez im Jahr 1386 fiel sein verbliebenes Herrschaftsgebiet an das Haus Nassau-Dillenburg unter Graf Johann I. von Nassau-Dillenburg aus der ottonischen Linie. Nach dessen Tod seines Sohnes Graf Adolf von Nassau-Dillenburg im Jahr 1420 konnte das Haus Nassau-Dillenburg nur den Besitz der halben Grafschaft Diez, die zu dieser Zeit zu einem erheblichen Teil an zahlreiche Gläubiger verpfändet war, wahren. Erst durch den Frankfurter Vertrag vom 30. Juni 1557 fiel das 3. Viertel ebenfalls an das Haus Nassau-Dillenburg. Das letzte Viertel kam über mehrere Umwege im Jahr 1535 in den Besitz von Kurtrier. Erst mit dem Abschluss des Diezer Vertrages vom 27. Juli 1564 teilten Nassau-Dillenburg und Kurtrier die Grafschaft Diez endgültig untereinander auf. Für Oberweyer bedeutete dies, dass der Erzbischof und Kurfürst von Trier seine Mitherrschaft über den Ort an Graf Johann VI. von Nassau-Dillenburg abgab.
Für 1566 sind als Besitzer von Höfen in Oberweyer das Kloster Dierstein bei Diez, die Ritterfamilie Frei von Dehrn sowie die niederadligen Familie von Waldmannshausen, Mudersbach und Specht von Bubenheim verbürgt.
Dreißigjähriger Krieg In den Jahren 1623 und 1632 forderte die Pest in Oberweyer zahlreiche Opfer. Zudem wurde Oberweyer im Dreißigjährigen Krieg von Schweden geplündert.
Nassau-Hadamar Im Jahr 1620 wurde das Dorf nach dem Tod von Graf Wilhelm Ludwig von Nassau-Dillenburg der Grafschaft Nassau-Hadamar seines Onkels Johann Ludwig (Nassau-Hadamar) zugeordnet. Nachdem ein Jahrhundert später das Fürstengeschlecht Nassau-Hadamar durch den Tod von Fürst Franz Alexander von Nassau-Hadamar 1711 ausgestorben war, kam es zu mehreren Besitzwechseln, bevor Oberweyer 1743 an Nassau-Diez, kurz darauf an Oranien-Nassau fiel.
Neuere Geschichte mini|Gefallenentafeln am Friedhof
Zur Zeit Napoleons gehörte Oberweyer zum Großherzogtum Berg. 1813 richteten russische Truppen, die die Franzosen in Richtung Westen verfolgten, in Oberweyer große Verwüstungen an. Ab 1816 gehörte das Dorf zum neu entstandenen Herzogtum Nassau. Die Freiheitsbewegung des Jahres 1848 hatte zur Folge, dass die Oberweyerer Katholiken wieder viele Jahrzehnte zur Wallfahrtskapelle Maria Hilf Beselich pilgerten und dort eindrucksvoll ihren Glauben kundgaben.
Während des Zweiten Weltkrieges unterhielt die Wehrmacht am westlichen Dorfrand eine Funkstation. Diese Anlage war vermutlich das Ziel eines amerikanischen Bombenangriffs, bei dem am 11. März 1945 rund 200 Sprengbomben in unmittelbarer Nähe des Dorfes niedergingen. Keine der Bomben traf ihr Ziel. Lediglich an einigen Häusern und der Kirche gab es leichte Schäden. Zum Dank für die Verschonung wird in Oberweyer noch heute jährlich eine Wallfahrt zur Wallfahrtskapelle Maria Hilf Beselich organisiert. Im Ersten Weltkrieg fielen 18 und im Zweiten Weltkrieg 36 Männer aus dem Dorf. Ab den 1950er Jahren begann sich das Dorf insbesondere nach Süden auszudehnen. 1962 erfolgte eine Flurbereinigung, die zu einer Zusammenlegung zahlreicher durch die Erbteilung zersplitterter Landwirtschaftsflächen führte.
Zum 31. Dezember 1971 erfolgte der freiwillige Anschluss an die Stadt Hadamar, nachdem im Jahr 1970 auch eine Hinwendung zur neu gebildeten Gemeinde Beselich im Gespräch war.
Die ehemalig selbstständigen Gemeinden Hadamar, Niederweyer, Niederzeuzheim, Oberweyer, Oberzeuzheim und Steinbach bildeten die neue Stadtgemeinde Hadamar. Sitz der Gemeindeverwaltung wurde Hadamar. Für diese ehemaligen Gemeinden wurde je ein Ortsbezirk gebildet.
Im Jahr 1973 wurde das alte Schulhaus abgerissen. In den Jahren 1992 bis 1993 erfolgte der Neubau eines Feuerwehrhauses. Von 1994 an wurde in zwei Abschnitten bis etwa 2005 das Neubaugebiet „Hinter dem Acker“ besiedelt, was zu einer wesentlichen Ausdehnung der Ortsfläche in Richtung Nordwesten führte. 1997 errichtete der Sportverein ein Vereinsheim am Sportplatz. Im Jahr 2002 eröffnete der Verschönerungsverein das Dorfmuseum. Im selben Jahr begannen die Erschließungsarbeiten für ein Gewerbegebiet südwestlich des Orts, unmittelbar an der Auffahrt zur Bundesstraße 54. 2003 löste ein neu gebauter Kindergarten gegenüber der Pfarrkirche das bis dahin als Kindergarten genutzte Gebäude des ehemaligen Pfarrhauses ab.
Schule In der Reformationszeit muss die erste Schule im Ort gegründet worden sein, an der auch die Kinder aus den übrigen Dörfern des Kirchspiels unterrichtet wurden. 1827 entstand das erste für diesen Zweck errichtete Schulhaus, 1883 ein Neubau, der genau hundert Jahre später abgerissen wurde, in der Schulstraße auf dem Grundstück des heutigen Spielplatzes.
Wirtschaft Oberweyer ist ein traditionell von der Landwirtschaft geprägter Ort. Allerdings gab es in der Gemarkung auch kurzzeitig einen Abbau mineralischer Rohstoffe. Eine Tongrube wurde in den 1930er Jahren nordwestlich des Orts im Oberweyerer Wald betrieben, die heute mit Wasser gefüllt ist. Nördlich des Orts an der Südflanke der Erhebung „Kissel“ befand sich ein Steinbruch zur Deckung des örtlichen Baustoffbedarfs. Nach der Nutzung als Müllkippe und später als Standort des Schützenhauses des inzwischen aufgelösten örtlichen Schützenvereins befindet sich dort heute eine Grillhütte. Lehm für den örtlichen Bedarf wurde am heutigen Ostrand der Bebauung, an der Straße nach Obertiefenbach, gewonnen.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Oberweyer angehört(e):
vor 1711: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Hadamar, Amt Hadamar 1717–1743: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Dillenburg, Amt Hadamar 1743–1806: Heiliges Römisches Reich, Grafen von Nassau-Diez als Teil des Fürstentums Nassau-Oranien, Amt Hadamar 1806–1813: Fürstentum Großherzogtum Berg,Infolge des Friedens von Tilsit. Département Sieg, Arrondissement Dillenburg, Kanton Hadamar 1813–1815: Nassau-Oranien, Amt Hadamar ab 1816: Herzogtum Nassau,Infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses. Amt Hadamar ab 1849: Herzogtum Nassau, Kreisamt HadamarAbtrennung der Justiz (Justizamt Hadamar) bis 1854 ab 1854: Herzogtum Nassau, Amt Hadamar ab 1867: Norddeutscher BundDer Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs., Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, OberlahnkreisEndgültige Trennung zwischen Justiz (Amtsgericht Hadamar) und Verwaltung. ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Oberlahnkreis ab 1886: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Limburg ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Limburg ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Landkreis Limburg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Limburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Limburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Limburg ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Limburg ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Limburg, Stadt Hadamaram 31. Dezember 1971 wurde Oberweyer als Ortsbezirk der neu gebildeten Stadtgemeinde Hadamar eingegliedert.