mini|Gabriel Bach (2012) mini|Gabriel Bach (stehend) während des Eichmann-Prozesses (1961) Gabriel Bach (; geboren 13. März 1927 in Halberstadt; gestorben 18. Februar 2022 in Jerusalem) war ein deutsch-israelischer Jurist und stellvertretender Ankläger im Prozess gegen Adolf Eichmann.

Leben Als Sohn des Generaldirektors der Hirsch Kupfer- und Messingwerke Victor Bach und dessen Frau Erna wuchs er ab seinem zweiten Lebensmonat in Berlin-Wilmersdorf in der Konstanzer Straße auf und besuchte die Theodor-Herzl-Schule, die damals von Paula Fürst geleitet wurde.

Im Oktober 1938 emigrierte Bachs Familie aus dem nationalsozialistischen Deutschen Reich nach Amsterdam, wo er weiter die Schule besuchte. Er war der einzige Überlebende seiner jüdischen Mitschüler aus dieser Schulzeit. 1940, einen Monat vor der Invasion der Niederlande durch deutsche Truppen, buchte die Familie eine Passage auf der Patria nach Palästina und wohnte dort in Jerusalem.

Nach dem Krieg ging Bach nach London und studierte am University College Jura. Den Abschluss erlangte er im Jahre 1949 mit einer Auszeichnung. Seit 1953 arbeitete er für die israelische Staatsanwaltschaft. Im Jahre 1961 wurde er als stellvertretender Generalstaatsanwalt zum zweiten der drei Ankläger im Eichmann-Prozess, was sein Leben veränderte. Sein Ziel war es zu beweisen, dass Adolf Eichmann weder ein Befehlsempfänger noch ein Schreibtischtäter war, sondern als SS-Obersturmbannführer die Verfolgung, Deportation und Ermordung der Juden organisiert hatte.

Im Jahre 1969 wurde Bach Generalstaatsanwalt. Nach der Berufung an den Obersten Gerichtshof Israels als Richter im Jahre 1982 wirkte er dort bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1997.

2003 leitete Bach den Ausschuss zur Auswahl des Generalstaatsanwalts.Daniel Friedmann: The purse and the sword. The trials of Israel’s legal revolution. Aus dem Hebräischen übersetzt von Haim Watzman. Oxford University Press, Oxford und New York 2016, ISBN 978-0-19-027850-2, S. 246–247. 2005 leitete er den Ausschuss, der den Rechtsberater der Knesset auswählte.

Bach vertrat Israel bei vielen internationalen Konferenzen. Mit seiner Frau Ruth lebte er in Jerusalem. Er starb am 18. Februar 2022 im Alter von 94 Jahren.Staatsanwalt im Prozess gegen NS-Verbrecher: Eichmann-Ankläger Gabriel Bach stirbt im Alter von 94 Jahren. Der Spiegel, 20. Februar 2022, abgerufen am 9. September 2026.

Ehrungen und Auszeichnungen Buchnan-Preis (1949) Großes Bundesverdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (10. Oktober 1997) Freund der Stadt Jerusalem Ehrenmitglied der Londoner Universität Lemkin Award, Los Angeles (2011) Preis der Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz (2014)

Schriften Genocide trials in Israel, in: Jacob D. Fuchsberger (Hrsg.): Die Nürnberger Prozesse. Völkerstrafrecht seit 1945. Internationale Konferenz zum 60. Jahrestag – The Nuremberg Trials: International Criminal Law Since 1945. 60th Anniversary International Conference. K. G. Saur, München 2005 ISBN 3-598-11756-6, zweisprachig, Beitrag: S. 216–223, in Englisch, deutsches Resümee.

Film Wolfgang Schoen, Frank Gutermuth: Gabriel Bach. Der Ankläger und der Eichmann-Prozess., TV Schoenfilm D 2010

Literatur Peter Kasza: Geläutert gab er sich erst vor dem Galgen. In: Süddeutsche Zeitung. 27. Januar 2007. Bach, Gabriel, in: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. München: Saur, 1980, S. 30

Weblinks

Biographische Skizze von Gabriel Bach mit Fotos Bach Committee (Advisory Committee on Senior Civil Service Appointments) Interview mit Eichmann-Ankläger Gabriel Bach (wdr.de vom 28. September 2010) "Mit einem Fußtritt hat mich ein SS-Mann aus Deutschland befördert", Interview mit Gabriel Bach in der Wochenzeitung Jungle World, Beilage Dschungel, Teil 1: Nr. 14. vom 7. April 2011; Teil 2: Nr. 15.Das Gespräch hat hier eine sehr lange Fassung. Seine Hauptaussagen hat G. B. seit dem Frühjahr 2010 in zahlreichen Medien aller Art und auf mehreren Tagungen in der BRD gemacht. "50 Jahre Eichmann-Prozess - Ein Mensch mit mörderischen Trieben", Interview mit Gabriel Bach, in: Spiegel Online, 11. April 2011. Interview (2011): Mein Vater hatte den sechsten Sinn

Einzelnachweise

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