miniatur|Billy Bang (Vision Festival 2008)

Billy Bang, mit bürgerlichem Namen William Vincent Walker (* 20. September 1947 in Mobile, Alabama; † 11. April 2011contactmusic.com) war ein US-amerikanischer Jazz-Violinist und Komponist.

Leben

Obwohl in den Südstaaten geboren, verbrachte der Musiker den größten Teil seiner Kindheit und Jugend im New Yorker Stadtviertel Harlem, wohin seine Eltern gezogen waren, als Billy kaum zwei Jahre alt war. Während seiner Schulzeit erhielt er ersten Geigenunterricht, gab die Musik jedoch während seines Einsatzes im Vietnamkrieg völlig auf, wo er den Militärdienst während der Tet-Offensive leistete.Nachruf. In: Rochester City newspaper Erst Ende der 1960er Jahre erwachte Bangs musikalisches Interesse wieder, und er verschaffte sich Kenntnisse in der Jazzimprovisation, zunächst unter Anleitung des Bassisten Wilbur Ware, später bei dem Geiger Leroy Jenkins.

Bangs vitale, unkonventionelle Spielweise zog jedoch erst einige Jahre später größere Aufmerksamkeit auf sich, vor allem im Umfeld der so genannten Loft Scene um den Saxophonisten Sam Rivers. Den endgültigen Durchbruch brachte ihm eine Europa-Tournee im Jahre 1977. Auf den bedeutenden, dem zeitgenössischen Jazz zugetanen Festivals in Europa (zum Beispiel auf dem Jazz Festival Willisau oder dem Moers Festival) war Billy Bang in den folgenden Jahren ein häufiger Gast.

Ebenfalls 1977 gründete Bang mit dem Gitarristen James Emery und dem Kontrabassisten John Lindberg das String Trio of New York, dessen frühe Aufnahmen von den Rezensenten fast einhellig gefeiert wurden. In der Kritikerumfrage des renommierten Jazz-Magazins Down Beat wurde der Geiger zum New Star des Jahres 1981 gewählt.

Seit den 1980er Jahren veröffentlichte Bang in aller Regel mindestens ein Album pro Jahr unter eigenem Namen, daneben war er ein häufiger Feature-Gast auf Produktionen befreundeter Musiker, so etwa im Trio und Ensembles des Bassisten William Parker (Universal Tonality, 2002) und dem Drummer Hamid Drake (Scrap Book, 2003) oder als Duo-Partner von D. D. Jackson (Paired Down, 1997) und von Sun Ra auf einer viel beachteten Hommage an den Geiger Stuff Smith (1993). Seine Erfahrungen im Vietnamkrieg hat er auf bislang zwei Alben (Vietnam: The Aftermath von 2001 und Vietnam: Reflections von 2005, letzteres auch unter Beteiligung vietnamesischer Musiker) klanglich verarbeitet.

miniatur|250px|Von links: Billy Bang, Fred Anderson, William Parker und Kidd Jordan (Vision Festival 2008)

Diskografie 1981: Rainbow Gladiator (Soul Note) mit Charles Tyler 1981: Memory Serves (im Projekt Material, mit Bill Laswell und anderen) 1984: The Jazz Doctors: Intensive Care (Cadillac Records) mit Rafael Garrett, Frank Lowe 1988: Valve No. 10 (Soul Note) mit Frank Lowe 1992: A Tribute to Stuff Smith (CIMP, mit Sun Ra) 1997: Bang On! (Justin Time Records) mit D. D. Jackson 2001: Vietnam: The Aftermath (Justin Time) mit Sonny Fortune, John Hicks 2004: Vietnam – Reflections (Justin Time) mit Butch Morris, Henry Threadgill, Curtis Lundy 2011: FAB Trio (TUM) mit Barry Altschul, Joe Fonda 2013: Da Bang! (TUM, aufgenommen 2011) mit Dick Griffin, Andrew Bemkey, Hilliard Greene, Newman Taylor Baker 2014: Medicine Buddha (NoBusiness, aufgenommen 2009) mit William Parker. 2017: Outline No.12, mit Jason Hao Hwang, Joseph Hailes, Frank Lowe, Charles Tyler, Henri Warner, David Murray, Khan Jamal, Wilber Morris, Sunny Murray, John „Khuwana“ Fuller

Literatur Martin Kunzler: Jazz-Lexikon. Directmedia, Berlin 2005, ISBN 3-89853-018-3. Christian Broecking: Jeder Ton eine Rettungsstation. Verbrecher, Berlin 2007, ISBN 978-3-935843-85-0. Christian Broecking: Billy Bangs schwarze Veteranen-Band. In: Berliner Zeitung, 23. März 2007, Feuilleton, S. 27

Weblinks Billy Bang bio Justin Time Records

Interview mit Erich Christiansen Pulse Berlin

Einzelnachweise

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