Die Vivendi SA (von Dezember 2000 bis April 2006 Vivendi Universal) ist ein börsennotierter französischer Medienkonzern, der in den Branchen Musik, Fernsehen, Film, Verlagswesen, Telekommunikation und Internet international tätig ist. Die Wurzeln des Konzerns reichen in das 19. Jahrhundert zurück; ursprünglich war das Unternehmen als Compagnie Générale des Eaux (CGE) im Bereich von Infrastrukturdienstleistungen tätig, wandelte sich aber Ende des 20. Jahrhunderts in einen der dominierenden Mischkonzerne in Frankreich. Nach einer tiefgreifenden Krise Anfang der 2000er Jahre konzentrierte sich der Konzern auf seine Aktivitäten im Medienbereich.
Geschichte Ursprünge als Compagnie générale des Eaux mini|alt=Gründungszertifikat der Compagnie Générale des Eaux (CGE) über 5 Aktien zu je 125 Francs, datiert in Paris am 16. August 1853, eigenhändig unterschrieben von Barthélemy Prosper Enfantin als leitender Direktor. Die Gründung der CGE, der Keimzelle von Vivendi, geht auf die sozialistische Ideen des Saint-Simonisten Enfantin.|Gründungszertifikat der Compagnie Générale des Eaux (CGE) über 5 Aktien zu je 125 Francs, datiert in Paris am 16. August 1853, eigenhändig unterschrieben von Barthélemy Prosper Enfantin als leitender Direktor. Die Gründung der CGE, der Keimzelle von Vivendi, geht auf die sozialistischen Ideen des Saint-Simonisten Enfantin zurück. Am 14. Dezember 1853 wurde per Dekret in Paris die Wasserversorgungsgesellschaft Compagnie Générale des Eaux (CGE) gegründet, die 1854 eine Konzession auf hundert Jahre erhielt, die Stadt Lyon mit Trinkwasser zu versorgen. Die CGE erhielt 1861 eine weitere Konzession auf 50 Jahre für die Versorgung der Stadt Paris. Wasserversorgung blieb bis weit ins 20. Jahrhundert hinein das Kerngeschäft. Der Wechsel des CEO im Jahr 1976 zu Guy Dejouany markierte einen Wechsel in der strategischen Ausrichtung des Unternehmens. Die CGE begann kleinere Unternehmen zu übernehmen und wurde ab 1980 auch auf weiteren Sektoren tätig: Abwasser- und Abfallverwertung, Energieversorgung, Transportdienstleistungen, Bauwesen und Immobilienhandel.
1983 beteiligte sich die CGE an der Gründung von Canal+, dem ersten Pay-TV-Sender Frankreichs. Ab 1996 prägte Jean-Marie Messier als neuer CEO mit einer Beschleunigung des Expansionskurses die CGE; die Gründung der Cegetel bildete die Grundlage für den Einstieg ins Geschäft mit Telekommunikation und Massenmedien. Die Investmentbank Lazard stand hinter diesem Kurs.
Wachstum als Vivendi und Krise 1998 änderte das Unternehmen seinen Namen in Vivendi, womit der traditionsreiche Name Compagnie Générale des Eaux respektive das inzwischen wesentlich häufiger anzutreffende Kürzel CGE verschwanden. Vivendi beschäftigte allein in Frankreich 190.300 Mitarbeiter und erwirtschaftete im selben Jahr einen Umsatz von 167 Mrd. Franc. Der im selben Jahr in Frankreich liberalisierte Telekommunikationsmarkt verhalf Vivendi über die Tochter Cegetel zu beschleunigtem Wachstum und führte zu einer weiter verstärkten Ausrichtung in Richtung Medienkonzern. Einerseits wurden hierzu weitere Unternehmen anteilig oder vollständig hinzugekauft, andererseits wurden bestehende Engagements in eigenständige Gesellschaften ausgegliedert oder verkauft; 1999 trennte sich Vivendi vom Baugewerbe und der Immobilienverwaltung.
Anfang des Jahres 2000 hatte sich Vivendi um eine Lizenz für ein deutsches UMTS-Netz beworben, stieg jedoch kurz vor Beginn der Versteigerung wieder aus.
Im Juli 2000 folgte eine tiefgreifende Veränderung: Die Umwelttechniksparten (Wasser, Entsorgung, Energie, Transport), die jahrelang das Kernsegment des Unternehmens bildeten, wurden in das eigenständige Unternehmen Vivendi Environnement ausgelagert und ein Anteil von 30 % an die Börse gebracht (IPO in Paris im Juli 2000, zusätzliche Notierung in New York im Oktober 2001). Alle Mitarbeiteraktien wurden in die risikostrukturreiche Sparte Vivendi Universal übertragen. Während Vivendi keine sechs Monate später den Namen in Vivendi Universal änderte, erfolgte die Umbenennung von Vivendi Environnement in Veolia Environnement erst im Jahr 2003 (seit 2012 nur noch Veolia). Im Jahr 2006 stieg Vivendi ganz aus Veolia aus.
Umbau in einen Medienkonzern als Vivendi Universal Im Dezember 2000 fusionierte der verbliebene Teil des Vivendi-Konzerns – die Medien- und Telekommunikationssparten – mit der Canal+-Gruppe und dem kanadischen Seagram, Besitzer des ehemaligen MCA-Unternehmen, Universal Music und Universal Pictures. Aus der Fusion entstand Vivendi Universal (VU), der größte französische Medienkonzern, der mit Universal Music die weltweit größte Plattenfirma und über Universal Studios eines der sechs Major Studios in Hollywood kontrollierte. Durch die Fusion wurde gleichzeitig die Familie um Edgar Bronfman jun., die bereits Seagram kontrollierte, größter Einzelaktionär von Vivendi Universal.
Während das erste Geschäftsjahr des neuen Medienkonzerns praktisch unbeachtet verstrich, häuften sich bereits 2002 verschiedene finanzielle Probleme, die man nicht mehr zu verbergen vermochte. Das Unternehmen begann umzuschichten und diverse Beteiligungen zu verkaufen – der Anteil an Vivendi Environnement wurde auf 40 % gesenkt – während CEO Jean-Marie Messier bekräftigte, es handle sich nur um einige Schwierigkeiten. Noch im Juli 2002 musste Messier das Unternehmen verlassen und eine tiefgreifende Restrukturierung musste eingeleitet werden, um einen drohenden Bankrott abzuwenden. Neuer CEO wurde ab 2002 Jean-Bernard Lévy. Das Geschäftsjahr 2002 schloss mit einem Rekordverlust von über 23 Mrd. Euro. Als Anfang März 2003 der Jahresbericht für das Geschäftsjahr 2002 veröffentlicht wurde, wurde das wahre Ausmaß der „Schwierigkeiten“ publik: Das Unternehmen fuhr einen Verlust von 23,3 Milliarden Euro ein – der höchste Verlust, den ein französisches Unternehmen bis zu diesem Zeitpunkt zu verkraften hatte – und hatte Nettofinanzschulden von 12,3 Milliarden Euro. Um aus der finanziellen Misere herauszukommen, sah man vor, im Laufe des Jahres 2003 Unternehmensteile im Wert von 7 Milliarden Euro zu verkaufen.
Die Ankündigung des Verkaufs solch teurer Unternehmensteile machte deutlich, dass es sich dabei um einen der größeren ehemaligen Teile von Seagram handeln müsse. Da die Universal Music Group (UMG) bereits das größte Unternehmen ihrer Branche war und rentabel arbeitete, rückte Vivendi Universal Entertainment (VUE) in den Mittelpunkt des Interesses. Bereits im Mai 2003 teilten Vivendi Universal und die National Broadcasting Company (NBC) mit, dass man sich über die Übernahme von VUE und die Zukunft des kontrollierenden Universal Studios grundsätzlich einig geworden sei und das Geschäft von den diversen Kartell- und Wettbewerbsbehörden genehmigt werden müsse. Anfang Oktober 2003 unterzeichneten General Electric (GE), der Mutterkonzern von NBC, und Vivendi Universal das endgültige Übereinkommen über die Schaffung des Medienkonzerns NBC Universal (NBCU) durch die Kombination von NBC und Universal Studios. Vollzogen wurde die vertraglich vereinbarte Zusammenlegung im Mai 2004, nach der Zustimmung aller dafür zuständigen Behörden. NBC Universal nahm daraufhin seine Geschäfte auf.
Im April 2006 beschlossen die Aktionäre auf der Hauptversammlung, den Namen des Unternehmens wieder in Vivendi zu ändern. Im September 2006 wurde bekannt, dass Bertelsmann seinen Musikverlag BMG Music Publishing für 1,63 Milliarden Euro an Vivendi verkauft, dadurch wurde Vivendi zum größten Musikverlag der Welt.presse.at: „Musikverlag um 1,63 Mrd. € verkauft“ (6. September 2006) Im November 2007 gab Vivendi-Chef Jean-Bernard Lévy bekannt, dass das Unternehmen die US-Firma Activision zukauft. Diese Akquisition schuf einen Spielegiganten, der nach Angaben des Unternehmens 18,9 Milliarden Dollar wert war. Die Firma hieß anschließend Activision Blizzard, wobei Vivendi die Mehrheit übernahm. Sie zahlte unter anderem 1,7 Milliarden Dollar Abfindung an die Activision-Aktionäre. Dadurch erhielt Vivendi einen Aktienanteil von 62 %. Die Firma blieb jedoch weiterhin an der Börse notiert.
Im Dezember 2009 verkaufte Vivendi seinen Anteil an NBC Universal in Höhe von 20 Prozent an General Electric, die daraufhin ihre nunmehr 100 Prozent an Comcast abgaben.
Einstieg von Bolloré Im Sommer 2012 gab Jean-Bernard Lévy den Vorsitz des Unternehmens an Jean-François Dubos ab. Im selben Jahr brachte der französische Unternehmer Vincent Bolloré seine Fernsehaktivitäten (bestehend aus den französischen Sendern Direct 8 und Direct Star) bei Canal+ ein und wurde damit größter Einzelaktionär von Vivendi (mit zunächst rund 5 % der Anteile im Jahr 2013). Im Juni 2014 wurde Bolloré Aufsichtsratspräsident von Vivendi; und mit Arnaud de Puyfontaine ein Vertrauter von Bolloré neuer Vorstandsvorsitzender (CEO). Vincent Bolloré baute seinen Anteil bei Vivendi (über seine börsennotierte Holding Bolloré) bis 2017 auf 27 % (und knapp unter 30 % der Stimmrechte) aus und kontrolliert damit de facto Vivendi.
Bis Ende Dezember 2016 erhöhte Vivendi seinen Aktien- und Stimmrechteanteil am italienischen Medienkonzern Mediaset auf jeweils fast 30 %. Seit Oktober 2017 gehört die französische Werbeagentur Havas zu Vivendi, die Fusion entstand durch eine familiäre Absprache, der CEO von Havas, Yannick Bolloré, besprach die grundsätzliche Fusion mit seinem Vater und Aufsichtsratspräsidenten von Vivendi, Vincent Bolloré.
Ende März 2021 beschloss eine außerordentliche Hauptversammlung von Vivendi die Abspaltung (spin off) der Universal Music Group: bis Ende 2021 sollten 60 % der Aktien der UMG an die Aktionäre abgegeben werden und an der Börse in Amsterdam notiert werden; Vivendi wollte weiterhin einen Anteil von 20 % halten, die restlichen 20 % sollten bei dem chinesischen Partner Tencent verbleiben.Les Echos: Comment Universal Music est devenu le joyau de Vivendi, 8. April 2021, abgerufen am 23. Januar 2025 (französisch). Im Januar 2025 hatte Tencent keinen bekannten Anteil mehr, Vivendi lag bei 9,94 % und Vincent Bolloré hielt 17,85 %. 2023 übernahm Vivendi die Mehrheit an Lagardère.Vivendi ist Mehrheitseigner bei Medienkonzern Lagardère, auf www.horizont.net, abgerufen am 21. März 2026
Tochtergesellschaften Universal Music Group Zusammen mit der Universal Music Group, dem Tonträgerunternehmen mit dem weltweit größten Anteil am Musikmarkt, und Universal Pictures kontrolliert das Unternehmen Vivendi eines der sechs Major-Studios in Hollywood. Die „Universal Music Group“ (UMG) gilt als Major-Label. Sie entstand 1995 aus der Übernahme der Music Corporation of America (MCA) durch Seagram und dem Zukauf von Polygram 1998. Seitdem ist die UMG das Unternehmen mit dem weltweit größten Anteil am Musikgeschäft und wies 2005 einen weltweiten Marktanteil von 25,6 % aus. Im November 2011 kaufte Universal Music das Label EMI Music für 1,9 Milliarden Euro. Derzeit gehören zu Universal Music neben der EMI Group die Tonträgerunternehmen Capitol Records, Motown Record Company, Republic Records, Verve Music Group, Mercury Nashville, Interscope Records, Island Def Jam Records, Polydor, Urban, Koch International und Deutsche Grammophon.
Die deutsche Niederlassung in Berlin war 2003 Gründungsgesellschafter der Popakademie Baden-Württemberg GmbH. Ziel des Engagements ist die fundierte Ausbildung des zukünftigen Managementnachwuchses im Rahmen des Bachelor-Studiengangs Musikbusiness.
Canal+ Group Die Canal+ Group ist einer der größten europäischen Bezahlfernsehanbieter mit 230 Fernsehkanälen und Telediensten (2003). Mit rund fünf Millionen Abonnenten in Frankreich ist Canal+ Marktführer.
Zur Gruppe gehört auch das Unternehmen StudioCanal, mit den Schwerpunkten Filmdistribution, Filmproduktion und Filmrechtehandel. StudioCanal besitzt die weltweit drittgrößte Filmbibliothek. Anfang 2008 übernahm StudioCanal die deutsche Kinowelt-Gruppe.
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