The Swatch Group AGEintrag im Handelsregister des Kantons Neuenburg ist ein weltweit tätiges Unternehmen, das auf die Herstellung und den Verkauf von Uhren und Schmuck sowie von Uhrwerken und -komponenten spezialisiert ist. Darüber hinaus ist die Swatch Group auch in der Herstellung und im Verkauf von elektronischen Systemen und Komponenten sowohl für die Uhrenindustrie wie auch für weitere Branchen tätig. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Biel/Bienne, der rechtliche Sitz befindet sich in Neuenburg. Die Gruppe gehört zu den 500 grössten Familienunternehmen der Welt.
Geschichte Die Swatch Group entstand 1983 als SMH (Société de Microélectronique et d’Horlogerie SA / Schweizerische Gesellschaft für Mikroelektronik und Uhrenindustrie AG) aus der Fusion der Uhrenhersteller ASUAG (Allgemeine Schweizerische Uhrenindustrie, gegründet 1931) und der SSIH (Societé Suisse de l’Industrie Horlogère, gegründet 1930), nachdem eine schwere Krise in der Schweizer Uhrenindustrie, die in den 1970er Jahren durch die enorme Billig-Konkurrenz aus Asien hervorgerufen wurde, die beiden Unternehmen in die Insolvenz gezwungen hatte. Der Aufbau von SMH erfolgte durch Nicolas George Hayek sen. zusammen mit Stephan Schmidheiny als grösstem Geldgeber, welcher den Fähigkeiten und Absichten von Hayek vertraute. 1998 änderte der Konzern seinen Namen in Swatch Group (The Swatch Group AG).Swatch Group Geschichte auf swatchgroup.comDie Swatch-Saga: «Mit diesem Zeugs willst du die Schweizer Uhrenindustrie retten?» In: Neue Zürcher Zeitung vom 3. April 2023 mini|Hauptsitz der Swatch Group an der Seevorstadt in Biel Als Vater der Swatch Group sowie als Retter der Schweizer Uhrenindustrie aus ihrer Krise in den 1970er-Jahren gilt deshalb Nicolas Hayek sen., der bis zu seinem Tod am 28. Juni 2010 den Verwaltungsrat der Gruppe präsidierte. In der Nachfolge wurde seine Tochter Nayla Hayek zur Präsidentin des Verwaltungsrats gewählt. CEO ist Nicolas Hayeks Sohn Georges Nicolas Hayek jun. (bekannt als Nick Hayek).
Bedeutende Übernahmen Die Swatch Group übernahm das traditionsreiche Unternehmen Blancpain S. A. im Jahr 1992 für 60 Millionen CHF. Der Markenname Blancpain wurde bereits 1735 eingeführt, die wohl älteste Armbanduhrmarke der Welt.Geschichte von Blancpain Marc A. Hayek, Enkel des Gründers der Swatch-Gruppe, repositionierte die entsprechende Uhrenkollektion ab 2002 erfolgreich. 2010 wurde zusätzlich die Frédéric Piquet S.A. in Le Brassus, Vallée de Joux, übernommen, welche zuvor schon wichtiger Lieferant von Komponenten für Blancpain war. Ein weiteres Unternehmen mit langer Tradition seit 1775 war die in Paris gegründete Breguet SA (Tisch- und Taschenuhren, später Armbanduhren und Chronometer). Vorgängig zu Swatch war sie im Besitz der Finanzgesellschaft Investcorp. Breguet wurde 1999 von Swatch übernommen und zählt heute zu den Prestige-Armbanduhrmarken der Swatch-Gruppe. Im Jahr 2000 kaufte die Swatch-Gruppe die Glashütter Uhrenbetrieb GmbH in der Stadt Glashütte (Sachsen). Deren Anfänge gehen auf das Jahr 1845 zurück. Zur Zeit der DDR entstand aus den ansässigen Uhrenherstellern der VEB Glashütter Uhrenbetriebe. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde die Glashütter Uhrenbetrieb GmbH 1990 dessen Rechtsnachfolger. Danach setzte dieses Unternehmen neben Eigenfabrikaten bereits auch Uhrwerke von ETA, einer Tochtergesellschaft der Swatch Group ein, bevor das Unternehmen von Swatch übernommen wurde. Am 26. März 2013 kaufte die Swatch-Gruppe die HW Holding Inc., Besitzer der Harry Winston Inc. in New York, ein auf hochwertigen Schmuck und entsprechende Uhren spezialisiertes Unternehmen. Der Kaufpreis von 711 Millionen CHF beinhaltete einen Goodwill von 569 Millionen CHF. Geschäftsbericht 2016
Unternehmen Die Swatch Group ist eine Holding, die in 37 Tochtergesellschaften im Ausland in rund 50 Ländern über 36'000 Mitarbeiter beschäftigt. Der eingetragene Sitz befindet sich in Neuenburg, die Verwaltung in Biel. 2016 erwirtschaftete die Unternehmensgruppe einen Umsatz von CHF 7,553 Milliarden. Das Unternehmen ist wertmässig der weltweit grösste Hersteller von Fertiguhren.
Das Kerngeschäft der Swatch Group bildet das Segment Uhren und Schmuck, das rund 97 Prozent zum gesamten Konzernumsatz beisteuert. (Seit 2013 wird das frühere Segment Produktion darin integriert.) Elektronische Systeme tragen rund 3 Prozent zum Konzernumsatz bei.
Die Swatch Group ist sowohl im Uhrenbereich mit 18 Marken als auch im Schmuckbereich in allen Markt- und Preissegmenten vertreten. Zum Prestige-Marktsegment zählen die Uhrenmarken Breguet, Blancpain und Glashütte-Original. Im Luxus-Marktsegment befinden sich Jaquet Droz, Léon Hatot, Omega und Harry Winston. Im oberen Preissegment sind Longines, Rado und Union Glashütte zu finden. Im mittleren Marktsegment sind die Marken Tissot, Balmain, Hamilton, Certina und Mido angesiedelt. Im Basis-Marktsegment findet man die Marken Swatch und Flik Flak. Hinzu kommt das private Label Endura, das im Auftrag von Unternehmen oder anderen Marken in Lizenz Uhren produziert, so u. a. für Mango, Timberland oder Asics.
Die Swatch Group umfasst heute folgende 18 Uhrenmarken aufgeteilt nach Preissegment:Kapitel „Uhren und Schmuck“ auf der Webseite der Swatch Group
Prestige und Luxussegment Breguet (CH) Blancpain (CH) Glashütte Original (D) Jaquet Droz (CH) Léon Hatot (CH) Harry Winston (USA) Omega (CH)
Oberes Preissegment Longines (CH) Rado (CH) Union Glashütte (D)
Mittleres Preissegment Tissot (CH) Balmain (CH) Certina (CH) Mido (CH) Hamilton (CH)
Basissegment Swatch (CH) Flik Flak (CH) mini | rechts | alternativtext=Uhr | Swatch Swiss Autoquarz
Für den Vertrieb der Uhren im Prestige- und Luxussegment unterhält die Swatch Group unter dem Namen Tourbillon an exklusiven Standorten eigens dafür geschaffene Multimarken-Boutiquen, benannt nach der Uhrenkomplikation. Dabei wird für jede Marke eine gesonderte Präsentation nach dem Konzept Shop-in-shop vorgenommen.
Swiss Timing Unter dem Dachnamen Swiss Timing sind die beiden Firmen Omega und Longines seit 1972 an zahlreichen internationalen Sportveranstaltungen für die Zeitmessung verantwortlich. Seit 1932 pflegen die beiden Firmen ein enges Verhältnis zum Internationalem Olympischen Komitee IOC. Omega ist seit 2006 offizielle Partnerin des IOK für alle Olympia-Wettbewerbe und besitzt einen Exklusivvertrag für die Zeitmessung der Spiele bis ins Jahr 2032.Nils Widmer: Schweizer Zeitmesser bei Olympischen Spielen Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 16. Mai 2023Swiss Timing auf der Homepage der Swatch Group
Produktionsunternehmen und Zulieferbetriebe
Zur Swatch Group gehören Produktionsunternehmen, die Uhrwerke und Komponenten an die konzerneigenen, aber auch an konzernfremde Uhrenmarken liefern:
Comadur (Keramik, Saphirgläser, Hartwerkstoffe), (CH) Deutsche Zifferblatt Manufaktur GmbH (Zifferblätter), (DE) Dress Your Body (Schmuck-Produktion), (CH) ETA SA (Uhrwerke), (CH) Favre et Perret S.A. (Gehäuse), (CH) GHHH (Habillage), (CH) Lascor (Gehäuse, Armbänder), (CH) Lemania (Rohwerke) Meco (Kronen, Drücker), (CH) MOM Le Prélet Nivarox-FAR (Komponenten der Regulierungsorgane), (CH) Nouvelle Lémania SA (Uhrwerke), (CH) Frédéric Piguet SA (Uhrwerke), (CH) Rubattel & Weyermann SA (Zifferblätter), (CH) Georges Ruedin SA (Gehäuse), (CH) Simon et Membrez Unitas (Rohwerke) Universo (Zeiger), (CH) Valdar, (CH)
Hinzu kommen diverse weitere Zulieferbetriebe im Sektor Elektronik, unter anderem der Batteriehersteller Renata AG, EM Microelectronic Marin (Chip- und Sensorenhersteller) und Micro Crystal (Quarze).
Organisation und Geschäftsführung Die Swatch Group wird von einer achtköpfigen Konzernleitung geführt. Hinzu kommt eine elfköpfige erweiterte Konzernleitung. Präsident der Konzernleitung und damit CEO ist Georges Nicolas (Nick) Hayek jun. Der Verwaltungsrat setzt sich aus fünf Mitgliedern zusammen und wurde bis zu seinem Tod im Juni 2010 von Nicolas George Hayek (sen.) präsidiert, der auch das grösste Aktienpaket der Swatch Group hielt. Am 30. Juni 2010 wurde seine Tochter Nayla Hayek zur Präsidentin des Verwaltungsrats gewählt.Swatch Group: Nayla Hayek: Präsidentin des Verwaltungsrates Pressemitteilung vom 30. Juni 2010. Die Corporate Governance der Swatch Group ist von mehreren Organisationen kritisiert worden.Andreas Möckli: Das lange Sündenregister der Swatch Group. In: Tages-Anzeiger. 27. Mai 2015, abgerufen am 31. Mai 2015. So belegt die Swatch Group in der Rangliste von zRating den unrühmlichen 158. Rang von insgesamt 165 beurteilten Schweizer Unternehmen.Martin Gollmer: Forbo ist die am besten geführte kotierte Gesellschaft im Land. In: Finanz & Wirtschaft. 27. Mai 2015.
Die Swatch Group verfügt im Ausland über 37 Tochtergesellschaften auf vier Kontinenten. In Europa hat sie Tochtergesellschaften in Deutschland, Österreich, Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Griechenland, Grossbritannien, Irland, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Polen, Russland, Schweden, Spanien und der Türkei. In Amerika finden sich Tochtergesellschaften in den USA, in Kanada, in der Karibik, in Brasilien und Mexiko und in Asien in China, Hongkong, Macau, Indien, Indonesien, Japan, Malaysia, Singapur, Südkorea, Thailand, Taiwan und in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Hinzu kommen die Tochtergesellschaften in Australien und Südafrika.
Seit 2020 finden die Generalversammlungen rein virtuell statt (Stand 2026).
Aktie und Besitzverhältnisse Es bestehen Namenaktien zu nominal 0,45 CHF und Inhaberaktien zu nominal 2,25 CHF. Per Ende 2015 sind 124'045'000 Namenaktien und 30'840'000 Inhaberaktien ausstehend. Die Namensaktien sind im SMI MID enthalten.
Das Eigenkapital der Swatch Group beträgt per Ende 2016 11,073 Mia CHF, was 84,5 % der Bilanzsumme ausmacht.
Bedeutende Aktionäre sind:
Stimmrecht Aktionärsgruppe 40,1 % Hayek Pool sowie ihm nahestehende Gesellschaften, Institutionen und Personen
Die Swatch Group hat nicht nur zwei Aktienkategorien mit unterschiedlichem Nennwert/Stimmgewicht, sondern auch eine Opting-up-Klausel mit einem Grenzwert von 49 % in ihren Statuten. Dies bedeutet, dass der Hayek-Pool mit einem Stimmenanteil von 40,5 % sein Aktienpaket bis auf 49 % der Stimmen aufstocken oder zu einem Aufpreis verkaufen kann, ohne dass den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot gemacht werden muss.
Nicolas G. Hayek Watchmaking School Zur Swatch Group gehört auch die Uhrmacherschule Nicolas G. Hayek Watchmaking School. Diese widmet sich der Ausbildung professioneller Uhrmacher und zukünftiger Kundendienstleiter für die schweizerische Uhrenbranche durch das Angebot einer WOSTEP-Ausbildung (Watchmakers of Switzerland Training and Education Program). Die Schulen befinden sich in Miami (USA), Shanghai (China), Kuala Lumpur (Malaysia), Pforzheim (Deutschland) und Glashütte (Deutschland).
Projekte Seit einigen Jahren errichtet die Swatch Group neben der Uhrenproduktion an strategisch bedeutenden Standorten markante Bauwerke, die die Gruppe in der Welt repräsentieren. Ende November 2014 wurde der historische Peterhof an der Bahnhofstrasse in Zürich, bekannt als Griederhaus, gekauft.Griederhaus geht an Swatch Group., In: Neue Zürcher Zeitung. 27. November 2014, abgerufen am 31. Mai 2015.
Nicolas G. Hayek Center, Tokio Da der asiatische Markt für die Gruppe sehr wichtig ist und in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen dürfte, erbaute das Unternehmen das Nicolas G. Hayek Center in Tokio. Das 14-stöckige Gebäude im Einkaufsquartier Ginza verfügt über hängende Gärten, die alle vierzehn Stockwerke begrünen, hydraulische Lifte im Inneren sowie ein ökologisches Gesamtkonzept des Bauwerks. Im Gebäude befinden sich Boutiquen sowie das Hauptquartier der Swatch Group Japan.
Cité du Temps, Biel/Bienne