Die IndyCar Series ist eine von der IndyCar veranstaltete Automobilrennserie aus den Vereinigten Staaten. Die Serie stellt die nationale Meisterschaft dar. Sie wurde 1996 in Konkurrenz zu CARTs Indy Car World Series als Indy Racing League (IRL) gegründet. In ihren ersten Jahren fuhr sie nur Rennen auf Ovalkursen. Die Serie trägt seit 2003 ihren aktuellen Namen und fuhr 2005 erstmals auf natürlichen Rundstrecken. Bis 2007 teilte sie sich die Position als höchste US-Formelserie mit der CART-/Champ-Car-Meisterschaft. Diese ging zur Saison 2008 in die IndyCar Series auf. 2020 wurde die Serie an den ehemaligen CART-Mitgründer Roger Penske verkauft. Das bedeutendste Rennen der IndyCar Series ist das Indianapolis 500.

Meisterschaft mini|Rennszene auf dem Circuit of The Americas 2019 Die Meisterschaft wird seit 1996 ausgetragen. Es werden meist um 17 Rennen pro Saison gefahren, die fast alle in den Vereinigten Staaten stattfinden. Entsprechend der Rennergebnisse werden Punkte vergeben. Der Fahrer, der im Laufe der Saison die meisten Punkte sammelt, ist am Saisonende Titelträger. Punkte werden an alle Fahrer vergeben, die am Rennwochenende teilgenommen haben. Auch Fahrer, die im Rennen ausgeschieden sind, erhalten Punkte. Zusätzlich wird der bestplatzierte Neueinsteiger ausgezeichnet und in einer Herstellerwertung ein Titel verliehen. Die Meisterschaften der Vorgängerserien seit 1909 werden z. B. in Statistiken als Teil einer gemeinsamen Vergangenheit betrachtet. Der Name IndyCar leitet sich vom Indianapolis 500, oder kurz Indy 500, ab. Ein Sieg dort findet ähnlich viel Beachtung wie ein Meisterschaftsgewinn.

Die Rennen finden auf verschiedenen Typen von Rennstrecken statt. Zum einen gibt es Stadtkurse und permanente Rundstrecken und zum anderen Ovalkurse, die sich in Superspeedways und Short Tracks unterteilen lassen. Die Teams stellen ihre Fahrzeuge nicht selber her, sondern kaufen sie von den entsprechenden Herstellern. Stand 2022 gibt es einen Chassishersteller (Dallara) und zwei Motorenhersteller (Chevrolet und Honda). Auch bei den Reifen gibt es mit Firestone einen Einheitsausrüster. Die Teams dürfen ein bis sechs Fahrzeuge pro Rennen einsetzen. Das Gros der Fahrer nimmt für ihre Teams an allen Rennen teil. Regelmäßig gibt es Starter, die bloß in einzelnen Rennen, insbesondere beim Indianapolis 500, antreten. Sie erhalten ebenfalls Punkte für die Meisterschaft. Wie im US-Motorsport üblich sind es die Teams, die feste Startnummern haben. Die Fahrzeuge eines Teams sind in der Regel unterschiedlich lackiert. Außerdem kommt es vor, dass die Lackierung zu einzelnen Rennen wechselt.

Geschichte Vorgeschichte Die Serie hat ihren Ursprung in den Rennen der American Automobile Association (AAA), die sie ab 1904 veranstaltete. 1955 entschied sich die AAA alle Motorsportaktivitäten einzustellen, inklusive der 1909 erstmals ausgetragenen nationalen Meisterschaft. Um diese fortzusetzen, gründete Tony Hulman, der Präsident des Indianapolis Motor Speedway, den United States Auto Club (USAC). 1979 kam es zum ersten Open Wheel Split. Mehrere Teamchefs waren mit der Vermarktung der Serie unzufrieden und gründeten ihre eigene Serie, nachdem ihre Bedenken vom USAC zurückgewiesen wurden. Diese Serie, die CART Indy Car World Series, entwickelte sich schnell zur prestigeträchtigeren. Der USAC hörte daraufhin auf, Rennen zu veranstalten. Die einzige Ausnahme war das Indianapolis 500, das weiterhin unter der Kontrolle des USAC blieb. Mit der Einigung, dass das Indy 500 ab 1983 ein Wertungslauf der CART-Meisterschaft werde, kehrte wieder Stabilität in die Meisterschaft ein.

Abspaltung Im November 1991 schlug Tony George, Präsident des Indianapolis Motor Speedway (IMS) und Veranstalter des Indy 500, für die PPG Indy Car World Series eine neue Struktur mit der Gründung eines neuen Dachunternehmens, der Indy Car Inc., vor. Die CART lehnte dies ab. Im Februar 1992 lizenzierte die CART den Namen „IndyCar“ vom IMS, während George die Indy Car Inc. gründete. Diese beiden Vorgänge sollten in Zukunft noch erhebliche Probleme bereiten. In den folgenden Jahren wuchs der Unmut beim Indianapolis Motor Speedway. Das Unternehmen beklagte die zurückgehende Bedeutung der 500 Meilen von Indianapolis in der IndyCar (CART)-Serie. Im März 1994 kündigte George an, eine Konkurrenzserie zur PPG IndyCar World Series zu gründen: die Indy Racing League. Die CART protestierte erfolglos gegen das Vorhaben. Im September 1995 formierte sich die Konkurrenzserie, während die meisten IndyCar (CART)-Teams die Teilnahme an der Indy Racing League ablehnten. Im Januar 1996 veranstaltete die IRL unter Kontrolle des USAC ihr erstes Rennen in Orlando. Das wichtigste Rennen der Saison, das Indianapolis 500, fand seit diesem Jahr nicht mehr in der PPG IndyCar World Series, sondern in der IRL statt. Die entstandene Formelrennserie richtete bis 2004 ausschließlich auf Ovalstrecken Rennen aus.

Konkurrenzsituation mini|Einführungsrunden vor dem Indianapolis 500 1997 Unmittelbar nach der Gründung der neuen Serie bestand die IRL vor allem aus Teams, die bei der IndyCar World Series nur mäßig erfolgreich waren. Im Fahrerfeld fehlten die bisher traditionell vertretenen ehemaligen Formel-1-Fahrer aus allen Teilen Amerikas. Entsprechend wurde die Serie öffentlich kaum beachtet, einzig das Indianapolis 500 hatte hohe Zuschauerzahlen.

Die großen Teams blieben zunächst in der nach einer Markenrechtsklage jetzt CART World Series genannten, alten Serie. Hierbei entstand ein Problem für beide Seiten: Den CART-Teams fehlte das Top-Rennen in Indianapolis, welches die Einschaltquoten der anderen Rennen um ein Vielfaches übersteigt; die IRL-Teams fuhren den Rest der Saison praktisch ohne Zuschauer. Daher versuchten einige CART-Teams zunächst sich dennoch für das Indianapolis 500 zu melden, was jedoch meist nur von mäßigem Erfolg geprägt war, da die Erfahrung mit den Autos fehlte und die doppelte Entwicklungsarbeit sich als zu teuer erwies. Eine Ausnahme stellte das Team von Chip Ganassi dar, welcher mit seinem Fahrer Juan Pablo Montoya das Indianapolis 500 im Jahr 2000 gewann.

Der große Umbruch begann mit der Saison 2002: Penske Racing, eines der erfolgreichsten Teams der Szene, wechselte in die IRL. Mit der Saison 2003, seit der die IRL den Namen IndyCar Series nutzen darf, wechselten dann gleich mehrere Top-Teams, unter anderem Chip Ganassi Racing und Andretti Green Racing, in die Serie von Tony George. Hierdurch verlor die CART einen Großteil ihrer Substanz; in der IndyCar Series wurden damit jedoch vornehmlich auch nur die Verluste kaschiert: Abgesehen von drei Fahrern der beiden bisherigen Top-Teams Panther Racing und Kelley Racing lagen am Ende der Saison auf den ersten 13 Meisterschaftsplätzen nur Fahrer ehemaliger CART-Teams. Dennoch konnte die IRL kaum die traditionellen 33 Autos für das Indianapolis 500 aufbringen. Ab der Saison 2005 startete die IndyCar Series erstmals auch auf Stadt- und Rundkursen.

In den Folgejahren trat die IndyCar Series bezüglich ihrer Popularität auf der Stelle, wohingegen es mit CART weiter abwärtsging: Mit Mühe und Not konnte man die in den Verträgen mit den Streckeneignern festgeschriebenen 18 Autos an den Start bringen. Den Tiefpunkt markierte die Saison 2007, in der es bei fast jedem Rennen wechselnde Fahrerbesetzungen gab.

In der Zwischenzeit war dafür die NASCAR zu einem übermächtigen Konkurrenten herangewachsen: Deren Stockcar-Rennen waren durchweg ausverkauft und hatten sogar dem Indianapolis 500 den Rang bei den Einschaltquoten abgelaufen.

Fusion mini|Dan Wheldons Dallara IR-05 in Indianapolis, 2008 Im Februar 2008 war die von Open Wheel Racing Series (OWRS), der Nachfolgeorganisation von CART, ausgetragene Champ-Car-Serie finanziell endgültig am Ende. In einem als Merger (Fusion) bezeichneten Akt wurden die Reste durch die IRL übernommen und ein Teil der Teams wechselte in die IndyCar Series. Diese erhielten von Tony George Dallara-Fahrzeuge gratis. Die Champ-Car-Teams trugen lediglich noch ein Abschlussrennen in Long Beach mit den Champ-Car-Fahrzeugen aus, welches jedoch voll mit IRL-Punkten gewertet wurde (ebenso wie das zeitgleich stattfindende IRL-Rennen in Motegi, Japan, in dem die „alten“ IRL-Teams antraten).

Die neu entstandene Serie war von einer gewissen Aufbruchstimmung gekennzeichnet: 25 Fahrzeuge waren über die Saison 2008 durchgehend am Start, bei den live in einem der großen US-Sender gezeigten Rennen in Texas und Chicago je 28 – die besten Werte seit langem. Einzig beim Indianapolis 500 mit „nur“ 37 Qualifikanten (von denen 33 starten) hielt sich die Verbesserung in Grenzen. Die ehemaligen Champ-Car-Teams waren auf den Ovalen zunächst hoffnungslos unterlegen, was sich jedoch im Verlauf der Saison besserte. Im Endeffekt entstand eine Saison, in der insgesamt zehn Fahrer die 18 Rennen gewannen, davon sechs zum ersten Mal in dieser Serie.

Geeinte Serie mini|E. J. Viso im Dallara DW 12, 2012 Unter dem neuen IRL-CEO Randy Bernard wurden ab 2010 letzte Überbleibsel aus der geteilten Zeit entfernt. Der Veranstalter IRL wurde in IndyCar umbenannt und es wurde ein Statistikbuch herausgegeben, das die Rennen von AAA, USAC, CART und OWRS mit einschließt. Seit 2010 gibt es eine Wertung für den besten Rund-/Straßenkursfahrer und den besten Ovalfahrer. Sie wird jedoch seit 2013 kaum beworben und findet daher wenig Beachtung. Zur Saison 2012 wurde ein neues Chassis eingeführt, welches das noch vor der Fusion benutzte Dallara IR-05 ablöste. Dem ging das ICONIC-Projekt voraus, mit dem IndyCar einen Einheitsausrüster für seine Serie suchte. Vorschläge gab es von Lola, Swift Engineering, BAT, DeltaWing und Panoz. Hinzu kamen zu Honda mit Chevrolet und Lotus auch zwei neue Motorenhersteller. Da sich die Lotus-Motoren nicht als konkurrenzfähig herausstellten, wechselten zwei der drei Lotus-Teams während der Saison den Hersteller. Lotus zog sich nach einer Saison zurück. Die Ovalrennen in Indianapolis, Long Pond und Fontana wurden 2013 zur Triple Crown zusammengefasst. Für einen Fahrer, der alle drei Rennen gewänne, wurde ein Preisgeld in Höhe von 1 Million US-Dollar ausgeschrieben. 2014 vergab IndyCar für die drei Rennen doppelte Punkte. Die Triple Crown wurde 2015 eingestellt und die doppelten Punkte nur noch für das Indy 500 und Saisonfinale vergeben. Von 2015 bis 2017 fuhren die Teams mit Aero-Kits ihres Motorenherstellers. Die Wagen unterschieden sich z. B. bei den Motorabdeckungen und Frontflügeln. Seit 2018 benutzen die Teams wieder ein einheitliches Aero-Kit. 2020 verkaufte Inhaber Hulman & Company die Serie an die Penske Entertainment Corp, eine Tochtergesellschaft der Penske Corporation.

Technik Fahrzeug mini|Ein Dallara DW12 von Colton Herta, 2019 mini|Das gleiche Fahrzeug in Superspeedwaykonfiguration Im Gegensatz zur Formel 1 stellen die Teams die Hauptkomponenten Chassis und Motor nicht selbst her, sondern kaufen diese fertig ein. Mit dem Dallara DW12 steht seit der Saison 2012 ein Einheitschassis zur Verfügung, die Fahrzeuge der Hersteller Honda und Chevrolet unterscheiden sich somit nur im Motor. Es gibt jedoch auch Bereiche, in denen die Teams eigene Komponenten entwickeln dürfen. Dazu zählen z. B. nicht für den Motor gedachte Öle und Fette oder die Stoßdämpfer. Punkt 14.2.1.1.