mini|hochkant=1.5|Satrapien um 500 v. Chr. nach der Karte von William Robert Shepherd von 1911 mini|Steuerabgaben der Satrapien gemäß Herodot mini|hochkant=1.5|Völker am Grab von Dareios I., auf die der König in der Inschrift DNa hinweist

Satrap ( gelesen wie chschazapawan, „Schützer der Herrschaft“; ) war im antiken Perserreich der Titel des Statthalters eines Verwaltungsgebiets. Satrapen hatten eine politisch-administrative und militärische Leitungsfunktion, entsprechend einem heutigen Gouverneur. Das Amt wie auch das Herrschaftsgebiet eines Satrapen wird als Satrapie bezeichnet.

Begriff Der Begriff des Satrapen (altpersisch xšaça-pā-vān-) wird auf der Inschrift von Dareios I. in Bisotun zweimal überliefert. Darin werden der Satrap von BaktrienDB § 38. und der Satrap von ArachosienDB § 45. von Dareios I. im Kampf gegen die Rebellen aufgeboten. Die Bedeutung einer Satrapie ist in den Primärquellen der Achämeniden nicht nachgewiesen. Das altpersische Wort für Satrap setzt sich zusammen aus dem Substantiv xšaça-, dem Verb pā- und dem Suffix vān-. Es wird mit „Schützer des Reichs“ oder „Schützer der Herrschaft“ übersetzt.Bruno Jacobs: Satrapal Administration. In: Bruno Jacobs, Robert Rollinger (Hrsg.): A Companion to the Achaimenid Persian Empire. Wiley-Blackwell, Hoboken 2021, 2. Band S. 835.

Der griechische Begriff satrápes ist von Herodot in den Historien überliefert.Herodot, Historiai 3.89 (perseus.tufts.edu). Dort kann es sowohl das Amt des Satrapen als auch das Herrschaftsgebiet bezeichnen.Dominik Berrens: Herodot Historien. Buch III. Studienkommentar. Göttingen 2022, S. 117.

Von Alexander dem Großen und im Seleukidenreich wurde dieser Begriff und die Funktion auf die reine zivile Verwaltungstätigkeit reduziert, also ohne die militärischen Aufgaben, die stattdessen einem Strategen (strategos) übertragen wurden. Satrapen sind auch bei den Parthern bezeugt, die damit anscheinend Verwaltungsstrukturen der Seleukiden fortsetzten, sowie unter den Sassaniden. Weiter östlich sind sie auch bei den zwischen ca. 35 und 415 im Westen Indiens herrschenden Indo-Skythen belegt, die hier anscheinend auf griechische Verwaltungsstrukturen (zumindest in der Wortwahl) zurückgriffen.

Auch in deutschen Grabinschriften der Frühen Neuzeit wurde der Begriff Satrap in Bezug auf die Verwaltungstätigkeit von Juristen benutzt, zum Beispiel in Trier in einer Grabinschrift für den Juristen Jakob Meelbaum de Castelberg (1598–1671), dessen Sohn „Satrap von St. Maximin“ war.

Satrapienliste nach Herodot Nach der Erzählung von Herodot hat Dareios I. das Reich in 20 Satrapien unterteilt und unterstellte diese Gebiete Statthaltern. Ebenfalls legte er jährlichen Steuern für jede Satrapie fest.Herodot, Historien 3.89. The Satrapies (Herodotus)

Der historische Wert dieser Überlieferung wird heute als gering eingeschätzt, da die Quellen, auf die Herodot zurückgreift, nicht angegeben sind. Man vermutet, dass ein Eindringen aus einer anderen literarischen Gattung stattgefunden und Herodot auf epische Erzählungen zurückgegriffen hat.Bruno Jacobs: Satrapal Administration. In: Bruno Jacobs, Robert Rollinger (Hrsg.): A Companion to the Achaimenid Persian Empire. Wiley-Blackwell, Hoboken 2021, 2. Band S. 837.

+ Satrapienliste nach HerodotHerodot, Historiai 3.89–94 (perseus.tufts.edu); Struktur von Pierre Lecoq: Les inscriptions de la Perse achéménide traduit du vieux-perse, de l’élamite, du babylonien et de l’araméen. Paris 1997, S. 130–131 (elamit.net); deutsche Übersetzung Walter Marg: Herodot. Geschichte und Geschichten. Buch 1–4. Zürich 1973, S. 275–278. Die kursiven Namen finden sich auch in den achämenidischen Völkerlisten. Satrapie12345671.JonierMagneterAiolerKarerLykierMilyerPamphyler2.MyserLyderLasonierKabaleerHytenneer3.PhrygerThrakerPaphlagonerMariandynerSyrier4.Kiliker5.PhönizienSyrienZypern6.ÄgyptenLibyer7.SattagyderGandarierDadikerAparyter8.SusaKissier9.BabylonAssyrien10.MedienParianierOrthokorybantier11.KaspierPausikerPantimatherDareiter12.Baktrianerbis zu den Aiglern13.PaktyrerArmenier14.SagartierSarangerThamanaierUtierMykerdie auf den Inseln wohnen im Roten Meer15.SakerKaspier16.PartherChorasmierSogderAreier17.ParikanierAsiatische Aithioper18.MatienerSaspeirerAlarodier19.MoscherTibarenerMakronerMossynoikerMarer20.Inder

Völkerlisten und Darstellungen Die Achämeniden haben mehrere Listen von Völkern und Territorien auf Reliefs und Inschriften hinterlassen. In der älteren Forschung wurde versucht, die Listen und ihre Darstellungen auf politische Gegebenheiten oder mit den Listen von antiken Schriftstellern wie Herodot oder Thukydides abzugleichen und scheiterte an den Unregelmäßigkeiten in der Anzahl, der bildlichen Darstellungen und Namen. Es wurde versucht, die Datierung der Inschriften über die Inhalte der Listen festzulegen und scheiterte an der fehlenden historischen Genauigkeit. Die Listen bieten keinen Überblick über persische Satrapien, die nach dieser Meinung mit Verwaltungseinheiten etwas anderes bezeichnen als der als übergeordnet eingestufte altpersische Begriff aus den Inschriften, dahyava. Dieser bezeichnet sowohl Völker als auch Territorien. Ob damit auch Verwaltungseinheiten verstanden werden können, ist umstritten. Schlussendlich nannte George Cameron die Völkerlisten „die ethnischen Gruppen, die es wert sind, erwähnt zu werden“.George Cameron: Darius the Great and his Skythian (Saka) expedition. Bisitun and Herodotus, Monumentum (= Acta Iranica. Band 4). Leiden 1975, S. 77–88, hier S. 87. Nach Pierre Lecoq sind sie „die Summe der Völker, die erobert wurden“.Pierre Lecoq: Les inscriptions de la Perse achéménide traduit du vieux-perse, de l’élamite, du babylonien et de l’araméen. Paris 1997, S. 130–153, hier S. 138 (elamit.net). Insgesamt wird vor einer historischen Kategorisierung gewarnt, denn mit der möglichen Ausnahme der Inschrift DB hinterlassen die Völkerlisten und -darstellungen keine Hinweise auf achämenidische Absichten, historische Dokumente zu erstellen. Vielmehr soll die Erinnerung an die Macht der Könige wach gehalten werden.Pierre Briant: Histoire de l’empire perse. De Cyrus à Alexandre. Paris 1996, S. 184–196, 934–936.

Die Listen der ethnischen Gruppen oder Angaben von Topologien sind nicht auf allen Inschriften gleich und manchmal werden verschiedene Begriffe für das gleiche Volk benutzt. Die älteste Inschrift in Behistun, DB, zählt 23 Völker auf, die Inschrift DPe in Persepolis 2425 Völker, wenn Position 11 und 12 auseinandergenommen sind, wie es Rüdiger Schmitt in der Übersetzung anklingen lässt. Siehe dazu die Fußnote von Pierre Briant: Histoire de l’empire perse. De Cyrus à Alexandre. Paris 1996, S. 185. und die Inschrift DNa in Naqsch-e Rostam 29 Völker. Die längste Liste stammt von der Inschrift XPh von Xerxes I. in Persepolis. Die ikonographischen Darstellungen sind ebenfalls zahlenmäßig nicht einheitlich. 24 Völker sind auf der ägyptischen Statue von Dareios I. zu sehen. Es gibt 30 Thronträger in Naqsch-e-Rostam und 23 Gabenträger in Persepolis.Pierre Briant: Histoire de l’empire perse. De Cyrus à Alexandre. Paris 1996, S. 185–189.

Es ist nicht leicht, die Unterschiede zu erklären. Man hat versucht, die kurzen und ältesten Listen mit dem damaligen Zustand des Reiches zu erklären. Man ist also nicht überrascht, dass Indien auf der Inschrift DB fehlt, da es erst einige Jahre später nach dem Entstehen der Inschrift erobert wurde. Eine systematische Abgleichung der Listen mit der jeweiligen Ausdehnung des Reichs hat aber zu keinem Ergebnis geführt. Man kann auch nicht erklären, warum die Perser auf vier von fünf Listen fehlen. Auf der babylonischen Gründungsurkunde DSaa von Susa fehlen Indien und Nubien, obwohl andere Inschriften belegen, dass das in der gleichen Inschrift aufgeführte Elfenbein aus diesen Ländern stammt. Auf der gleichen Inschrift fehlen die Thraker, Libyer, die Karer und die europäischen Skythen. Die Variationen drücken sich im Westen, der ägäischen Küste, im Norden und in Zentralasien aus. Es ist deshalb nicht möglich, dass die Listen als realistisches Bild des achämenidischen Reichs aufgefasst werden können.Pierre Briant: Histoire de l’empire perse. De Cyrus à Alexandre. Paris 1996, S. 188.

Ähnliche Probleme ergeben sich von den Darstellungen der Völker auf den Reliefs. Aufgrund der Anzahl der Gabenträger pro Gruppe in Persepolis kann nicht auf die Wichtigkeit des jeweiligen Volkes geschlossen werden. Sie hängt vielmehr von der Größe der Tiere ab, die mitgeführt werden. Die größten Gruppen führen keine Tiere mit. Zum Beispiel sind die Meder zweimal dargestellt, einmal als Gruppe mit neun Personen ohne mitgeführtes Tier auf der Westtreppe des Apadana und ein anderes Mal auf der Nordtreppe als Gruppe mit sechs Personen, die ein Pferd mitführt.Pierre Briant: Histoire de l’empire perse. De Cyrus à Alexandre. Paris 1996, S. 189.

Die Angaben in der folgenden Tabelle der Völkerlisten wurden von den altpersischen Inschriften entnommen und bedienen sich der Übersetzung von Rüdiger Schmitt.Rüdiger Schmitt: Die altpersischen Inschriften der Achaimeniden. Editio minor mit deutscher Übersetzung. Reichert, Wiesbaden 2009 (). Die babylonische Sprachversion der Inschrift DSaa wurde von François Vallat übernommen.François Vallat: Table accadienne de Darius Ier (DSaa). In: Leon de Meyer, Hermann Gasche, François Vallat: Fragmenta historiae Elamicae : mélanges offerts à Marie-Joseph Steve. Paris 1986, S. 277–287. Die Positionen entsprechen der Reihenfolge der Aufzählung, die einer geographischen Ordnung entsprechen. Die Positionen der einzelnen Namen in der Inschrift XPh machen sichtbar, dass bei ihr die geographische Ordnung verloren gegangen ist.Heleen Sancisi-Weerdenburg: The Problem of the Yauna. In: Achaemenid Anatolia. Leiden 2001, S. 8.